|
|
![]() |
|
Der BuddhismusDer chinesische Buddhismus hat seinen Ursprung im alten Indien. Wir finden heute in China einen Buddhismus chinesischer Sprache und Prägung, einen tibetischen Buddhismus und einen Buddhismus in Pali. China hat gegenwärtig mehr als 13000 buddhistische Tempel, in denen über 200000 Mönche und Nonnen leben. Davon sind 120000 tibetische Buddhisten. Unter ihnen gibt es mehr als 1700 Lebende Buddhas in mehr als 3000 Tempeln. Dem Pali-Buddhismus hängen über 10000 Mönche an. Diese Richtung des Buddhismus besitzt 1600 Tempel in China. Der Buddhismus chinesischer Sprache Der genaue Zeitpunkt, an dem der Buddhismus in China eingeführt wurde, ist schwer zu bestimmen. Nach historischen Aufzeichnungen beauftragte Kaiser Ming Di der Östlichen Han-Dynastie (25 - 220 u.Z.) im Jahre 64 einige Gelehrte in die westlichen Regionen zu ziehen ("Westliche Regionen" war während der Han-Dynastie die allgemeine Bezeichnung für alle gebiete westlich von Yumenguan, einschließlich Xinjiangs und eines Teils Zentralasiens), um dort die buddhistischen Doktrinen zu studieren. Drei Jahre später kamen die Abgesandten mit zwei indischen Mönchen in die damalige hauptstadt Luoyang zurück. Sie brachten zahlreiche Sutras und viele Buddhabilder mit. Auf Befehl von Kaiser Ming Di wurde der Baima-Tempel (Schimmeltempel) errichtet, in dem die Mönche untergebracht wurden. Diese begannen dort sofort, die mitgebrachten Sutras ins Chinesische zu übersetzen. Der Baima-Tempel (Schimmeltempel) war der erste buddhistische Tempel Chinas. Er hat sich bis heute erhalten. Da diese Angaben allgemein als gesichert gelten, datiert man die Einführung des Buddhismus nach China übereinstimmend auf die Mitte des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. In der Anfangszeit betrachtete man den Buddhismus wohl unter gewissen alchimistischen Aspekten; der Buddha Shakyamuni galt als Unsterblicher. Zunächst bekannten sich nur Teile der Oberschicht zu dieser neuen Religion. Es gab nur wenige Klöster, die als Unterkunft für Mönche aus anderen Gebieten dienten. Der Kaiserhof verbot anfangs den Han-Chinesen, Mönche zu werden. Die Übersetzung der Sutras blieb damit eine Zeitlang die wichtigste Tätigkeit fremder Mönche für die Verbreitung des Buddhismus. Wegen der lang anhaltenden Zersplitterung Chinas gab es zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert zahlreiche Kriege und viel Elend. Das Leben war für die Bevölkerung sehr hart. Das war der Nährboden für eine sich mehr und mehr durchsetzende Weltsicht unter den gelehrten und Beamten, die davon ausging, dass alles in der uns umgebenden Welt nichtig sei. Der Buddhismus weist Ähnlichkeiten mit einer solchen Betrachtung der Welt auf. Deshalb nahmen einige Mönche diese Philosophie in sich auf und verbreiteten damit den Buddhismus. Dadurch wuchs der Einfluss des Buddhismus und die Zahl seiner Anhänger aus den verschiedenen sozialen Schichten nahm ständig zu. Han-chinesische Mönche wanderten immer häufiger in die westlichen Regionen, um dort den Buddhismus zu studieren. Während der Periode der Nördlichen und Südlichen Dynastien (420-589) wurde der Erfolg der buddhistischen Lehre in China immer deutlicher. Nun wurden die Schriften verschiedener buddhistischer Sekten Indiens ins Chinesische übersetzt und verbreitet. So entwickelte sich in China der Buddhismus ständig weiter und verwurzelte fest in allen Schichten der Bevölkerung. Auch die Kaiser der schnell aufeinander folgenden Dynastien bekannten sich zum Buddhismus. Der kaiserliche Hof und der Adel spendeten ebenso wie das einfache Volk Geld für die Errichtung der buddhistischen Tempel und Pagoden, für das Ausmeißeln von Grotten und für die Anfertigung zahlreicher Buddhastatuen und -bilder. Immer mehr Männer und Frauen gingen in die Klöster, die sich bald zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelten. Der Bau der Yungang- und der Longmen-Grotten, zwei der drei bekanntesten Gruppen von Grotten in Nordchina, wurde in dieser Periode begonnen. Die dritte Gruppe, die Dunhuang-Grotten, wurde in der Mitte des 4. Jahrhunderts geschaffen. Alle drei Grotten wurden von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbes aufgenommen. Der Buddhismus fasste in China festen Fuß durch die Aufnahme konfuzianischer Lehren in seinen Wertekanon. Aus der Verbindung von buddhistischem und konfuzianischem Gedankengut, von religiösem und weltlichem Leben entstanden eine dauerhafte, spezifisch chinesische Weltsicht und Ethik. Beispielsweise legte der ursprüngliche Buddhismus zwar großen Wert auf die Befreiung der menschlichen Seele aus den Niederungen des menschlichen Seins, ignorierte aber die Pflichten des Menschen gegenüber seiner Familie. Das stand im Gegensatz zu einer alten und bedeutsamen Tradition der Chinesen. In der feudalistischen Gesellschaft Chinas mit ihrem monarchistischen System war es undenkbar, den Kaiser nicht zu respektieren oder den Eltern gegenüber nicht pietätvoll und gehorsam zu sein. Mit einer sich wandelnden Einstellung zum Wert der zwischenmenschlichen Beziehungen näherte sich der Buddhismus dem Konfuzianismus an. Er wurde kaisertreu und trat als Schüler der weltlichen Macht auf. Und er forderte nun auch von seinen Anhängern, das konfuzianische gebot der Ehrfurcht gegenüber den Eltern zu befolgen. In der Sui- und Tang-Dynastie (581-907) lag die Blütezeit des Buddhismus, der sich immer mehr und wie selbstverständlich mit der traditionellen chinesischen Kultur verband. Die meisten Herrscher der Sui- und Tang-Dynastie schützten und förderten den Buddhismus. Die Angehörigen aller Schichten der Bevölkerung empfanden den Buddhismus als originären Bestand ihrer Kultur. Der Staat übernahm die Verantwortung für Sutraübersetzung, bei der eine Reihe berühmter Mönche und buddhistischer Gelehrter hervortrat. Einige Mönche gingen ins Ausland, um ihre buddhistischen Kenntnisse zu vertiefen und die Lehre weiter zu verbreiten. Der chinesische Buddhismus drang auf die koreanische Halbinsel und nach Japan vor. Nicht wenige Mönche aus diesen Ländern reisten nach China, um dort den Buddhismus zu studieren. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat gründeten sie oft buddhistische Sekten. Es ist zu bemerken, dass alle Sekten des chinesischen Buddhismus in der Sui- und Tang-Zeit entstanden sind. Das gilt als wichtiges Merkmal der Entstehung eines an der chinesischen Kultur orientierten Buddhismus. Unter den zahlreichen Sekten erreichten die Sekte des Reinen Landes und der Chan-Buddhismus die weiteste Verbreitung. Die Sekte des Reinen Landes lehrte: Wer von der magischen Fähigkeit des Buddhas Amitabha überzeugt ist und die Worte "Namas Amitabha" wiederholt ausspricht, kann nach dem Tode im Glücksland des Westens wiedergeboren werden. Weil die Sekte des Reinen Landes eine recht einfache Lehre predigte und auf komplizierte Thesen sowie Rituale verzichtete, wurde sie in der Gesellschaft, vor allem im einfachen Volk, sehr schnell populär. Der Chan-Buddhismus tritt für den völligen Verzicht auf religiöse Vorschriften ein. Danach ist es überflüssig, Sutras zu rezitieren und Buddha zu opfern. Wichtig ist nur, die eigene Natur zu erkennen. Nach bestimmten religiösen Erlebnissen erfolgt eine religiöse Erleuchtung, die den Menschen zum Buddhisten macht. Auch die Chan-Sekte verzichetete auf komplizierte theoretische Beweisführungen und neue Denkanstöße, weswegen sie unter Gelehrten und Beamten, den Trägern konservativer Ansichten, sehr geschätzt wurde. Später, nach dem Ende der Tang-Dynastie, verschmolzen die buddhistischen Sekten miteinander. Zur gleichen Zeit nahm der Konfuzianismus, die orthodoxe Schulrichtung des alten, feudalen China einige buddhistische und taoistische Ideen in sich auf und erhielt auf diese Art einen "theologischen" Gehalt. Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus verschmolzen immer enger miteinander, so dass man diese als "drei Religionen innerhalb einer höheren Einheit" betrachtete. In den über 1000 Jahren vom Ende der Tang- bis zum Ende der Qing-Dynastie (907-1911) hielt der Buddhismus im Wesentlichen an alten Traditionen fest. Dabei verfiel er aber allmählich und verlor seinen Einfluss auf die Menschen, obwohl einige Sekten zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Regionen immer wieder zu kurzer, beschränkter Blüte gelangten. In der späten Qing-Zeit widmeten sich verstärkt Literaten und Gelehrten dem Studium der buddhistischen Lehre und ihrer Verbreitung. Sie verfassten zahlreiche Bücher, druckten Sutras und gründeten buddhistische Vereine und Forschungsstätten. Dadurch kam der Buddhismus zu neuer Blüte. Bis heute hat er einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die chinesische Bevölkerung.
Gläubige
Lesezeichen, Weitersagen und Empfehlen
|
![]() |
|||||||||||||