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Die taoistische Überzeugung

Der Taoismus setzt die Erlangung der Unsterblichkeit als höchstes religiöses Ziel. Neben Übungen zur Erhaltung einer guten körperlichen Verfassung geht es daher vor allem um Mittel zur Lebensverlängerung.

Im Taoismus wird "Dao" umfassend als das erste Prinzip verstanden; es ist undefinierbar und unbenennbar. Es ist Urgrund aller Welt und Ursprung aller Dinge. Er durchdringt alles, existiert überall und zu allen Zeiten. Aus ihm wird der Kosmos, aus dem alle Dinge entstehen.

Nach der Lehre vieler Religionen ist das menschliche Leben voller Kummer. Im Gegensatz dazu betrachten die Taoisten das Leben von der heiteren Seite. Sie meinen, der Mensch solle froh sein. Allerdings sei der Tod oft eine Qual. Darum sollte man möglichst im hohen Alter eines natürlichen Todes sterben und, falls möglich, das Leben durch Elixiere zu verlängern suchen. Außerdem sagt der Taoismus, das Leben der Menschen werde nicht durch den Willen des Himmels bestimmt. Leben und Tod sowie die Länge des Lebens seien vom Menschen selbst abhängig. Durch Befolgung des Weges und durch Reinheitskulte könnten Krankheiten geheilt und das Leben könne verlängert werden. Es könne auch gelingen, ein Elixier der Unsterblichkeit zu finden. Aus diesem Denken heraus entwickelten sich in der Geschichte des Taoismus viele Sekten mit verschiedenen Methoden zur Lebensverlängerung. Die wichtigsten Methoden sind Konzentrations- und Atem-Übungen, Diätetik und Gymnastik. Dazu gehört auch die Alchemie (Dandao), die als mystische Lehre gilt.

Man teilt die Alchemie in eine Äußere und eine Innere ein. Mit der Äußeren sollen die sagenhaften Unsterblichkeitspillen hergestellt werden. Diese sollen aus Zinnober und diversen Erzen hergestellt werden, nachdem in einem Ofen die Grundsubstanzen raffiniert wurden. Besonders in der Tang-Dynastie gab es zahlreiche Versuche, Unsterblichkeitspillen herzustellen. Allerdings starben nach Einnahme der Pillen viele Menschen, denn oft wurden hochgiftige Substanzen beigemischt. Seit der Song-Dynastie kam das Einnehmen so hergestellter Unsterblichkeitspillen wegen zu häufiger tödlicher Wirkung mehr und mehr aus der Mode. Nun wurde die Innere Alchemie wichtiger für die Taoisten. Man sah den eigenen Körper als eine Art Schmelzofen an und glaubte, durch innere Energien des Körpers die Unsterblichkeitselixiere gewinnen zu können. Sei dies gelungen, würden die Menschen Unsterbliche. Das Elixier der Unsterblichkeit haben die Taoisten natürlich nicht gefunden, doch haben sie durch Experimenten manche Entdeckungen auf den Gebieten der Metallurgie, Chemie, Medizin und Pharmakologie gemacht. Auch die Erfindung des Schießpulvers dürfte Resultat solcher Experimente sein. Außerdem förderte die Innere Alchemie die Entwicklung des traditionellen chinesischen Qigong. Das heute weit verbreitete Qigong hat zumeist seinen Ursprung im Taoismus.

Der Taoismus ist eine polytheistische Religion. Die Verehrung der Welt der Übernatürlichen ist sein grundlegendes Element. Die Taoisten sind der Ansicht, dass alle Unsterblichen übernatürliche Fähigkeiten besitzten. Sie seien in der Lage, die Welt zu beherrschen. Beispielsweise könnten sie Wind und Regen herbeizaubern, über den Wolken schweben, durch Nebel fliegen und den Menschen Glück oder auch Katastrophen bringen. Außerdem seien die Götter eben unsterblich. Die Welt, in der die Götter lebten, sei der irdischen sehr ähnlich. Sie habe ein ordentlich funktionierendes Verwaltungssystem und sei streng hierarchisch. Für die Verwaltung der Angelegenheiten auf Erden hätten die Götter ein System der Arbeitseinteilung eingeführt. Jeder Gott habe eine schwere Verantwortung zu tragen, nämlich die Menschen zum Taoismus zu ermahnen, das Böse zu beseitigen und das Gute zu verbreiten, die Armen und die von den Katastrophen betroffenen Menschen zu unterstützen sowie Teufel zu vertreiben und Krankheiten zu heilen. Im Himmel gibt es zahlreiche göttliche Gestalten. Die ranghöchsten unter ihnen sind die "Drei Reinen". Das sind neben dem himmlischen Verehrungswürdigen des Weges und seiner Wirkungskraft (Daode Tianzun) der himmlische Verehrungswürdige des ursprünglichen Anfangs (Yuanshi Tianzun) und der himmliche Verehrungswürdige des numinosen Schatzes (Lingba Tianzun). Aus diesem Grund tragen die Haupthallen aller taoistischen Tempel den Namen "Halle der Drei Reinen". Im einfachen Volk werden noch weitere göttliche Gestalten verehrt. So ist zum Beispiel der Stadtgott zuständig für die Verwaltung einer Stadt und der Dorfgott für ein bestimmtes Stück Land. Der Küchengott und der Türgott haben besonders enge Beziehungen zu den Menschen und entscheiden mitunter das Schicksal einer Familie. Die taoistischen Gläubigen sind der Meinung, dass jeder Gott eine besondere Fähigkeit zur Lösung eines bestimmten Problems habe: Der Drachengott könnte Regen herbeizaubern, der Gott Guandi sei in der Lage, Katastrophen zu beseitigen. Für die Heilung der Krankheiten sollte man zu Gott der Medizin beten. Dem Gott des Reichtums wird geopfert, wenn man reichen werden will; der Göttin des Meeres, wenn man in See sticht.

Das Paradies ist die ideale Welt für die Taoisten. Es befindet sich nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Das Gebiet unter der Herrschaft der Götter auf Erden wird als Höhen-Paradies (Dongtian) und Glücksort (Fudi) bezeichnet. Es stehen 10 große und 36 kleine Höhlen-Paradiese unter Verwaltung der Unsterblichen, die vom Himmelsgott in die irdische Welt geschickt wurden. 72 Glücksorte werden von "wahren Menschen (Zhenren)" verwaltet, die zwar auch vom Himmelsgott in die Welt geschickt werden, aber eine niedrigere Stellung als die Unsterblichkeit einnehmen. Alle Höhlen-Paradiese und Glücksorte liegen in Gebieten mit schöner Landschaft und sind ideal für die Sterblichen, die taoistische Praktiken ausüben. Hier wurden in der Regel die Tempel errichtet, die man als heilige Stätte des Taoismus betrachtet. Nach der taoistischen Lehre ist das Himmelsreich erreichbar. Durch praktizierten Taoismus können Sterbliche den Weg dorthin finden und Unsterbliche werden. Unsterblichkeit bedeutet aber nicht etwa das Aufsteigen der Seele zum Himmel, sondern die Umwandlung des menschlichen Körpers in eine unsterbliche Gestalt. Der Unsterbliche kann weiter in der irdischen Welt verbleiben oder auch ein freies Leben im Himmel führen.

Die Taoisten glauben an Seelenwanderung. Machen die Vorfahren Fehler, müssen die Nachkommen die Schuld dafür abtragen. Haben aber die Ahnen etwas Gutes vollbracht, wird es ihren Nachkommen mit Gutem vergolten. Dem Taoismus nach bestehen fünf Kategorien in einem endlosen Kreislauf. Alle Menschen werden nach dem Tod in diese fünf Kategorien oder Seelenzustände eingeteilt. Nach dem Tod steigt die erste Seele empor und wird zum Gott oder zum Unsterblichen. Die zweite Seele wird als Mensch, die dritte als Vogel oder Tier wiedergeboren. Die vierte wird ein hungriger Teufel und die fünfte versinkt in der Hölle. Deshalb sollte man nach der Lehre des Taoismus Gutes tun, weil nur so die Seele von der Hölle befreit werden kann.

Die taoistische Überzeugung

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