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Peking A-Z! Die Peking-Oper

Die Peking-Oper ist eigentlich eine Beijinger Lokaloper, aber Peking-Opern-Fans gibt es in ganz China. Bei dieser Opernart sind Gesang, Rezitation, Pantomime und Akrobatik miteinander verbunden. Wegen ihrer ausgezeichneten Darstellungskunst, den ansprechenden Melodien, den bunten, prächtigen Kostümen und der wunderbaren Akrobatik wurde die Peking-Oper, eine von mehr als hundert chinesischen Opernarten, zur am weitesten verbreiteten und einflussreichsten. Sie kann auf eine Geschichte von über 150 Jahren zurückblicken.

Ihre Entstehung geht auf die Regierungsperiode von Kaiser Qianlong (1736-1795) der Qing-Dynastie zurück. Während einer Inspektionsreise südlich des Yangtse interessierte sich dieser für Lokalopern, und an seinem 80. Geburtstag im Jahre 1790 berief er lokale Operntruppen aus verschiedenen Teilen des Landes zu Vorführungen nach Beijing. Die vier wichtigsten Truppen aus der Provinz Anhui blieben dann in der Hauptstadt, um den Kaiser zu vergnügen. Sie verdrängten allmählich die Kunqu-Oper, die bis dahin am Hof und bei der Oberschicht dominierend gewesen war. Im Jahre 1828 kam dann noch eine Operntruppe aus der Provinz Hubei nach Beijing und teilte mit den Anhui-Truppen die Bühne. Dabei wurden sowohl Erhuang- als auch Xipi-Melodien gesungen. Diese Vorführungen wurden allgemein Pihuang genannt und stellten Vorläufer der Peking-Oper dar.

Gesungen wird in der Peking-Oper nach festgelegten Melodien, die aber im Rhythmus variieren und gut die Gefühle und die seelische Verfassung der verschiedenen Charaktere in unterschiedlichen Situationen ausdrücken. Die Peking-Oper weist Dialoge und Monologe auf. Rezitiert wird in Beijing-Dialekt mit und ohne Reim. Jede Bewegung, wie sich am Bart zupfen, sich den Hut zurechtrücken, die Ärmel schütteln oder den Fuß heben, folgt stilisierten Mustern, hat symbolischen Gehalt und ist genau festgelegt. Feine Veränderungen bringen hier unterschiedliche emotionale Intensität der verschiedenen Charaktere zum Ausdruck.

Typisch für die Peking-Oper ist, dass sie keinen Beschränkungen von Zeit und Raum unterliegt. Es handelt sich bei ihren darstellerischen Formen um Konzentrate und Überhöhungen von Vorgängen des wirklichen Lebens. Alles, was man auf der Bühne schwer darstellen kann, wird symbolisch vorgeführt. Im allgemeinen gibt es als Requisiten nur einen Tisch und zwei Stühle. Viele Vorgänge werden pantomimisch dargestellt: Imaginäre Türe werden geöffnet, geschlossen, Türme und Berge werden bestiegen, es wird geschwommen, Pferde werden bestiegen, indem man sich eine mit Quasten geschmückte Peitsche reichen lässt und genau vorgeschriebene Bein- und Armbewegungen vollzieht. Ein Ruder symbolisiert ein Boot, zwei Fahnen mit Rädern stellen einen Wagen dar usw. Gegen Darsteller auf der Bühne eine Runde, heißt das, sie haben einen langen Weg zurückgelegt. Vier Generäle und vier Soldaten bedeuten eine Armee von tausend Mann.... Mit Hilfe von Pantomime und Akrobatik wird auf hell erleuchteter Bühne ein Kampf in tiefer Nacht dargestellt.

Zum Orchester gehören neben Streich- und Blasinstrumenten Schlaginstrumente, hauptsächlich verschiedenartige und unterschiedlich große Trommeln und Gongs sowie Taktschlegel aus Holz oder Bambus.

Bei den Rollen unterscheidet man "Dan" (weibliche Rollen), "Sheng" (männliche Rollen), "Chou" (Spaßmacher) und "Jing" (bemalte Gesichter). Bei den "Jing" kann man von den Farben der Masken her negative und positive Charaktere sofort unterscheiden. Rot zeigt treue und tapfere, Gelb grobe und starke Charaktere an. Weiß steht meistens für listige und Schwarz oft für grobe, aber aufrichtige Menschen. Gold und Silber zeigen an, dass es sich um Geister handelt.

Bei den Peking-Opern-Kostümen orientiert man sich hauptsächlich an der Kleidung der Mig-Dynastie (etwa 15. Jahrhundert). Alle Kostüme entsprechen der Stellung und dem Charakter der jeweiligen Rolle.

Manche Leute meinen, die Peking-Oper entspreche nicht dem normalen Prinzip einer Oper, da der Kampf zwischen dem positiven und dem negativen Element sich nicht schrittweise entwickelt. Denn bei der Peking-Oper weiß man schon gleich, ob es sich um einen guten oder schlechten Charakter handelt, sobald ein Darsteller die Bühne betritt. Die Peking-Opern-Fans kennen den Hergang der Geschichte der einzelnen Opern sehr gut. Sie kommen nicht ins Theater, um neue Geschichten zu hören und zu sehen, sondern hauptsächlich um einen Darsteller zu sehen, der für seine Darstellungskunst bekannt ist. Bestimmte Melodien oder Szenen mit besonderer Pantomime oder Akrobatik bereiten ihnen großen Genuß, und so können sie sich die gleiche Szene immer wieder ansehen.

Mei Lanfang, ein bekannter Peking-Opern-Darsteller, war der erste, der die Peking-Opern-Kunst auf Tourneen (1919: Japan, 1929: USA, 1935: Sowjetunion) ins Ausland brachte. Ein anderer bekannter Peking-Opern-Schauspieler, Cheng Yanqui, machte im Jahre 1932 einen Europabesuch, der Anlaß zu weiterem kulturellem Austausch gab. Er hielt während seines Besuchs in der Schweiz auch eine Reihe von Vorlesungen über die Peking-Oper.

Nach der Befreiung waren chinesische Peking-Opern-Truppen in Japan, Europa, Lateinamerika, den USA und Afrika auf Tournee. Und heute ist diese Opernart nicht nur die Lieblingsoper der Chinesen, sondern wird auch von vielen ausländischen Künstlern hochgeschätzt.

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