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Wirtschaftssturkturen in China

Beschäftigung

Die rasche Wirtschaftsentwicklung in China ist mit einem deutlichen Strukturwandel einhergegangen. Waren zu Beginn der Reform 1978 noch circa 80 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig, so sind es heute nur noch knapp 5o Prozent. Der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor ist von etwa zehn Prozent auf knapp 30 Prozent gestiegen. Der Anteil der Industriebeschäftigung stieg von knapp zehn auf etwa 20 Prozent. Allerdings trägt die Industrie seit 2000 mehr als 50 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt(BIP) bei (2004: 53Prozent). Die Bedeutung der Landwirtschaft für die gesamtwirtschaftliche Produktion ist zurückgegangen, ihr BIP-Antiel betrug 2004 15 Prozent, die des Dienstleistungssektors ist während der 1980er Jahre deutlich gestiegen, liegt seither aber weitgehend unverändert bei 30 bis 33 Prozent, 2004: 32 Prozent. Die Struktur wird sich langfristig voraussichtlich verändern, da der WTO –Beitritt vor allem zu einer weiteren Öffnung des Dienstleistungssektors für ausländische Unternehmen führt und so die Bedeutung dieses Sektors für das BIP wachsen dürfte. Auch verfolgt die chinesische Wirtschaftspolitik das Ziel, den Dienstleistungssektor weiter zu entwickeln und damit Arbeitsplätze zu schaffen.

Branchen

Die Liberalisierung der Preise und die Zulassung von Privatwirtschaft führten zu einer raschen Entwicklung der Konsumgüterindustrie, insbesondere im Bereich der arbeitsintensiven Produktionsverfahren. Die Industriepolitik der chinesischen Regierung seit Mitte der 1990er Jahre zielte zudem einen darauf, die Wirtschaftsentwicklung durch Förderung des Energie-, Transport- und Telekommunikationssektors (so genannte Basisindustrien) zu unterstützen. Durch die gezielte Förderung ausgewählter „Säulenbranchen“ (Maschinenbau, Automobilherstellung, elektronische Industrie, Petrochemie) sollte auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit in weniger arbeitsintensiven Branchen vorbereitet werden. In jüngerer Zeit setzt die Regierung ferner gezielt auf die Entwicklung von Wissensbasierten Branchen wie Medien, Informationstechnologie und Biotechnologie.

Der Erfolg zeigt sich in einem höheren Anteil von technologisch höherwertigen Produkten an den Exporten. Allerdings wird von chinesischen Politikern und Ökonomen beklagt, dass China in vielen Branchen noch nicht über die Kerntechnologie verfüge und hier weiterhin von Importen aus dem Ausland abhängig sei. Daher versucht die chinesische Regierung unter anderem, ausländische Unternehmen zum Aufbau von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in China zu bewegen.

Die Entwicklung der Branchen verlief in der Vergangenheit nach einem bestimmten Muster: Die Öffnung einer Branche für private und ausländische Unternehmen führte zunächst zu einer raschen Expansion, die in relativ kurzer Zeit den Nachfrageüberhang in einen Angebotsüberhang verwandelte. Aufgrund der geschaffenen Überkapazitäten setzte dann ein ruinöser Wettbewerb ein, der anschließend zu einer Neustrukturierung der Branche führte, häufig auch unter Verdrängung eines Teils der ausländischen Investoren. Dieses Entwicklungsmuster konnte in den 1980er Jahren bei einfacheren Konsumgütern, zum Beispiel Waschmitteln, beobachtet werden, in den 1990er Jahren etwa bei Fernsehgeräteherstellen und in jüngerer Zeit in der Automobilbranche. Verzerrend wirken in diesem Prozess oftmals die Staatsunternehmen, die zu anderen Konditionen am Wettbewerb teilnehmen können bzw. Konnten, da sie (lokal-)politische Unterstützung haben.

Regionale Unterschiede

Die Regionen Chinas waren in der Vergangenheit in unterschiedlicher Weise an der Wirtschaftsentwicklung beteiligt, so dass die Reformzeit zu einer Vergrößerung des regionalen Entwicklungsgefälles geführt hat. Zu den am weitesten entwickelten Regionen zählen neben den „Stadtstaaten“ Beijing, Shanghai und Tianjin die küstennahen Ostprovinzen wie Guangdong, Zhejiang und Fujian. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in den Stadtstaaten Provinzen der Ostregion, fast viermal so hoch wie in den Provinzen der Zentralregion und fünfmal so hoch wie in den Provinzen der Westregion. Die schnellere Entwicklung der Küstenregion war Teil der Wirtschaftspolitik der neunziger Jahre, ist aber auch auf die für die Exportorientierte Produktion günstigere geographische Lage zurückführen.

Seit Ende der 1990er Jahre versucht die Regierung die Entwicklung der Westregion gezielt zu fördern, in jüngerer Zeit wurde außerdem ein Programm zur Förderung des Strukturwandels im Nordosten Chinas eingeleitet. Diese Region, die traditionell sehr abhängig von der Schwerindustrie war, leitet besonders unter den Folgen der Staatsunternehmen sowie den daraus resultierenden sozialen Herausforderungen.

Aktuelle Herausforderungen

Die Perspektiven für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Chinas werden überwiegend positiv eingeschätzt, vorausgesetzt die politische und soziale Stabilität bleibt bestehen. Kurz- und mittelfristig kann sich besonders die hohe Arbeitslosigkeit gefährdend auswirken. Obwohl die offizielle Arbeitslosenquote für die Städte nur bei knapp über vier Prozent (2004) liegt, gehen alternative Berechnungen sowohl in China als auch im Ausland von deutlich höheren Zahlen im zweistelligen Bereich (zehn bis 15 Prozent) aus. Auf dem Land ist ein großer Teil der Erwerbsbevölkerung nicht oder unterbeschäftigt. Daher ziehen 80bis 150 Millionen Wanderarbeiter temporär in die Küstenregionen, wo sie vor allem in der arbeitsintensiven Produktion zu niedrigen Löhnen beschäftigt werden. Das Phänomen der Wanderarbeiter ist zugleich Ausdruck des hohen Einkommensgefälles in China, das nicht zur auf regionale Entwicklungsunterschiede zurückzuführen ist. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der städtischen Bevölkerung ist in der Vergangenheit sehr viel schneller gestiegen als das der Landbevölkerung. In jüngerer Zeit hat sich bedingt durch Arbeitslosigkeit auch das Einkommensgefälle in den Städten vergrößert.

Zu den langfristigen Herausforderungen für die chinesische Entwicklung zählen Engpässe in der Versorgung mit Energie und Rohstoffen. Das chinesische Wachstum basiert bisher auf einer recht ineffizienten Nutzung von Energie, Rohstoffen sowie Investitionsmitteln. Da zunehmend deutlich wird, dass hieraus hohe Kosten für Energie, Umwelt und Gesundheit entstehen, bemüht sich die chinesische Regierung um Strategien für ein nachhaltigeres Wachstum.

Sowohl in der Handhabung dieser langfristigen entwicklungspolitischen Herausforderungen wie auch in der kurzfristigen Steuerung der Wirtschaftspolitik zeigt sich allerdings eine gewisse Ohnmacht der Zentralregierung gegenüber den Lokalregierungen. Die wirtschaftspolitischen Interessen der verschiedenen Regierungsebenen sind häufig nicht identisch und wirtschaftspolitische Maßnahmen der Zentralregierung werden auf der lokalen Ebene zum Teil ignoriert. Die Macht der Lokalregierung ist unter anderem auf die Dezentralisierung wirtschaftspolitischer Entscheidungsbefugnisse ab Mitte der 1980er Jahre zurückzuführen. Die Zentralregierung strebt daher seit einigen Jahren in Bereichen wie der Umweltpolitik eine gewisse Re-Zentralisierung der Kompetenzen an, die bisher nur Teil greift.

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