|
|
![]() |
|
Das Taijiquan (chin. 太极拳 - verkürzend Tai Chi oder chinesisches Schattenboxen) stammt aus dem Wudang-GebirgeDas chinesische Wushu steht mit der Religion in enger Verbindung. So kam es zu der Theorie, dass das Taijiquan seinen Ursprung im Wudang-Gebirge hatte, einem heiligen Ort des Taoismus. Vertreter dieser Ansicht weisen darauf hin, dass die Erlangung von Unsterblichkeit eines der wichtigsten Anliegen des altchinesischen Taoismus gewesen sei, und dass die taoistischen Priester im Wudang-Gebirge das Taijiquan zu diesem Zweck erfunden hätten. Sie waren der Überzeugung, dass tiefes Atmen, verbunden mit körperlichen Übungen, das Leben verlängern könne, weil es zu einem reibungslosen Fließen der vitalen Energie innerhalb des Körpers führe. Die Hauptfunktionen des Taijiquan sind danach die Reinigung der Kanäle für den Fluß der Energie und die regulierung des Energieflusses und Blutkreislaufs, um auf diese Weise die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten zu erhöhen und das Leben zu verlängern. Wenn auch die Herkunft des Taijiquan strittig ist, die Prinzipien, nach denen es begründet und entwickelt wurde, werden allgemein anerkannt. Das Taijiquan und die chinesische klassische Philosophie Das Taijiquan hat mit seinen speziellen Charakteristiken einen großen Einfluß auf die Wushu-Kultur in China ausgeübt, und zwar nicht nur wegen seiner Funktionen hinsichtlich des Gesundheitsschutzes und der Verbesserung der Kampfkunstfertigkeit und des Temperaments, sondern mehr noch durch seine Philosophie, die bei vielen Menschen ein großes Interesse geweckt hat, das Taijiquan zu praktizieren und zu studieren. Die Einheit der Gegensätze - das Negative und das Passive (Yin und Yang) - ist der grundlegende Gedanke in der klassischen chinesischen Philosophie. Im Buch der Wandlungen heißt es, dass die Veränderungen in allen Dingen im Universum die Manifestation der gegenseitigen Beeinflussung von Yin und Yang sind. Die mystischen und unvorhersehbaren Veränderungen in den Dingen der Welt, so heißt es dort, seien das unvermeidliche Ergebnis der Wechselbeziehungen zwischen Yin und Yang. Von dieser Vorstellung wurden dann mehrere Konzepte abgeleitet. Die Gegensätze wie Bewegung und Ruhe, hart und weich, vorwärts und rückwärts, öffnen und schließen, Krümmung und Ausdehnung, Spannung und Entspannung, hoch und niedrig, die im Taijiquan zum Ausdruck kommen, sind alle eine Manifestation der Veränderungen von Yin und Yang. Die Beziehungen zwischen Härte und Weichheit, Stille und Bewegung sowie Yin und Yang sind lediglich ein Ausdruck des Prinzips der Einheit der Gegensätze in unterschiedlichen Formen. Es sind zwar Gegensätze, doch sie ergänzen einander und bedingen sich gegenseitig. Wang Zongyue schrieb in seinem Buch Über das Taijiquan, dass das Taijiquan auf den Veränderungen basiert, die aus den Beziehungen zwischen Bewegung und Stille sowie zwischen Yin und Yang resultieren. "Vom Wuji zum Taiji". Der Begriff "Wuji" (pollos) wurde im alten China durch einen Kreis mit leerem Platz im Innern dargestellt. Dieses Symbol steht für das Chaos (oder den urzeitlichen Zustand des Weltalls, bevor sich die Erde vom Himmel und Yin von Yang trennten). Dieses Prinzip, das im Taijiquan verkörpert wird, ist die Faustkampfstellung, in der Geist und Körper zu einer Einheit integriert sind, bevor die Bewegungen beginnen und bevor Yin und Yang sich trennen. Das Taiji-Diagramm ist ein Kreis, doch was die Linien der Bewegung im Taijiquan betrifft, so sind dies meistens flache oder kleine Kreise, große Kreise, Ovale, Halbkreise, Bögen und Spiralen. Die Bewegungen müssen ununterbrochen und fließend ausgeführt werden. Sie werden nur scheinbar unterbrochen und nur scheinbar abgeschlossen. Der Fortbestand der Kreise und Bögen ist das Sinnbild des Wuji. Infolgedessen muß man beim Üben des Taijiquan offenen Geistes sein und sich durch nichts ablenken lassen. Ruhig und leer wie das grenzenlose Weltall muß das Gefühl sein. "Vom Wuji zum Taiji" ist die grundlegende Idee und Quintessenz des Taijiquan. Das Taijiquan erfordert den Einsatz eines Energiestroms, um die körperlichen Bewegungen in Kreisform zu leiten. Die Kreise umfassen innere und äußere Kreise: (1) Der innere Kreis bezieht sich darauf, dass der Fluß des Energiestroms glatt und natürlich vor sich gehen soll; dabei muß gewährleistet sein, dass es beim Atmen nicht die kleinste Pause gibt; (2) der äußere Kreis bezieht sich auf die Bahn der Kreisbewegung der Gliedmaßen und des Körpers. Die Kreisbewegungen sind das Ergebnis des sorgfältigen Studiums der philosophischen Prinzipien, die von den chinesischen Taijiquan-Meistern der vergangenen Dynastien im Buch der Wandlungen festgehalten sind. Sie sind die Essenz der Praktizierung des Taijiquan. Die traditionelle chinesische Philosophie betont die harmonische Einheit zwischen Mensch, Natur und Universum. Das Taijiquan hat diesen philosophischen Gedanken absorbiert. In der Ausführung des Taijiquan wird Wert auf die aufrechte Haltung, Entspannung, Leichtigkeit, Bequemlichkeit, Langsamkeit und Weichheit, gelegt. Bezüglich der einzelnen Teile des Körpers ist folgendes zu beachten: Kopf aufrecht halten, Brust einziehen, Rücken gerade strecken, Schultern fallen lassen, Ellbogen nach unten, Bauch und Taille entspannen, Hinterbacken einziehen, Knie entlasten und Füße leicht aufsetzen. Darin drückt sich die harmonische Übereinstimmung zwischen dem Taijiquan und der Natur aus. Verbindung des Taijiquan mit der Tiefatmung und den Dao-Yin-Übungen Die Tiefatmung und die Dao-Yin-Übungen sind chinesische Gesundheistschutzmethoden mit einer langen Geschichte. Das Fünf-Tiere-Spiel, das von Hua Tuo, einem berühmten Arzt in den letzten Jahren der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.) entwickelt wurde, verbindet Bewegungen von Tieren wie das Schütteln, Strecken, Hüpfen und Umsichblicken mit Atmungsübungen. Dies sind genau die Methoden des Qigong (Atmungsübungen) und des Neigong (innere Übungen). Aus der Verbindung der harmonischen Bewegungen von Händen, Augen, Körper und Füßen mit der Tiefatmung wurde der Neigong-Faustkampf - eine Kombination von innerem Energiefluß und körperlichen Übungen. Verbindung des Wushu mit der Theorie der Kanäle in der traditionellen chinesischen Medizin Die Kanäle sind ein besonderes Netzwerk, das einen Teil des menschlichen Körpers bildet. Sie verbinden alle Teile des Körpers zu einem organischen Ganzen. Obwohl die Anatomie die Existenz dieser Kanäle letztendlich nicht nachweisen kann, hat die moderne Wissenschaft durch verschiedene Methoden ihr Vorhandensein bestätigt. Die Taijiquan-Übungen, denen die Prinzipien der Kanaltheorie zugrunde liegen, sind durch sich windende, kreisende und spirale Bewegungen gekennzeichnet. Sie werden in Kurven und Kreisen ausgeführt und gehen daher glatt, fließend und weich vor sich. Dabei wird die Energie durch Konzentration zu den verschiedenen Teilen des Körpers zur Lenkung der Bewegungen dirigiert. Der Energiestrom fließt von der Unterleibsgegend über die Taille als Achse allmählich in die verschiedenen Körperteile bis in die Arme und Handgelenke und bis in die Knie und Knöchel, bevor er schließlich wieder zur Unterleibsgegend zurückkehrt. Dies bewirkt ein ungehindertes Fließen des Blutes und der Energie, was sich positiv auf die Behandlung von Krankheiten und insgesamt förderlich auf die Gesundheit auswirkt. Die Theorie des Taijiquan wurde zuerst in dem von Wang Zongyue verfassten Buch Über das Taijiquan vervollkommnet. Ihm folgten weitere Bücher wie Dreizehn-Form-Rahmen, Dreizehn Formen, Anleitung zur Ausführung der Dreizehn Formen, Hauptpunkte des Handstoßes, Verse für Handstoß und Fünf-Wort-Formel. Diese Werke kennzeichneten bereits eine reifere Stufe in der Entwicklung des Taijiquan. Seit der Gründung der Volksrepublik China erfährt das Taijiquan eine rasche Entwicklung. Es wurde als Disziplin in den nationalen Wushu-Wettkampf aufgenommen und ist zu einer weit und breit praktizierten Aktivität in China geworden. Gleichzeitig hat es in über 30 Ländern und Gebieten Wurzeln gefasst. Auf den 11. Asien-Spielen, die 1990 in Beijing stattfanden, war das Taijiquan offizielle Disziplin. Lesezeichen, Weitersagen und Empfehlen
|
![]() |
|||||||||||||