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Religionen in China - Chinesische Einstellungen zu Religionen

Bummelt man durch die Straßen in Chinas Städten, hat man zunächst das Gefühl, es gebe hier kaum eine religiöse Atmosphäre. Jedoch gibt es in China verschiedene Religionen mit gar nicht wenigen Anhängern.

Die fünf wichtigsten Religionen in China sind der Buddhismus, der Taoismus, der Islam, der Katholizismus und der christliche Protestantismus. Die Zahl der Gläubigen beträgt insgesamt über 100 Mio. Außerdem gibt es noch einige volkstümliche, alte Religionen bei manchen nationalen Minderheiten.

Von den erwähnten fünf größeren Religionen stammt nur der Taoismus aus China; die übrigen entstanden im Ausland und wurden später nach China eingeführt. Unter diesen hat der Buddhismus die längste Geschichte; er kam im ersten Jahrhundert n. u. Z. nach China. Der Taoismus entstand etwa im 2. Jahrhundert. Im 7. Jahrhundert kam der Islam nach China, im 13. Jahrhundert dann auch der Katholizismus. Dieser konnte aber zunächst in China nicht Fuß fassen, erst in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts strömten Massen von Missionaren ins Land. Der christliche Protestantismus gelangte gar erst im Jahre 1807 nach China.

Es ist nicht leicht, eine annähernd zutreffende Zahl von Religionsanhängern anzugeben. Nach dem Weißbuch Glaubensfreiheit in China, das vom Presse- und Informationsamt des Staatsrats im Jahr 1997 veröffentlicht wurde, gibt es etwas mehr als 4 Mio. Katholiken und rund 10 Mio. Protestanten. Nach den Statistiken der Kirchen in China gibt es im Jahr 2004 5 Mio. Katholiken und 16 Mio. Protestanten. Weil die meisten Angehörigen von zehn nationalen Minderheiten dem Islam folgen, zählt man alle Angehörigen dieser zehn nationalen Minderheiten zu den Muslimen. Das sind etwa 20 Mio. Doch in diesem Weißbuch finden sich keine Angaben, wie viele Anhänger des Buddhismus oder des Taoismus es in China gibt. Der Grund liegt darin, dass beide Religionen keine strengen Bestimmungen und Zeremonien kennen, die ein Bekenntnis zum Buddhismus und Taoismus deutlich machen. Nach einer Statistik der Vereinigung der Buddhisten China, der nationalen Organisationen des buddhistischen Kreises, soll es in China etwa 100 Mio. Buddhisten geben.

Nach der im Jahre 1983 herausgegebenen Britischen Enzyklopädie sollen etwa 80 % der 6 Mrd. Menschen in der Welt Anhänger einer Religion sein. In China mit seiner Bevölkerung von 1,3 Mrd. machen die Gläubigen aber nur etwa 10 % der gesamten Bevölkerung aus. Jemand aus den USA fragte mal, ob die Kommunistische Partei Chinas, die ja den Atheismus propagiere, die Chinesen so stark beeinflusse, dass sie sich in ihrer Mehrzahl von den Religionen fern hielten. Natürlich ist es nicht so. Die KP Chinas wurde im Jahre 1921 gegründet und zählt heute etwas mehr als 64 Mio. Mitglieder; das sind weniger als 5 % der Bevölkerung Chinas. Die übergroße Mehrheit der Chinesen kümmern sich gar nicht um Religion, gleich welcher Herkunft. Diese Indolenz gegenüber den Religionen ist auf historische und kulturelle Verhältnisse Chinas zurückzuführen.

Zu dieser Frage gibt es viele Erklärungen aus der Gelehrtenwelt. Alle stimmen darin überein, dass dabei Einfluss und Wirkung des Konfuzianismus entscheidend gewesen seien. Nachdem der Konfuzianismus im 2. Jahrhundert v. u. Z. zur offiziellen und orthodoxen Lehre Chinas aufgestiegen war, dominierte er von da an bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger deutlich das Denken und Handeln fast aller Chinesen. Nach der konfuzianischen Lehre sind Fragen der Gesellschaft wie des einzelnen Menschenlebens mit Vernunft zu behandeln, der aktuellen Politik und einem moralischen Leben wird große Aufmerksamkeit geschenkt, doch man glaubt nicht an ein Jenseits, in dem man das Glück finden kann. Aus diesem Grund haben nur wenige Chinesen ein mit den Westlern vergleichbares religiöses Gefühl. Was die religiöse Überzeugung der Chinesen betrifft, sofern überhaupt von einer solchen gesprochen werden kann, so kommt sie fast nur im ethischen Sinne zum Ausdruck; moralisches Handeln ist das wichtigste Gebot. Hilfsbereitschaft und Wohltätigkeit sind Beweise moralisch richtigen Handelns. Den Göttern, Geistern und Vorfahren ist zu den dafür vorgesehenen Zeiten zu opfern, die überlieferten Sitten und Gebräuche sollten befolgt werden; doch sich strikt an ein streng definiertes Dogma zu halten ist überflüssig.

In vielen Ländern sind die Religionen in verschiedene Sekten zerfallen, die alle ganz eigene Theorien und Doktrinen haben und die der anderen meist ablehnen. Man darf sich da nicht zu zwei Religionen bekennen, nicht einmal zwei Sekten einer Religion angehören. In China ist das ganz anders; dort gibt es mehr Toleranz und wirkliche Glaubensfreiheit. Man kann gleichzeitig dem Buddhismus, dem Taoismus und dem Konfuzianismus folgen. Es gibt auch nur höchst selten Konflikte oder gar Kämpfe zwischen Gläubigen und Nicht-Gläubigen oder zwischen Anhängern unterschiedlicher Sekten. Religionskriege wie im Mittelalter des Abendlandes hat es in China nie gegeben - sie wären auch unvereinbar mit dem Denken der Chinesen zu allen Zeiten gewesen.

Das, was vorstehend erklärt wurde, reflektiert die Grundtendenz der chinesischen Kultur und spiegelt die Besonderheiten der religiösen Überzeugungen der Han-Chinesen wider. In China sind neben Han noch 55 Nationalitäten beheimatet. Die Han-Chinesen machen aber 91 % der Gesamtbevölkerung des ganzen Landes aus. Die anderen 55 Nationalitäten, deren Angehörige insgesamt also rund 9 % der Bevölkerung repräsentieren, werden als nationale Minderheiten bezeichnet.

In der Einstellung zu den Religionen gibt es einen großen Unterschied zwischen Han-Chinesen und den Angehörigen der nationalen Minderheiten. Spricht man von Angehörigen der tibetischen Nationalität, wird sofort an Gebetsfahnen und Gebetsmühlen, an Lama-Klöster und tibetische Mönchstracht gedacht. Spricht man über die Hui-Nationalität, denkt man gleich an die weißen, rund Kopfbedeckungen der Männer, an Moscheen, an islamische Speisen. Das alles steht in direkter Beziehung zu den bei diesen nationalen Minderheiten verherrschenden Religionen.

Bei den Han-Chinesen glauben manche an den Buddhismus, an den Taoismus, weniger zahlreich sind Anhänger der Katholizmus und des Protestantismus; insgesamt aber beträgt der Anteil Gläubiger weniger als 10 % des ganzen Han-Volkes. Im Vergleich dazu liegt der Anteil der Gläubigen bei den nationalen Minderheiten wesentlich höher, einer Statistik zufolge machen bei den nationalen Minderheiten die Gläubigen über 50 % ihrer sämtlichen Angehörigen aus. Viele von ihnen sind sehr fromm. Es gab Zeiten, in denen sich fast alle Angehörigen von mehr als 20 nationalen Minderheiten zu einer Religion bekannten; heute gibt es immer noch eine Mehrheit von Gläubigen unter ihnen. Besonders tief verwurzelt ist der tibetische Buddhismus bei den Tibetern und den Mongolen. Zehn andere nationale Minderheiten, v. a. die Hui und die Uiguren, sind Anhänger des Islam. Hinzu kommen einige nationale Minderheiten, die verschiedenen Glaubenslehren anhängen. Aber es gibt auch nationale Minderheiten, in denen die Gläubigen ebenso in der Minderheit sind wie bei den Han.

Wenn Sie die Religionen in China kennen lernen wollen, besuchen Sie am besten die von nationalen Minderheiten bewohnten Gebiete in Tibet, Xinjiang und Ningxia. In den Städten dort empfiehlt sich der Besuch religiöser Stätten.

Ein Dorf mit vielen Nationalitäten und vielen Religionen

Religiöse Stimmen aus Gebirgsgegenden

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Das religiöse Leben der Tibeter

Über das Leben der Muslime

Besuch des Xiyuan-Tempels

Teilnahme am Gottesdienst in China

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