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Das Taijiquan (chin. 太极拳 - verkürzend Tai Chi oder chinesisches Schattenboxen)
im Chen-Stil
Das Taijiquan im Chen-Stil gibt es in einer alten und einer neuen Variante. Die
alte Variante wurde von Chen Wangting Anfang der Qing-Dynastie (1644-1911)
geschaffen. Sie umfasste ursprünglich fünf Übungsfolgen (auch dreizehn
Formen genannt), einen Satz des Changquan (Lang-Stil-Faustkampf), bestehend
aus 108 Formen, und einen Satz des Paochui (Kanonen-Faustkampf). Basierend
auf den Erfahrungen, die in den 300 Jahren seit Chen Wangting gemacht
wurden, hat man den ursprünglichen Faustkampf verbessert und die ersten
zwei Sätze des heutigen Chen-Taijiquan geformt. Diese Sätze wurden sorgfältig
mit verschiedenen Geschwindigkeiten, Intensitäten, körperlichen Techniken,
Kräfteeinsatz und Schwierigkeitsgraden arrangiert. Sie stimmen mit den
Prinzipien des Schritt-für-Schritt-Vorgehens und der Verbindung von Härte
und Weichheit überein.
Der erste Satz besteht aus 83 Formen. Seine wesentlichen Merkmale sind: (1) Deutliche
Vorführung der Seide - spinnenden Kraft. Dabei kommt bei allen Bewegungen
die Kraft aus dem Rücken und der Taille und strömt bis zu den Spitzen
der vier Gliedmaßen. Die Bewegungen werden kreis- und spiralförmig ausgeführt
- Wickeln, Winden, Spinnen und Drehen, so dass "bei jeder Bewegung alle Körperteile in Bewegung sind"; (2) Härte und Weichheit verbinden, wobei die Härte der Weichheit innewohnt.
Mit anderen Worten: Wenn eine Bewegung ausgeführt wird, muß man eine
innere Kraft erzeugen, die scheinbar hart oder weich ist, in Wirklichkeit
aber nicht, und die schwer und flexibel ist; (3) die Bewegungen müssen
mit dem Atmen und der Richtung der Kräfte verbunden werden, um zu gewährleisten,
dass der Energiestrom zur Unterleibsgegend fließt und in ihr zirkuliert.
Während des Ausatmens kann man Laute von sich geben, um die Kraft zu
verstärken; (4) Schnelligkeit und Langsamkeit in gleicher Weise betonen.
Mit anderen Worten: die Bewegungen müssen rasch miteinander verbunden
werden, sind im allgemeinen jedoch langsam; (5) es gibt drei Rahmen von
Taijiquan, einen großen, einen mittleren und einen kleinen. Körperlich
Schwache und Kranke sollen den großen Rahmen praktizieren, junge und
starke Menschen den kleinen.
Der zweite Satz hieß ursprünglich Paochui oder Kanonen-Faustkampf. Er
besteht aus 71 Formen. Seine Hauptmerkmale sind: (1) Es gibt mehr Bewegungen,
die mit durch Fußstampfen erzeugter Kraft ausgeführt werden; (2) die
Bewegungen sind schneller und härter und besitzen eine größere Explosionskraft
als beim ersten Satz; (3) es gibt mehr Sprünge, Ausweichungen und Übertragungen.
Der zweite Satz eignet sich gut für junge Leute, ist aber weniger bekannt
als der erste Satz.
Die neue Variante des Taijiquan im Chen-Stil hat ebenfalls
zwei Sätze. Der eine wurde von Chen Youben, einem Faustkampf-Lehrer im
Dorf Chenjiagou, geschaffen. Die Reihenfolge ist dieselbe wie bei der
alten Form, doch der Rahmen ist kleiner, auch die Wendungen sind kleiner,
und die schwierigen Bewegungen wurden herausgelassen. Die Leute in Chenjiagou
nennen ihn den Kleinen Kreisfaustkampf und die alte Form den Großen Kreisfaustkampf.
Sobald Chen Xin sich mit diesem Satz näher beschäftigt hatte, verfasste
er ein Buch mit dem Titel Illustriertes Chen-Taijiquan, in dem er die
Faustkampf-Erfahrungen von mehreren Generationen der Familie Chen beschrieb.
Den zweiten Satz der neuen Variante des Chen-Taijiquan hat Chen Qingping,
ein Schüler von Chen Youben, entwickelt. Dieser Satz ist durch seine
Kompaktheit und durch langsame Bewegungen gekennzeichnet. Sein Schwierigkeitsgrad
kann, sobald man die Kunstfertigkeiten beherrscht, gesteigert werden,
indem man mehr Kreisbewegungen ausführt. Zuerst wurde dieser Satz in
Zhaobao im Kreis Wenxian, Provinz Henan, verbreitet und sodann als Zhaobao-Rahmen
bekannt. Der Faustkampf im Chen-Stil ist die älteste Schule, und alle
anderen Schulen wie das Taijiquan im Yang-Stil, im Wu-Stil, im Stil der
Familie Wu und im Sun-Stil wurden auf der Grundlage des Chen-Stils entwickelt.
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