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Über das Leben der MuslimeDie chinesischen Muslime sind überwiegend im Nordwesten Chinas beheimatet. Die meisten von ihnen gehören der uigurischen und der Hui-Nationalität an. Yinchuan, die Hauptstadt des Autonomen Gebietes Ningxia, ist das größte Siedlungsgebiet der Hui. Überall gibt es islamische Restaurants. Überall sieht man Männer mit runden, weißen Kopfbedeckungen. Außer Moscheen sind selten andere Gebäude religiöser Prägung zu sehen. Manche Moscheen sind im traditionellen chinesischen Stil errichtet, andere im arabischen. Die Besucher müssen vor dem Betreten der Gebetshalle ihre Schuhe ausziehen, sich still verhalten und nicht vor die Betenden treten. Die Tradition gebietet jedem Muslim zumindest einmal im Leben eine Wallfahrt nach Mekka zu unternehmen. Wer das nicht kann und auch das vorgeschriebene fünfmalige Gebet nicht verrichtet, sollte zumindest am Freitag zum Gebet in die Moschee gehen. Wie die Muslime in alter Welt fasten auch die chinesischen im 9. Monat nach dem islamischen Kalender. Ein muslimischer Chinese Lao Ma hielt sich sehr streng daran. Während des Fastenmonats ging er fünfmal täglich in die Moschee zur rituellen Waschung und zum Gebet. Obwohl er immer sehr beschäftigt war, hielt er die täglichen Gebetszeiten ein. Verpasste er sie doch einmal, holte er das Gebet am Abend nach. Seine nichtmuslimischen Arbeitskollegen respektierten seinen Glauben und verzichteten während des Fastenmonats, vor seinen Augen zu essen oder zu trinken. War die Gebetszeit heran, erinnerten sie Lao Ma an den gang in die Moschee. Nicht alle Gläubigen müssen das Fasten halten. Reisende, schwangere und stillende Frauen, solche in der Menstruation, Alte, Kinder, Schwache und chronisch Kranke sowie Menschen, die nachts arbeiten müssen, können vom Fasten befreit werden und es später nachholen oder einfach Geld spenden. Lao Mas Sohn arbeitete in einer Firma und konnte wegen der Arbeit nicht das Fastengebot einhalten. Also spendete er jährlich der Moschee Geld, um seine Schuld zu büßen. Muslime, die zumindest einmal im Leben eine Wallfahrt nach Mekka gemacht haben, sind darauf sehr stolz. Lao Ma hatte die Wallfahrt bereits unternommen und nach seiner Rückkehr den Titel "Hajji" erhalten, mit dem jeder Mekkapilger geehrt wird. Viele gratulierten ihm zu seiner Pilgerfahrt und luden ihn zu sich ein, um mit ihm das Glück zu teilen. Vor ungefähr 50 Jahren konnte eine Wallfahrt noch ein oder gar zwei Jahre dauern. Auf den Rücken von Pferden, Eseln oder Kamelen pilgerte man nach Mekka und nahm unterwegs zahlreiche Entbehrungen auf sich. Schwächere starben manchmal auch unterwegs. Vor ungefähr zehn Jahren fuhren die meisten Pilger noch mit dem Bus oder mit der Eisenbahn nach Mekka; diese Wallfahrten dauerten immer noch einige Monate. Heute geht alles schneller. Mit Unterstützung der Islamischen Gesellschaft Chinas und Einrichtungen der Regierung organisiert man nun Gruppen von Muslimen, die mit dem Charter-Flugzeug nach Mekka reisen und dann auch wieder in die Heimat zurückfliegen. Vor dem Flug werden Kurse veranstaltet, um über die Sicherheitsnormen während der Reise zu informieren. Die Wallfahrt dauert nun nur noch etwas mehr als einen Monat. Das ist eine große Erleichterung für die Pilger; außerdem sparen sie Geld und viele Anstrengungen. An der Südspitze Chinas liegt die Stadt Sanya. Sanya ist eine aufblühende Tourismusstadt an der Küste, in der tropischen Zone gelegen. Die Stadt hat 500000 Einwohner; mehr als 7000 sind Muslime, die überwiegend in zwei Dörfern des Marktflecken Fenghuang leben. Obwohl es in diesem Gebiet nur relativ wenige Muslime gibt, und diese schon lange weit entfernt von anderen Gläubigen leben, haben sie die islamische Kultur und ihre Religion bewahrt. Neben einem Restaurant für Meeresfrüchte führte der Geschäftsführer auch ein Reisebüro und einen Souvenirs-Laden. Er war ein sehr tüchtiger Händler, zugleich aber auch ein frommer Muslim. Er betete pünktlich fünfmal täglich mit dem Gesicht nach Mekka, selbst wenn er sehr beschäftigt war. Außerdem spendete er jährlich 1/40 seines Jahreseinkommen für ärmere Muslime. Die Muslime in Sanya sind Sunniten. Ausländische islamische Gelehrte haben sie besucht und waren erstaunt über die genaue Einhaltung alter religiöser Zeremonien. Gegenwärtig gibt es im Marktflecken Fenghuang sechs Moscheen und drei Moscheen für Frauen. Die Imame der Moscheen werden von den Muslimen gewählt. Ein Imam ist ein vielbeschäftigter Mann. Zu seinen wichtigen Aufgaben gehören die Leitung der täglichen Gebete, die Erklärung islamischer Dogmen, die Organisation von Hochzeiten und Begräbnissen sowie die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Muslimen. Die Sitten und Gebräuche der Muslime werden in China respektiert. In allen städtischen und ländlichen Gebieten mit einer gewissen Zahl von Muslimen findet man Geschäfte für islamische Nahrungsmittel. An den größeren Orten gibt es auch islamische Supermärkte. In Schulen, Krankenhäusern, Flugzeugen und Zügen werden islamische Nahrungsmittel nach Bedarf angeboten. Die Verpackungen dieser Nahrungsmittel tragen zur Unterscheidung von anderen den Aufdruck "Islamisch". Was die Begräbnisriten betrifft, fördert die chinesische Regierung zwar die Feuerbestattung, respektiert aber die traditionelle Erdbestattung der Muslime. Für die Gräber stellen die Lokalregierungen den Muslimen Boden zur Verfügung. Neben den gesetzlichen chinesischen Feiertagen gelten für die Muslime auch das islamische Neujahrsfest und einige andere Tage als Feiertage. Die Lokalregierungen sind darüber hinaus verpflichtet, zu diesen Feiertagen die Muslime mit einigen speziellen Nahrungsmitteln zu versorgen. Beispielsweise haben die Muslime im Autonomen Gebiet Xinjiang der Uigurischen Nationalität und im Autonomen Gebiet Ningxia der Hui-Nationalität auch anlässlich des Bairams drei Tage frei. Ganz wie die chinesischen Muslime genießen auch ausländische Muslime in China die Freiheit des Glaubens und bestimmte Vergünstigungen. In Yiwu, einer bekannten Kleinstadt für den Großhandel mit kleineren Artikeln im Osten Chinas, leben mehr als 3000 Händler aus über 40 Ländern. Mehr als die Hälfte kommt aus arabischen Ländern, besonders viele aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Jemen. Daher ist hier ein richtiges arabisches Dorf entstanden. Alifa kommt aus Mauretanien und hat drei Jahre in China studiert. Als er feststellte, dass chinesische Waren in seiner Heimat guten Absatz fanden, begann er Handel zu treiben. Bei meiner Ankunft in Yiwu wurde gerade Beiram gefeiert. In einer Gebetsstätte, die mehr als 1000 Menschen fasste, hatten sich Muslime zum Gebet versammelt. Nach dem Gebet lud Alifa seine Freunde zu sich zum Essen ein. Die Speisen mit Fisch, Hammel- und Hühnerfleisch hatte er aus einem islamischen Restaurant in der Nähe seines Hauses bringen lassen. Ein paar Tage später lud er erneut zum Essen ein: diesmal gab es ein vom Imam geschlachtetes Schaf. Alifa betet wie üblich fünfmal täglich. Vor einiger Zeit noch in einem primitiv eingerichteten 200 qm großen Raum; später, als die Zahl der Muslime wuchs, reichte der Platz nicht mehr aus. Mit Unterstützung der Lokalregierung wurde in der Nanmen-Straße ein größerer Raum errichtet. Außerdem wurde ein arabisch sprechender Imam nach hier eingeladen.
Ein Dorf mit vielen
Nationalitäten und vielen Religionen
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