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Xi'An - Das Mausoleum des ersten Qin-Kaisers und seine TonarmeeWenn man von der Kreisstadt Lintong 5 km in Richtung Osten fährt, ist ein Hügel am Fuß des Li-Berges zu sehen. Das ist die letzte Ruhestätte des ersten Kaisers der Qin-Dynastie (Qin Shi Huangdi). Obwohl der Hügel in der Verwitterung durch Regen und Wind schon 2000 Jahre steht, ann man doch an ihm die Majestät des Kaisers fühlen. Der Kaiser Qinshihuang (259 – 210 v. Chr.) stammt aus dem Ying-Geschlecht, sein
eigener Name heißt Zheng. Er ist ein großartiger und epochemachender
Herrscher in der chinesischen Geschichte, der Schöpfer des ersten zentralistischen
Feudalreiches in China. Wegen häufiger Störangriffe der Hunnen, die damals als Nomaden nördlich des Qin-Reichs lebten, ließ der Kaiser die schon vereinzelt bestehende Verteidungswalle zu einer „Großen Mauer“ verbinden. Um auf dem Gebiet der Ideologie eine zentralistische Herrschaft
zu errichten, beging er ungeheuerliche Grausamkeiten: die Bücherverbrennung
und das lebendige Begraben der Gelehrten. Im Jahr 213 v. Chr. wurden
alle Bücher mit der Ausnahme der offiziellen Annalen von Qin-Land und
der Bücher über Ackerbau, Medizin und Orakeln, auf das Edikt des Kaisers
hin verbrannt. Dieses kaiserliche Edikt stellte den privaten Besitz der
verbotenen Bücher – darunter konfuzianische Klassiker , Aufzeichnungen
von Philosophenschulen und historisches Schrifttum der anderen Staaten
– unter Todesstrafe. Er ließ über 460 Gelehrte lebendig begraben, weil
sie unbefugt über kaiserliche Angelegenheiten sprachen. Im Juli 210 v. Chr. starb der Kaiser auf einer Inspektionsreise an einer schweren Krankheit. Man fürchtete, dass der plötzliche Tod des Kaisers auf einer Reise Anlaß zu einer Rebellion geben und Wirren in der Hauptstadt auslösen könnte. Sein Tod wurde deshalb geheimgehalten, bis man seine Leiche in die Hauptstadt zurückgebracht hatte. Auf dem Transport stank seine Leiche bald, weil es gerade Hochsommer war. Um den Leichengestank zu verbergen, wurde unter dem Vorwand der Kaiser wolle wegen einer Krankheit nur Fischsuppe essen, ein Wagen voller Fisch in die Wagenkolonne des Kaisers eingesetzt. Nachdem der Kaisertod in der Hauptstadt bekannt gemacht wurde, zwang der zweite Sohn des Kaisers mit der Hilfe eines von dem Kaiser nachgelassenen Ediktes, das von Palastintriganten schon geändert wurde, seinen älteren Bruder zum Selbstmord und trat den Kaiserthron an. Bis heute ist der Kaiser noch ein umstrittener Mann. Aber niemand kann seinen Einfluß auf die chinesische Geschichte wegwischen. Er schuf ein zentralistisches Regierungssystem, das in China über 2000 Jahre bestand. Historischen Aufzeichnungen zufolge war der Kaiser ein großer Mann mit dickem Bauch, hohem Nasenrücken und dicken Lippen. Seine schmalen Augen strahlten finster und drohend. Seine Stimme war heiser. Da er in zahlreichen blutigen Kämpfen seine Tage verbrachte, war er scharfblickend, entschlossen, kannte hohe Kunstgriffe in der Politik und strebte nach Macht und Erfolg. Zugleich war er grausam, rücksichtslos, eigensinnig und verschwenderisch. In seinem ganzen Leben standen Eroberern und Unterwerfern an der ersten Stelle. Sie wurden immer durch Blutvergießen erreicht. Seine allerhöchste Stellung hielt ihn von anderen Menschen weit fern, deshalb hatte er keinen einzigen Freund, auf den er sich verlassen konnte. Aber er war wirklich ein fleißiger Herrscher. Zu Lebzeiten reiste er fünfmal zur Inspektion durch sein Reich. Alle Staatsangelegenheiten erledigte er immer selbst. Er arbeitete oft tief bis in die Nacht. Er setzte für sich selbst fest, jeden Tag 60 kg schwere Thronberichte auf Bambus- oder Holztäfelchen zu lesen. Der Kaiser ist der grausamste Tyrann in der chinesischen Geschichte, aber man sollte auch bei scharfer Verurteilung seiner Gräueltaten seine großartigen Verdienste um die Geschichte Chinas nicht vergessen. Das Mausoleum des Kaisers erhebt sich im Kreis Lintong zwischen dem Wei-Fluß im Norden und dem Li-Berg im Süden. Infolge eines starken Aberglaubens und der Ethik, die toten Vorfahren wie zu ihren Lebzeiten bedienen zu sollen, legten alle Herrscher in der chinesischen Geschichte großen Wert auf die Errichtung ihrer letzten Ruhestätten. Als der spätere Kaiser im Jahre 247 v. Chr. mit dreizehn Jahren den Königsthron bestieg, gab er sofort den Auftrag, am Fuß des Lishan-Berges sein Mausoleum zu errichten. Bis zum 2. Jahr der Regierungsperiode des zweiten Qin-Kaisers dauerte dieser Grabbau insgesamt 37 Jahre. Über die Bauarbeiten vor der Vereinigung des ganzen Landes wissen wir wenig. Nachdem der Kaiser im Jahr 221 v. Chr. das ganze Land vereinigt hatte, konnte der Grabbau erst in einem gewaltigen Ausmaß vorangehen. Historischen Aufzeichnungen zufolge wurden in dieser Phase jährlich 700000 Sträflinge und Fröne aus allen Gebieten des Landes zum Grabbau geschickt. In der letzten Phase (nach dem Tod des Kaisers) arbeiteten schätzungsweise noch einige Hunderttausende Menschen an dem Mausoleum, das an Größe und Pracht alles bisher Dagewesene übertreffen sollte. Um dieses gigantische Bauprojekt in reibungslosen Ablauf zu bringen, wurde ein perfekte Verwaltungssystem auf allen Ebenen errichtet. Der höchste Verwalter war der Kanzler, dem verschiedene Ämter für unterschiedliche Bauarbeiten unterstanden. Um den Gang und die Qualität des Bauprojekts zu gewährleisten, wurden noch gesetzliche Vorschriften erlassen, z.B. darüber, wie man die Bauarbeiter einsetzen sollte, welche Menschen welche Kleidung tragen mussten, wie hoch das tägliche Soll für einen Arbeiter war, nach welchen Maßstäben man die Arbeiten abnehmen sollte, nach welchen Kriterien man die Arbeiter bestrafen und belohnen sollte. Historischen Aufzeichnungen und archäologischen Untersuchungen zufolge kann man die eigentliche Grabanlage so beschreiben: Die grandiose Grabanlage dehnte sich auf einer Fläche von ungefähr 50 qkm, in ihrer Mitte erhob sich der pyramidenförmige gestampfte Grabhügel auf einem 345 mal 350 m großen Grundriß. Der Hügel hat heute eine Höhe von 46 m. Eigentlich sollte er einen Grundriß von 515 mal 485 m und eine Höhe von 120 m haben und von Kiefern und Zypressen bedeckt sein, weil der alte Volksglaube meinte, dass der Duft solcher Bäume einen bösen Geist, der von Leber und Gehirn der Toten lebte, zurückschrecken und Tote schützen konnte. Ganz anders als bei Han- und Tang-Kaisergräbern wurde hier kein Denkmal vor dem Grabhügel aufgerichtet, an der sogenannten heiligen Straße standen auch keine Tier- und Fabeltierskulpturen als Grabschützer. Der Hügel wurde von zwei Mauern umgeben, die Innenmauer war 3870 m lang, die Außenmauer 6294 m lang, die beiden waren schätzungsweise 8 m breit und 20 m hoch. In jeder Himmelsrichtung hatten sie je ein Tor, in jeder Ecke stand ein sogenannter Eckturm. Die von der Innenmauer umschlossene Zone war die sogenannte Innenstadt, sie war das Herz der Grabanlage. In ihrem Südviertel befand sich der Grabhügel, unter dem der sogenannte unterirdische Totenpalast für den Kaiser war. Im Nordviertel befand sich ein riesiger Baukomplex, dessen Hauptgebäude die Schlafhalle des toten Kaisers war. Nach den alten religiösen Einstellungen sollte ein Toter in einer anderen Welt weiter leben. Seine Seele brauchte alles wie zu Lebzeiten. Diese Schlafhalle wurde ganz wie der Kaiserpalast in Xianyang eingerichtet. Hier standen viele Hofleute im Dienst der Kaiserseele. Nördlich der Schlafhalle waren noch andere Gebäude. Wahrscheinlich war die Innenstadt ein nachgebildeter Kaiserpalast. Die Opferrituale sollten auch in diesem Viertel geschehen. Zwischen der Innen- und Außenmauer waren die Verwaltungsämter und Wohnviertel der Hofleute. Die ganze Grabanlage lag nach Osten. Das entsprach der traditionellen Bestattungsweise des Qin-Stamms. Von der nachgebildeten Stadt führte eine breite Straße nach Osten. In der Grabanlage, besonders auf beiden Seiten der sogenannten heiligen Straße, hat man schon einige Hundert Gruben mit unterschiedlichen Grabbeigaben gefunden. Sie liegen hauptsächlich östlich und westlich des Grabhügels. Östlich davon sind z.B. die drei weltbekannten Gruben mit Figuren und mehr als 90 Gruben mit Pferden, am westlichen Fuß des Hügels ist eine 3025 qm große Grube, in der die beiden Bronzewagen zutage gekommen sind. Zwischen der Innen- und Außenstadt befinden sich 31 Gruben mit seltsamen Vögeln und Tieren und eine 1000 qm große Grube mit Pferden. In der Umgebung des Grabhügels hat man manche Beigräber gefunden, in denen Prinzessinnen und Prinzen bestattet wurden. Der Grabhügel, die Innen- und Außenmauer und der unterirdische Palast sind die Hauptbauwerke in der Grabanlage. Der von Bäumen bedeckte Grabhügel symbolisiert die Majestät des Kaisers. Die Innen- und Außenstadt bietet das Symbol der Hauptstadt des Qin-Reichs Xianyang, der unterirdische Palast ist eine Darstellung des Kosmos in der damaligen Vorstellung. Der unterirdische Palast ist ein rätselhaftes gigantisches Bauwerk mit einer Fläche von 460 mal 400 m. Historischen Aufzeichnungen und archäologischen Untersuchungen zufolge kann man heute darüber folgendes berichten: Dieser Unterpalast ist sehr tief gebaut, man hat bei diesem Palastbau mehrere Unterwasserschichten durchgraben. Von diesem Palast hat man unter der Erde eine 42 m lange Westmauer, eine 38 m lange Ostmauer und eine 392 m lange Nordmauer gefunden. Die Breite der Mauern ist zwischen 3 und 4 m. Die Grabkammer hat am Rand eine Tiefe von 8 m, ihre Tiefe in der Mitte ist nicht festzustellen. Manche Experten meinen, der Unterbau sei mehr als 24 m tief. Westlich der Grabkammer ist ein 30 m langer Grabweg zu finden, nördlich davon zwei Tortürme. Die Grabkammer wurde prächtig entworfen und dekoriert. Oben an der Kammerdecke wurde der Himmel nachgebildet, an dem die Sonne, der Mond und die Sterne auf- und untergehen. Unten in der Kammer wurde ein Modell des ganzen Reichs und aller wichtigen Gebirge aus Edelsteinen gemacht. In den nachgebildeten Flüssen und Seen fließt mechanisch betriebenes Quecksilber. Unzähliche prächtige Hallen, die dem Kaiser in dieser Welt zur Verfügung stehen, wurden in diesem Unterreich nachgebildet. Die Kammer, die mit verschiedenen seltenen Kostbarkeiten und wunderbaren Schätzen angefüllt ist, wurde durch sogenannte Ewige Fischfett-Leuchten herrlich beleuchtet. Zum Schutz gegen Grundwasser wurden alle Quellen, auf die man beim Grabbau gestoßen ist, mit Bronzeguß gesperrt. Alle Eingänge und Durchgänge wurden mit Armbrüsten mit mechanischen Selbstauslösern ausgestattet. Diese sollten verhindern, dass eventuelle Grabräuber in das ruhige Unterreich des Kaisers eindringen. Der Bronzesarg des Kaisers ruht auf einem hölzernen Drachen, der in einem nachgebildeten See aus Quecksilber schwimmt. Alle Handwerkmeister, die diese wunderbaren Kunstwerke schufen und das Unterbauwerk sehr gut kannten, mussten für immer im Mausoleum bleiben, weil alle Ausgänge versiegelt wurden, bevor sie herausgehen konnten. Alle kaiserlichen Frauen, die dem Kaiser kein einziges Kind geboren haben, wurden auf den Befehl des zweiten Qin-Kaisers als Totengeleit mit dem Kaiser begraben. Manche Experten meinen heute, zwischen der bildenden Kunst in der Qin-Zeit und der in der folgenden Han-Zeit bestehe ein großer Unterschied, der Stil, mit dem die Tonfiguren angefertigt worden seien, sei in die Han-Zeit nicht vererbt worden. Der Grund dafür bestehe vielleicht darin, dass fast alle Meister im Qin-Reich an den Grabbau geschickt und im Mausoleum lebendig begraben worden seien. Durch archäologische Untersuchungen seit den siebziger Jahren hat man in der Grabanlage mehr als 400 Gruben mit Grabbeigaben gefunden. Darunter sind die drei weltbekannten Gruben mit Tonfiguren am wichtigsten. Östlich des Mausoleums hat man z.B. mehr als 90 Gruben mit Tonpferden und auf Fersen sitzenden Züchtern entdeckt. Diese Gruben liegen in drei Reihen. Man hat 37 davon freigelegt. Aus manchen Gruben wurde je ein Tonpferd ausgegraben, aus manchen je ein Tonzüchter, aus manchen je ein Pferd und ein Züchter. Bei diesen Gruben kamen noch Tongefäße zum Pferdezüchten zutage, an denen die Bezeichnungen wie „Großer Stall“, „Mittelgroßer Stall“ oder „Kleiner Stall“ stehen. Diese Gruben sind die Symbole für kaiserliche Pferdeställe, die auf Fersen sitzenden Figuren stellen kaiserliche Pferdeknechte dar. Zwischen dem Grabhügel und der westlichen Innenmauer findet sich eine Grube mit einer Fläche von 3025 qm. Es wurde bereits festgestellt, dass es darin 5 Wagengruppen gibt. Die zwei Bronzewagen, die heute im Museum für Tonfiguren ausgestellt sind, kommen aus dieser Grube. Zwischen der westlichen Innenmauer und der Außenmauer wurden
31 Gruben für seltene Vögel und Tiere in drei Reihen entdeckt. In jeder
Grube gibt es einen Tonsarg mit Tier- oder Vogelknochen. Auf beiden Seiten
ist je eine 70 mm große Figur, die auf Fersen sitzt. Sie symbolisieren
einen kaiserlichen Stall für seltene Vögel und Tiere. Diese Grabanlagen ist in China die einzige, die so viele Gruben mit so inhaltsreichen Grabbeigaben besitzt. Ganz anders als die Beigräber aus der Han- und Tang-Zeit haben
alle Beigräber aus der Qin-Zeit kein Merkmal auf dem Boden. Durch archäologische
Untersuchungen hat man westlich und östlich des Grabhügels vier Stellen
entdeckt, an denen die Beigräber ihren Platz haben. Von den 17 Beigräbern,
die 350 m östlich von der Außenmauer liegen, hat man schon 8 freigelegt.
Aus diesen Beigräbern auf einem spaten-förmigen Grundriß wurden zahlreiche
Grabbeigaben aus Gold, Silber, Bronze, Eisen, Edelsteinen, Ton, Knochen
und Muschelschalen ausgegraben. In jedem Grab gibt es einen Sarg und
einen Außensarg, die beiden sind fein bearbeitet. Es ist recht erstaunlich,
dass die Skelette in diesen Gräbern verstreut sind. Es wurde festgestellt,
dass die Bestatteten darin damals mit Gewalt ermordet wurden. Sie wurden
entweder mit Pfeilen erschossen, mit Degen erschlagen oder verstümmelt.
All die Bestatteten darin sollen Männer und um 30 Jahre alt sein. Die
Ausnahme ist eine Frau im Alter von 18 Jahren. Wahrscheinlich handelt
es sich um die Prinzessin und die Prinzen, die als Hindernis beim Ringen um den Kaiserthron
ermordet wurden. Der Kaiser sollte in der Unterwelt alles besitzen, was er zu Lebzeiten besaß. Nach seinem Willen sollte er im Unterreich seine Kaiserwürde weitertragen. Aber der Traum löste sich im dritten Jahr nach seinem Tod schon in Nichts auf. Die Aufstände ausgebeuteter und zwangsrekrutierter Bauern zerschlugen die Qin-Dynastie. Alle Bauwerke auf und unter dem Boden fielen einem Brand zum Opfer, nachdem der Führer der Revolte Xiang Yu die Hauptstadt erobert und die Grabanlage für 30 Tage beraubt hatte. Die riesige Grabanlage wurde unter der Fackel von Xiang Yu zu einem Trümmerhaufen. In vielen historischen Aufzeichnungen steht: Nachdem Xiang Yu am Ende der Qin-Zeit Xianyang erobert hatte, öffnete er mit seinen Soldaten das Mausoleum, raubte alle Schätze und legte schließlich alle Bauten in Schutt und Asche. Aber bei einer umfassenden Untersuchung des Grabhügels haben die Archäologen nur zwei auf einen Grabraub hindeutende Höhlen entdeckt, die sich auf der westlichen Seite des Grabhügels befinden und den eigentlichen Unterbrau nicht erreichen. Außerdem wurde festgestellt, dass im Gebiet der Grabanlage reichlich Quecksilber vorhanden ist und eine Fläche von 12000 qm bedeckt. Deshalb sind die Archäologen der Auffassung, dass der Unterpalast, der als Grabkammer dient, noch gut erhalten ist und niemals ausgeraubt wurde. Bis heute hat man das Mausoleum nicht geöffnet, obwohl es gründlich untersucht worden ist. Der Grund ist folgender: Wenn man das Mausoleum öffnet, muß man darüber ein riesiges Gebäude bauen, um es zu schützen. Aber mit der heutigen Bautechnik kann man ein Gebäude, das groß genug für den Schutz des geöffneten Grabs ist, nicht bauen. Das Entwässern beim Öffnen ist auch ein großes Problem, weil man bei Ausgraben auf große Mengen Grundwasser stößt. In der Grabkammer und ihrer Umgebung ist Quecksilber reichlich vorhanden, das ist für die zukünftige Freilegung eine große Gefahr. Bis heute kennt man noch keine Technik, mit der man alle Gegenstände im Grab bei der Freilegung mit Sicherheit gut und vollständig erhalten kann. Da unzählige kostbare Schätze im Grab des Kaisers liegen,
wurde das Mausoleum im Dezember 1987 von der UNESCO in die Liste der
kulturellen Erben der Welt aufgenommen. Die Entdeckung der Tonfiguren war ganz zufällig. Es war im
März 1974, als die chinesischen Volkskommunen noch bestanden. Die sechs
Bauern aus dem Dorf Xiyang bohrten einen Brunnen in einem Kakipflaumegarten,
um die Trockenheit zu bekämpfen. Am fünften Tag der Brunnenbohrung, am
29. März, stießen sie auf eine verbrannte Erdschicht, die sehr hart war.
Das fanden sie aber völlig unverständlich. Als das Bohren die Tiefe von
vier Metern erreichte, kamen manche grotesk geformte Tonstücke zutage,
darauf folgten der mit Ziegelsteinen ausgelegte Boden, ein bronzener
Armbrustmechanismus und bronzene Pfeilspitzen. Was war das? Stießen sie
auf eine alte Töpferei? War hier ein verfallener Tempel für einen Lokalgott?
Nach einigen Debattierungen fand man keine Lösung. Diesen Brunnenbohrungsplatz
kann man heute in der südöstlichen Ecke der Grube Nr. Eins sehen. Die
Nachricht breitete sich in die Kreisstadt Lintong aus. Der für den Schutz
der alten Kulturgegenstände zuständige Beamte Zhao Kangmin eilte mit
einigen anderen an die Stelle. Vor gebrochenen, lebensgroßen Figuren wurde ihnen klar, das waren
wertvolle Sachen aus der Qin-Zeit. Die Figuren wurden ins Kulturhaus
des Kreises Lintong gebracht und dort von jenem Beamten restauriert.
Aber er machte das nicht bekannt. Ein Xinhua-Korrespondent, der in Lintong
seinen Urlaub machte und die Figuren sah, schrieb einen Bericht darüber,
durch den sich die Neuigkeit in ganz China ausbreitete. Einige Monate
später zog eine archäologische Gruppe in das Gebiet der Grabanlage ein
und begann mit einer genauen Untersuchung. Mit dem Fortgang der Untersuchung
kam es zu einer Sensation: In der Grabanlage des Kaisers wurde eine ganze
Tonarmee unter dem Boden entdeckt. Die Ausgrabung der Grube Nr. Eins hat im Juli 1975 begonnen. Am Anfang hat man nicht gedacht, dass so viele Figuren hier unter der Erde versteckt waren. Nach einem Jahr sind auf einer Fläche von mehr als 1000 qm über 500 Tonkrieger, 24 Tonpferde, 6 hölzerne Wagen und eine Menge Waffenspitzen aus Bronze zutage gekommen. Unerwartet wurde dabei festgestellt, dass sich eine unglaublich große Grube mit Tonfiguren ad unter der Erde auf einer Fläche von 14260 qm ausdehnt, ihre Länge zwischen Osten und Westen beträgt 230 m, ihre Breite zwischen Süden und Norden 63 m. Im Jahr 1976 hat man beschlossen, ein Museum an der Fundstelle zu errichten, um die Tonarmee aufzubewahren und auszustellen. 1978 wurde das Gebäude mit einem Gewölbe über der Grube Nr. Eins fertiggestellt. Darauf hat man mit einer Ausgrabung auf einer Fläche von 2000 qm begonnen. Bei dieser Ausgrabung wurden 1087 Tonkrieger, 32 Tonpferde, 8 Wagen und über 10000 Waffenspitzen freigelegt. Seit dem 1. Oktober 1979 ist die Grube Nr. Eins unter einem Gewölbe für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Jahr 1986 hat die zweite Ausgrabung begonnen. Nach neun Monaten sind schon ungefähr 1000 Figuren auf einer Fläche von 2000 qm aufgetaucht. Aber mit einem Diebstahl eines Generalkopfs hat diese Ausgrabung Anfang 1987 aufgehört. Die Grube Nr. Eins auf einem rechteckigen Grundriß wird durch 10 Mauern, die 2 m breit sind, in 9 tunnelähnliche Gänge mit Holzkonstruktion unterteilt und von Wandelkorridoren umschlossen. Auf jeder Seite führen 5 schräge Eingänge von oben in die Grube hinunter. Der Boden ist mit Ziegelsteinen ausgelegt. Der tunnelähnliche Innenraum ist 3,2 m hoch. Da eine viereckige Schlachtordnung hinein gesetzt werden sollte, wurde die Grube in einem solchen Grundriß gebaut. Dieses Unterbauwerk wurde auf folgende Weise gebaut: Zuerst grub man eine große Grube, die 230 m lang, 62 m breit und 5 m tief war, dann wurde der Boden der Grube festgestampft. Nachdem zehn gestampfte Mauern, die mehr als 200 m lang und 2 m breit waren, fertiggestellt und 1-förmige Tragsäulen im Abstand von einem Meter an die Mauern gestellt wurden, wurden die durch Mauern unterteilten tunnelähnlichen Gänge mit dicken Hölzern bedeckt. Der Boden wurde mit Ziegelsteinen ausgelegt. Zuletzt wurden Schilfmatten auf die dicken Hölzer gesetzt und Erde auf die Matten geschüttet. So wurde das tunnelähnliche Bauwerk fertig. Nachdem Tonfiguren in die Grube gestellt wurden, wurden die Eingänge mit dicken Hölzern gesperrt und mit Erde ausgefüllt. In unseren Geschichtsbüchern wurden zehn Schlachtordnungen, die damals üblich waren, erwähnt. In der Grube Nr. Eins soll die sogenannte Rechteckige Schlachtordnung dargestellt werden. Ganz vorne in der Grube stehen drei Reihen Krieger gegen Osten, sie bilden eine Vorflut der Armee. Jede Reihe besteht aus 68 Infanteristen ohne Rüstung, sie alle tragen Bogen oder Armbrust als Waffen. Am Reihenende ist ein Offizier zu sehen. Hinter dieser Vorhut stehen 38 Kolonnen Krieger in 9 Gängen. Diese mehr als 5000 Krieger bilden die Hauptkraft der Armee. Die meisten von ihnen tragen lange Waffen wie Lanzen und Speere. Manche haben Rüstungen an. Unter diesen Kriegern stehen noch über 40 Streitwagen. Ganz hinten befinden sich auch drei Reihen Krieger, zwei Reihen gegen Osten und eine gegen Westen. Alle Krieger in diesen drei Reihen tragen Rüstungen. Die nach Westen gerichtete Reihe ist die Nachhut der Armee. Links und rechts stehen je eine Reihe Krieger gegen Süden und Norden. Sie bilden die Flankendeckungen der Armee. In dieser Armee ist kein Krieger mit einem Schutzhelm zu finden. Das entspricht den Aufzeichnungen in unseren Geschichtsbüchern, in denen die Armee des Qin-Reichs ohne Schutzhelm als eine bekannte Elitetruppe beschrieben wird. Weil Kriegsverdienste damals im Qin-Reich reichlich belohnt wurden, waren die Krieger des Qin-Reichs sehr tapfer, beim Kampf trugen sie nie einen Helm, sogar oft keine Rüstung. Von der Shang-Zeit an spielten Streitwagen im Krieg eine wichtige Rolle. Am Ende der Han-Zeit verloren sie erst an Bedeutung. In der Grube Nr. Eins gibt es schätzungsweise über 40 Streitwagen. Aus den drei Gruben würden insgesamt ungefähr 130 Wagen zutage kommen. Sie könnten in 4 Arten eingeteilt werden: die leichten Streitwagen, die schweren Streitwagen, die Befehlswagen und die Wagen mit 4 Insassen. Mit einem leichten Streitwagen erstürmte man die feindliche Stellung. Er hatte drei Insassen, der Wagenlenker stand in der Mitte, der Krieger mit Bogen oder Armbrust links, der mit Lanze rechts. Einem leichten Streitwagen wurden normalerweise keine Fußsoldaten zugeordnet. Aber einem schweren Streitwagen, auf dem auch drei Krieger standen, wurden immer Fußsoldaten zugeordnet. Auf einem Befehlswagen wurde eine Glocke und eine Trommel aufgestellt. Auf einem solchen Wagen stand der General links, der Wagenlenker in der Mitte, der Krieger rechts. In der Grube Nr. Eins wurden 7 Befehlswagen entdeckt. Glocke und Trommel dienten damals zur Befehlsangabe, beim Trommelschlag sollte man vorwärts angreifen und sich beim Glockenschlag zurückziehen. Nur zwei Wagen mit 4 Insassen wurden entdeckt, nämlich einmal in der Grube Nr. Drei, einmal in der Grube Nr. Zwei. Wahrscheinlich sind sie auch Befehlswagen. Auf ihnen standen ein Offizier, ein Wagenlenker und zwei Krieger. Da die Streitwagen aus Holz schon ganz morsch sind, kann man heute nur Wagenspuren, manche Bauteile aus Bronze und Tonpferde sehen. Leichte Fußsoldaten sind mit einem Kriegsrock bekleidet. Ein kürzerer Rock ist 80 mm lang, ein längerer Rock ungefähr 120 mm. Sie tragen Halbschuhe mit rechteckiger Öffnung oder kurze Stiefel. Schwere Fußsoldaten und leichte Fußsoldaten sind fast gleich. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass schwere Fußsoldaten eine Rüstung tragen. Bei manchen schweren ist noch ein Hut zu sehen. Bei allen Offizieren und Generälen ist ein Hut aufgesetzt. Ein General trägt zwei Röcke übereinander und darüber eine farbige, schuppenartige Rüstung. Ein Offizier hat über seinem Rock auch eine Rüstung. Offiziere und Generäle tragen Halbschuhe. Die Farben der Kriegsröcke sind rot, hellrot, rosarot, zartgrün, zartviolett, weiß und blau. Der Grund, warum die Kriegsröcke in vielfältigen Farben sind, besteht darin, dass Kriegsröcke damals im Qin-Reich nicht als einheitliche Uniform vom Staat hergestellt, sondern von den Kriegern in die Armee mitgenommen wurden. Im Altertum galten Frisuren als Symbol für die gesellschaftliche
Stellung der Menschen, das heißt, jeder Stand hatte seine eigene Frisur.
Leichte Fußsoldaten tragen einen runden Haarknoten oben in der Mit, oder
einen geflochtenen Haarknoten hinten, manche tragen noch einen Hut auf
dem Haarknoten. Alle Offiziere und Generäle tragen immer einen geflochtenen
Haarknoten hinten und einen gepflegten Bart. Historische Aufzeichnungen
zufolge sollen solche Haarknoten und Bärte ein typisches Zeichen für
Krieger des Qin-Reiches sein. Ganz im Süden ist die zweite Einheit: eine Gefechtsaufstellung aus sogenannten leichten Streitwagen. Diese 64 Wagen stehen in 8 Kolonnen. Hinter jedem mit 4 Pferden gespannten Wagen stehen drei Krieger mit Rüstung. Da die Wagen aus Holz sind, kann man sie heute nicht mehr sehen. Hinter der Bogenschützentruppe befindet sich die dritte Einheit:
eine Gefechtsaufteilung aus 19 Streitwagen, Fußsoldaten und Reitern.
Neben dieser gemischten Truppe ist die vierte Einheit: eine Reitertruppe,
die aus 6 Streitwagen und 108 Reitern mit ihren Pferden besteht. Ungefähr im dritten Jahrhundert v. Chr. begann man im Kampf Reiter einzusetzen. Aber über damalige Reiter hat man sehr wenig gewusst. Diese Figuren informieren uns viel über Reiter in der Qin-Zeit. Im Unterschied zu Fußsoldaten trägt ein Reiter einen feinen Hut aus Leder, eine kurze einfache Rüstung und kurze Stiefel. Sein Rock ist kurz und anliegend. Ein Reiter hat immer einen Bogen als Waffe. Damals war Reiter eine neue Waffengattung, deshalb gehörte sie zur Elite. Am Pferd ist auch ein nachgebildeter Sattel zu sehen. Das ist der sogenannte weiche Sattel, der Originale war wahrscheinlich aus Leder. Er ist mit einem Bauchgurt befestigt. Aber damals kannte man noch keinen Steigbügel. Bogenschütze war in der Qin-Zeit eine wichtige Waffengattung. In der Tonarmee kann man verschiedene Bogenschützen erkennen, z.B. die sogenannten leichten Bogenschützen, die keine Rüstung tragen und mit der Hand ihre Bogen spannen, die schweren Bogenschützen, die Rüstung tragen und mit der Hilfe der Füße ihre Bogen spannen sollen. Jeder Schütze wurde mit 100 Pfeilen mit Bronzespitzen gerüstet. Seit Oktober 1994 ist die Grube Nr. Zwei, die in einem Gebäude mit einer Fläche von 17016 qm geschützt wird, für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Grube Nr. Drei befindet sich 25 m nördlich der Nr. Eins und 120 m westlich der Nr. Zwei. Sie wurde im Juni 1976 entdeckt und ist seit September 1989 für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese Grube mit einer Fläche von mehr als 300 qm ist mit einem 1714 qm großen Gebäude geschützt. Die ganze Grube wurde schon freigelegt und in Ordnung gebracht. Die Tonfiguren hier wurden viel stärker als die in der Grube Nr. Eins zerstört, bei vielen Kriegern ist der Kopf nicht mehr zu finden. In der Grube Nr. Drei ist auch ein tunnelähnliches Unterbauwerk mit Holzkonstruktion. Aber hier findet man keine Brandspur. In dieser Grube ist eine Nachbildung des Hauptquartiers. Die Grube besteht aus drei Teilen: in der Mitte ist eine Vorhalle mit einem schiefen Zugang, auf beiden Seiten ist je ein Nebenraum. Der schiefe Zugang ist 3,7 m breit und 11,2 m lang, an seinem Ende ist eine quatratische Vorhalle, in der sich ein bemalter hölzener Streitwagen mit vier Pferden befindet. Dieser Wagen ist ganz anders als die in den anderen zwei Gruben. Der Wagenkasten ist bunt bemalt, darauf ist ein Schirm mit einem Durchmesser von 42 mm aufgestellt. Er hat vier Insassen. Weder Waffe noch Glocke und Trommel sind hier zu finden. Ein solcher Wagen mit vier Insassen ist selten zu sehen. Wahrscheinlich soll er beim Marschieren vorfahren und vor der Schlacht die feindliche Truppe zum Kampf herausfordern. Der südliche Nebenraum und die Vorhalle sind mit einem Zugang verbunden. Am Anschluß zwischen dem Zugang und der Vorhalle wurde ein 3,5 m langer Türsturz entdeckt, aber der Sturz aus Holz ist schon ganz morsch. An dem lackierten Türsturz waren noch vier Bronzenägel, an denen ein Vorhang hängen sollte. Der Zugang führt im Westen in eine Durchgangshalle. Weiter westlich sind eine Vorkammer und eine Hinterkammer. Zwischen den zwei Kammern wurde auch ein 1,5 m langer Türsturz mit Bronzenägeln entdeckt. In den Kammern und der Durchgangshalle stehen 42 Krieger. Vermutlich ist der südliche Nebenraum eine Stätte zum Besprechen und Ausruhen der Generäle. Der nördliche Nebenraum besteht aus der Zugangshalle und dem
Hauptraum. Zwischen der Halle und dem Hauptraum wurde ein morscher Türsturz
entdeckt. In dem Hauptraum stehen 22 Krieger in zwei Reihen gegenüber.
Hier wurden noch ein Hirschgeweih und andere Tierknochen gefunden. Anscheinend
ist hier eine Stätte, an der man vor einem Kampf wahrsagen und für einen
Sieg beten sollte. Historischen Aufzeichnungen zufolge war ein Wahrsagen
vor einem Kampf damals eine notwendige Tätigkeit. Oft folgte eine militärische
Entscheidung dem Ergebnis eines Wahrsagens. Die üblichen Mittel zum Wahrsagen
waren damals Schildkrötenpanzer, Kinderschulterblatt, Ziegelschulterblatt
und Hirschgeweih. Da die Tonfiguren in der Grube Nr. Drei nicht dem Feuer unterworfen worden sind, hat man bei der Ausgrabung noch verschiedene Farben an den Figuren gesehen. Gemäß ihren Farben teilen sich die Krieger in zwei Gruppen: die eine Gruppe Krieger tragen einen grünen Rock mit violetten Säumen am Ärmelrand, eine schwarze Rüstung und purpurrote Hosen und schwarze Schuhe mit orangeroten Bändern: die andere Gruppe Krieger tragen einen roten kurzen Rock mit hellblauen Säumen am Ärmelrand, eine dunkelbraune Rüstung und blaue oder grüne Hosen. Ihre Haut ist hellrot gefärbt und ihre Brauen und Haare schwarz. Aber es st sehr schade, in wenigen Tagen sind die Farben an den Figuren mit dem Weggang der Feuchtigkeit schon verschwunden. Bei der Grube Nr. Drei handelt es sich um das Hauptquartier. Aber es ist sehr merkwürdig, dass kein General, nämlich kein Oberbefehlshaber dieser Armee, hier zu finden ist. Bis heute hat man noch keine Lösung. Darüber gibt es nur verschiedene Vermutungen: Der Oberbefehlshaber sei der Bestattete in dem großen Grab, das sie 150 m westlich von der Grube Nr. Drei befindet; der Oberbefehlshaber sei der Kaiser selbst: der Oberbefehlshaber würde dann erst bestimmt, wenn die Armee in einen Kampf eingesetzt würde; der Oberbefehlshaber würde am Ende der Qin-Dynastie von jenem Revolteführer Xiang Yu ausgenommen und erschlagen. Zwischen der grube Nr. Zwei und Nr. Drei ist jene Grube ohne Figuren. Sie hat eine Fläche von etwa 4000 qm. Vermutlicherweise wurde der zweite Qin-Kaiser durch die Revolte gezwungen, diesen Grubenbau aufzugeben. In der Grube Nr. Eins und Zwei sind viele Brandspuren zu sehen.
Nach den Untersuchungen kommt man zu dem Schluß, dass der ganze Unterbau
bei der Grube Nr. Eins und Zwei niedergebrannt wurde. Aber über diesen
Brand weiß man heute ganz wenig. Es gibt zwei verschiedene Meinungen.
Die eine heißt, der Brand hat der damaligen Totenfeier für den Kaiser
zu tun, alle Grabbeigaben sollten bei der Bestattung des Kaisers als
Opfer ins Feuer geworfen werden. Die andere heißt, der General Xiang
Yu, der das Qin-Reich zugrunde richtete, war der Brandstifter. In China begann man sehr früh, Figuren mit Ton herzustellen. Jetzt kann man noch viele Tonfiguren aus dem Neolithikum sehen. Aber die Tonarmee des Qin-Kaisers ist beispiellos. Diese lebensgroßen Figuren in gigantischer Aufstellung gelten als das glorreichste Kapitel in der chinesischen Plastikgeschichte. Alle Figuren sind lebensecht dargestellt. Die Herstellungsorte sollen in der Nähe der Grabanlage sein. Nach der Meinung der Experten wurden die Tonfiguren im folgenden Prozeß hergestellt: Zuerst wurde eine Platte, auf der eine Figur stehen sollte, gefertigt, dann wurden darauf Füße, Beine und Rumpf geformt, danach wurden der mit einer Form angefertigte Arm und der ebenso hergestellte Kopf an den Rumpf geklebt. Nach der Feinarbeitung wurden die Figuren im Ofen gebrannt. Zuletzt wurden sie noch bemalt. Die Plattem auf der die Figur stand, ist eine Schöpfung der
Qin-Handwerkmeister. Wegen der Größe der Figur ist das Gleichgewicht
ein großes Problem. Mit einer solchen Platte kann eine Figur feststehen,
damit hat man das Problem des Gleichgewichts gut gelöst. Solch eine Platte
wurde ebenfalls mithilfe einer Form produziert. Es gibt zwei Arten von Beinen: massive und hohle. Bei massiven
Beinen wird das Direkt-Kneten verwendet: Der Lehm wird mit der Hand direkt
zur gewünschten Form geknetet. Bei hohlen Beinen wird das sogenannte
Winden-Verfahren verwendet: Der Lehm wird zuerst zu platten Streifen
gedreht, dann werden sie in Ringen zur gewünschten Form übereinandergelegt.
An den Beinen werden noch Wickelgamaschen nachgebildet. Kriegsröcke und Rüstungen wurden mit der Hand geformt. Die Lehmschicht, die an Rumpf und Arme angeklebt wird, wird zum Kriegsrock oder zur Rüstung geknetet, daran werden dann Falten, Gürtel, Gürtelschnallen in verschiedenen Formen und Rüstungsplättchen gravierend nachgebildet. Die Herstellung der Köpfe war am kompliziertesten. Zuerst
wurden zwei grobe Werkstücke für einen kopf mit zwei Formen angefertigt
und zusammengeklebt. Dann wurden zwei Lehmschichten daran geklebt. An
die äußere Lehmschicht wurden Nase und Ohren angeklebt, andere Organe
graviert, Haare, Haarknoten oder Hut nachgebildet. Wenn Figuren bis in alle Details verarbeitet wurden, brachte man sie in einen Ofen. Wegen der verschiedenen Dicken bei unterschiedlichen Stellen der Figuren verlangte das Brennen der Figuren eine hohe Technik. Die gebrannten Figuren zeigen eine gute Qualität, kein einziger Riß, hart wie Stein, gleichmäßige Farbe. An jeder Figur ließ man ein oder zwei Löcher, damit die Figuren beim Brennen nicht platzten. Das wichtigste beim Brennen war die Regelung der Brenntemperatur. Nachdem die gebrannten Figuren abgekühlt waren, wurden sie bunt bemalt. An ihnen wurden insgesamt über zehn Farben angewandt, z.B. Rote, Grün, Blau, Gelb, Braun, Weiß, Schwarz, Violett u.s.w. Man verwendete damals verschiedene Mineralien als Farbstoffe. Leider sind alle Farben in einem so langen Zeitraum schon weggegangen. Jetzt kann man an den Figuren nur noch ein bisschen Farbenreste finden. An den über 1000 wieder gut restaurierten Figuren hat man schon 68 Namen gefunden. Manche davon sind gesiegelt, manche sind graviert. Sie sind alle die Namen von den Meistern, die die Tonfiguren erschufen. Sie waren keramische Meister aus dem kaiserlichen Hof oder Handwerker aus dem Volk. Die Herstellung der über 8000 Figuren ist ein Wunder in der keramischen Geschichte. Dieser Text wurde von Zeng Qi (曾琦) zur Verfügung gestellt
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