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Religiöse Stimmen aus GebirgsgegendenNach der Statistik der Vereinigung der Christen Chinas beträgt die Zahl der Protestanten in China 16 Mio. 70 % von ihnen stammen vom Lande. Der Marktflecken Tongli liegt südlich des Yangtse in der Nähe der Stadt Suzhou. "Kleine Brücken, klare Flüsschen und Wohnhäuser im südchinesischen Baustil" - was für eine malerische Landschaft zeichnet dieses Gebiet aus! Die Einwohner leben materiell sorgenfrei, wie es in einem bekannten Sprichwort zum Ausdruck kommt: "Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden aber gibt es Suzhou und Hangzhou". In Tongli gibt es keine Kirche, sondern nur einen einfach eingerichteten Raum, in dem sich Christen zusammenfanden. Es soll in China mehr als 30000 solche Versammlungsstätten für Christen geben. Im Vergleich zum Marktflecken Tongli, der in der ostchinesischen Tiefebene liegt und dessen Wirtschaft hoch entwickelt ist, liegt Sailing in einem abgeschiedenen fernen Gebiet. Es ist ein Dorf der Lisu-Nationalität, im Hinterland des Gebirges Gaoligong in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. Die meisten Frauen und Kinder im Dorf verstehen kein Chinesisch. Eine einzige Straße, die mit finanzieller Unterstützung der lokalen Regierung angelegt wurde, verbindet das Dorf mit der Außenwelt. Der Dorfvorsteher erzählt, dass alle Christen seines Dorfes schöne Kirchenlieder singen und die Bibel lesen könnten. In einem schlammigen Weg bergan, geht es bis zu einem zweistöckigen Holzgebäude, das war die Dorfkirche. Sie sah sehr schlicht aus. Der Mittelgang schied Frauen Frauen auf der linken Seite von rechts stehenden Männern. Hinter einem Stuhl stand ein alter Mann und dirigierte einen Gesang: Was hat er für uns gemacht. Der Inhalt: Wir sind auf Abwege geratene Schafe und bitten um Befreiung von unseren Sünden. Das Blut des bedeutendsten Menschen ist für uns geflossen, er ist für uns gestorben. Wer ist der Heilsbringer? Er ist Gottes Sohn. Wo ist er? Er betet für uns im Paradies... Der Gesang wurde mit einem des Gebets "Amen" beendet. Dann erzählte ein Alter Geschichten aus der Bibel. Er schrieb mit Kreide einzige Schriftzeichen der Lisu auf eine Tafel und die Gläubigen notierten sich die Worte im spärlichen Licht der Kirche. Die über 1000 Seiten starke Bibeln der Gläubigen wurde in der Lisu-Sprache gedruckt. Nach dem Vortrag des Kirchenvorstehers gingen Gläubige nach vorn, um zu reden. Einige sprachen lange, andere fassten sich kürzer. Der Dorfvorsteher erklärte: "Jeder hat hier das Recht, sich über seine persönlichen Ansichten zu äußern". Gewöhnlich sang der Kirchenvorsteher kurz vor Ende des Gottesdienstes noch allein eine Kirchenhymne. Ihm folgte der Messeführer. Übrigens kann jeder Messeführer sein. Man meldet sich, wird von den anderen gewählt oder vom Vorsteher ernannt. Abschließend sangen alle Gläubigen unter Leitung des Messeführers gemeinsam eine Kirchenhymne. Dann herrschte Stille, bis nach einer Weile eine Baritonstimme erklang. Die Gläubigen erhoben sich, wobei die Männer ihre Köpfe über die geöffneten Bibeln beugten, während die Frauen ihre Augen schlossen und die Hände vor der Brust falteten. So beichteten sie ihre Sünden. Jeder Gottesdienst wurde mit diesem Ritual beendet. Ein von Tibetern und Angehörigen der Nu-Nationalität bewohntes Dorf - das Dorf Baihan. Es liegt am Fuß des Schneeberges Biluo, einige hundert Kilometer vom Dorf Sailing entfernt. Das Dorf hat mehr als 60 Haushalte: 80 % der Menschen dort sind religiös. Man lebt noch ganz nach alten Sitten und Gebräuchen. Niemand würde je etwas wegnehmen, keiner verriegelt nachts seine Tür. 1904 wurde der Katholizismus von einem französischen Missionar ins Dorf gebracht. Die Dorfkirche ist schon fast 100 Jahre alt. Sie ist in gutem Zustand, denn frühere Schäden wurden mit finanzieller Unterstützung der lokalen Regierung beseitigt. Die Kirche ist besser als die meisten Wohnhäuser eingerichtet. Als Verwalter der Kirche wird A´mai von allen Einwohnern respektiert. Um 7 Uhr morgens läutet er die Kirchenglocke, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen. Die Katholiken im Dorf Baihan lesen täglich morgens und abends aus der Bibel. Das Dorf ist so abgelegen, dass es 1996 noch keinen Stromanschluss hatte. Darum musste man abends bei Kerzenlicht beten. Sonntags versammelten sich alle zum Gottesdienst in der Kirche. Im Dorf schien immer eine ruhige, harmonische und glückliche Stimmung zu herrschen. Die Provinz Yunnan, in der die Dörfer Sailing und Baihan liegen, hat 25 alteingesessene nationale Minderheiten. Mehr leben in keiner anderen Provinz des Landes. Fast alle Religionen, die es in China gibt, kommen hier vor; sogar alte Naturreligionen und Schamanentum. Die Zahl der Gläubigen bei den einzelnen Religionen und der Grad ihrer Frömmigkeit differieren natürlich von Gebiet zu Gebiet und von Nationalität zu Nationalität mitunter sehr deutlich.
Ein Dorf mit vielen
Nationalitäten und vielen Religionen
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