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Peking A-Z! Der Ruinenpark der Palastanlage Yuanmingyuan

Mit dem Bau der Palastanlage Yuanmingyuan wurde im 48. Regierungsjahr Kangxi der Qing-Dynastie (1709) begonnen. Erfahrene Handwerker und Baumaterialien aus vielen Teilen des Landes wurden dafür eingesetzt. Der Bau nahm insgesamt 150 Jahre in Anspruch. Zuerst wurde der Yuanmingyuan (Garten des Hellen Vollmondes) fertiggestellt, danach entstanden zwei weitere Gartenanlagen: der Changchunyuan (Garten des Ewigen Frühlings), später in Wanchunyuan (Garten des Farbenprächtigen Frühlings) umbenannt. Die drei aneinander grenzenden Gärten hatten einen Umfang von ca. 10 Kilometern und waren insgesamt 350 Hektar groß. Heute werden sie allgemein Yuanmingyuan genannt.

Der Yuanmingyuan liegt in einer Ebene nördlich des einstigen Städtchens Haidian (heute ein Beijinger Stadtteil) unweit der Westberge. Seit langem wurden hier Reis und Lotos angebaut, kleine und große Seen in verschiedenen Formen wurden ausgehoben und die Erde zu Hügeln ausgeschüttet. Der größte See heißt Fuhai (Meer des Glücks). Die im Vorderen und Hinteren See liegenden neun Inselchen symbolisieren das ganze einstige Hoheitsgebiet Chinas. Im Kapitel Yugong des klassischen chinesischen Buchs "Shang Shu" aus der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v. Chr.) ist zu lesen, dass China in uralter Zeit in neun Teile untergliedert war.

Früher standen hier etwa hundert prächtige Pavillons und verschiedene andere Bauwerke, ausgestattet mit kostbaren kunstgewerblichen Gegenständen, Malereien und Büchern. Von den Regierungsperioden Yongzheng und Qianlong (1723-1795) bis zur Regierungsperiode Xianfeng (1851-1861) lebten die Qing-Kaiser jeweils über die Hälfte des Jahres in dieser Palastanlage. Sie gewährten hier Audienzen und regelten von hier aus die Staatsgeschäfte. Hierfür waren die Zhengdaguangmingdian (Halle der Aufrichtigkeit und Offenheit) und die Qinzhengqinxiandian (Halle der Aktiven Regelung der Staatsgeschäfte und des Vertrauens auf Weise Beamte) sowie Gebäude für das Kabinett, die sechs Ministerien und das Militäramt gebaut worden. So war hier früher das eigentliche Zentrum der Kaiserherrschaft.

In seiner Blütezeit war der Yuanmingyuan ein riesengroßer Garten. Er umfasste mehrere Gartenanlagen im Stil des damaligen südchinesischen Gartenbaus und stellte die Auslese der alten Gartenbaukunst Chinas dar. In der Gartenbaugeschichte der Welt nahm er einen wichtigen Platz ein, sein Name verbreitete sich überall in der ganzen Welt. Schließlich wurde ihm der Name "Garten der Zehntausend Gärten" gegeben.

Dieses auf der Welt unvergleichliche Gartenbauwerk wurde 1860 und 1900 zuerst von der englisch-französischen Interventionsarmee und dann von der alliierten Interventionsarmee der acht Mächte geplündert und niedergebrannt. Was nach der Zerstörung noch übrig war, wurde von chinesischen Militärmachthabern, Beamten und Spekulanten geraubt. Der Yuanmingyuan lag daraufhin ein halbes Jahrhundert lang verlassen da.

Heute sind von den früheren Baulichkeiten nur noch wenige Ruinen zu sehen. Wenn man aber anhand einer Karte der alten Palastanlage sorgfältig sucht, kann man noch Spuren der jeweiligen Gebäude finden. So bekommt man ungefähr ein Bild davon, wie erhaben diese Palastanlage mit seinen Gärten einst war. Erwähnenswert ist vor allem die Ruine des Xiyanglou, des "Europäischen Gebäudes". Dieser Baukomplex war von dem italienischen Missionar Giuseppe Castiglione und einem französischen Missionar, die am Kaiserhof der Qing Posten bekleideten, entworfen worden. Mit dem Bau, den chinesische Handwerker ausführten, wurde 1745 begonnen. Die Bauten mit verschiedenartigen Springbrunnen und Teichen lagen innerhalb des Gartens des Ewigen Frühlings. Für den Gebäudekomplex im Stil der europäischen Renaissance hatten Steinmetze eine gewaltige Menge Granit und Marmor bearbeitet. Die Dächer wurden mit glasierten Dachziegeln bedeckt, und in die Wände wurden bunte glasierte Ziegel eingesetzt. Da diese Gebäude vor allem aus Stein bestanden, sind noch relativ viele Überreste erhalten. Nicht zerstörte Steinskulpturen der Palastanlage wurden weggeschafft und anderswo aufgestellt. So stehen beispielsweise die "Acht Säulen des Pavillons Lanting" heute im Sun-Yat-sen-Park. Und die Huabiao, die dekorierten Säulen, vor der Zweigstelle der Beijinger Bibliothek und vor dem hauptgebäude der Beijing-Universität gehörten ursprünglich zum Pavillon "Anyougong" im Nordwestteil des Palastes. Der heute am Weiming-See in der Beijing-Universität befindliche Steinfisch stand früher neben dem Springbrunnen "Xieqiqu" im Palast. Die vor kurzem wieder instand gesetzten fünf Wandschirme aus Stein, besetzt mit Armeeflaggen, Rüstungen, Schwertern und Kanonen, wurden von der Beijing-Universität in die ehemalige Palastanlage zurückgebracht.

1949, nach der Gründung der Volksrepublik China, legte man großen Wert auf den Schutz der Ruinen des Yuanmingyuan. Der ehemalige Ministerpräsident Zhou Enlai und die ehemalige Ehrenvorsitzende des Staates Sung Tjingling kümmerten sich persönlich darum. 1976 wurde das Yuanmingyuan-Verwaltungsbüro gegründet, und 1983 wurde ein Ausschuß für den Aufbau der Yuanmingyuan-Gartenanlage gebildet. Seit 1988 ist die Gartenanlage als Schwerpunktobjekt dem staatlichen Denkmalschutz unterstellt. Seit 1984, als man damit begann, den Yuanmingyuan in großem Ausmaß zu renovieren, wurden bemerkenswerte Erfolge erzielt. So wurden u.a. der größte See, der Fuhai, und der Garten des Ewigen Frühlings sowie ein Teil des Gartens des Schönen Frühlings ausgebessert. Seit 1986 ist die Gartenanlage für Besucher freigegeben.

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