Shanghai - Wohnsituation
Die jahrzehntelange Vernachlässigung der Infrastruktur und des Wohnungsbaus,
aber auch die schnelle Entwicklung in den letzten Jahren haben viele
Engpässe für die weitere Entwicklung der Stadt offenkundig werden lassen.
Nach wie vor prekär ist die Versorgung mit Wohnraum, wenn sich auch nach offiziellen
Angaben der Stadtregierung die Netto-Wohnfläche pro Kopf in der Zeit
zwischen 1957 (drei Quadratmeter) und heute (neun Quadratmeter) verdreifacht
hat. Die kommunistische Stadtregierung war keineswegs untätig gewesen,
bereits seit Anfang der 1950er Jahre wurden die Wohn- und Lebensverhältnisse
in rund 300 Stadtvierteln mit unzureichendem Standard verbessert und
viele neue Wohngebiete errichtet.
Trotzdem kam der Bau von Wohnungen dem wachsenden Bedarf aus
Mangel an Kapital über Jahrzehnte nur ungenügend nach. Shanghai galt
früher in China traditionell als eine der Städte mit großer Wohnungsnot.
Erst seit Beginn der Wirtschaftsreformen fand eine Belebung des Wohnungsbaus
statt: Seit Anfang der 1980er Jahre wurde die gesamte Wohnfläche in Shanghai
mehr als verdoppelt. Die Verbesserung des Angebots an Wohnraum war verbunden
mit einer begrenzten Wohnungsreform, die unter anderem durch Förderung
des Wohnungseigentums und die Einrichtung von öffentlichen Akkumulationsfonds
die Investitionsmittel zu vergrößern suchte.
So sank der Anteil von Haushalten in akuter Wohnungsnot, das
heißt mit weniger als vier Quadratmetern Wohnfläche pro Kopf bis heute
auf knapp unter zehn Prozent aller Haushalte. In Shanghai sind es vor
allem die Altstadtviertel, die zudem von zahlreichen Industriebetrieben
durchsetzt sind, in denen immer noch sehr drangvolle Wohnbedingungen
herrschen. Da der Baugrund in den älteren Wohngegenden im Stadtzentrum
sehr teuer ist, hat die Stadtregierung den Grund und Boden teilweise
an ausländische Investoren verkauft, die Büro- Geschäfts- und Hotelkomplexe
errichteten. Als Folge dieser Praxis kam es in Verbindung mit zahlreichen
Verkehrsprojekten zu großflächigen Sanierungen in der Altstadt und Zwangsumsiedlungen
von mehreren Hunderttausend Menschen in Neubausiedlungen am Stadtrand
mit unzureichender Infrastruktur.
Die genannten Wohnungsdaten beziehen sich nur auf die Bewohner
mit Hauptwohnsitz in Shanghai, die Wohnsituation der rund drei Millionen
Einwohner mit beschränkter Aufenthaltsgenehmigung ist deutlich schlechter.
Zahlreiche Migranten leben auf den Baustellen, in einfachen Betriebs-Wohnheimen
oder sie mieten sich einen Raum bei Bauern an der Peripherie der Stadt.
Ein großer Teil der temporären Einwohner lebt am Stadtrand, weil dort
eher Platz für selbstgebaute Hütten vorhanden ist und die Polizeikontrollen
weniger scharf sind. Slumähnliche Siedlungen sind seit den 1990er Jahren
auch in Shanghai zu finden.
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