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Chinas Provinzen - Sichuan

Fläche: 480000 Quadratkilometer
Bevölkerungszahl: 84,3 Millionen
Hauptstadt: Chengdu

Sichuan ist eine der bevölkerungsreichsten Provinzen Chinas. Die große Mehrheit der Bevölkerung wohnt im Ostteil der Provinz, im Sichuan-Becken, und die Chengdu-Ebene ist dort eines der am dichtesten bevölkerten Gebiete Chinas. Angehörige nationaler Minderheiten wie der Yi, Tibeter, Miao, Qiang, Hui, Tujia, Bouyei, Naxi und Lisu, insgesamt 2,5 Millionen, leben zumeist im Westteil Sichuans.

Verwaltungsgliederung und wichtige Städte

14 Städte auf Bezirksebene: Chengdu, Zigong, Panzhihua, Luzhou, Deyang, Mianyang, Guangyuan, Suining, Neijiang, Leshan, Nanchong, Yibin, Guang´an und Dazhou
17 Städte auf Kreisebene: Dujiangyan, Pengzhou, Qionglai, Chongzhou, Shifang, Guanghan, Mianzhu, Jiangyou, Emeishan, Langzhong, Huaying, Wanyuan, Bazhong, Ya´an, Ziyang, Jianyang und Xichang
4 Bezirke: Bazhong, Ya´an, Meishan und Ziyang
3 autonome Bezirke: Aba, Ganzi und Liangshan
124 Kreise und zusätzlich 3 autonome Kreise

Topographie

Die Provinz lässt sich topographisch in zwei Hauptteile gliedern - das Sichuan-Becken im Osten und das Plateau von West-Sichuan.

1. Das Sichuan-Becken, wegen seiner roten Erde auch "Rotes Becken" genannt, ist eines der größten Becken Chinas, in dem sich Sichuan und die regierungsunmittelbare Stadt Chongqing befinden. Ringsum ist es von den Gebirgszügen Daliangshan, Qionglaishan, Minshan, Dabashan, Wushan, Wumengshan und Daloushan eingeschlossen, die alle 1000 - 3000 Meter hoch sind. Das Becken wiederum besteht aus drei Bereichen, nämlich parallel verlaufenden Bergketten und Tälern im Osten, dem Hügelland in der Mitte und der Chengdu-Ebene im Westen. Die Chengdu-Ebene ist entstanden aus Ablagerungen des Minjiang und seiner Nebenflüsse. Sie ist flächenmäßig die größte Ebene im Südwesten Chinas. Mit seinem milden Klima und seinem fruchtbaren Boden, dazu dem Bewässerungssystem des Dujiang-Dammes, ist die Chengdu-Ebene das Hauptanbaugebiet der Provinz. Das Gebirge Emeishan, eines der berühmten Gebirge Chinas, erhebt sich am südwestlichen Rand des Beckens.

2. Das Plateau von West-Sichuan: Es ist im allgemeinen 3000 Meter hoch, hat schneebedeckte hohe Berge und tiefe Schluchten. Der Nordteil des Plateaus gehört bereits zum Qinghai-Tibet-Hochplateau. Im Süden ist das Plateau überall tief eingeschnitten.

Die Provinz hat zahlreiche Flüsse, die fast alle zum Flusssystem des Yangtze gehören. Der Oberlauf des Yangtze heißt Jinshajiang, erst nach dem Zusammenfluß mit dem Minjiang bei Yibin wird der Strom Yangtze genannt. In Sichuan nimmt er die vier großen Nebenflüsse Yalongjiang, Minjiang, Tuojiang und Jialingjiang auf. Letzterer mündet in der Stadt Chongqing in den Yangtze.

Geographie und Klima

Sichuan liegt in Westzentral China. Es ist die einzige Provinz, die an acht Provinzen grenzt und somit den Südwesten, Nordwesten und Zentralchina miteinander verbindet.

Sichuan's Oberfläche fällt von Westen nach Osten ab. Das Bergland und die Hochebene im Westen liegen größtenteils mehr als 4000 m über dem Meeresspiegel, das Hügelland und das Becken im Osten sind 200 bis 3000 m hoch. Das Herzstück Sichuan's ist das Rote Becken, eine durch hohe Gebirge abgeschlossene, außerordentlich fruchtbare Beckenlandschaft von ca. 250 km Durchmesser. Seit mehr als 2300 Jahren wird im Roten Becken eine hochentwickelte Bewässerungskultur betrieben, so daß diese Landschaft als "Reisschale China's" gilt.

Sichuan befindet sich in der subtropischen Zone. Die vielfältige Geomorphologie und das unterschiedliche Klima haben für eine reichhaltige Pflanzenwelt günstige Bedingungen geschaffen. Die Provinz verfügt über 7,46 Mio. ha Wald. Ein Fünftel der sog. "lebenden Fossilien" China's wie die Metasequoia und die Cathaya argyrophylla sind in Sichuan endemisch. Der Panda, eines der nationalen Symbole China´s, ist in vier Gebirgen in Sichuan heimisch und wird in Schutzzonen besonders gehegt.

Ohne die Stadt Chongqing, die mit dem dazugehörigen Verwaltungsbezirk 1997 als regierungsunmittelbare Stadt ausgegliedert wurde, hat Sichuan hat eine Fläche von 485 000 qkm. Die Hauptstadt der Provinz ist Chengdu. Weitere wichtige Städte sind: Leshan, Nanchong, Panzhihua und Zigong.

Bevölkerung

Mit mehr als 85 Mio. Einwohnern ist Sichuan eine der bevölkerungsreichsten Provinzen China´s. Der Hauptteil davon gehört der Han-Nationalität an, die sich im Altertum aus vielen Nationalitäten herausgebildet hat. Daneben gibt es in Sichuan fünf Mio. Einwohner aus 53 nationalen Minderheiten wie z.B. Yi, Tibeter, Tujia, Miao, Qiang u.a., die sich überwiegend im Hochland konzentrieren und ihre eigene Sprache und Kultur noch pflegen.

Geschichte

Archäologische Funde beweisen, daß Sichuan bereits 2 Mio. Jahre v. Chr. bewohnt wurde. Seine dokumentierte Geschichte geht 3000 Jahre zurück. In der Shang-Dynastie (16. Jh. v. Chr. - 11. Jh. v. Chr.) wurden im heutigen Sichuan zwei Königreiche - Shu und Ba - gegründet, die sich jeweils im Westen und Osten Sichuan´s befanden. In 316 v. Chr. wurden die beiden Reiche vom Königreich Qin übernommen. Durch die Erschließungspolitik des Königreichs, vor allem durch eine Reihe von Wasserbauprojekten und Einwanderung aus den gut entwickelten Gebieten Zentralchina´s, begann Sichuan mit seinem ersten Aufschwung und wurde schließlich das landesbekannte Eldorado. Es stand aber wegen seines Reichtums und seinen natürlichen Verteidigungsbarrieren in den nachkommenden Dynastien, besonders beim Dynastiewechsel, im Mittelpunkt des Ringens zwischen verschiedenen Mächten. Zu Anfang der mongolischen Yuan-Dynastie (1271-1368) z.B. dauerte der Krieg in Sichuan mehr als ein halbes Jahrhundert. Es diente auch immer wieder als Stützpunkt der zahlreichen Aufstände und Separatregime, die schließlich unterdrückt oder ausgelöscht wurden. Die Wirtschaft in Sichuan erlebte dementsprechend stetes auf und ab.

Nach der gezwungenen Öffnung des Reiches in der Mitte des 19. Jh. begann in Sichuan die Plünderung, vor allem an Naturressourcen, durch westliche Mächte. Während des Japanisch-Chinesischen Krieges (1937-1945) wurde Sichuan das Rückzugsgebiet der KMT-Regierung, von Unternehmen und Hochschulen. Heute spielt Sichuan eine führende Rolle in Westchina.

Verkehr

Die Gesamtlänge der Landstraßen in der Provinz Sichuan beläuft sich auf 92 000 (2002) km. Ein Autobahnnetz mit der Provinzhauptstadt Chengdu als Knotenpunkt wird allmählich gebaut. Das Straßennetz im Hochland der Provinz, eines der zehn Schlüsselbauprojekte der Erschließung Westchina´s, wurde bereits Ende 2003 für den Verkehr freigegeben. In Sichuan gibt es fünf Hauptbahnlinien, die Westchina an das zentrale Eisenbahnnetz anschließen. Die Gesamtlänge der Eisenbahnlinien beträgt 2693 km. Die wichtigsten Flughäfen in Sichuan sind in Chengdu, ferner noch Dachuan, Yibin, Luzho, Xichang und Nanchung.

Wirtschaft

Sichuan ist die wirtschaftlich stärkeste Provinz in Westchina. Seine Landwirtschaft spielt in der heutigen industriedominierten Gesellschaft weiterhin eine wichtige Rolle. Seine Hauptprodukte sind Getreide, Ölpflanzen und Naturseide. Mit seinen Stützbranchen, wie z.B. Maschinenbau, Elektronik, Baumaterialien, Chemie, Pharmazie und Nahrungsmitteleln, zählt Sichuan auch zu den chinesischen Industriebasen. Der Anteil des Dienstleistungssektors lag in den letzten Jahren bei etwa einem Drittel.

Seit der Öffnung Sichuan's wurden dort mehr als 5000 Unternehmen mit ausländischem Kapital gegründet. Über 30 große ausländische Firmen wie Motorola, Pepsi-Cola, Coca-Cola und McDonnel Douglas aus den USA, Charoen Phokaphan aus Thailand, Bayer aus Deutschland und Toyota aus Japan, planen sich in Sichuan anzusiedeln.

Landwirtschaft

Sichuan ist eine wichtige Kornkammer Chinas. Jährlich werden in weiten Bereichen der Provinz zwei oder drei Ernten eingebracht. Sichuan verfügt über 6,1896 Millionen Hektar Ackerland, auf dem hauptsächlich Reis, Weizen, Mais, Süßkartoffeln, Bohnen, Baumwolle und Ölpflanzen angebaut werden. Außerdem gehört Sichuan zu den wichtigen Anbaugebieten von Zuckerrohr. Seide, Tee, Tongöl, Ramie, Wachs und Bambus sind ebenfalls bedeutsam, desgleichen Orangen und Mandarinen. Das Sichuan-Becken ist durch die Schweinezucht landesweit bekannt. Daneben wird ebenfalls Rinderzucht betrieben. Auf dem Plateau von West-Sichuan werden Yaks, Pferde und Schafe gehalten. Wildlebende Tiere wie der Große Panda und der Goldaffe aus Sichuan gehören zu den seltenen Tieren der Welt.

Industrie

Sichuan ist reich an verschiedenen Bodenschätzen. Zu den wichtigsten zählen Eisen, Kohle, Erdgas, Erdöl, Salz, Gold, Kupfer, Mangan, Blei, Zink, Nickel, Quecksilber, Bergkristall, Mirabilit, Phosphor und Talkum. Eisenerz ist in weiten Gebieten verbreitet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Fabriken aus östlichen Provinzen zum Schutz vor den Japaner hierher verlegt, so dass zeitweise in Sichuan ein wichtiges Industriegebiet entstand. Die Industrie verlor jedoch weiter an Bedeutung, nachdem die Unternehmen nach dem Sieg über Japan wieder abgezogen wurden. Erst der Aufbau der Industrie in den letzten Jahren brachte der Provinz einen neuen Aufschwung. Jetzt gibt es hier Eisen- und Stahlindustrie, Kohle- und Erdgasindustrie, Zucker- und Salzgewinnung sowie Papierfabriken und Schnapsbrennereien. Die traditionellen kunstgewerblichen Produkte Sichuans wie Brokat, Satin, Lackarbeiten, Bambusflechtarbeiten und Stickereien sind seit alters bekannt. 1998 betrug das Bruttoinlandsprodukt 358 Milliarden Yuan.

Sehenswürdigkeiten

Die Provinzhauptstadt Chendu befindet sich in der Mitte der Chengdu-Ebene und ist der Knotenpunkt der Eisenbahnlinien Chengdu - Chongqing, Baoji - Chengdu und Chengdu - Kunming. Chengdu ist eine alte Stadt und beherbergt zahlreiche Kulturrelikte.

Die Stadt Zigong hat eine Geschichte von mehr als tausend Jahren und zählte heute rund 400000 Einwohner. Sie ist reich an Salz und trägt seit langem den Namen "Salzstadt". Heute entwickelt sich hier rasch eine chemische Industrie. Sehenswert sind das Dinosaurier-Museum und das Xiqin-Zunfthaus, das in der frühen Qing-Dynastie von reichen Salzhändlern aus der Provinz Shaanxi gebaut worden war.

Die Stadt Xichang ist deswegen berühmt, weil sich hier eine Satellitenstartbasis befindet.

Emei-Gebirge

Das Emei-Gebirge befindet sich im Südwesten der Chengdu-Ebene. Es erstreckt sich über 200 km. Der Wanfo-Gipfel ist mit einer Höhe von 3099 m der höchste Gipfel des Gebirges. Felsen, tiefe Schluchten, grüne Gebirgsketten, klare Gebirgsbäche und -quellen sowie Wasserfälle und Wolken bilden zusammen eine großartige Landschaft.

Das Emei-Gebirge gehört neben dem Wutai-Gebirge in Shanxi, dem Putuo-Gebirge in Zhejiang und dem Jiuhua-Gebirge in Anhui zu den vier großen buddhistischen Bergen China's. Der Überlieferung nach predigte Bodhisattwa Samantabhadra, ein Nachfolger des Shakyamuni, dem Begründers des Buddhismus, oft im Emei-Gebirge. Ursprünglich war das Emei-Gebirge ein Ort der Abhaltung buddhistischer bzw. taoistischer Riten. Am Anfang der Östlichen Han-Dynastie (25-220) entstanden im Gebirge Sakralbauwerke. Bis zur Qing-Zeit gab es hier mehr als 200 imposante Tempel. Die bekanntesten davon sind der Baoguo-, der Wannian-Tempel und der Xianfeng-Tempel sowie der Xixiang-Teich.

Die große Leshan-Buddhafigur

Die große Leshan-Buddhafigur liegt am Zusammenfluß von drei Flüssen: Minjiang, Dadu und Qingyi. Sie gehört zu den Sehenswürdigkeiten des Emei-Gebirges. Sie wurde auf Initiative eines Mönches namens Hai Tong vom Lingyun-Kloster während der Tang-Zeit gebaut, um den tobenden Dadu-Fluß der oft Schiffe zum Sinken brachte und Menschen verschluckte, zu bändigen und die Schiffahrt zu sichern. Der Bau dauerte insgesammt 90 Jahre.

Die Buddhafigur steht in einer Felswand und blickt auf die drei Flüsse hinab. Die Buddhafigur ist 28 m breit und 71 m hoch und ist schon aus mehr als zehn km Entfernung sichtbar. Die Einzelheiten dieser Buddhastatue sind sehr genau in meisterhafter Technik herausgearbeitet. Zum Beispiel wurde ein von außen nicht sichtbarer Abflußkanal für Regenwasser durch den Körper der Figur gehauen, der sie vor Verwitterung schützt.

Dujiangyan Staudamm

Der Dujiangyan Staudamm, etwa 60 km nordwestlich von Chengdu, ist eine mehr als 2000 Jahre alte Bewässerungsanlage am Minjiang, einem Nebenfluß des Yangtze. Zwischen 306 und 251 v. Chr. wurde unter der Leitung des Präfekten Li Bing und seines Sohnes an diesem Projekt gearbeitet, um eine gleichmäßige Wasserversorgung sicherzustellen. Heute werden durch ihn ca. 600.000 ha Ackerland mit Wasser versorgt.

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