Bildung und Forschung
Bildung genießt in China traditionell hohen Stellenwert als Boraussetzung sozialen
Aufstiegs. Obwohl die öffentlichen Ausgaben dafür niedrig sind, hat China
den Ehrgeiz, bei Forschung und Technik Weltniveau zu erreichen.
Das staatliche Bildungswesen im kaiserlichen China bis 1911 diente der Auswahl
geeigneter Anwärter für öffentliche Aufgaben. Bildung wurde als ganzheitlicher
Prozess in gesellschaftlicher, ethischer und politischer Perspektive
verstanden. Der Gelehrte war moralisches Vorbild, Quelle von Wissen und
Autorität in praktischen Entscheidungen. Dieses Verständnis von Bildung
weist spezialisiertem Wissen, Technik und Künsten einen nachgeordneten
Stellenwert zu.
Das Studium identischer Inhalte schuf ein Reservoir an gemeinsamen kulturellen
Bezugspunkten. Diese Grundausrichtung stabilisierte den zentralistischen
Staat. Sie sorgte, trotz einiger Brüche, Erneuerung, vor allem durch
den Gedanken des sozialen Aufstiegs und der „ Herrschaft der Besten“
(„Meritokratie“). Das traditionelle Bildungssystem scheiterte im 19.
Jahrhundert an seiner formalistischen Erstarrung. Es fand keine Antwort
auf den Imperialismus europäischer Mächte, die China mit aggressiverem
Handel und überlegener Technologie herausforderten.
Nach dem Fall des Kaiserreiches 1911 öffnete sich das Bildungswesen
und orientierte sich, vor allem während der Zeit der Republik von 1912
bis 1949, an den Prinzipien der Wissenschaft und Demokratie. Dadurch
sollte China in die Moderne geführt werden und mit den führenden Mächten
Europas und Nordamerikas Schritt halten können. Insbesondere erwarteten
die Reformer eine Steigerung der technischen Fähigkeiten, die Mobilisierung
der Produktivkräfte und den Aufbau einer humanen Gesellschaft.
Unter Mao Zedong lebten Teile der Bildungstradition zunächst
fort, ergänzt durch die Lehre des Marxismus-Leninismus. Mit der Kulturrevolution
ab 1966 vollzog sich allerdings ein drastischer Einbruch. Mehrere Jahre
lang blieben Schulen und Universitäten geschlossen, Lehrkräfte, Intellektuelle,
kurz alle Angehörigen der geistigen Elite wurden verfolgt. In den „zehn
verlorenen Jahren“ von 1966 bis 1976 verpasste eine ganze Generation
ihre Bildungschancen.
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