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Landeskunde China - Flüsse

China ist ein Land mit vielen Flüssen und Seen, im Verhältnis zu seiner großen Bevölkerung ist China jedoch ein wasserarmes Land, wozu noch eine ungleichmäßige Verteilung des Wassers kommt. Mehr als 50000 Flüsse haben ein Einzugsgebiet von über 100 Quadratkilometern, über 1600 Flüsse ein Einzugsgebiet von mehr als 1000 Quadratkilometern und 79 Flüsse ein Einzugsgebiet von mehr als 10000 Quadratkilometern. Alle Flüsse des Landes zusammengenommen haben eine Länge von 226800 Kilometern, 2600 Milliarden Kubikmeter beträgt die Wassermenge aller Flüsse und Ströme Chinas. Die Flüsse des ganzen Landes besitzen gewaltige Wasserkraftreserven von 680 Millionen Kilowatt, mehr als die Flüsse anderer Länder. Die große Anzahl von Flüssen, die großen Wassermengen und die gewaltigen Wasserkraftreserven bieten für die Schiffahrt, der Fischerei, die Energiegewinnung und die industrielle und landwirtschaftliche Produktion günstige Bedingungen.

Ins Meer mündende Flüsse

Die Mehrzahl der Ströme und Flüsse Chinas mündet direkt oder indirekt ins Meer, Infolge der topographischen Gegebenheit, dass das Land von Westen nach Osten abfällt, fließen die meisten der Ströme und Flüsse ebenfalls von Westen nach Osten und münden in den Stillen Ozean. Mit 5445900 Quadratkilometern nimmt die Fläche ihrer Einzugsgebiete 56,8 % der gesamten Landesfläche und 88,9 % der Einzugsgebiete aller ins Meer mündenden Flüsse und Ströme ein. Die Flüsse Nujiang und Yarlung Zangbo auf dem südlichen Qinghai-Tibet-Plateau fließen über die chinesische Landesgrenze südwärts und münden schließlich in den Indischen Ozean. Mit 624500 Quadratkilometern nehmen ihre Einzugsgebiete 6,5 % des chinesischen Territoriums ein. Der Fluß Ertix am nordwestlichen Rand von Xinjiang nimmt seinen Weg nordwärts über die Landesgrenze zum Nordpolarmeer.

Mit 6121300 Quadratkilometern nehmen die Einzugsgebiete der ins Meer mündenden Flüsse und Ströme 63,8 % der Landesfläche ein, und die Wassermenge dieser Ströme macht über 95 % der Wassermenge aller Flüsse Chinas aus.

Die ins Meer mündenden Flüsse südlich und nördlich der Scheidelinie Qinling - Huaihe unterscheiden sich voneinander durch typische Besonderheiten:

Die Flüsse südlich dieser Scheidelinie sind der Yangtse, Qiantangjiang, Minjiang und Perlfluß. Sie weisen folgende Eigenarten auf: Ihre Einzugsgebiete liegen in der feuchten Zone, der Pflanzenwuchs dort ist üppig, die Erosionsbekämpfung und Erhaltung der Bodenkrume sind besser durchzuführen, und im Winter bleibt die Temperatur über 0 °C. Deshalb führen diese Flüsse zwar große Wassermengen, aber wenig Schlamm und Sand mit sich, nehmen dazu viele Nebenflüsse auf, so dass ihre Hochwasserperiode lange dauert, der Wasserstand sich in den Jahreszeiten relativ wenig ändert und sie das ganze Jahr hindurch eisfrei sind. Die Flüsse nördlich dieser Scheidelinie, wie der Liaohe, der Haihe und der Gelbe Fluß, durchfließen die halbfeuchte und halbtrockene Zone, wo sich die Niederschläge im Juli und August konzentrieren, die jährliche Niederschlagsmenge geringer und der Pflanzenwuchs in ihren Einzugsgebieten spärlich ist. Die Bodenerosion ist stark, die Hochwasserzeit kurz und die Wasserstandsänderung in den Jahreszeiten erheblich. Im Winter führen diese Flüsse meist wenig Wasser, lagern große Schlamm- und Sandmengen ab und gefrieren unterschiedlich lange. Diese besonderen Gegebenheiten sind für die Wasserspeicherung, Stromerzeugung, Bewässerung und Schiffahrt ungünstig.

Spezielle Besonderheiten haben das Heilongjiang-Flußsystem und der Yalujiang in Nordostchina. Infolge des strengen Winters und der langen Vereisungszeit haben sie Eigenschaften der anderen Flüsse Nordchinas, doch da sie feuchte und mit Wäldern dichtbestandene Berggegenden durchfließen, führen sie viel Wasser mit wenig Schlamm, was eigentlich kennzeichnend ist für die Flüsse Südchinas.

Die Flüsse Nujiang und Lancangjiang, die auf dem Qinghai-Tibet-Plateau entspringen, gehören wiederum zu einem anderen Typ. Sie stürzen zwischen hochragenden Bergen und engen Schluchten herab und haben infolge weniger Nebenflüsse nur kleine Einzugsgebiete. Aber da sie eisfrei sind, wenig Schlamm mit sich führen und ein sehr starkes Gefälle haben, sind ihre gewaltigen Wassermengen eine ungeheure Wasserkraftquelle.

Abflusslose Flüsse

Diese Flüsse enden in Binnenseen oder versickern in Sandwüsten, bilden also keinen Zugang zum Meer. In China finden sie sich hauptsächlich im trockenen Nordwesten nördlich des Kunlun-Gebirges sowie auf dem nördlichen Tibet-Plateau und werden vorwiegend durch Gletscher und Schneeschmelze aus hohen Gebirgen wie dem Tianshan, Kunlun und Qilian gespeist. Ihre Wassermenge und Länge werden durch die Menge von geschmolzenem Eis und Schnee bestimmt. Obwohl sie nur zeitweilig fließen und häufig austrocknen, sind sie für die Landwirtschaft und Viehzucht im Nordwesten Chinas von großer Bedeutung. Die Einzugsgebiete der abflusslosen Flüsse machen 3478700 Quadratkilometer aus, also 36,2 % der Landesfläche, was etwa dem monsunfreien Bereich entspricht. Ihre Wassermenge aber beträgt weniger als 5 % der Gesamtmenge des Landes. Der Tarim im Süden von Xinjiang ist mit 2137 Kilometern der längste abflusslose Fluß Chinas.

Perlfluß

Der Perlfluß ist mit 2197 Kilometern Länge der größte Fluß Südchinas. Da es einst in der Stadt Guangzhou (Kanton) mitten im Fluß eine Sandbank mit Perlmuscheln gab, bekam der Fluß seinen Namen Perlfluß. Sein Quellfluß, der Nanpanjiang, entspringt im Wumeng-Gebirge in Ost-Yunnan, fließt durch Yunnan, Guizhou und Guangxi, ändert auf seinem Lauf mehrfach seinen Namen und erreicht als Xijiang die Provinz Guangdong. Hier nimmt er den Beijiang und den Dongjiang auf und fließt bei Modaomen ins Südchinesische Meer. 77 % der Wassermenge stammen aus dem Xijiang, dessen Abfluß 11070 Kubikmeter pro Sekunde beträgt. Fast das gesamte Wassersystem des Beijiang und des Dongjiang befindet sich in Guangdong. Der Beijiang entspringt im Süden von Hunan und Jiangxi und ist 582 Kilometer lang. Der ins Süd-Jiangxi entspringende Dongjiang hat eine Länge von 523 Kilometer. Die drei Flüsse fließen in dem durch ihre Schlammablagerungen gebildeten Perlfluß-Delta zusammen und ergießen sich dann in mehrere Flussarme verteilt in acht Mündungen ins Meer. Das Perlfluß-Tal erstreckt sich über eine Fläche von 452600 Quadratkilometern und ist mit seiner jährlichen Niederschlagsmenge von 1500 - 2000 Millimetern das Gebiet mit den meisten Niederschlägen im ganzen Land. Der Perlfluß verfügt deswegen über sehr reiche Wassermengen und Wasserkraftreserven. Länge und Fläche des Einzugsgebiets des Perlflusses nehmen den vierten Platz im ganzen Land ein, aber seine Abflussmenge ist sechsmal größer als die des Gelben Flusses, steht nach dem Yangtse an zweiter Stelle und schafft ein Wasserkraftpotential von 33 Millionen Kilowatt. Die schiffbare Länge des Hauptlaufs und der Nebenflüsse beträgt 12000 Kilometer, so dass auch das Transportvolumen nach dem Yangtse den zweiten Platz im ganzen Land einnimmt. Die Strecke vom Hafen Huangpu bei Guangzhou ist flussabwärts für Schiffe bis 10000 Tonnen schiffbar. Schiffe bis 1000 Tonnen können Wuzhou und kleine Dampfer Nanning sowie Liuzhou erreichen. Die Landwirtschaft im Perlfluß-Einzugsgebiet ist gut entwickelt. Besonders im Perlfluß-Delta, wo der Fluß sich netzartig verzweigt und der Boden fruchtbar ist, blüht die Produktion und ist die Bevölkerungsdichte am höchsten.

Der Huaihe

Der Huaihe fließt zwischen dem Yangtse und dem Gelben Fluß und ist einer der wichtigsten Flüse in Mittelchina. Er entspringt am Tongbai-Gebirge in der Provinz Henan. Sein Oberlauf fließt durch Henan, sein Mittellauf durch Anhui und sein Unterlauf durch Jiangsu. Die Länge des Hauptlaufs beträgt etwa 1000 Kilometer. Der Abfluß beträgt 1110 Kubikmeter pro Sekunde und die Fläche des Einzugsgebiets etwa 185700 Quadratkilometer, die zum großen Teil aus Ebenen mit insgesamt über 13,3 Millionen Hektar Ackerland besteht.

Der Huaihe hatte früher seinen eigenen Abfluß zum Meer. Infolge eines Deichbruchs im Jahre 1194 nahm der Gelbe Fluß den Lauf des Huaihe und verschlämmte ihn allmählich, so dass der Huaihe seinen Lauf nach Süden ändern musste und in den Yangtse mündete. Unterwegs bildete der Huaihe an Tiefstellen zwei Seen, den Hongze und den Gaoyou. Nur ein kleiner Teil des Wassers fließt durch den Subei-Bewässerungskanal direkt ins Meer. Es ist vorgesehen, in absehbarer Zukunft dem Huaihe einen eigenen Abfluß ins Gelbe Meer zu schaffen, um den Yangtse von Hochwasser zu entlasten.

Der Haihe

Der Haihe ist das größte Wassersystem in Nordchina. Er besteht aus zwei Kanälen und drei großen Flüssen - dem Nordkanal, dem Yongdinghe, dem Daqinghe, dem Ziyahe und dem Südkanal - sowie mehr als dreihundert Nebenflüssen, einem Palmblattfächer auf dem Boden Nordchinas gleich. Diese Flüsse kommen bei Tianjin im Haihe zusammen, der östlich davon bei Dagukou ins Bohai-Meer mündet. Der 69 Kilometer lange Hauptlauf des Haihe von Tianjin bis zur Mündung ist der "Blattstiel", von dem die mehr als dreihundert Neben- und Zuflüsse abzweigen. Das Einzugsgebiet des Haihe umfasst die Städte Beijing und Tianjin, einen großen Teil der Provinz Hebei sowie Teile der Provinzen Shandong, Henan und Shanxi sowie des Autonomen Gebiets Innere Mongolei. Der Haihe hat den Weihe als seinen Quellfluß, eine Länge von 1090 Kilometern und einen Abfluß von 717 Kubikmeter pro Sekunde. Die Fläche seines Einzugsgebiets beträgt 265000 Quadratkilometer mit 12 Millionen Hektar Ackerland.

Da es einerseits viele Neben- und Zuflüsse am Oberlauf gibt, die Regenzeit hier konzentriert ist und es starke Hochwasser gibt, andererseits der Mittel- und Unterlauf niedrig gelegen sind und überdies der enge Flusslauf nur eine Mündung besitzt, kamen früher am Haihe öfter Überschwemmungen vor. In den vergangenen 550 Jahren wurden 70 große Wasserkatastrophen registriert. Die größte ereignete sich im Jahr 1939, wobei die Stadt Tianjin überflutet wurde und zwei Monate lang unter Wasser stand. Der Haihe wurde in den letzten Jahren reguliert und neue Stauseen wurden angelegt sowie alte saniert, so dass man heute im wesentlichen vor Hochwasser sicher ist.

Der Heilongjiang

Da der Heilongjiang (Schwarzdrachen-Fluß) durch dicht bewaldete Gegenden mit schwarzer Humuserde fließt, ist das Flusswasser dunkel, und daher kommt sein Name. Er hat zwei Oberläufe: der südliche ist der Ergun, dessen Oberlauf Hailar heißt und dessen Hauptquelle am westlichen Abhang des Großen Hinggan-Gebirges im Autonomen Gebiet Innere Mongolei entspringt; der nördliche ist der Onongol, der an der Ostseite des Chentiin-Gebirges im Norden der Mongolischen Volksrepublik entspringt. Von der Stelle, wo westlich von Mohe beide Oberläufe zusammenfließen, heißt der Fluß Heilongjiang. Er nimmt dann auf seinem Wege zwei große Nebenflüsse auf, den Songhuajiang und den Wusuli, und mündet in den Tatarischen Sund. Vom Zusammenfluß des südlichen und nördlichen Oberlaufs bis nach Chabarovsk (Boli) in Russland, wo der Heilongjiang und der Wusuli zusammenfließen, ist der Heilongjiang der Grenzfluß zwischen China und Russland. Die Länge des Heilongjiang ist 3420 Kilometer, wovon 2965 Kilometer an der Grenze zwischen China und Russland oder in China liegen. Die Fläche des gesamten Einzugsgebiets beträgt 1620000 Quadratkilometer, wovon 890000 Quadratkilometer in China liegen. Der Heilongjiang ist breit und tief. Sein Hauptfluß ist von Mohe an für größere Schiffe befahrbar, aber jährlich über fünf Monate vereist. Der Songhuajiang ist der größte Nebenfluß des Heilongjiang mit einer Länge von 1927 Kilometern und einem Einzugsgebiet von 545000 Quadratkilometern.

Der Yarlung Zangbo

Der Yarlung Zangbo, der Oberlauf des Brahmaputra, war lange Zeit unbekannt, weil er sich in schwer zugänglichem Gebiet auf dem Tibet-Plateau befindet. Er ist 2057 Kilometer lang, hat ein Einzugsgebiet von 240480 Quadratkilometern und einen Abfluß von 4425 Kubikmetern pro Sekunde. Da der Fluß auf dem südlichen Teil des Qinghai-Tibet-Plateaus tiefe Talschluchten mit steil aufragenden Felsen an beiden Ufern durchbricht, birgt er riesige Wasserkraftreserven.

Das Tal des Yarlung Zangbo ist der wichtigste Durchgangsweg für die feuchten Luftmassen aus dem Indischen Ozean ins Innere Tibets. Da es im Flusstal erhebliche Höhenunterschiede gibt, gedeiht hier eine Vielfalt von Pflanzen der tropischen bis zur kalten Zone. In den dichten Urwäldern leben seltene Tiere, auch noch Tiger. Die große Schlucht im Gebiet "Großer Bogen" des Yarlung Zangbo im Kreis Medog ist über 500 Kilometer lang und im Durchschnitt über 5000 Meter tief. Sie ist die längste und tiefste Schlucht der Welt. Darüber hinaus gibt es vier Gruppen von Wasserfällen am Fluß. Der breiteste Wasserfall misst 70 Meter und das größte Gefälle 40 Meter.

Der Große Kanal

Der Große Kanal, auch Jinghang-Kanal (Kanal von Beijing und Hangzhou) genannt, beginnt im Norden im Kreis Tongxian in Beijing und endet im Süden in Hangzhou, Provinz Zhejiang. Er durchfließt die zwei Städte Beijing und Tianjin sowie vier Provinzen - Hebei, Shandong, Jiangsu und Zhejiang - und verbindet die fünf großen Flusssysteme des Haihe, Gelben Flusses, Huaihe, Yangtse und Qiantangjiang. Mit seiner Länge von 1794 Kilometern ist der Große Kanal der längste künstliche Wasserlauf der Welt.

Der Bau des Großen Kanals ist eines der hervorragendsten Wasserprojekte in der Geschichte Chinas. Mit seiner Geschichte von mehr als 2400 Jahren ist er einer der am frühesten gebauten Kanäle der Welt. Im 5. Jahrhundert v. Chr. (Ende der Frühlings- und Herbst-Periode) hat man zuerst bei Yangzhou, Provinz Jiangsu, einen Kanal gebaut, um das Wasser des Yangtse nach Norden abzuleiten. In der Sui-Dynastie (581 - 618) und schließlich in der Yuan-Dynastie (1271 - 1368) wurde er in großem Umfang verlängert, um natürliche Flüsse miteinander zu verbinden. Dieser Kanal war die wichtigste Verkehrsader für den Transport zwischen Norden und Süden während der Yuan-, Ming- und Qing-Dynastie. Da die meisten natürlichen Flüsse Chinas von Westen nach Osten fließen, spielte der Große Kanal eine wichtige Rolle für den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Norden und Süden. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an, als der Seetransport in Nord-Süd-Richtung entwickelt und die Eisenbahnlinien Tianjin- Pukou und Beijing - Hankou gebaut wurden, verlor der Große Kanal als Transportweg stark an Bedeutung. Viele Abschnitte verschlammten. Da der Gelbe Fluß seinen Flusslauf nach Norden änderte, wurde die Wasserspeisung des Großen Kanals in Shandong drastisch verringert. Zur Zeit ist der Große Kanal in Nordchina nur teilweise schiffbar, während die 800 Kilometer lange Strecke von Jiangsu und Zhejiang das ganze Jahr hindurch der Schifffahrt zur Verfügung steht. Seit 1998 wird der Nord-Kanal (Großer Kanal bei Beijing) saniert. Danach soll der Schiffsverkehr nach langem Stillstand wieder aufgenommen werden

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