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Xi'An - Das Grab des Kronprinzen Zhanghuai
Das Grab des Kronprinzen Zhanghuai, eines der siebzehn Nebengräber in der Qianling-Grabanlage,
liegt drei Kilometer südöstlich des Kaisergrabs.
Der Kronprinz Zhanghuai heißt eigentlich Li Xian, Zhanghuai ist sein Memorialname.
Er ist der zweite Sohn des Kaisers Gaozong und der Kaiserin Wu Zetian.
Unter ihren Kindern war er der Begabteste, deshalb stand er beim Kaiser
in der Gunst und erhielt wichtige Ämter im Militär- und Zivildienst.
Nach seinem älteren Bruder war er kurze Zeit Kronprinz. Er schrieb einen
Kommentar zur „Geschichte der Späteren Han-Dynastie“. In diesem Buch
tadelte er Lü Zhi, die Hauptfrau des ersten Kaisers der Han-Dynastie,
weil sie nach dem Tod des Kaisers viele Verwandten aus dem Lü-Geschlecht
in wichtige Ämter einsetzte, hohe Hotbeamte verdrängte und die Macht
von der Liu-Sippe an sich reißen wollte. Wu Zetian hielt das für versteckte
Angriffe gegen sie. Danach suchte sie stets Gelegenheiten, ihn zu beseitigen.
In 680 wurde der Magier Ming Chongyan, der von Wu Zetian favorisiert
war, ermordet. Der Verdacht fiel auf Li Xian. Der Prinz wurde zur Vernehmung
festgenommen. Bei einer Untersuchung fand man in Li Xians Palast einige
hundert Rüstungen, die er für einen Notfall in seinem Pferdestall verbarg. In der
Annahme, dass Li Xian für einen Putsch Waffen versteckte, wurde ihm die
Kronprinzenwürde aberkannt. Im Jahr 683 wurde er nach Sichuan verbannt.
Im nächsten Jahr starb er mit einunddreißig Jahren. Sein Tod ist noch
immer ein Geheimnis. Eine populäre Sage besagt, dass Wu Zetian noch immer
Argwohn gegen Li Xian hegte, nachdem er in die Verbannung geschickt wurde
und sie eine sichere Stellung bekommen hatte. Sie schickte einen Vertrauensmann
nach Bazhou, um Li Xian zu überprüfen. Im Glauben, der Kaiserin einen
Gefallen zu erweisen, zwang der Beauftragte ihn zum Selbstmord. Als Wu
Zetian die Nachricht vom Tod ihres Sohnes erhalten hatte, verjagte sie
ihren Handlanger und veranstaltete in der Hauptstadt eine Totenfeier
für ihren Sohn. Im zweiten Jahr nach dem Tod der Kaiserin ließ der Kaiser
Zhongzong seinen Sarg nach Qianling bringen und dort beisetzen. Im Jahr
711 verlieh ihm der Kaiser Ruizong postum den Kronprinz-Titel.
Als Li Xian bestattet wurde, hatte er nur den Prinz-Titel,
deshalb waren die Ausmaße seines Grabes nicht so groß wie bei Kronprinz
Yide und Prinzessin Yongtai. Vor dem Grab stehen ein Schafpar und ein
Turmpaar. Von Juli 1971 bis Februar 1972 legte man das Grab frei. Die
Konstruktion des Unterbaus ist gleich wie bei Yongtai. Hinter dem Eingang
ist eine Zugangsrampe (Grabweg), der sich den Grabgang anschließt. Dann
folgen vier Luftschächte, sechs Nischen, Korridore, die Vorkammer und
die Hauptkammer. Obwohl das Grab von Grabräubern erbrochen wurde, fand
man noch über 600 Grabbeigaben, die meisten davon sind dreifarbig glasierte
Tonfiguren, die in ihrer Vielfalt einen Höhepunkt des Kunstschaffens
im alten China darstellen. Besonders wertvoll sind die über fünfzig farbige
Wandmalereien, die die Kammer und Gänge auschmücken. Die Malereien sind
zumeist gut erhalten und nehmen eine Fläche von 400 qm ein. Die schönsten
davon sind „Empfang der Gesandten“, „Ausritt zur Jagd“, „Polospiel“ und
„Beobachtung von Vögeln und Zikadenfang“. Diese Bilder mit proportionierten Figuren sind naturgetreu und
haben einen lebendigen Ausdruck.
Das Fresko „Ausritt zur Jagd“ befindet sich an der Ostwand der Zugangsrampe.
Die zwölf Meter lange Malerei zeigt einen Jagdausflug, im Hintergrund
sieht man eine wellige Bergkette und in den Himmel ragende, alte Bäume.
Der Kronprinz und seine Kavalkade galoppieren gerade zur Jagd. Die Jagd
gehörte jeher zu den wichtigen Beschäftigungen der Höflinge und erlebte
in der Tang-Zeit einen Höhepunkt. In der Nähe der Hauptstadt an waren
einige Parks mit Tieren zu Jagdzwecken angelegt. Diese Park standen nur
den Mitgliedern ds Kaiserhauses zur Verfügung.
Die zwei Bilder „Empfang der Gesandten“ befinden sich an der Ost- und
Westwand und stehen sich gegenüber. In jedem Bild kann man drei Beamte
der Tang-Dynastie und drei ausländische Gesandte sehen. Nach ihrem Aussehen
kann man feststellen, dass der erste Gesandte an der Ostwand aus Indien,
der zweite aus Korea kommt, der dritte von dem Tujue-Stamm ist. Es ist
eine Szene der diplomatischen Aktivitäten der Tang-Dynastie.
Die zwölf Meter lange Malerei „Polospiel“ befindet sich an
der Westwand. In diesem Bild sind über zwanzig Spieler zu sehen. Jeder
Spieler trägt eine Kopfbedeckung, enge Gewänder und schwarze Stiefel.
In der linken Hand halten sie die Zügel, in der rechten die Schläger
und spielen zu Pferd mit einem kleinen Ball. Die fünf Reiter vor kämpfen
gerade um den Ball, einer wendet sich um, um den Ball zurückzuschlagen.
Sie sind realistisch in ihrer Bewegung erfasst. Das Polo wurde in der
Tang-Zeit von Persien nach China eingeführt und fand sofort eine weite
Verbreitung. Es wurde sogar im Kaiserhof ein beliebtes Spiel. Viele Hoffrauen
spielten auch gern Polo. Manche Kaiser der Tang-Dynastie waren gute Polospieler.
Damals mussten alle, die den akademischen Titel Jinshi nach Ablegung
der kaiserlichen Staatsprüfungen erhalten hatten, in der Yuedeng-Halle
zum Polospiel antreten. In vielen Palästen wurden Polospielfelder gebaut.
Eine Geschichte erzählt: Bei einem Polospiel zwischen den Gesandten aus
Tibet und der Mannschaft des kaiserlichen Hauses in Changan gewannen die Gäste den ersten Satz. Der Kaiser
Xuanzong wollte sich damit nicht abfinden. Er schwang sich persönlich
in den Sattel und kämpfte mit vier anderen gegen die zehn Spieler starke
Mannschaft aus Tibet. Der Kaiser wurde am Ende Sieger. In der Song-,
Yuan- und Ming-Dynastie war da Polospiel ebenfalls üblich. Gegen Ende
der Ming-Zeit verlor das Polospiel in China an Bedeutung.
Das Fresko „Beobachtung von Vögeln und Zikadenfang“ in der
Vorkammer, stellt eine Szene aus dem Hofleben dar. Das Thema dieses Bildes
ist vielleicht die Einsamkeit und die innere Leere der Hoffrauen. Die
drei Hoffrauen scheinen vor Langeweile geplagt. Die eine beobachtet Vögel
und lauscht ihrem Gesang, die andere will eine Zikade fangen, die dritte
steht denkend unter einem Baum. Das zeigt eine typische Szene am Kaiserhof. Dieser Text wurde von Zeng Qi (曾琦) zur Verfügung gestellt
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