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Xi'An - das Bronzegespann

Im Jahr 1978 entdeckte man 20 m westlich vom Grabhügel des Kaisers eine große Grube mit Gespannen als Grabbeigaben. Bei der späteren Probeausgrabung auf einer kleinen Fläche kamen zwei Bronzegespanne aus dieser 7,8 m tiefen Grube zutage. Sie sind die frühesten, größten und technisch fortgeschrittensten Bronzegespanne, die in China bekannt sind.
Die Bronzegespanne standen eigentlich in einem hölzernen Schrein ganz morsch war und die Grube einfiel, standen die zwei Gespanne bei der Freilegung in stark zerbröckeltem Zustand. Nach einer Restaurierung, die viele sorgfältige und schwierige Arbeiten und große Geduld kostete, ist das Gespann Nr. zwei seit dem ersten Oktober 1983 in seiner ursprünglichen prächtigen Gestalt für die Öffentlichkeit zugänglich. Das andere Gespann konnte man erst nach acht Jahren besichtigen, weil es zu stark zerstört wurde.

Die beiden Gespanne in etwa halber Lebensgröße sind äußerst prächtig hergestellt. Sie sind mit zahllosen Silber- und Goldelementen verziert, z.B. am Gespann Nr. zwei sind 1720 Schmuckstücke, die aus 3033 Gramm Gold und 4342 Gramm Silber bestehen. Die Untersuchungen ergaben, dass ihre Herstellung Arbeitsverfahren wie Gießen, Löten, Nieten, Einlegen, Schnitzen, Stanzen, Feilen und Schleifen erforderte. An ihnen wurden Anschlusstechniken wie Druckknopfanschluß und Gelenkanschluß angewandt. Bei jedem Arbeitsverfahren wurde eine sehr hohe Perfektion erreicht. Der Zaun ist zum Beispiel aus abwechselnd silbernen und goldenen Röhrchen durch Löten zusammengesetzt, aber am Zaun ist kaum eine Lötnaht zu erkennen. Die Zügel, bei denen die Gelenkanschlusstechnik angewandt wurde, sind heute noch beweglich. Die meisten Bauteile werden im Gussverfahren, das am deutlichsten den damaligen technischen Stand aufweist, hergestellt. Bei dem Schirm, der als Nageldeckel dient, sind die dünnsten Partien nur 2 mm, die dicksten Partien 4 mm dick. Die Zusammensetzung der Legierung ist so gut wie heute gemacht. Durch Regulieren der Gehalte von Kupfer, Zinn und Blei konnte man Bronzebauteile mit verschiedenen Härten bekommen.

Die Gespanne sind wirklich zwei wunderbare Kunstwerke: ein starkes und kräftiges Pferd mit glänzenden Silber- und Goldschmuckwaren steht da, nach vorne starrend, die Nüstern ein bisschen geöffnend, die Ohren spitzend. Wahrscheinlich wartet es gerade auf einen Befehl, sich in vollen Galopp zu setzen. Die beiden Kutscher sehen sowohl stolz als auch vorsichtig aus.

Wie die Tonfiguren sind die zwei Gespanne auch naturgetreu bis ins Detail dargestellt. Die Wagen, Pferde und Wagenlenker sehen lebendig aus, weil ihre Proportionen gut stimmen und alle Details dem anatomischen Gesetz entsprechen. Gesicht, kurzer Bart, Wimper, Handlinien, Haare und Nägel des Kutschers werden ganz lebensecht wiedergegeben. Viele Teile, die eigentlich aus Bambus, Holz oder Leder sein sollten, wurden aus Metall naturgetreu nachgebildet, wie die aus ganz dünnen Bronzedrähten geflochtenen Troddeln am Pferdekopf, sie sehen genau wie Wolle oder Jutefasern aus. Im Gegensatz zu diesem Stil ist die Bemalung am Wagenkasten vom romantischen Stil geprägt. Auf der weißen Grundfarbe an der Außen- und Innenseite sind Tiger, Drachen- und Phönixmuster auf eine übertriebene Weise bunt bemalt. Unten am Rand ist der Kasten mit bunten stilisierten Ornamenten verziert.
Die beiden Gespanne standen ursprünglich hintereinander. Heute sind sie auch in solcher Aufstellung ausgestellt. Es sind Eindeichsel-Gespanne mit vier Pferden und einem Kutscher. Jedes Gespann wiegt über 1200 kg und besteht aus mehr als 3000 Einzelteilen.
Das Gespann vorne ist der sogenannte hohe Wagen, weil sein Insasse aufrecht stehen muß. Das ist ein Streitwagen, der sehr beweglich und flexibel ist. Anders als bei einem normalen Streitwagen dient ein sehr schön verzierter Schirm diesen Wagen als Dach. Im Wagenkasten sind Kriegsausrüstungen zu sehen: ein bronzener Köcher mit 50 scharfen Pfeilen, ein bronzener Köcher mit 12 Pfeilen, eine Armbrust, ein bronzenes Schild. Auf diesem Gespann ist nur ein Insasse, der Wagenlenker zu sehen. Er steht aufrecht, hält die Zügel in der Hand und ein Schwert an der Seite und starrt nach vorne. Seinem Aussehen nach zu urteilen stellt er einen General dar.

Das Gespann hinten ist der sogenannte angenehme Wagen mit vier Pferden. Ein solches Gespann stand als Personenwagen kaiserlichen Familienangehörigen und Adligen zur Verfügung. Die Pferde haben eine unterschiedliche Größe von 65 bis 75 cm. Der Wagenlenker hat eine Größe von 51 cm. Mit den Pferden hat das ganze Gespann eine Länge von 328,4 cm und eine Höhe von 104,2 cm. Dieses Gespann hat einen schön verzierten und bemalten Wagenkasten, der in zwei Räume unterteilt ist. Im vorderen Raum sitzt der Wagenlenker auf den Fersen, einen hohen Hut auf dem Kopf, Zügel in der Hand, ein Schwert an der Seite. Der geschlossene Hinterraum hat einen Dachdeckel in Form eines Schildkrötenpanzers, darin kann man auf den gut gepolsterten Boden liegen oder bequem auf der Bank sitzen. Vorne und auf beiden Seiten ist der Wagenkasten je mit einem Fenster versehen. Durch hochtechnisch durchbohrte rhombusfomige Löcher kann man von innen nach außen gucken, aber nicht von außen nach innen.

Der Streitwagen und der Personenwagen gehören als Geleitwagen zur kaiserlichen Wagenkolonne. Der Streitwagen dient als Wachtwagen auf der Reise, der Personenwagen ist für Frauen oder Minister als kaiserliches Geleit. Der Wagen des Kaisers soll ganz vergoldet und mit sechs Pferden bespannt sein und sich möglicherweise auch in jener 3035 qm großen Grube befinden, in der die beiden Bronzegespanne ausgegraben worden sind, weil man durch Untersuchungen festgestellt hat, dass es in jener Grube mindestens noch sechs metallene Gespanne gibt.

Historischen Aufzeichnungen zufolge hatte der Kaiser damals zwei Wagenkolonnen zur Verfügung, die eine bestand aus 81 Wagen, der andere aus 36. Vielleicht steht in der Nähe des Grabes eine ganze Kolonne mit 81 Wagen unter der Erde zur Bereitschaft.
Vor der Entdeckung der beiden Gespanne hat man auch viele alte Wagen mit einer Deichsel gefunden, aber sie sind aus Holz und ganz morsch. Infolgedessen waren die Wagenform und die Spannweise weiterhin unbekannt. Diese beiden Bronzegespanne sind in der Konstruktion vollständig erhalten und liefern wertvolles Material zur Erforschung der alten Eindeichselwagen, der Kunstgeschichte, der Metallurgie und der Ränge um Wagenfahren und Kleidung der Qin-Dynastie.

Dieser Text wurde von Zeng Qi (曾琦) zur Verfügung gestellt

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