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48 Taijiquan (chin. 太极拳) Figuren. Taijiquan - verkürzend Tai Chi oder chinesisches Schattenboxen

Grundsätzliches zu den Übungen von Taijiquan

Übung macht den Meister, das gilt auch für das Taijiquan.
Im allgemeinen kann man die Taijiquan-Übungen in drei Stufen einteilen. Bei der ersten Stufe ist das Hauptgewicht auf die grundlegenden Bewegungen und Posituren zu legen. Die Hand- und Schrittformen, Hand- und Schrittbewegungen sowie Körperhaltungen und -formen müssen eingeübt und beherrscht werden, damit man sie richtig, sanft und anmutig ausführen kann. Bei der ersten Stufe hat man sich mit dem Gemeinsamen und dem Wesentlichen der Übungen vertraut zu machen, so dass die Bewegungen fließend ineinander übergehen. Bei der dritten Stufe ist der Schwerpunkt auf die Kraftanwendung in Verbindung mit der Konzentration und der Atmung zu legen. Die Gedanken, die Atmung und die Kraft müssen aufeinander abgestimmt sein.
Folgendes ist bei den Übungen zu beachten:

Bei der ersten Stufe:

  1. Aufrechte Haltung
    Der Körper muß aufrecht gehalten werden, Kopf und Nacken sind zu strecken, die Schultern und die Ellbogen sind locker herabzulassen, die Taille ist locker und das Gesäß zurückgezogen. Besonders wichtig ist die aufrechte Haltung des Rückgrats, damit der ganze Körper die richtige Position einnimmt. Eine fehlerhafte Positur eines jeden Körperteils beeinflusst die ganze Haltung negativ. Wenn das Gesäß z.B. hinausgestreckt wird, werden auch Taille, Hüfte und Bauch in Mitleidenschaft gezogen.

  2. Standfestigkeit
    Eine richtige Haltung des Oberkörpers setzt die Standfestigkeit der Beine voraus, deren Bewegungsformen und Schritte von grundlegender Bedeutung sind. Wenn ein Schritt zu klein ist, die Füße eine falsche Position eingenommen haben oder in einem falschen Winkel stehen, oder wenn der Übergang der Bewegungen nicht korrekt vonstatten geht, kann man eventuell das Gleichgewicht verlieren. Diesen Problemen kann man mit Übungen der einzelnen Grundbewegungen begegnen.

  3. Ungezwungen und locker
    Die Bewegungen sollten ungezwungen und locker ausgeführt werden. Anfänger neigen zu straffen Haltungen, was von Anfang an vermieden werden muß. Man sollte bei den Übungen jederzeit entspannt sein.

  4. Langsam und sanft
    Ein wichtiges Merkmal von Taijiquan sind langsame und sanfte Bewegungen. Man soll bei der ersten Stufe den Schwerpunkt darauf legen, die Bewegungen langsam, sanft und gleichmäßig asuzuführen.

Bei der zweiten Stufe:

  1. Kontinuierlich
    Nachdem man einzelne Bewegungen beherrscht, müssen sie wie aus einem Guß ausgeführt werden. Das Ende einer Bewegungsform ist zugleich der Anfang der nächsten Bewegungsform, wobei der richtige Rhythmus einzuhalten ist.

  2. Harmonisch und abgestimmt
    Taijiquan ist eine Sportart für den ganzen Körper und setzt die richtige Koordination der Gliedermaßen voraus. Der Antrieb für die Bewegungen kommt aus der Taille, von wo er dann auf die Gliedermaßen übertragen wird. Der Kopf folgt dem Körper und die Blicke folgen den Händen.

  3. Abgerundet
    Die Bewegungen bestehen aus unterschiedlichen Bogen und Kurven. Rechte Winkel und gerade Linien sind zu vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Taille als Achse anzunehmen, um die alle Bewegungen abgerundet ausgeführt werden.

Bei der dritten Stufe:

Bis hierher hat man alle Bewegungen kennengelernt und eingeübt und geht nun zum "bewussten" Training über. Dabei ist folgendes zu beachten:

  1. Xu und Shi
    Xu und Shi sind gleichsam das Gegensatzpaar beim Taijiquan. Xu bedeutet bis auf wenige Ausnahmen den Bewegungsprozeß und Shi das Ende eines Bewegungsprozesses; Shi bedeutet ferner das stützende und Xu das andere Bein; Shi bedeutet den Arm, der die Hauptbewegung ausführt, und Xu den anderen Arm. Für die Bewegungen bzw. Körperteile, auf die Shi zutrifft, sollte stärkere Kraft angewendet werden, während für die Bewegungen bzw. Körperteile, auf die Xu zutrifft, leichte und zurückhaltende Kraft einzusetzen ist. Die Taille und die Gelenke z.B. sollen beim Ende einer Bewegung und beim Übergang von einer Bewegungsform zur anderen locker und stabil sein. Wenn ein Arm von Xu zu Shi übergeht, soll man Kraft auf den Unterarm konzentrieren, den Handteller strecken, das Handgelenk etwas hängen lassen oder langsam eine Faust ballen; wenn ein Arm umgekehrt von Shi zu Xu übergeht, soll man den Unterarm leicht bewegen, den Handteller nicht voll strecken oder die Faust langsam lockern. So werden die Bewegungen harmonisch ausgeführt.

  2. Gleichmäßigkeit und fließende Verbindung der Bewegungen
    Bezüglich der Kraftanwendung bei den Taijiquan-Übungen sind außer einer "Kombination von Härte und milde" noch die Gleichmäßigkeit und fließende Verbindung der Bewegungen gefordert. Abrupte Kraftanwendung und Unterbrechungen bei den Übergängen sind zu vermeiden. Die Bewegungen sind kontinuierlich, gut kombiniert und abgerundet auszuführen, wobei die Kraft aus den Beinen und der Taille kommt und auf die Arme und schließlich auf die Finger übertragen wird, Die Drehbewegungen der Taille sind mit Beugen und Strecken der Beine, Hineinziehen und Herausschieben der Füße sowie mit der Verlagerung des Körpergewichts abzustimmen. Neben der Taille kommt den Armen eine besonders wichtige Rolle zu, denn sie führen die meisten Variationen der Bewegungen aus.

  3. Sich konzentrieren und die Bewegungen durch Gedanken leiten
    Bei den Taijiquan-Übungen soll man seine Gedanken konzentrieren. Bei der Ausführung der grundlegenden Handform "Streichen" z.B. soll man daran denken, ein Objekt zu streichen, und die Bewegung vom Kopf aus leiten. Dies wirkt positiv auf die Stärkung der Körperfunktionen und der Lebenskraft. Deshalb nennen manche das Taijiquan "Gymnastik der Sinne". In bezug auf die Rolle der Gedankenführung ist folgendes zu beachten:
  • Die Gedanken konzentrieren heißt nicht, dass man angespannt sein soll. Die Konzentration geht einher mit abwechselnd starker und leicht Kraftanwendung und dem Rhythmus der Bewegungen.
  • Gedanken, Kraftanwendung und Bewegungen sind eine Einheit, wobei die Anwendung der Kraft und die Bewegungen von den Gedanken geleitet werden.
    Die Gedanken leiten die Kraftanwendung, die wiederum die Bewegungen erzeugt. Auch wenn die Bewegungsformen und die Kraftanwendung wechseln, die Gedanken bleiben. Man soll aber dieses Verhältnis nicht radikal verstehen und nur nach "tiefer Ruhe" streben, denn dies würde die Verbindung zwischen den Gedanken und den Bewegungen trennen.
  • Natürliche Atmung
    Beim Taijiquan sind ruhige und lange Atemzüge angebracht. Anfänger sollten zunächst wie gewohnt atmen. Später, wenn man die Bewegungen beherrscht, sollte man die Atmung je nach der Gedankenführung richten und so die sog. "Boxen-Atmung" erreichen, die der Kraftanwendung und den Bewegungen besser gerecht wird. Wenn sich z.B. eine Bewegungsform dem Ende nähert, soll man sich beruhigen und alle innere Kraft konzentrieren. Zu diesem Zeitpunkt soll sich die Atmung den Bewegungen anpassen, indem man den Brustkorb weitet und die Rippen und den Bauch zusammenzieht, damit die Kraft beim Ausatmen verstärkt wird. Normalerweise soll man beim Übergang von Shi zu Xu leichte Kraft ausüben, die Schultern ausweiten und einatmen. Beim Übergang von Xu zu Shi soll man umgekehrt stärkere Kraft ausüben, die Schultern und Brustkorb zusammenziehen und ausatmen. Diese Bewegungskombination passt sich der Körperfunktion an und bietet dem Übenden die größte Freiheit. Bei der "Boxen-Atmung" wird aus dem autogenen Atmen ein bewusst gesteuertes Atmen.
    Die Anwendung der "Boxen-Atmung" ist nicht absolut zu befolgen. Die Bewegungen des Taijiquan sind auch nicht nach dem Rhythmus der Atmung zusammengestellt. So wird je nach Stilrichtung beim Taijiquan ein unterschiedlicher Atmungsrhythmus empfohlen. Aber auch beim gleichen Taijiquan kann für Übende mit unterschiedlicher Kondition eine unterschiedliche Atmung angemessen sein. Generell gilt nur, dass man bei wichtigen Bewegungen und beim Zusammenziehen bzw. Ausweiten der Schultern die "Boxen-Atmung" praktizieren soll. Bei Übergangsbewegungen und schwierigen Bewegungen, bei denen man mit der "Boxen-Atmung" Probleme hat, kann man es bei der natürlichen Atmung oder "Anpassungsatmung" belassen. Wie gut man Taijiquan auch beherrschen mag, die Verbindung von "Boxen-Atmung" und natürlicher Atmung ist stets erforderlich. Ein festes Programm für den Atmungsrhythmus gibt es nicht. Insbesondere für Kranke und Geschwächte kann der Atmungsrhythmus ohnedies nicht vereinheitlicht werden.

Vorbemerkungen

  1. Zum besseren Verständnis wurden die einzelnen Bewegungen nicht nur genau beschrieben, sondern auch in den Bildern einschließlich der Bewegungsrichtungen erläutert.

  2. Die beschriebenen Körperteile, egal ob sie im Text vorn oder hintenstehen, müssen bis auf wenige Ausnahmen gleichzeitig und aufeinander abgestimmt bewegt werden.

  3. Die Richtungsangaben werden mit vorn, hinten, links und rechts bezeichnet.

  4. Die Bewegungslinien auf den Abbildungen sind für die linke Hand und den rechten Fuß punktiert und für die rechte Hand und den linken Fuß durchgezogen.

  5. Manche Bewegungen werden vom Körper verdeckt und können deshalb nicht in einer einzigen Abbildung ausreichend dargestellt werden. In solchen Fällen wird eine zweite Abbildung hinzugefügt - unter derselben Abbildungsnummer.

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