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Teilnahme am Gottesdienst in China

Am 25. Januar 1999 veröffentlichten Robert & Susan Spellman, Professoren des Instituts für Journalismus der Universität von South Illinois, die im Fulbright-Programm für den Kulturaustausch zwischen China und den USA tätig sein, folgenden Artikel in der Beijing Qingnianbao (Beijing Youth Daily):

" In den Jahren 1998 und 1999 waren wir als Professoren an der Shanghaier Fremdsprachenhochschule tätig. Wir haben auch am Gottesdienst teilgenommen und dabei viel Schönes und Interessantes erlebt. Es war unser vierter Besuch in China.

1991 unternahmen wir unsere erste Chinareise, die uns hauptsächlich in den Westteil des Landes führte. Weil wir dort keine Kirche fanden, gründeten einige Mitglieder unserer Reisegruppe unter Führung eines römisch-katholischen Priesters eine gemischte protestantisch-katholische Gemeinschaft, um Gottesdienste abzuhalten. In Dunhuang wurde uns von einem Hotel ein Raum für unseren Gottesdienst angeboten. Die Chinesen im Hotel, die Mah-Jongg oder Schach spielten, waren sehr verwundert, als wir USAmerikaner unsere Kirchenhymne fröhlich erklingen ließen.

Später begriffen wir, dass im Westen Chinas im Gegensatz zum Küstengebiet nur selten Kirchen zu finden waren, denn Katholizismus wie Protestantismus waren dort kaum verbreitet. Heute ist es schon viel leichter, allerorts eine Kirche zu finden. Wir fuhren mit einem Bus von Shanghai nach Hangzhou. Unterwegs sahen wir Gebäude, die durch Kreuze und die Schriftzeichen "Christliche Kirche" gekennzeichnet waren. Für uns war das Beweis für die in China herrschende Glaubensfreiheit.

1995 nahmen wir an einem Gottesdienst in der Südkirche teil, einer katholischen Kirche in der Nähe unseres Hotels in Beijing. Wir nahmen an der Messe teil, obwohl wir Protestanten sind. Mit der Teilnehme an dieser religiösen Zeremonie waren unsere geistigen Bedürfnisse befriedigt. Wir hatten wieder einmal den Eindruck, dass das Christentum doch eine Weltreligion ist. Die Christen, die wir in dieser Kirche sahen, stammten aus Asien, Afrika und Europa.

Als wir Anfang 1998 wieder in Beijing waren, nahmen wir viermal am Gottesdienst der internationalen Gesellschaft für Glaubensbrüder "Good Shepherd" teil. Ich spendete freudig Geld für Studenten des Jinling Union Theological Seminary, eines von 18 Kollegien für die Ausbildung christlicher Priester in China. Mit großer Freude nahmen wir zur Kenntnis, dass in einem Verlag in Nanjing die Bibel immer wieder gedruckt wurde.

Für uns Christen sind die Erlebnisse in der christlichen Kirche in der Kunshan-Straße in Shanghai unvergesslich. Die Zeremonie wurde in Chinesisch abgehalten. Ein hilfsbereiter Christ dolmetschte für mich bei der Predigt, die sich natürlich auf die Bibel bezog und einen moralischen Lebenswandel von den Gläubigen forderte. Der Priester erinnerte an die Pflicht, anderen zu helfen, und sich der Habsucht, der Korruption und unmoralischem Sexverkehr entgegenzustemmen. Der Gottesdienst fand am Sonntag dreimal statt, und jedes Mal kamen zahlreiche alte und junge Besucher, um zu erfahren, wogegen sie sich stemmen sollten.

Ein Freund aus der Kirche in der Kunshan-Straße lehrte uns, die Bibel und die Kirchenhymne auf Chinesisch zu lesen. Es war nicht leicht, die Bibel in einer für uns fremden Sprache laut zu lesen, aber es machte uns Freunde. Wir bemerkten, dass fast alle Bibeln zur Hand nahmen.

Einmal besuchten wir eine protestantische Kirche in einem Wohnviertel Shanghais, um an der Taufe der Tochter meines Freundes teilzunehmen. Die junge Frau war eine von 150 Täuflingen unterschiedlichen Alters bei der Massezeremonie. Sie war Studentin an einer Pädagogischen Hochschule. Wie alle anderen jungen Chinesen, die wir trafen, war ihr größter Wunsch, am weiteren Aufbau Chinas teilnehmen zu dürfen.

Protestantismus und Katholizismus haben gegenwärtig Zulauf in China. Gottesdienste finden an mehr als 40000 bekannten Orten statt. Neben Priestern aus den theologischen Kollegien gibt es auch nebenberufliche Priester, die von der Vereinigung der Christen in vielen Provinzen ausgebildet werden.

Einige Leute im Abendland behaupten, in China sei die Glaubensfreiheit beschränkt und die Christen würden unterdrückt. Das ist unwahr; wir haben ein anderes China gesehen.

Im neuen Testament sagt Apostel Paulus, Christen sollten den Frieden lieben, diszipliniert die Gesetze einhalten, fleißig sein, moralisch leben, Steuern zahlen und ihrem Vaterland treu bleiben. Das sind auch die Wertvorstellungen, die wir bei den Christen im heutigen China entdeckt haben."

Anlässlich des 50. Geburtstages des Jinling Union Theological Seminary, eines nationalen theologischen Kollegs in China, wurden einige ausländische Persönlichkeiten aus religiösen Kreisen zur Teilnahme an der feierlichen Zeremonie eingeladen. Unter den Anwesenden befand sich auch Dr. Richard Mouw, Rektor von Fuller Theological Seminary, dem größten Theologischen Kolleg der USA. Er erklärte, viele Mitglieder religiöser Gruppen in den USA würden nicht viel über chinesische Religionen wissen und daher auch kaum die chinesische Religionspolitik verstehen. Sie meinten, chinesische Christen seien keine echte Christen und die chinesische Regierung unterdrückte Gläubige. Doch nach Besuchen in China seien viele Theologen über die Entwicklung der Religionen in China sehr erstaunt, weil es dort so viele Kirchen mit zahlreichen Gläubigen gebe. Die Beziehungen zwischen religiösen Organisationen und Regierungsorganen seien kooperativ und positiv einzuschätzen. Auch der Austausch zwischen chinesischen und ausländischen religiösen Einrichtungen verlaufe reibungslos. Gegenseitige Besuche erfolgten regelmäßig.

Seit Einführung der Reform- und Öffnungspolitik 1978 nimmt die Zahl ausländischer Besucher ständig zu. Angesichts der religiösen Aktivitäten von Ausländern in China erließ der Staatsrat im Jahre 1994 Bestimmungen zur Verwaltung der religiösen Aktivitäten von Ausländern innerhalb der Volksrepublik China. Die Bestimmungen besagen, dass China auch die Glaubensfreiheit von Ausländern in China respektiert und deren normale religiöse Aktivitäten schützt. Ausländer dürfen in Religionsstätten an allen religiösen Aktivitäten teilnehmen, die nach dem Gesetz erlaubt sind. Ausländer dürfen chinesische Geistliche zu religiösen Zeremonie wie Taufen, Hochzeiten, Trauer- und Begräbnisriten einladen. Ausländer dürfen für den Eigengebrauch religiöse Drucksachen, Audio-Video-Kassetten und andere religiöse Artikel nach China einführen. Mit Genehmigung dürfen ausländische Geistliche in chinesischen Religionsstätten auch heilige Schriften interpretieren, predigen oder Unterricht an religiösen Hochschulen erteilen. Chinesische religiöse Institutionen und Organisationen dürfen bei Einhaltung entsprechender Bestimmungen ihre Mitglieder zum Studium ins Ausland entsenden. Zugleich dürfen Ausländer auch an chinesischen religiösen Hochschulen studieren.

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