Das Taijiquan (chin. 太极拳 - verkürzend Tai Chi oder chinesisches Schattenboxen)
im Sun-Stil
Das Taijiquan im Sun-Stil wurde von Sun Lutang (1861-1932) begründet. Sun Lutang
wurde in Dingxian, Provinz Hebei, geboren. Als ein begeisterter Wushu-Schüler
lernte er zuerst das Xingyiquan (Tierimitations-Faustkampf mit freiem
Gefühl) und dann das Baguazhang (Acht-Diagramm-Handfläche). Er übte solange,
bis er beides vollends beherrschte. Nachdem er in den ersten Jahren der
Republik China sich mit dem Taijiquan vertraut gemacht hatte, lernte
er die wichtigen Punkte aller Schulen und entwickelte dann das Sun-Taijiquan,
das er in dem Buch Die Kunstfertigkeit des Taijiquan beschrieb. Den Stil
dieses Taijiquan kennzeichnen natürliche und geschmeidige Bewegungen
des Vorwärts- und Rückwärtsgehens. Wenn die Richtung geändert wird, werden
die offenen und schließenden Schritte meistens zur Verbindung der Bewegungen
genutzt. Man spricht deshalb auch vom "Taijiquan mit freien offenen und schließenden Schritten".
Die oben genannten fünf Hauptschulen des Taijiquan unterscheiden sich
in Stil und Haltung, doch die Zusammensetzung der Übungen und die Reihenfolge
der Bewegungen sind ähnlich. Außer zur Krankheitsbehandlung und zum Gesundheitsschutz
zur Verlängerung des Lebens können sie alle auch für Angriff und Verteidigung
eingesetzt werden. Sie alle umfassen Handstöße sowie Waffenübungen wie
das Taiji-Schwertspiel, das Taiji-Säbelspiel und das Taiji-Speerspiel.
Und gemeinsam haben sie alle die folgenden Merkmale.
1) Leicht und weich
Während man das Taijiquan praktiziert, ist die Körperhaltung ruhig und
fest. Die Bewegungen sollten nicht steif oder zögerlich sein; sie sollten
den physiologischen Gewohnheiten des menschlichen Körpers entsprechen,
also gilt es, plötzliches Steigen, Fallen und Springen zu vermeiden.
Wenn man eine Taijiquan-Übung ein- bis zweimal praktiziert, wird man
deshalb zwar schwitzen, aber nicht außer Atem sein. Infolgedessen kann
man ungeachtet des Alters, des Geschlechts und der körperlichen Kondition
Taijiquan lernen und praktizieren. Insbesondere gilt es als eine ausgezeichnete
Therapie für körperlich Schwache und für Leute, die an einer chronischen
Krankheit leiden.
2) Kontinuierlich und gleichmäßig
Die Übungen des Taijiquan sind von Anfang bis Ende eng miteinander verbunden
in einer endlosen Kette. Zwischen ihnen gibt es keine eigentliche Pause.
Der ganze Satz wird mit gleichbleibender Geschwindigkeit ausgeführt
- wie dahinziehende Wolken oder ein ruhig dahinfließender Strom.
3) Rund und natürlich
Anders als bei anderen Faustkampf-Schulen müssen beim Taijiquan die Bewegungen
der Arme rund und kreisförmig sein. Gerade Bewegungen sollten vermieden
werden, denn alle Gelenke des menschlichen Körpers sind natürlich gekrümmt.
Eben deshalb nennen manche Leute das Taijiquan einen "runden
Sport". Kreisförmige Übungen machen die Bewegungen rund, natürlich und weich und fördern
so die gleichmäßige Entwicklung aller Teile des menschlichen Körpers.
4) Harmonisch und vollkommen
Die Übungen und die einzelnen Bewegungen erfordern eine harmonische Übereinstimmung
zwischen den oberen und den unteren Körperteilen und zwischen dem Innern
(Gefühl und Atmen) und dem Äußeren (Rumpf und Gliedmaßen). Es muß ein
Zusammenwirken aller Körperteile geben. Die Taille dient als Achse,
und viele Bewegungen der Gliedmaßen werden durch den Rumpf gelenkt.
Rumpf und Gliedmaßen sind aufeinander abgestimmt. Alles soll kontinuierlich
und übereinstimmend erfolgen, der ganze Körper muß sozusagen gleichgeschaltet
sein.
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