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Peking A-Z - Der Kaiserpalast fünfhundert Jahre Geschichte

Seit der Liao-Dynastie (916-1125) diente Beijing als zweite Hauptstadt, und von der Yuan-Dynastie (1271-1368) an war es die Hauptstadt des vereinigten China. Beijing als Hauptstadt hat also eine Geschichte von mehr als tausend Jahren. In dieser Zeit sind in der Stadt und ihrer Umgebung zahlreiche prächtige Paläste und Residenzen entstanden, von denen einige erhalten geblieben sind. Im folgenden ist vom Kaiserpalast in der Stadtmitte Beijings die Rede.

Der Kaiserpalast, auch Zijincheng (die Purpurne Verbotene Stadt) genannt, wurde vor mehr als 500 Jahren, vom 4. bis zum 18. Jahr der Regierungsperiode Yongle (1403-1424) unter Zhu Di, dem Ming-Kaiser Chengzu, erbaut. Vom Einzug Zhu Dis in den Palast 1420 bis zum Sturz des letzten Qing-Kaisers Pu Yi durch die Revolution von 1911 diente der Kaiserpalast 24 Ming- und Qing-Kaisern als Residenz. In den 491 Jahren empfingen hier die Kaiser ihre Minister und Generäle und die ausländischen Gesandten und erledigten die laufenden Staatsgeschäfte.

Der Kaiserpalast zeichnet sich durch seine imposante Ausstattung, seine strenge Planung und die integrierte und symmetrische Anordnung des gesamten Baukomplexes aus. Früher war die Stadt Beijing in die "Äußere Stadt", die "Innere Stadt", die "Kaiserstadt" und die "Verbotene Stadt" aufgeteilt. Die drei letzteren Städte waren jeweils von einer hohen geschlossenen Mauer umgeben. Das heutige Qianmen (Vorderes Tor) war das Haupttor der Inneren Stadt; das Tiananmen (Tor des Himmlischen Friedens) war das Haupttor der Kaiserstadt, während das Wumen (Mittagstor) das Haupttor der Verbotenen Stadt war. Und der Kaiser lebte innerhalb der Verbotenen Stadt, eingeschlossen von den drei Mauern.

1. Wumen, 2. Taihemen, 3. Thaihedian, 4. Zhonghedian, 5. Baohedian, 6. Qianqingmen, 7. Qianqinggong, 8. Kunninggong, 9. Kaisergarten, 10. Qin´andian, 11. Shenwumen, 12. Yangxindian, 13. Sechs Westliche Hallen, 14. Halle für Bronze-Artikel, 15. Halle für Keramik und Porzellan, 16. Halle für Kunstgegenstände der Ming- und Qing-Dynastie, 17. Galerie, 18. Halle für Kostbarkeiten

Die Mauern der Verbotenen Stadt sind 10 m hoch und messen von Osten nach Westen 760 m und von Süden nach Norden 960 m. Der Kaiserpalast hat innerhalb der Mauern eine Gesamtfläche von 720000 qm und ist außerhalb der Mauern von einem 52 m breiten Wallgraben umgeben. Auf dem Gelände des Kaiserpalastes befinden sich insgesamt 9999 Räume, eine Zahl, die nach der chinesischen Überlieferung die "Ewigkeit" der Herrschaft symbolisiert. Diese Räume sind auf mehrere Gebäudekomplexe aufgeteilt, die je ein architektonisches Ganzes bilden. Der Palast ist in drei Teile untergliedert: Waichao (der Außenhof), wo der Kaiser seine Minister zur Audienz empfing und verschiedene Zeremonien stattfanden; Neiting (die Inneren Gemächer), die Wohngemächer des Kaisers, der Kaiserin und der kaiserlichen Konkubinen; und der Kaiserliche Garten.

Das Wumen (das Mittagstor), allgemein als Wufenglou (Turm der Fünf Phönixe) bekannt, ist das erste Eingangstor zum Kaiserpalast. Der untere Teil des Wumen besteht aus einer 10 m hohen, zinnoberroten U-förmigen Mauer. Darauf steht ein Turm mit neun Räumen und einem Doppeldach aus gelb glasierten Ziegeln. Rechts und links auf der Mauer stehen vier quadratische Pavillons, die ebenfalls mit glasierten Ziegeln gedeckt sind. Zur Zeit der Qing-Dynastie mussten sich alle Zivil- und Militärbeamten in der Morgendämmerung in den Hofräumen beim Wumen-Tor einfinden, um auf die Audienz des Kaisers zu warten. Wenn der Kaiser zur Audienz erschien, wurden auf dem Turm des Wumen-Tors Glocken und Trommeln geschlagen. Ging er zum Himmelstempel (Tiantan) oder zum Erdtempel (Ditan) zum Gebet, erklangen die Glocken; ging er zum Kaiserlichen Ahnentempel (Taimiao), wurde getrommelt. Kamen Generäle von einem triumphalen Feldzug zurück, fand hier eine Zeremonie zur Übergabe der Kriegsgefangenen statt. Zur Zeit der Ming-Dynastie wurden Beamte, die gegen den Willen des Kaisers gehandelt hatten, vor dem Wumen-Tor mit Stockschlägen bestraft.

Betritt man den Palast durch das Wumen und geht dann über die Innere Goldwasser-Brücke (Neijinshuiqiao) aus weißem Marmor, sieht man das Taihemen (Tor der Höchsten Harmonie) vor sich, an das sich nördlich drei Hallen anschließen - die Taihedian (Halle der Höchsten Harmonie), die Zhonghedian (Halle der Vollkommenen Harmonie) und die Baohedian (Halle zur Erhaltung der Harmonie), die man gewöhnlich als die "Drei Großen Hallen" bezeichnet und die die wichtigsten Bauwerke im "Außenhof" der Verbotenen Stadt darstellen. Sie sind auf einem Postament in einer

Form gebaut und bilden mit den anderen Bauten um sie herum einen quadratischen geschlossenen Hof, an dessen vier Ecken vier hohe "Wachttürme" zum Zwecke der Verteidigung der drei Hallen stehen. Die Taihedian ist die wichtigste Halle des Kaiserpalastes. Von hier aus übte der Kaiser seine Macht aus. Viele wichtige Zeremonien fanden hier statt, wie etwa die Zeremonien anlässlich einer Thronbesteigung, die Audienzen für die Minister sowie die Feiern an verschiedenen Festtagen. In Bezug auf Architektur und Ausstattung ist sie die beste der drei Hallen. Sie ist der größte Holzbau aus Chinas alter Zeit.

Zur Zeit der Ming- und der Qing-Dynastie war die Halle der höchsten Harmonie das höchste Bauwerk der Stadt Beijing. Kein Gebäude durfte die Palasthallen überragen. Die Halle der Höchsten Harmonie, die höchste im Palast, ist 35,05 m hoch, einschließlich der Dachornamente 37,44 m, also ein Meter höher als der Wachtturm auf dem Qianmen. Sie ist 63,96 m breit und 37,20 m tief. In der Halle stehen riesige Stützsäulen aus Holz in sechs Reihen, in jeder Reihe jeweils zwölf, also insgesamt 72 Säulen. In der antiken chinesischen Architektur galt der Platz zwischen vier Säulen als ein Raum; so besteht die Halle umgerechnet aus 55 Räumen.

Unter diesen 72 Stützsäulen gibt es in der Mitte der Halle sechs von goldlackierten Drachen umwundene Säulen, die 14,4 m hoch sind und einen Durchmesser von 1,06 m haben. Die anderen Säulen sind zinnoberrot. Der Thron, von den sechs Säulen in der Mitte flankiert, steht auf einer 2 m hohen Plattform, die ebenfalls mit umwundenen Drachen verziert ist. Das Drachen-Pult und der Thron-Sessel sind mit geschnitzten Drachen- und Wolkenmustern versehen. Über dem Thron befindet sich eine feine, kunstvoll gearbeitete Deckendekoration mit gewundenen Drachen. Hinter dem Thron steht ein fein geschnitzter Wandschirm, davor und seitlich davon befinden sich Kraniche, Weihrauchgefäße und Dreifüße.

In der feudalen chinesischen Gesellschaft gab es sogar für die Dächer eine Klasseneinteilung. Alles im Palast versinnbildlichte die allerhöchste Macht und Autorität des Kaisers. Nehmen wir zum Beispiel die Halle der Höchsten Harmonie. In diesem Thronsaal übte der Kaiser seine Macht aus, weshalb hier das Dach aus den besten Materialien hergestellt und besonders reich verziert wurde. Die größte der am Dach angebrachten Fabeltierfiguren wiegt allein 4250 kg.

Vor der Halle der Höchsten Harmonie befindet sich eine von weißen Marmorbalustraden umgebene, 8 m hoch gelegene Terrasse mit drei Absätzen. Zur Terrasse hoch führt in der Mitte eine lange Steinplatte mit Wolken- und Drachenmustern, die als "Kaiserlicher Weg" bezeichnet wurde und nur vom Kaiser benutzt werden durfte. Rechts und links davon befinden sich zwei 28stufige Marmortreppen, die für die Prinzen und Minister bestimmt waren.

Unmittelbar vor der Halle liegt eine freie Plattform, an deren beiden Seiten zwei Bronzeschildkröten, zwei Bronzekraniche, ein Gnomon, ein Jialiang-Hohlmaß sowie mehrere bauchige Wasserbehälter aus Bronze zu sehen sind. Die Geräte sollten ausdrücken, dass der Kaiser auf den Ackerbau achtete, während die Tiere Glück und Langlebigkeit symbolisierten. Die Bronze-Behälter dienten zum Feuerschutz und sollten auch die Vollkommenheit und Integrität der Herrschaft des Kaisers versinnbildlichen.

Der rechteckige Hof vor der Halle der Höchsten Harmonie misst 30000 qm. Auffallenderweise stehen hier weder Bäume noch Bauten. Das ist kein architektonisches Versehen, sondern darauf zurückzuführen, dass hier Zeremonien und Feiern veranstaltet wurden, bei denen die Ehrengarde und alle Militär- und Zivilbeamten in der Rangfolge ihrer Dienstgrade vor dem Kaiser niederknieten. Solch ein großer Platz war also unentbehrlich. Der Kaiser saß dabei auf seinem Thron in der Halle, und aus den Bronzeschildkröten, -kranichen und dreifüßigen Räuchergefäßen in und vor der Halle stieg Weihrauch empor, was dem Ganzen eine geheimnisvolle und feierliche Stimmung verlieh.

Hinter der Halle der Höchsten Harmonie liegt, jenseits eines weiteren Hofes, die Zhonghedian, die Halle der Vollkommenen Harmonie. In der Halle stehen ebenfalls ein Thron, einige Drehfüße und Räuchergefäße. Bevor der Kaiser sich in die Thronhalle begab, ruhte er sich hier aus, erteilte den Ministern oder Zeremonienmeistern Audienz oder ließ die Zeremonien proben.

Die letzte der Drei Großen Hallen ist die Baohedian, die Halle zur Erhaltung der Harmonie, die kleiner ist als die Halle der Höchsten Harmonie, aber größer als die Halle der Vollkommenen Harmonie. Auch in dieser Halle steht ein Thron. Jedes Jahr zu Silvester gab der Kaiser hier den Fürsten und Herzögen Bankette. Während der Qing-Dynastie wurden hier vom Kaiser die Palastexamen durchgeführt.

Die äußeren Hallen liegen höher als die in der Mitte. Die architektonische Anlage macht den Palast imposant und harmonisch.

Die Drei Großen Hallen sind das Herz des Kaiserpalastes, und zur Zeit der Ming- und der Qing-Dynastie waren sie auch der Mittelpunkt der Stadt Beijing. Die Drei Großen Hallen bilden den Mittelpunkt einer Zentralachse, auch Meridian genannt, die von Süden nach Norden verläuft und nicht nur den gesamten Kaiserpalast, sondern auch das alte Beijing halbiert. Auf dieser Zentralachse liegen im Süden die Tore Wumen, Tiananmen und Qianmen und im Norden die Tore Shenwumen und Di´anmen. Und der Kaiserthron in der Halle der Höchsten Harmonie steht genau auf dem Mittelpunkt dieser Zentralachse.

An der östlichen und westlichen Seite des Taihe-Tores südlich der Halle der Höchsten Harmonie stehen weitere Bauwerke. Auf der Ostseite stehen u.a. die Wenhuadian (Halle der Literarischen Blüte) und der Wenyuange (Pavillon des Kulturellen Reichtums). Während der Ming-Dynastie war die Wenhuadian das Studierzimmer der Kronprinzen; und während der Ming- und der Qing-Dynastie kamen die Kaiser oft im Frühjahr und Herbst in diese Halle, um Vorlesungen zu halten. Im Wenyuange wurden in der Qing-Dynastie wertvolle Bücher aufbewahrt. Auf der Westseite liegen u.a. die Wuyingdian (Halle der Militärischen Tapferkeit) und die Nanxundian-Halle. In der ersteren empfing die Kaiserin während der Ming-Dynastie die Damen hoher Beamter zu Festtagen. Am Ende der Ming-Dynastie drang eine aufständische Bauernarmee unter Führung von Li Zicheng in Beijing ein, und in dieser Halle wurde nach der Thronbesteigung Li Zichengs das Reich Da Shun ausgerufen. In der Qing-Dynastie wurden hier von Literaten und Gelehrten wertvolle und berühmt gewordene Bücher zusammengestellt und redigiert, z.B. die 36304 Bände umfassende Büchersammlung "Si Ku Quan Shu" (Vollständige Bücherei in vier Abteilungen), das 4444 Bände und 112 Bände Nachträge umfassende Lexikon "Pei Wen Yun Fu" (nach Reimen geordnet) und die 10000-bändige "Bibliographische Sammlung von bekannten Werken der alten und der neuen Zeit" (Gu Jin Tu Shu Ji Cheng). Die Halle Nanxundian gehört zu den wenigen Bauten aus der Ming-Zeit, die erhalten geblieben sind. In dieser Halle sind die Porträts von Kaisern und Kaiserinnen verschiedener Dynastien aufbewahrt.

Außerdem ist noch eine 16 m lange, 200 t schwere Marmorplatte zu nennen, die aus einem einzigen Block gehauen ist und hinter der Halle zur Erhaltung der Harmonie als Treppe diente. Sie ist mit Drachen- und Wolkenmustern verziert.

Nach alter chinesischer Tradition ist der Palast in den "Außenhof" und die "Inneren Gemächer" unterteilt. Die oben erwähnten Bauten gehören alle zum Außenhof des Kaiserpalastes. Verläßt man die Halle zur Erhaltung der Harmonie und geht durch das Qianqingmen (Tor der Himmlischen Reinheit), kommt man in die Inneren Gemächer des Kaiserpalastes.

Das Tor Qianqingmen ist eine "Demarkationslinie" zwischen dem Außenhof und den Inneren Gemächern. Vor dem prächtig dekorierten Tor stehen vier vergoldete Löwen und zu beiden Seiten davon mehrere ehemals vergoldete Wasserbehälter aus Bronze. In der Qing-Dynastie stand in der Mitte des Haupttors des Qianqingmen ein Thron, von dem aus der Kaiser oft Staatsangelegenheiten erledigte. Das war eine Zeremonie, die als die "Erledigung der Staatsgeschäfte am Kaiserlichen Tor" bezeichnet wurde. Diese Zeremonie wurde aber gegen Ende der Qing-Zeit abgeschafft. Vor etwa 90 Jahren, als die alliierten Truppen der acht Mächte in Beijing eindrangen, nahmen sie auch den Kaiserpalast ein. Die Soldaten schabten das Gold von den Wasserbehältern vor dem Qianqingmen ab - die Spuren davon sind bis heute noch deutlich zu sehen.

Durch das Qianqingmen erreicht man die Inneren Gemächer, wo die Familienagehörigen des Kaisers, einschließlich seiner Konkubinen, der Hofdamen und Eunuchen, wohnten. Die Neiting (Innere Gemächer) bestehen hauptsächlich aus den Drei Hinteren Palästen, den Sechs Östlichen und den Sechs Westlichen Palästen. Zur Zeit der Ming- und der Qing-Dynastie wurden in bestimmten Zeitabständen hübsche Mädchen als Hofdamen ausgewählt. Ungezählte Mädchen mussten im Laufe der Jahrhunderte hier in diesen Palästen ihre Jugend verbringen.

Mit den Drei Hinteren Palästen sind der Qianqinggong (Palast der Himmlischen Reinheit), die Jiaotaidian (Halle der Berührung von Himmel und Erde) und der Kunninggong (Palast der Irdischen Ruhe) gemeint, die auf einem Postament in einer

Erbaut sind. Allerdings sind Postament, Bauwerke und Hof viel kleiner als im Außenhof.

Der Qianqing-Palast enthält an der Längsseite 9 Räume und an der Breitseite 5 Räume. Mitten im Palast steht der Kaiserthron. Der Qianqing-Palast diente dem Kaiser als Schlafgemach, wo er mitunter aber auch Staatsgeschäfte erledigte und an Feiertagen seinen Ministern Bankette gab.

Noch weiter innen liegt der Kunning-Palast. Er hieß auch Zhenggong (der Hauptpalast). Man nannte die Kaiserin auch "Lady des Zhenggong-Palastes", da sich hier ursprünglich das Schlafgemach der Kaiserin befand. Zur Zeit der Qing-Dynastie wurde es jedoch nur während der Hochzeit eines Kaisers benutzt. Gewöhnlich fanden hier religiöse Zeremonien zur Verehrung der Götter statt. An der Ostwand des Palastes steht heute noch ein Tragstuhl der Kaiserin in roten und gelben Satin eingehüllt.

Zwischen dem Qianqing-Palast und dem Kunning-Palast liegt die Jiaotaidian (Halle der Berührung von Himmel und Erde). In ihrem Innern befindet sich ein kleiner Festsaal. Wie die Zhonghe-Halle im Außenhof ist diese Halle ein quadratisches Bauwerk. Während der Ming- und der Qing-Dynastie feierten die Kaiserinnen hier ihre Geburtstage und züchteten im Frühling Seidenraupen, um ihre Tüchtigkeit zu demonstrieren, denn sie sollten ja den Bauernfrauen im ganzen Land als "Vorbild" dienen. Hier werden noch bis heute die 25 kaiserlichen Jade-Siegel aufbewahrt, die sich schon zur Zeit des Kaiser Qianlong in diesem Saal befanden. Auch eine uralte chinesische Wasseruhr - ein kupferner Tropfkessel (Tong Hu Di Lou) und eine große Tischuhr in europäischem Stil sind in der Halle zu sehen.

Der Qianqing-Palast, wo der Kaiser wohnte, symbolisierte den "Himmel", der Kunning-Palast, wo die Kaiserin wohnte, die "Erde", das Rijingmen-Tor die "Sonne" und das Yuehuamen-Tor den "Mond" - was heißen sollte, dass der Kaiser und die Kaiserin mit dem Himmel, der Erde, der Sonne und dem Mond gemeinsam existierten und dass sie die gleiche Herrlichkeit wie diese besaßen.

Links und rechts von den Drei Hinteren Palästen liegen die Dongliugong (die Sechs Östlichen Paläste) und die Xiliugong (die Sechs Westlichen Paläste). Diese Paläste bilden einen einheitlichen Baukomplex. Früher lebten hier die Kaiserinnen, die Konkubinen und Hofdamen. Einige Paläste dienten als Altar oder Schatzkammer.

Zu den Dongliugong gehören unter anderem der Jingren-Palast, der Chengqian-Palast, der Yonghe-Palast, der Jingyang-Palast und der Zhongcui-Palast. Südlich der Dongliugong liegt die Halle Fengxiandian, die früher dem Kaiser als Familientempel diente. Der Zhaigong (Fasten-Palast) war ein Ort, an dem der Kaiser, bevor er den Himmelstempel oder den Erdtempel zum Gebet aufsuchte, einen Fastentag verbrachte. Die Dongliugong sowie die Halle Fengxiandian und der Zhaigong dienen heute als Ausstellungshallen für historische Kunstgegenstände. Östlich der Dongliugong liegen der Huangji- und der Ningshou-Palast, wo der Kaiser Qianlong lebte, nachdem er dem Thron entsagt hatte. Heute sind hier traditionelle chinesische Malereien und Kalligraphien ausgestellt, Werke berühmter chinesischer Maler und Kalligraphien aus verschiedenen Zeiten. Die Leshou-Halle, wo Kaiser Qianlong auch einmal lebte, dient heute als Ausstellungshalle für Kostbarkeiten aus verschiedenen chinesischen Dynastien.

Die Sechs Westlichen Paläste (Xiliugong) werden heute als Ausstellungsstätten für die Geschichte des kaiserlichen Hofs der Qing-Zeit benutzt. Früher lebten die Kaiserinnen und Konkubinen hier im Yongshou-Palast, in der Taiji-Halle, der Tiyuan-Halle und im Changchun-Palast. Die Kaiserinwitwe Cixi lebte in der Tiyuan-Halle und im Changchun-Palast (Palast des Ewigen Frühlings), die heute alle noch unverändert und in gutem Zustand sind. Dann sind da noch der Xianfu-Palast, der Yikun-Palast, der Tihe-Palast und der Chuxiu-Palast, die ehemals Wohngemächer der kaiserlichen Konkubinen waren und heute als Ausstellungsstätten für Malerei und Kunstgegenstände aus der Qing-Dynastie dienen.

Besonders erwähnenswert ist noch der Yangxindian (Pavillon zur Bildung der Gefühle). Zu Beginn der Qing-Dynastie wohnten die Kaiser im Qianqinggong (Palast der Himmlischen Reinheit). Aber vom Jahre 1723 an bis zum Jahre 1911 lebten sie im Pavillon Yangxindian und führten von hier aus die Staatsgeschäfte.

Der Pavillon zur Bildung der Gefühle liegt südlich der Sechs Westlichen Paläste und westlich vom Qianqing-Palast. Es handelt sich hier um einen Baukomplex in Form des chinesischen Schriftzeichens "Gong". Vor dem Palast steht ein Paar vergoldeter Bronzelöwen. Mitten auf der Treppe zum Palast befindet sich eine Steinschnitzerei mit einem Wolken- und Drachenmuster. Im Palast selbst steht ein Thron vor dem Kaiserlichen Pult. Darüber hängt eine achteckige Decke mit einer vergoldeten Drachenschnitzerei. Auf beiden Seiten des Throns stehen Weihrauchgefäße und Dreifüße. Im östlichen Flügel des Pavillons zur Bildung der Gefühle erledigten die Kaiserinwitwe Cixi und Ci´an die Staatsgeschäfte "hinter dem Vorhang", während die Kinderkaiser Tongzhi und Guangxu auf dem Thron im vorderen Saal saßen. Später leitete auch die Kaiserinwitwae Longyu, die Kaiserin von Guangxu, hier die Staatsgeschäfte "hinter dem Vorhang", und der Kinderkaiser Pu Yi saß währenddessen auf demselben Thron wie Tongzhi und Guangxu. So war der Pavillon zur Bildung der Gefühle in den letzten Jahren der Qing-Dynastie eine wichtige Stätte zur "Erledigung der Staatsgeschäfte hinter dem Vorhang" geworden. Im westlichen Flügel des Pavillons empfingen die Kaiser ihre wichtigsten Generäle und Minister sowie ihre Vertrauten. Dort ist eine 10 qm große Kammer zu sehen, wo Kaiser Qianlong wertvolle Kalligraphien von bekannten historischen Persönlichkeiten aufbewahren ließ.

Hinter den Östlichen und den Westlichen Palästen liegt der Palastgarten. Er ist nicht allzu groß, aber schön und ideal platziert, mit uralten Kiefern und Zypressen, Blumen und Bambus, künstlichen Felsenanlagen und Springbrunnen, schönen Lauben und Pavillons.

Der Palastgarten führt zum Shenwumen (Tor der Göttlichen Stärke), früher Xuanwumen-Tor, dem Hintertor des Kaiserpalastes. Früher befanden sich auf dem Turm des Tores Glocken und Trommeln. Täglich bei Sonnenaufgang klangen die Glocken 108mal, und nach der Abenddämmerung gaben die Trommeln die ganze Nacht hindurch die Zeit an. Bei Tagesanbruch ertönten die Glocken wieder 108mal. Heute dient das Shenwumen als Haupteingang zum Palastmuseum (Kaiserpalast).

Von 1420 bis 1911, während der Ming- und der Qing-Dynastie, hatte so der Kaiserpalast der kaiserlichen Herrschaft als politisches Zentrum gedient. Nach Ausbruch der Revolution von 1911 trat der letzte Kaiser Pu Yi von seinem Amt zurück. Die Nationalregierung beschlagnahmte die Drei Großen Hallen im Außenhof sowie die Wenhua-halle und die Wuying-Halle und errichtete im Jahre 1914 die "Ausstellungshalle für antike Gegenstände". Zu jener Zeit wohnte Pu Yi noch in den Inneren Gemächern. Erst 1925 wurde er aus seiner kaiserlichen Residenz vertrieben. Im Oktober desselben Jahres wurde das "Palastmuseum" gegründet, aber die damalige Regierung vernachlässigte diese antiken Baukomplexe, so dass überall in den Höfen Unkraut wuchs und die Gebäude zerfielen.

Die Volksregierung schenkte dann dem Erhalt des Kaiserpalastes große Aufmerksamkeit. Nach der Befreiung der Stadt Beijing wurde er als Schwerpunktobjekt Nr. 1 dem staatlichen Denkmalschutz unterstellt und zuallererst renoviert. Heute ist der Kaiserpalast ein großes umfangreiches Museum für chinesische Geschichte und traditionelle chinesische Kultur und Kunst.

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