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Peking A-Z - Beijing im Laufe der GeschichteHaben Sie schon einmal Beijing (Peking) besucht? Wenn ja, dann haben Sie sicherlich angesichts des prächtigen Tiananmen-Tors, der großartigen antiken Baukomplexe und der schönen Gartenanlagen das Gefühl gehabt, dass diese Stadt sowohl alt als auch jung ist. Es dauerte aber sehr lange, bis diese Stadt die Hauptstadt der Volksrepublik China wurde. Wir wollen zunächst von der alten Zeit berichten. Nach Angaben von Historikern und Geologen war dort, wo heute Beijing ist, vor zwei bis drei Millionen Jahren eine Meeresbucht. Damals hatten sich im Westen schon das Taihang-Gebirge und im Norden das Yanshan-Gebirge gebildet. Große Erdmassen wurden durch Schnee- und Regenwasser aus den Bergtälern in die Meeresbucht gespült, und so entstand dort nach und nach die Ebene, die heute als die „Kleine Beijing-Ebene“ bezeichnet wird. Diese Ebene grenzt im Süden an die Nordchinesische Tiefebene, im Westen, Norden und Nordosten an Gebirgsketten, die die kalten Winde aus dem Norden abhalten. Und etwa 140 km südöstlich liegt die Bohai-Bucht, von wo Meeresfeuchtigkeit hereinströmt. Dank dieser günstigen geographischen und klimatischen Verhältnisse ist dieses Gebiet sehr fruchtbar. Und das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum das Gebiet von Beijing schon in Urzeiten besiedelt war. Der Urbewohner von Beijing – der Peking-Mensch (Sinanthropus pekinensis) – lebte vor ca. 500000 Jahren auf dem Drachenknochen-Hügel (Longgushan) bei Zhoukoudian, südwestlich der Stadt. Seine Erdhöhlen sind bis heute gut erhalten. Wenn Sie Interesse daran haben, die Heimat des Peking-Menschen zu sehen, dann raten wir Ihnen, Zhoukoudian einmal aufzusuchen. Hier wurde das erste Kapitel der Vorgeschichte Beijings geschrieben. Bis zur Geburt der Stadt sollte aber noch eine lange Zeit vergehen. Vor etwa drei- bis viertausend Jahren entstanden in der Beijing-Ebene kleine Siedlungen. Eine befand sich dort, wo heute der Stadtteil Guang´anmen ist. Damals konnte man von der Beijing-Ebene aus südwärts die Zentralchinesische Ebene erreichen, nordwärts die Songliao-Ebene und die mongolische Hochebene. Die Siedlung auf dem Boden des heutigen Guanganmen entwickelte sich zu einem Verkehrsknotenpunkt. Und mit der Entwicklung der Produktion und des Handelsaustausches wurde aus der Siedlung eine Stadt namens Ji. Diese Stadt war der Vorläufer der Stadt Beijing. Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde Ji Hauptstadt des Staates Yan in Nordchina. Deswegen nannte man Ji auch „Yanjing“ – wörtlich „Yan-Hauptstadt“. Die Stadt Ji war in dieser Periode eine wichtige Metropole im Norden Chinas. 800 bis 900 Jahre lang war sie die Hauptstadt von Yan. In der Qing-Dynastie (221-206 v. Chr.) erfolgte die Einigung Chinas durch den ersten Qin-Kaiser Qin Shi Huang unter einer zentralisierten Macht. Die Hauptstadt war nun Xianyang (in der heutigen Provinz Shaanxi). Der Staat Yan existierte nicht mehr, und die Stadt Ji wurde zu einer Präfektur, sie blieb nach wie vor ein wichtiger Ort in Nordchina. Während der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) wurde die Stadt Ji in Youzhou umbenannt. In der mittleren Periode der Tang-Dynastie verbreitete sich von Youzhou aus der An-Shi-Aufstand, der die Tang-Dynastie erschütterte. An Lushan und Shi Siming, die beiden Anführer führten von hier aus den Kampf bis nach Chang´an, der Reichshauptstadt der Dynastie. In dem buddhistischen Fayuan-Tempel in Beijing steht heute noch der von Shi Siming errichtete Gedenkstein. Nach einigen Jahren wurde der An-Shi-Aufstand zwar unterdrückt, aber damit ging auch die Tang-Dynastie unter. Anstelle der Einheit trat in China wieder die feudale Zersplitterung. Zu den Machtkämpfen im Innern kamen angriffe von außen, Bedrohungen durch die Kitan, einen Stamm im westlichen Liaohe-Gebiet im Norden. Die Liao-Dynastie (916-1125) wurde begründet, und Youzhou, zu jener Zeit Nanjing (Südliche Hauptstadt) genannt, diente als zweite Hauptstadt. Heute können wir in Beijing noch Überreste aus der Liao-Dynastie finden. Ein Beispiel dafür ist die Pagode des Tianning-Tempels in der Nähe des Guang´anmen. Im Tempel der Großen Erleuchtung (Dajuesi), in den West-Bergen, steht noch heute ein Gedenkstein aus der Liao-Zeit, auf dem geschrieben steht, dass hier früher ein riesiger Bau lag, in dem buddhistische Sutras aufbewahrt wurden. Im 12. Jahrhundert erstarkten die Nüzhen, ein anderer Stamm am Songhuajiang (Sungari-Fluß). Sie gründeten die Jin-Dynastie (1115-1234). Die Südliche Hauptstadt, wie Beijing damals hieß, wurde erobert. Der Machtbereich der Jin erstreckte sich bis zum Qinling-Gebirge und dem Gebiet nördlich des Huai-Flusses. Um die Zentralchinesische Ebene unter Kontrolle zu bringen und mit den Stützpunktgebieten im Nordosten in besserer Verbindung zu bleiben, wurde die Südliche Hauptstadt zum Zentrum des Jin-Reiches gemacht und hieß nun Zhongdu (Mittlere Hauptstadt). Zhongdu wurde groß ausgebaut. Im Zentrum der Stadt entstand ein prächtiger Palast, der architektonisch an den Bianling-Palast der Nördlichen Song-Dynastie erinnerte. Aus der Jin-Dynastie stammt auch die Lugou-Brücke (Marco-Polo-Brücke) über den Yongding-Fluß (südwestlich von Beijing). Seit alters her war eine Fähre der Hauptzugangsweg zur Stadt Beijing gewesen und auch der einzige Weg, der in die Zentralchinesische Ebene führte. In alter Zeit musste man den Fluß überqueren, dann entstand eine Schiffbrücke und schließlich in der Jin-Dynastie entsprechend den Erfordernissen der Zeit die Lugou-Steinbrücke.
Heute ist diese Brücke eine weltbekannte historische Sehenswürdigkeit, die von Touristen gerne besucht wird. Am 7. Juli 1937 begann das chinesische Volk von dieser Brücke aus den Widerstand gegen die japanische Aggression. Seither ist sie eine Stelle zum Gedenken an den Antijapanischen Krieg. Diese Brücke wurde vor 790 Jahren gebaut, sie besitzt immer noch eine Tragfähigkeit von mehr als 400 Tonnen. Auf jedem der 280 Geländerpfeiler sitzt ein großer Löwe mit mehreren ausdrucksvollen kleinen Löwen. Wenn Sie historisch interessiert sind, fahren Sie doch einmal in den Kreis Changping. Dort, am Fuß des Tiebiyin-Berges, stehen noch viele buddhistische Pagoden aus der Jin-Dynastie. Anfang des 13. Jahrhunderts nahm die Macht der Mongolen zu. 1215 überfielen Reitertruppen unter Dschingis Khan die Jin-Truppen, marschierten nach Süden und besetzten die Stadt Zhongdu. Die Kaiserstadt wurde in Schutt und Asche gelegt. 45 Jahre später traf Kubilai (1260-1294), ein Enkel von Dschingis Khan, mit dem Wunsch, China zu vereinigen, in Zhongdu ein. Er wollte hier die Hauptstadt wieder aufbauen lassen, um sie zu einem Zentrum seiner Herrschaft zu machen. Die Stadt wurde in der Folgezeit unter dem Namen Dadu (Große Hauptstadt) berühmt. Als Kubilai nach Zhongdu kam, lag die Kaiserstadt in Trümmern, nur eine Nebenresidenz in der nordöstlichen Vorstadt, der Daninggong (Palast der Großen Ruhe), war unbeschädigt. Kubilai nahm dort Unterkunft und ließ die Stadt Dadu um diesen Palast herum aufbauen, d.h. von der Stelle aus, wo sich heute der Beihai-Park befindet. Der Aufbau der Stadt Dadu stellte ein neues Kapitel in der Geschichte Beijings dar. Vom Entstehen der Stadt bis zur Jin-Zeit war das Stadtzentrum immer im Stadtteil Guang´anmen gelegen. Nach dem Aufbau von Dadu bildete sich dann das heutige Stadtzentrum heraus. Kubilai gründete hier in Dadu die Yuan-Dynastie, nachdem er die Südliche Song-Dynastie besiegt und das ganze Reich geeinigt hatte. Von dieser Zeit an war Beijing das politische Zentrum des Landes. Die Stadt Dadu war perfekt geplant und entworfen. Von der Mitte aus nach Süden erstreckte sich die Kaiserstadt, die aus drei Baukomplexen mit großen und kleinen Palasthallen zusammengesetzt war, die an beiden Ufern des Zhonghai-Sees (Mittelsee) und des Beihai-Sees (Nordsee) lagen. Einer der drei Baukomplexe, der Danei-Palast (Vorgänger der Verbotenen Stadt), wurde von den Kaisern für Audienzen und als Wohnstätte benutzt; in den am Westufer liegenden Süd- und Nordpalästen, die durch den See vom Danei-Palast getrennt waren, wohnten die Kronprinzen und die jeweilige Kaiserinmutter. Der Palast des Kubilai war prächtig ausgestattet und hatte ein Dach aus glasierten Ziegeln und einen Unterbau aus weißem Marmor mit feinen Steinmetzarbeiten. Nördlich der Kaiserstadt befanden sich der Glockenturm und der Trommelturm. Sie waren die „Uhren“ für die ganze Stadt. Die äußere Stadt, um den Kaiserpalast herum, hatte nach Norden zwei Tore, in die drei anderen Richtungen jeweils drei. Die Tore waren durch Straßen von Nord nach Süd und von West nach Ost verbunden. Im Bereich der Stadt war der Straßenbau schon sehr entwickelt. Die Hauptstraßen verliefen von Norden nach Süden, die kleinen Gassen jedoch, die diese verbanden, von Westen nach Osten. Manche dieser alten Straßen sind bis heute unverändert erhalten geblieben, z.B. die Dongdan-Straße, die Xidan-Straße, die Dongsi-Straße, die Xisi-Straße, die Dongzhimen-Straße, die Xizhimen-Straße, die Gulou-Weststraße und die Chaonei-Straße, die alle auch schon in der Stadt Dadu während der Yuan-Dynastie existierten. Nur ihre Namen haben sich mit der Zeit geändert. Ein Problem war der Wassermangel. Um diese Frage zu lösen, bat Kubilai den Wasserbauexperten Guo Shoujing, Kanäle anzulegen. Guo hatte dabei große Schwierigkeiten zu bewältigen, aber schließlich war eine Verbindung zum Tonghui-Fluß, dem nördlichsten Abschnitt des Großen Kanals, der von Beijing nach Hangzhou führt, hergestellt. Von diesem Zeitpunkt an konnten die Schiffe vom Süden aus über den Großen Kanal direkt bis zur Stadt Dadu fahren. Der damalige belebte Hafen lag an der Stelle, wo sich heute Jishuitan befindet. Das Gebiet von Jishuitan bis zum Glocken- und Trommelturm war das Handelszentrum der Stadt. Die blühende Stadt Dadu zog viele ausländische Handelsleute und Mönche an, und immer enger werdende Beziehungen zum Ausland förderten eine rasche Entwicklung der Kultur und des Kulturaustausches. Die Weiße Pagode in Beijing zum Beispiel (sie liegt unweit des Fucheng-Tores), wurde mit Hilfe eines Nepalesen gebaut. Marco Polo schätzte diese Stadt mit ihren Palastanlagen sehr und meinte, keine andere Stadt auf der ganzen Welt könnte sich mit ihr vergleichen. In der Mitte des 14. Jahrhunderts eroberte Zhu Yuanzhang die Gebiete südlich des Unterlaufs des Yangtse und gründete im heutigen Nanjing (Nanking) die Ming-Dynastie (1368-1644). 1368 marschierte der Ming-General Xu Da nach Norden und besiegte die Yuan-Dynastie. Der letzte Yuan-Kaiser musste Dadu verlassen und in die mongolische Hochebene fliehen. Da benannte Dadu in Beiping um und ließ die Stadt verkleinern. Die äußere Stadtmauer an der Nordseite wurde abgerissen und etwas südlicher, zwischen dem heutigen Desheng- und dem Anding-Tor, wieder aufgebaut. Noch heute kann man die Überreste der niedergerissenen Nord-Mauer von Dadu außerhalb des Desheng-Tores finden. Man nennt sie heute die „Erdmauer“, da sie nur noch als unterbrochene Hügelkette zu sehen ist. Dreißig Jahre lang diente Nanjing der Ming-Dynastie als Hauptstadt. Erst nach der Thronbesteigung des dritten Ming-Kaisers Zhu Di, der als Fürst Yan mit dem Beiping-Gebiet belehnt worden war, wurde die Hauptstadt wieder nach Beiping verlegt, das dann in Beijing (Nördliche Hauptstadt) unbenannt wurde. Von diesem Zeitpunkt an ging der Name Beijing in die Geschichte ein. Auf dem ehemaligen Grundriß der Stadt ließ Zhu Di Beijing ausbauen. Auf der Grundlage der Erfahrungen, die früher beim Aufbau der Hauptstadt gemacht worden waren, wurden nach sorgfältiger Planung die Verbotene Stadt, die Palasthallen, Tempel und Altäre sowie der Glocken- und Trommelturm gebaut und eine 20 km lange Stadtmauer errichtet, der später noch neun Türme hinzugefügt wurden. So stand die Stadt viel großartiger da als das Dadu der Yuan-Zeit. Nach dem Ausbau der Stadt hatte sich folgendes geändert: Die südliche Stadtmauer und die Mauern der Kaiserstadt und der Verbotenen Stadt waren wie die nördliche Stadtmauer nach Süden versetzt. Die heutige Ost- und West-Chang´an-Straße verläuft dort, wo früher die südliche Stadtmauer von Dadu stand. Die umgebaute Südmauer verlief am Zhengyang-Tor von Osten nach Westen. In der Ming-Zeit wurde im Süden der Stadt zusätzlich noch eine Außenmauer angelegt. So veränderte sich der rechteckige Umriß der Stadt aus der Yuan-Zeit in folgende Form:
Diese blieb bis 1949, also zur Zeit der Befreiung der Stadt, erhalten. Der heute vielbesuchte Kaiserpalast (die Verbotene Stadt) wurde unter Zhu Di gebaut. Die wichtigsten Gebäude der Palaststadt liegen alle auf der Zentralachse, die von Süden (dem Yongding-Tor) nach Norden (dem Glocken- und dem Trommelturm) führt. Auf dieser 8 km langen Zentralachse liegen die Tore Qianmen, Tiananmen, Duanmen, Wumen, Taihemen, die Drei Vorderen und die Drei Hinteren Hallen, der Kaiserliche Garten, das Tor Shenwumen sowie der Mittelgipfel des Jiangshan-Hügels (früher als „Kohlenberg“ bekannt). Andere Bauwerke reihen sich dann symmetrisch an beiden Seiten aneinander. An der östlichen Seite des Tiananmen-Tores lag der Kaiserliche Ahnentempel (Taimiao), wo sich heute der Kulturpalast der Werktätigen befindet; an der westlichen Seite lag der Altar der Götter der Erde und der Fruchtbarkeit (Shejitan), heute befindet sich dort der Zhongshan-Park (Sun-Yat-sen-Park). Rechts und links des Yongdingmen-Tores lagen der Himmelstempel (Tiantan) und der Tempel des Ackergottes (Xiannongtan), heute Tiantan-Park bzw. Xiannongtan-Stadion. Der Himmelstempel mit seinen prächtigen Bauten wurde in der Ming-Dynastie gebaut. Die darin befindliche Daheng-Halle wurde in der Qing-Dynastie wieder aufgebaut und hieß dann Qiniandian (Halle der Ernteopfer oder Halle des Erntegebets). Es ist eine prächtige rund Halle mit einem dreistufigen Dach aus blau glasierten Ziegeln, von einer vergoldeten Spitze gekrönt. Huanqiutan (der Himmelsaltar) mit seinen runden, in drei Stufen erbauten Terrassen aus schneeweißem Gestein von Geländern aus weißen Steinsäulen mit Basreliefs umgeben, erinnert an das Paradies. Aber das größte Wunderwerk aus der alten Zeit ist die Große Mauer, die sich durch das Gebirge dahinschlängelt, mit vielen Befestigungstürmen, darunter Badaling aus der Ming-Zeit. Hinter dem Bergpaß liegen zwei weitere Festungen. Die westliche heißt „Schlüssel zum Nordtor“ (Beimensuoyao), die östliche „Äußere Festung Juyongwaizhen). Dieser Mauerabschnitt wurde zur Verteidigung Beijings gebaut. Des weiteren sind die dreizehn Ming-Gräber prächtige Bauwerke aus der alten Zeit. Hier sind dreizehn aufeinanderfolgende Herrscher der Ming-Dynastie mit ihren Frauen begraben. Changling, das Grab von Kaiser Zhu Di, auch unter dem Namen Chengzu bekannt, ist das imposanteste. Das freigelegte Grab des Ming-Kaisers Zhu Yijun ist der unterirdische Ding-Palast. Hierfür wurden beinahe 8 Millionen Tael Silber aufgewandt. Ein Tael Silber war damals 240 kg Reis wert. Alle aufgeführten antiken Bauwerke sind ein deutlicher Beweis für das hohe wissenschaftliche und technische Niveau des chinesischen Volkes. China ist ein Land mit einer weit zurückreichenden hochentwickelten Wissenschaft und Kultur, und bis zur Mitte der Ming-Dynastie gehörte es noch zu den fortgeschrittensten Ländern der Welt. Im Jahre 1644 führte Li Zicheng einen Bauernaufstand an, eroberte die Stadt Beijing und stürzte die Ming-Dynastie. Aber bereits 43 Tage später marschierten die Truppen des Qing-Kaisers in Beijing ein, besetzten die Stadt und machten sie zu ihrer Hauptstadt. Beijing blieb weiterhin das Herrschaftszentrum. Die Qing-Kaiser nahmen den ganzen Kaiserpalast in Besitz. Unmengen von Geldmitteln und Arbeitskräften wurden aufgewandt, um die schönen Gartenanlagen zu renovieren bzw. neue anzulegen. Die Weiße Pagode im tibetischen Stil im Beihai-Park z.B. wurde zu dieser Zeit gebaut, und auch der Sommerpalast in einem westlichen Vorort von Beijing, der damals Qingyiyuan (Park Reinsten Wassers) hieß. Im Jahre 1860, als die alliierten Truppen von England und Frankreich in Beijing eindrangen, wurde der Qingyiyuan-Sommerpalast stark beschädigt. Die Kaiserinwitwe Cixi beschloß daraufhin, mit Mitteln, die für den Aufbau der Marine bestimmt waren, den Sommerpalast wiederherstellen zu lassen, und taufte ihn in Yiheyuan um. Neben dem Qingyiyuan-Palast wurde noch eine andere Sommerresidenz in der Nähe – der Yuanmingyuan-Palast – von den ausländischen imperialistischen Mächten geplündert und völlig zerstört. Der Yuanmingyuan-Palast maß 300 ha. Zu ihm gehörten der Changchunyuan (Garten des Ewigen Frühlings) und der Wanchunyuan (Garten der Zehntausend Jahre). In diesem Palast befanden sich zahlreiche wertvolle Bücher und historische Gegenstände. Mit seinen hundert herrlichen Parkanlagen wurde er in der ausländischen Literatur als der „Garten der zehntausend Gärten“ bezeichnet. Während des 2. Opiumkriegs (1856-1860) wurde alle von den alliierten Truppen Englands und Frankreichs niedergebrannt. Heute stehen dort nur noch Ruinen. Neben den kaiserlichen Gartenanlagen ließen sich auch zahlreiche hohe Beamte und Adlige in Beijing kleinere reizvolle Gärten anlegen, von denen heute leider nur noch wenige erhalten sind. Nach dem 1. Opiumkrieg 1840 wurde China zu einem halbkolonialen und halbfeudalen Land, und Beijing war dafür beispielhaft: Die Wirtschaft war in einem katastrophalen Zustand und die Bevölkerung fristete ein elendes Leben. Ununterbrochen kam es zu Aufständen gegen die herrschenden Klassen und die Kolonialisten und schließlich zur Revolution – die Bewegung des 4. Mai 1919 nahm hier in Beijing ihren Anfang. Li Dazhao (1889-1927), ein Vorkämpfer der chinesischen Revolution, setzte sich hier als erster in China für die Verbreitung der marxistischen Theorie ein, und Lu Xun (1891-1936), der große revolutionäre Schriftsteller, griff hier zur Feder und nahm den Kampf gegen den Feind auf. Das alte Beijing ist eine Stadt mit ruhmreichen Kampftraditionen. Am 1. Oktober 1949 verkündete Mao Zedong vom Tiananmen-Tor aus: „Die Volksrepublik China ist gegründet, und das chinesische Volk ist aufgestanden!“ Von da an begann ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt Beijing. Seither ist Beijing die Hauptstadt der Volksrepublik China und das politische Zentrum für alle Nationalitäten des Landes. Hier werden die Parteitage der Kommunistischen Partei Chinas abgehalten, hier tagen die Vollversammlungen der Nationalen Volkskongresse, hier finden viele wichtige Landeskonferenzen statt. Das alte Kulturzentrum ist heute ein Zentrum der Wissenschaft und Kultur.
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