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Der Islam

Wann genau der Islam nach China kam, wird noch diskutiert; nach allgemeiner Ansicht war es im Jahr 651.

Während der Tang- und der Song-Dynastie (618-907, 960-1279) entwickelte sich die erste Phase des Islams in China. In der tang-Dynastie florierte der Handel zwischen China und den Ländern im Westen. Zahlreiche arabische und persische Händler strömten nach China. Sie wurden damals als "Fanke" (ausländische Gäste) bezeichnet. Einige ließen sich in China nieder und kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Der Kaiserhof der Tang-Dynastie nutzte übrigens arabische Söldner, um Rebellionen im Lande niederzuschlagen. Auch die meisten dieser Söldner blieben in China. Ihre religiösen Überzeugungen und viele ihrer Lebensgewohnheiten behielten diese Menschen aber bei. Sie durften Chinesinnen heiraten, an den üblichen Beamtenprüfungen teilnehmen und wurden bei guten Ergebnissen zu Beamten ernannt. In der Song-Dynastie nahm die Zahl jener Muslime ständig zu, die als Händler nach China kamen und dann im Lande blieben. Über Generationen lebten sie in China, wo man sie inzwischen als "Einheimische Fanke" bezeichnete. Solche Muslime konzentrierten sich in den Hafenstädten an der Küste und in einigen anderen großen Städten Chinas sowie in der Hauptstadt. Gebiete mit relativ vielen Muslimen wurden "Fanfang" genannt. In den "Fanfang" (ausländische Gassen bzw. Viertel) wurden Moscheen errichtet. Die "Fanfang"-Vorsteher, auch "Fanzhang" genannt, wurde von den lokalen Regierungen ernannt und stammten aus den "Fanke". Sie waren zuständig für geistliche Angelegenheiten und hatten Streitigkeiten zwischen Muslimen zu schlichten. Außerdem wurden sie von den lokalen Regierungen beauftragt, weitere ausländische Händler nach China zu ziehen.

Die Yuan-Dynastie (1237 - 1368) war eine wichtige Periode der Verbreitung des Islam in China. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts unternahmen mongolische Herrscher mehrere Feldzüge nach Westen. Sie schickten sehr viele Araber, Perser und Einwohner Mittelasiens nach China, um sie als Krieger gegen den Kaiserhof der Song-Dynastie einzusetzen. Unter diesen gab es aber nicht nur Soldaten, sondern auch Geistliche, Angehörige gesellschaftlicher Oberschichten und deren Dienstpersonal. Die Soldaten wurden in den "Tanma Chijun" genannten großen Truppeneinheiten zusammengestellt.

In Friedenszeiten wurden sie in verschiedenen Teilen Chinas stationiert, vor allem in den Provinzen Shaanxi, Gansu und Qinghai. Dort züchteten sie überwiegend Vieh. Es gab auch einige, die ihren Wohnsitz in der Mitte und im Südwesten Chinas sowie in den gebieten südlich des Unterlaufs des Yangtse nahmen. Durch die Herstellung neuer Verkehrsverbindungen zwischen West und Ost strömten zahlreiche Geschäftsleute, Handwerker, Geistliche und Gelehrte nach China, unter ihnen viele Muslime. Diese wurden ebenso wie die Nachkommen von Arabern und Persern, die sich während der Tang- und Song-Dynastie in China niedergelassen hatten. "Huihui" genannt. Außerdem gab es auch einige Chinesen, Mongolen und Uiguren, die sich aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen oder auch wegen einer Eheschließung zum Islam bekannten. Muslime gab es nun sowohl in der Stadt wie auch auf dem Lande; dort sogar mehr als in den Städten. Sie waren nicht nur Händler, sondern trieben auch Landwirtschaft oder waren Handwerker. Sowohl in der Stadt als auch auf dem Land siedelten Muslime meist gemeinsam.

In der Yuan-Dynastie wurden spezielle Organe zur Verwaltung der inneren und der geistlichen Angelegenheiten der Huihui durch die zentralen bzw. lokalen Regierungen errichtet. Doch ab der mittleren und späteren Periode der Yuan-Dynastie wurde diese Organe allmählich abgeschafft. An ihre Stelle trat das System "Jiaofang" (Religionsviertel). Jiao bezeichnet zunächst ein Gebiet der Muslime mit einer Moschee als Zentrum. Zu jedem Religionsviertel wurde ein Imam als Leiter für geistliche Angelegenheiten eingesetzt. Alle Gläubigen im Einzugsgebiet einer Moschee standen unter Verwaltung eines Imams. So war die Moschee das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Religionsviertels; sie diente nicht nur als Stätte für islamische Gebetsversammlungen, sondern war auch Ort für die Besprechung wichtiger Angelegenheiten, für Versammlungen und Informationsaustausch. Die Größe der Religionsviertel war unterschiedlich. Größere umfassten einige hundert bis einige tausend Haushalte, kleinere nur einige Dutzend. Zwischen ihnen gab es aber keine hierarchische Verhältnisse. Bis heute hat sich dieses System in einigen muslimischen Gebieten erhalten.

Über Jahrhunderte lebten "Huihui" mit Han-Chinesen und Mongolen zusammen, heirateten untereinander, vermischten sich mehr und mehr, so dass sich eine neue Nationalität herausbildete, die man heute als Hui bezeichnet. Dadurch wurde zugleich die Grundlage für die Verbreitung des Islam in China gelegt. Betrachtet man die regionale Verteilung der Hui in China, fällt eine Besonderheit auf, die man "große Verstreuung und kleine Konzentration" nennt. Was die "große Zerstreuung" betrifft, so leben Hui heute in allen Teilen Chinas. Mit "kleiner Konzentration" ist gemeint, dass die Hui sich meist rings um eine Moschee ansiedeln.

In der Ming-Dynastie wurzelte der aus dem Ausland kommende Islam fest in China und wurde allmählich ein wichtiger Bestandteil der chinesischen Kultur. Die meisten Anhänger des Islam waren nun nicht mehr ausländische Einwanderer, sondern deren in China heimisch gewordenen Nachkommen, die sich längst mit Chinesen vermischt hatten sowie Angehörige nationaler Minderheiten, die dieser Religion anhingen. Nur bei religiösen Veranstaltungen wurde noch arabisch oder persisch gesprochen. Was ethische Normen und tatsächliche Verhaltensweisen betrifft, so verschmolz der ursprüngliche Moralkodex des Islam mit traditionellen chinesischen Vorstellungen wie "den Himmel verehren und der Lehre der Ahnen folgen". Auch überlagerte sich das, was in den Moschee-Schulen gelehrt wurde, mit der traditionellen Erziehung in chinesischen privaten Einklassenschulen, so dass im Laufe der Zeit ein islamisches Bildungssystem mit chinesischer Prägung entstand.

In der Qing-Dynastie (1644 - 1911) entwickelte sich der Islam weiter zu einer in China fest verwurzelten Religion. Die in den Moscheen vermittelte Bildung bildete die Grundlage für Übersetzungen und Erläuterungen des islamischen Kanons in China. Einige Gelehrte bemühten sich nicht nur um Erläuterungen der islamischen Lehre, sondern traten auch dafür ein, diese mit dem Konfuzianismus zu verschmelzen.

In der Qing-Dynastie entstanden viele islamische Sekten mit chinesischer Prägung. Auch das Menhuan-System (das Wort "men" bedeutet im Chinesischen "einflussreiche Familie" und "huan" "Beamtenfamilie") kam in China auf. Menhuan war nicht nur eine islamische Sekte von großer Bedeutung in China, sondern bezeichnet auch die ranghohe religiöse Stellung von Familien bzw. Sippen. Sie ging aus der Verbindung des mystischen Sufismus mit den herrschenden chinesischen feudalen und patriarchalen Schichten hervor. Die Führer dieser Sekte waren geistliche wie weltliche Führer; diese Position vererbte sich von Generation zu Generation. Alle Gläubigen hatten sich ihm unterzuordnen, selbst Leben und Tod der Gläubigen wurden von ihm bestimmt. Mit der Gründung des Neuen China 1949 wurde eine demokratische Reform im Islam durchgeführt, in der das Unterdrückungs- und Ausbeutungssystem, das System der Erblichkeit der Führerschaft und weitere unvernünftige Systeme der Menhuan-Sekte beseitigt wurden.

In der Qing-Dynastie nahm der Islam viele Elemente der chinesischen Kultur in sich auf. Hochzeits-, Trauer- oder Begräbnisriten, Ess- und Trinkgewohnheiten, der Baustil der Moscheen, volkstümliche Trachten sowie Feiern aller Art zeigten eine Verschmelzung von islamischer und chinesischer Kultur an. Aber die prinzipiellen Elemente des Islam, so die "fünf Grundpflichten", oder die "sechs großen Überzeugungen" und die Tabus beim Essen und Trinken erhielten sich unverändert.

Die Verbreitung und Entwicklung des Islam in Xinjiang unterschieden sich von der im Landesinneren. Xinjiang erstreckt sich über ein großes Gebiet, auf dem Angehörige vieler Nationalitäten leben. In der Geschichte gab es immer enge Beziehungen mit benachbarten islamischen Ländern, sei es in wirtschaftlicher, kultureller oder religiöser Hinsicht. Obwohl die Herrscher in Xinjiang oft wechselten, stand dieses Gebiet schon immer unter Verwaltung der chinesischen Zentralregierung. Vom 10. Jahrhundert an verbreitete und entwickelte sich der Islam in Xinjiang, in dem er dort den Buddhismus bekämpfte und dafür von den politischen Machthabern unterstützt wurde. Das trug zur Herausbildung von Politik und Religion in einer Einheit bei. Erst im 18. Jahrhundert wurde diese Religion vom größten Teil der nationalen Minderheiten in Xinjiang akzeptiert.

Die Aufsplitterung des Islam in verschiedenen Sekten ist in China relativ jungen Datums. Vor etwa 300 Jahren gab es einen Konflikt zwischen der Heishan- und der Baishan-Sekte in Xinjiang. Das war der erste Konflikt zwischen islamischen Sekten auf chinesischem Boden. Diese Sekten stammten aus dem Ausland. Zuvor hatten zwar ausländische Muslime unterschiedlicher Sekten ihre Lehren auch in China verbreitet, aber von der Tang-Dynastie bis zur Ming-Dynastie, d.h. in einem Zeitraum von etwa 700 Jahren, erfolgte dies nicht im Namen einer bestimmten Sekte, sondern ganz allgemein im Namen des Islam. So sind die meisten chinesischen Muslime Sunniten, aber vom Schiismus, mehr noch von der traditionellen chinesischen Kultur beeinflusst. Dies sind zwei wichtige Merkmale des Islam in China. Der Islam der Uiguren und der anderen Nationalitäten in Xinjiang ist stärker von der Tujue-Kultur und den Sitten und Gebräuchen der Nationalitäten Mittelasiens geformt.

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