Xi'An - das Banpo-Museum
Das Banpo-Museum liegt in der östlichen Vorstadt von Xian, am Ostufer des Chan-Flusses.
Das Museum auf der Fundstelle stellt eine alte Siedlung vor
etwa 6000 Jahren dar, die typisch für die Yangshao-Kultur gilt.
Die Yangshao-Kultur ist eine entwickelte spätneolithische Kultur am Mittel- und
Unterlauf des Huanghe. Da ihr Fundort bei dem Yangshao-Dorf im Kreis
Mianchi in Henan liegt, hat sie diese Bezeichnung bekommen. Das Zentrum
der Yangshao-Kultur liegt in Westhenan und in der Wei-Schwemmebene. In
dieser Ebene trifft man auf Schritt und Tritt ihre Relikte, deswegen
genießt der Gelbe Fluß seit jeher den Ruf „die Wiege der chinesischen
Kultur“ zu sein. Die Yangshao-Kultur kennzeichnet die Blütezeit der matrialchalischen
Sippengemeinschaft. Zu jener Zeit waren die Menschen bereits sesshaft,
trieben Feldbau (hauptsächlich Hirse), hielten Hunde, züchteten Schweine,
lebten in dörflichen Gemeinschaften, die manchmal durch Wal oder Graben
geschützt wurden. Ihre Werkzeuge waren meistens aus fein geschliffenem
Stein. Die Bearbeitung von Gegenständen aus Knochen zeigte ein hohes
Maß an Perfektion. Eine rote Keramik wurde hergestellt, die oft mit weißen
oder schwarzen stilisierten Mustern verziert waren. Deshalb wurde die
Yangshao-Kultur auch als die Kultur der bemalten Keramik bezeichnet.
Die Entdeckung der Banpo-Siedlung war ganz zufällig. Das war
1953, als man bei Raqiao ein Kohlekraftwerk baute. Die ganze Siedlung
nimmt eine unregelmäßige rundförmige Fläche von 50.000 qm ein. In den
fünf Ausgrabungen von Herbst 1954 bis Sommer 1957 haben die Archäologen
auf einer Gesamtfläche von 10.000 qm einen Wohnbereich, eine gemeinsame
Begränbisstätte und eine Töpferstätte freigelegt. Das ist die älteste,
am vollständigsten erhaltene Siedlung der matrialchalischen Sippengemeinschaft,
die bislang entdeckt wurden. Über der Fundstelle der alten Siedlung wurde
1958 ein Museum errichtet, das zwei Ausstellungshallen und ein großes
Gebäude für Baureste umfasst. Es wurde durch Erlaß des Staatsrates in
die Gruppe der unter Denkmalschutz stehenden Objekte aufgenommen.
Die erste Aussegnungshalle
In dieser Halle sind verschiedene Werkzeuge aus der alten Siedlung ausgestellt,
wie z.B. Steingeräte, Fischergeräte, Spindelgewichte, Bein- und Steilpfeilspitzen,
Beinnadeln, Angelhaken, Fischspeere usw. Dadurch können wir uns ein
Bild der Banpo-Menschen bei ihren Produktionstätigkeiten machen. Aufgrund
unterschiedlicher Werkzeuge, die die Menschen zu ihren Produktionstätigkeiten
verwendeten, wurde die Entwicklungsgeschichte der Menschheit von Historikern
in Altsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit unterteilt.
Die primitiven, die angeschlagenen Steingeräte werden Altsteingeräte
benannt. Die Altsteinzeit umfasst den längsten Zeitraum in der Menschheitsentwicklung.
Vor etwa 10.000 Jahren kamen die Menschen in die Jungsteinzeit, da
sie nun geschliffene Steingeräte zu verwenden begannen. Vor 6.000 bis
5.000 Jahren nahm die Bronzezeit mit der Erfindung der Verhüttung ihren
Anfang. Die Banpo-Menschen lebten in der Hochblüte der Jungsteinzeit.
Das natürliche Umfeld
Durch die Analyse von Sporen und Pollen sowie die Untersuchung von Bambusratten-
und Wasserrehskeletteilen kann man heute feststellen, dass das Klima
zu jener Zeit warm und feucht war. Die Siedlung befand sich in einer
Terrasse im Chan-Fluß-Tal. Der in Westen fließende Chan-Fluß, sumpfige
Felder, dichter Bambuswuchs an beiden Ufern, Flachland und Wälder in
der Umgebung, das alles war sehr günstig für das Jagen, Fischen, Sammeln
und den Ackerbau.
Der primitive Ackerbau
Die Menschheit begann mit dem Ackerbau vor etwa 10.000 Jahren. Zur Banpo-Zeit
machte der primitive Hackbau einen großen Fortschritt. Brandrodung
wurde mit Steinwerkzeugen betrieben. Die Hauptanbaupflanzen waren dürreresistente
Hirse und Gemüe. Der Ackerbau war die wichtigste Existenzgrundlage
der Banpo-Menschen und eine wichtige Voraussetzung für ihre Sesshaftigkeit.
In der langen Produktionspraxis verbesserten sie ihre Werkzeuge. Z.
B. war an manchen Steinbeilen eine Lochbohrung zur Befestigung des
Holms. Auf den Feldern, die die Banpo-Menschen kollektiv kultivierten,
hieben sie mit Steinhacke, Steinspaten oder einem spitzen Holzstab
eine kleine Grube aus und säten darin. Sie kannten damals Düngung und
Bewässerung noch nicht. Im Herbst ernteten die Frauen mit steinernen
oder keramischen Messern. Später erfand man die Steinsichel. Zu jener
Zeit wurde Hirse mit der Hand enthülst oder mit einem Mahlstein: man
legte die Hirse hierzu auf einen Stein, der oben hohl war, rieb mit
einem anderen kleinen Stein. Hirse war
die Hauptgetreidesorte, die die Banpo-Menschen anbauten. In der Siedlung
fanden sich viele Hirsespuren, ein Tonbehälter mit morschen Hirsesamen
und ein Topf mit verkohlten Samen von Kohl und Sarepta-Senf.
Jagen
Neben dem Ackerbau war Jagd auch eine wichtige Produktionstätigkeit,
die von Männern betrieben wurde. Beim Jagen wurden Waffen wie Bogen,
Speere und Schleuder verwendet. Mit einer solchen Schleuder konnte
man ein galoppierendes Wildtier fangen, indem man sie auswarf und damit
seine Beine umwickelte. Pfeilspitzen waren aus Bein, Horn oder Stein
herzustellen und scharf zu schleifen. Insgesamt über 200 Pfeilspitzen,
von denen die meisten aus Bein waren, wurden ausgegraben.
Fischerei
Eine Menge von in der Siedlung freigelegten Fischgeräten beweist, dass
Fischerei bei Bampo-Menschen ein wichtiges Erwerbsmittel war. Ausgestellt
sind hier: Fischspeere, Beinangelhaken und Steinnetzsenker. viele Speere
und Angelhaken sind mit Widerhaken versehen. Von ihrer Fischerei brachten
sie oft Muschelschalen zum Schmuck heim, wie z.B. für die Halsketten
und die Armbänder.
Viehzucht
Mit der Entstehung des Ackerbaus nahm die Viehzucht auch ihren Anfang.
Zwei Ställe traten hier zutage. Die ausgehobene Tierskelette stellen
unter Beweis, dass die Banpo-Menschen schon Hunde und Schweine züchteten.
Die Archäologen können heute nicht feststellen, ob Hühner, Rinder und
Ziegen damals Haustiere waren, da die gefunden Skelette zu wenig sind.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder waren sie Beutetiere oder Zuchttiere.
Sammeln
Der Ackerbau und die Viehzucht verbesserten die Existenz der Banpo-Menschen.
Trotzdem lebten sie noch in einem großen Maß vom Sammeln. Manche Häuser
und Vorratsgruben weisen Haselnüsse, Tannensamen, Kastanienschalen,
Schnecken und Muscheln auf. Sammeln war vermutlich vor allem die Tätigkeit
von Frauen.
Die zweite Ausstellungshalle
Die Ausstellung zeigt das gesellschaftliche Leben, die Kunst und die
Erfindungen der Banpo-Menschen.
Die Gesellschaft der Banpo-Menschen
Die Gesellschaftsform der Banpo-Menschen war die matrialchalische Sippengemeinschaft,
in der die Frauen eine herrschende Stellung hatten. Die unterschiedlichen
ausgegrabenen Gegenstände lassen erkennen, dass die Banpo-Menschen
in der Urgesellschaft lebten, ohne privaten Besitz und Privateigentümer-Mentalität,
ohne Klassen und Ausbeutung. Alle arbeiteten kollektiv und genossen
ihre Produkte zusammen. Die Urgesellschaft ist die erste Stufe der
Menschheitsentwicklung. Zu dieser Zeit war die Produktivkraft sehr
rückständig und das Leben sehr hart.
Das zentral gelegene große Hause
In der Siedlung waren zwei große Häuser entdeckt worden, jedes war von
anderen Wohnhäusern umgeben. Sie dienten wahrscheinlich zur Versammlung
aller Bewohner und auch als Wohnhäuser für Alte und Kinder.
Kleidung, Weben und Flecht
Die Banpo-Menschen machten ihre Kleider zumeist aus Fell und Leder. Dazu
musste man mit einer keramischen Feile Fleisch und Fett von Fell und
Leder entfernen. In der Siedlung wurden über 800 keramische Feilen
gefunden. Die ausgegrabenen Tonspirinwirtel und Beinweberschiffchen
beweisen, dass sie spinnen und weben konnten, vielleicht aus Hanf,
Flachs oder Tierhaar. Unter Nähmitteln finden sich Beinnähnadel, Beinahle.
Leinen wurde damals sehr viel verwendet. Die Menschen flochten Körbe
und Matten aus Bambus, Schilf und Rotang.
Keramik
Bei den in der Siedlung ausgegrabenen Gebrauchsgegenstände handelt es
sich meistens um Keramik, wie den Topf mit spitzen Boden, den Napf
mit rundem Boden, den Krug mit engem Hals, Schüssel und Töpfe in verschiedenen
Größen, Tassen, Schalen, Dampfgefäße (Zeng). In der Töpferstätte, die
nördlich des Wohnbereiches lag, kamen sechs Brennofen zutage. Nach
Analysen erreichte die Brenntemperatur 800 bis 1.000 Grad C. Jeder
Ofen konnte vier bis fünf kleine Keramikstücke oder ein großes aufnehmen.
Wenn es um ein kleines Stück ging, wurde ausgewählter Lehm direkt zu
einer bestimmten Gestalt geknetet, an einem großen Stück wurde jedoch
das sogenannte Winden-Verfahren angewendet. Der Lehm wurde zuerst zu
platten Streifen gedreht, dann wurden sie in Ringen zu einer gewünschten
Gestalt übereinandergelegt. Nachdem das gestaltete Stück geglättet
und der Rand instandgesetzt war, setzte man es in den Ofen zum Brennen.
Kochgefäße wurden aus Lehm mit Sandbeimischung hergestellt, deswegen
waren sie feuerfest, leiteten die Wärme gut
und verteilten sie gleichmäßig. Zu Wasserbehälter zählen Krüge mit
Tülle, Kannen mit engem Hals, kürbisförmige Krüge. Die Krüge aus der
frühen Jungsteinzeit waren noch ohne Tülle, erst die aus der späten
Jungsteinzeit waren mit Tülle. Zu Eßgefäßen, zum größten Teil aus feinem
Töpferton, gehören Schüssel in verschiedenen Größen, Näpfe, Tassen,
Schalen, ein Teil davon hat verschiedene bemalte Muster und wird als
die Auslese der Keramik aus der Siedlung gewertet. Mineralien dienten
als Farbstoff: Ocker als Rotstoff, Manganschaum als Schwarzstoff, Kaolin
als Weißstoff.
Die Kunst
In der langen Produktionspraxis erlernten die Banpo-Menschen Malen und
Schnitzen, schufen viele Meisterstücke, die die Natur oder ihre Arbeit
ausdrückten. Ihre Themen waren immer aus ihren Produktionstätigkeiten
und ihrem täglichen Leben. Die Keramikverzierungen bestanden zumeist
aus Hirschen und Fischen, alle sind in kräftigen Farben lebendig gemalt,
zeigen einen realistischen Stil. Wellen- und Pflanzenornamente sind
naturgetreu, besitzen das Gepräge der chinesischen Malerei.
Das Banpo-Keramikmalen entwickelte sich in einem Prozeß von
Konkretheit zu Abstraktheit vom realistischen zum Xieyr-Stil. Die Evolution
der geometrischen
Muster aus dem Fischmotiv ist der beste Beweis dafür. Stilisiertes Menschengesicht mit zwei Fischen im Mund
Das gilt als typisches Muster des Banpo-Keramikmalens. Daran kann man
das reichliche Vorstellungsvermögen der Banpo-Menschen erkennen. Die
Striche von diesem Dekor sind klar und einfach, ganz oben ist ein Haarknoten
in dreieckiger Form, beiderseits im Mund sind zwei Fische. Das Muster
zeigt eine enge Beziehung zwischen Fischen und den Banpo-Menschen und
ihr besonderes Gefühl zu Fischen. Das könnte das Totem der Banpo-Sippe
sein.
Schnitzen
Unter Schnitzarbeiten finden sich eine Tonpfeife – das älteste Instrument,
ein Tonmodell eines Menschenkopfes mit allen fünf Sinnesorganen und
mit einem Loch im rechten Ohrläppchen für das Anbringen von Ohrgehängen,
ein Tonvogel, ein Deckelgriff in Tiergestalt.
Nach Erindung der Haarspange störten die Haare bei der Arbeit
nicht mehr. Die Banpo-Menschen hätten vielleicht schon einen primitiven
Begriff von Zahlen und Geometrie, denn es gibt an manchen Töpfen ein
gleichseitiges Dreieck.
Der Topf mit spitzem Boden ist einer der Funde mit der ausgeprägtesten
Besonderheit. Das ist ein Topf zum Wasserschöpfen, bei dem das Schwerpunktprinzip
klug angewendet wurde. An seinen beiden Henkeln kann man ein Seil zum
Tragen festbinden. Wenn der Topf den Wasserspiegel durchstößt, fällt
er wegen des Auftriebs um und es strömt Wasser hinein. Wenn er voll ist,
verlagert sich der Schwerpunkt nach hinten und der Topf steht wieder
senkrecht. Er weist zwei Vorteile auf: er konnte mit der Hand oder auf
dem Rücken getragen werden; Wasser läuft beim Tragen schwer über, weil
die Öffnung klein ist.
Ritzzeichen
Die Banpo-Menschen erfanden die Zeichen, die als Symbol für bestimmte
Gegenstände dienten. Man hat insgesamt 113 Ritzzeichen in 22 verschiedenen
Arten gefunden. Sie sind zumeist am Rand der Öffnung, auf dem Grund
oder an irgendeiner Stelle der Gefäßoberfläche eingeritzt. Sie werden
bei manchen Wissenschaftlern als Vorläufer der chinesischen Schriftzeichen
gewertet.
Tongefäß zum Dämpfen
Das ist das älteste Beispiel, Dampf zu benutzen.
Das große Gebäude für Baureste
Der ganze Wohnbereich nimmt eine Fläche von 30.000 qm ein. Darauf gruppieren
sich insgesamt 44 Wohnhäuser mit rundem oder rechteckigem Grundriß
um zwei zentral gelegene große Häuser. Ein kleiner Graben läuft durch
die Siedlung. Neben den Häusern liegen 73 Kinderbestattungen mit Tonsärgen
und über 200 Vorratsgruben. Die Größe der Anlage lässt darauf schließen,
dass hier etwa 500 Menschen lebten. Das große Haus für Baureste mit
einer Fläche von 3.000 qm zeigt einen kleinen Teil davon. Hier sind
zwei unterschiedliche Bauweisen zu sehen: das halb in den Boden eingesenkte
Wohnhaus und das zu ebener Erde ausgeführte Wohnhaus. Baumaterien sind
hauptsächlich Holz und Lehm mit Strohmischung. Der Wohnbereich wurde
durch einen fünf bis sechs m tiefen und sechs bis acht m breiten Graben
umgeben. Außen war im Norden die gemeinsame Begräbnisstätte und im
Osten die Töpferstätte.
Das runde Haus aus der frühen Epoche
Sein Durchmesser ist ungefähr 6,5 m. Der Eingang des Lehmbaus weist nach
Süden. Hinter dem Eingang auf beiden Seiten steht je eine Trennwand.
Der Herd in der Mitte wurde durch eine Vorratsgrube aus der späten
Epoche zerstört. In der Ecke sollte ein Kang stehen, eine heizbare
Schlafbank, die mit dem Herd als Heizquelle verbunden ist. Das Haus
sieht von außen wie eine Jurte aus.
Das halbunterirdische Haus mit rechteckigem Grundriß
Das Haus mit einer einfachen Struktur ist 3,8 m lang wie breit, 0,7 m
tief. Der Eingang ist mit einer Neigung gebaut. Auf beiden Seiten des
Eingangs liegen vier symmetrisch angeordnete Pfahllöcher. Wegen des
halbunterirdischen Standes war es im Innenraum feucht. Solche Häuser
gehören immer zur frühen Epoche.
Tonsärge
Die Begräbnisstätte außerhalb des Wohnbereiches ist die ewige Ruhestätte
für Erwachsene, während die verstorbenen Kinder innerhalb der Siedlung
blieben. Sie wurden neben Häusern bestattet, in einem Tongefäß als
Sarg. Die Öffnung eines Tonsarges wurde mit einer Tonschüssel bedeckt,
in deren Mitte ein Löchlein gestemmt wurde. Wahrscheinlich ist das
der Ein- und Ausgang für die Seele. Wenn das verstorbene Kind zu groß
war, dann wurde es mit zwei aufeinanderstehenden Tonsärgen bestattet.
Insgesamt 73 Tonsärge für Kinder wurden ausgegraben. Wegen den schlechten
Existenzbedingungen und den ansteckenden Krankheiten war die Sterblichkeitsrate
bei Kindern sehr hoch.
Der Schnitt durch unterschiedliche Kulturschichten
Der Schnitt zeigt die Kulturschichten aus verschiedenen Epochen. Die
Schicht ganz oben ist die heutige Ackerbaukrume, dann folgen vier Schichten,
die aus gefallenen Häusern, beschädigten Werkzeugen und Tontöpfen,
Tierskeletten, Strohaschen bestehen und in verschiedene Epochen gehören.
Der am besten erhaltene mittlere Teil ist drei m dick, das bezeugt,
dass die Banpo-Menschen hier in einem großen Zeitraum lebten.
Der kleine Graben
Der 1,8 m breite Graben lief durch den ganzen Wohnbereich. Möglicherweise
war er eine Grenze zwischen zwei Sippen (Clanen). In der Gentilgesellschaft
war es streng verboten, Ehepartner innerhalb der Sippe zu wählen. So
wohnten in dieser Siedlung zwei Sippen, die einander heirateten und
durch einen Graben getrennt wurden.
Zur Banpo-Zeit war die Exogainie die übliche Heiratsordnung.
Der Mann, der mit einer Frau in einem bestimmten Zeitraum zusammenlebte,
sollte in der Sippe seines Partners wohnen, mitarbeiten und die Kinder
zusammen ernähren. Aber der Stammbaum war ganz von der mütterlichen Seite
abhängig. Während des Zusammenlebens durfte jeder der beiden Partner
sexuellen Kontakt mit anderen haben. Neben einem Hauptmann hatte eine
Frau noch andere Männer und ein Mann hatte auch andere Frauen. Deswegen
kannten die Kinder nur ihre Mutter, ihren Vater aber nicht. Das ist die
typische Eheform in der Clangesellschaft.
Vorratsgruben
Das ist eine Vorratsgrube aus der späten Epoche. Sie diente zur Aufbewahrung
von Getreide, Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen. Ihr Durchmesser
auf dem Boden ist 2,7 m und ihre Tiefe 1,8 m. In der ganzen Siedlung
gibt es über 200 Vorratsgruben. 43 davon aus der frühen Epoche sind
klein, die aus der späten Epoche sind größer. Das könnte man vielleicht
als einen Beweis für die Erhöhung der Produktion und des Vorrats ansehen.
Alle Vorratsgruben befanden sich außerhalb der Häuser, das heißt, alle
hatten alles zusammen in Besitz.
Das runde Haus und die Pfahllöcher in drei Kreisen
Bei den Überresten des runden Hauses kann man Pfahllöcher in drei Kreisen
sehen, die zu drei unterschiedlichen Kulturschichten gehören. Hier
wurde in verschiedenen Epochen dreimal gebaut. Die Herdüberreste sind
aus der späten Epoche.
Das halbunterirdische Haus mit rechteckigem Grundriß
Das Haus ist 4,4 m lang, 3,2 m breit und 0,4 m tief. Der westliche Teil
ist 10 mm höher als der östliche und bildete eine Terrasse, wo die
Bewohner schliefen. Im östlichen Teil wurden Töpfe und Pfeilspitzen
ausgegraben. So könnte man vielleicht sagen, die Bewohner schliefen
schon an einer festen Stelle, ihre Gebrauchsgegenstände standen auch
an einer festen Stelle.
Das Haus mit rechteckigem Grundriß
Die Fläche des Hauses beträgt 17 qm. Der Eingang weist nach Süden. Der
Boden war mit Brettern belegt. 10 größere Pfähle wurden aufgerichtet,
zwischen denen kleinere Pfähle und Bretter mit Rotang aneinander festgebunden
waren. Die Wände wurden mit Schlamm, der mit Stroh vermischt war, verschmiert.
Dieser Haustyp weist schon die Eigenschaften des chinesischen Baues
auf.
Der große Schutzgraben
Der Graben sollte 300 m lang, 6 bis 8 m breit, 5 bis 6 m tief sein. Er
umgab den ganzen Wohnbereich und diente zum Schutz vor Wildtieren,
Hochwasser und anderen Stämmen. Wie hart es war, wenn man mit so primitiven
Werkzeugen an einem so großen Graben arbeitete!
Die gemeinsame Begräbnisstätte
Nördlich des Wohnbereichs befand sich die Begräbnisstätte, da wurden
174 Gräber freigelegt, 71 davon mit Grabbeigaben. Die ausgegrabenen
Skelette lassen erkennen, dass die Verstorbenen auf drei Weisen bestattet
wurden: Bestattung in Rückenlage, Bestattung in Bauchlage, Bestattung
zum zweiten Mal (möglicherweise wurde der am fremden Ort verstorbene
in die Heimat umgelegt). Alle Verstorbenen lagen mit dem Kopf gegen
Westen. Man glaubt, die Banpo-Menschen hätten geglaubt, dass sie nach
dem Tod in eine andere Welt gingen, die in der Richtung des Sonnenuntergangs
war.
Der Stall
Der Stall ist 5,7 m lang, 2,5 m breit. Ein flacher Graben läuft auf der
nördlichen Seite. Auf der südlichen und östlichen sind 27 Pfahllöcher
zu sehen. Eine Menge von Hund- und Schweineskeletten beweist, die Banpo-Menschen
kannten bereits Zucht von Hunden und Schweinen. Ein Hund ist leicht
zu züchten und ist eine gute Hilfe beim Jagen, ein Schwein kann sich
schnell vermehren und mehr Fleisch anbieten. Es ist leicht eingegattert
zu züchten, deshalb wurden sie zu den frühesten Haustieren.
Die Vorratsgrube in Sackgestalt
Sie ist oben eng, unten breit, 52 mm tief. Der Durchmesser beträgt 1,6
m. Darin war eine 1,6 mm dicke Häufung von Hirseüberresten.
Die miteinander gebundene Herde
Es sind zwei Herde in unterschiedlichen Formen, der östliche oval, der
westliche rund. Die beiden waren durch einen schmalen Gang verbunden.
Die harte Schicht der Innenwand zeigt, dass die Herde sehr viel benutzt
wurden. Sie dienten vielleicht dazu, die Glut zu bewahren, weil ein
Anzünden für Banpo-Menschen sehr schwer war.
Die Ausgrabungen und die Forschung der alten Siedlung gehen
heute noch weiter. Es stehen noch viele Rätsel ohne Lösung. Viele Spuren
lassen
z.B. darauf schließen, dass die Siedlung plötzlich aufgegeben wurde,
ohne Werkzeuge und Getreide mitzunehmen. Worin liegt der Grund? Krieg?
Überschwemmung? Erdbeben? Epidemie? Religiöse Angst? Alles ist möglich,
alles hat keinen Beweis. Ein großes Rätsel! Dieser Text wurde von Zeng Qi (曾琦) zur Verfügung gestellt
Lesezeichen, Weitersagen und Empfehlen
(Worte, die häufiger genannt wurden, werden größer geschrieben als jene, die seltener genannt wurden.)
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