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Chinas Nationalitäten (Minderheiten) 中国的少数民族 - Schutz und Entwicklung des Kulturerbes

Jede nationale Minderheit Chinas hat eine lange Geschichte und eine einzigartige kulturelle Tradition. Zu keiner Zeit faszinierten die nationalen Kulturen je so viele Leute wie gegenwärtig. In den Dörfern abgelegener Grenzgebiete haben sich nationale Traditionen fast unverändert erhalten. Doch durch die moderne Zivilisation drohen kulturelle Traditionen der nationalen Minderheiten Chinas ebenso wie bei vielen Völkern in aller Welt in Vergessenheit zu geraten. Es erhebt sich die Frage, wie China das Kulturerbe der nationalen Minderheiten schützen und ihre Kultur bewahren kann.

Sicherung alter Schriften und mündlicher Überlieferungen

Im Laufe der Geschichte entstanden unzählige Schriften und mündliche überlieferte Geschichten. Nur einige der nationalen Minderheiten Chinas hatten eine eigene Schrift; die anderen überlieferten ihr nationales Erbe mündlich der nächsten Generation.

1982 begann man überall in China damit, alte Schriften und Dokumente der nationalen Minderheiten zu sammeln, zu ordnen und herauszugeben. Es waren geeignete Orte für die Aufbewahrung der Kulturzeugnisse zu finden; alles musste katalogisiert, kollationiert und systematisiert werden. Menschen mussten gefunden werden, um die überall verstreuten Schriften zu sammeln. Auf verschiedenen Wegen ins Ausland gelangte Dokumente waren zurückzukaufen, zu tauschen oder wenigstens zu kopieren. Die mündlich überlieferten Geschichten waren aufzuzeichnen, um sie vor dem endgültigen Vergessen zu bewahren.

Verantwortlich für die Erfüllung dieser Aufgabe war die staatliche Kommission für Angelegenheiten der Nationalitäten. 1984 wurde eine Planungsgruppe für die Anordnung und Herausgabe alter Schriften und mündlicher Überlieferungen der nationalen Minderheiten gebildet. Später wurden Untergruppen in 25 Provinzen, autonomen Gebieten und regierungsunmittelbaren Städten sowie in mehr als 130 autonomen Bezirken, Kreisen und Bünden gegründet. Einige Nationalitätenhochschulen sowie wissenschaftliche Einrichtungen in den Minderheitengebieten haben Forschungsinstitute für alte Schriften und mündliche Überlieferungen geschaffen.

Unvollständigen Statistiken zufolge hat man seit 1984 etwa 120000 Schriften zur Geschichte, Literatur, Volkskunde, Religion und Medizin gesammelt und damit gerettet. Davon wurden bisher 110000 kollationiert und systematisiert. Mehr als 5000 Bücher wurden inzwischen gedruckt. Heute besitzen alle 55 nationalen Minderheiten Chinas Bücher zur eigenen Geschichte.

Volksliteratur und Volkskunst

Die meisten nationalen Minderheiten Chinas singen und tanzen gern. Bei allen großen Festen sind eindrucksvolle Gesangs- und Tanzauftritte selbstverständlich. Bei den Tibetern sagt man: "Wer sprechen kann, kann auch singen; wer gehen kann, kann auch tanzen". Alle in China lebenden Nationalitäten besitzen "reiche Schatzkammern" der Volksliteratur und Volkskunst.

Mit der Verbesserung der sozialen Verhältnisse hat sich die Gesangs- und Tanzkunst bei den nationalen Minderheiten verändert. Da sich der Einfluss der Naturreligionen auf die Lebensweise der Minoritäten allmählich vermindert, geraten die Gesänge und Tänze für Opferzeremonien langsam in Vergessenheit. Ein Beispiel mag der "Arere-Tanz" der Naxi-Nationalität sein, der den Toten galt. Man tanzte um den Verstorbenen, um die Angst vor dem Tod zu vertreiben und die Natur zu ehren. Heute wird dieser Tanz nur noch zum Vergnügen aufgeführt; folglich änderte man auch die Lieder, die während des Tanzes gesungen werden.


Aufführung der tibetischen Oper

Aber die Liebeslieder und die Tänze der Liebe sind ebenso populär wie früher unter den jungen Leuten.

Musik und Tanzkunst der nationalen Minderheiten werden dank der Bemühungen offizieller Institutionen gepflegt und weiterentwickelt. Dazu ein Beispiel: Die zwölfteilige Suite Mukamu ist ein klassisches Werk der uigurischen Musik. Ende der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts konnten nur noch zwei oder drei betagte Künstler dieses Werk vollständig spielen. Staatliche Kultureinrichtungen schufen ein "Mukamu"-Ensemble und eine dazu gehörige Forschungsgruppe, wodurch diese Suite wieder zu neuer Blüte gelangte.

Leider jagen nicht wenige junge Leute einem "modernen Leben" nach, worunter sie meist die Ablehnung ihrer traditionellen Kultur verstehen. Sie meinen, die oft sehr bunten Kleider ihrer Nationalitäten, die aus heimischen Baumwollstoff angefertigt werden, seien Ausdruck der Armut und Rückständigkeit ihrer Nationalitäten. In den letzten Jahren werden von offiziellen Stellen immer häufiger in den Minderheitengebieten kulturelle und sportliche Veranstaltungen und Feste organisiert. Das ist nicht nur von wirtschaftlicher Bedeutung Nutzen ziehen, sondern bringt auch die Kultur der Minoritäten vielen Menschen nahe. Bei den Minoritäten Chinas lebt und denkt man heute anders als früher. Mehr und mehr junge Leute erlernen glücklicherweise bewusst die traditionellen Gesänge und Tänze oder das Kunsthandwerk ihrer Nationalität. Dabei verbinden sie oft traditionelle Kunst mit moderner. In vielen Orten erblüht die Volkskunst erneut, die bis vor kurzem noch dem Untergang geweiht schien.

Neben Regierungseinrichtungen spielen nichtstaatliche Organisationen beim Erhalt der traditionellen Kultur eine bedeutende Rolle. Das alte musikalische Werk Dongjing, das vor langer Zeit in Mittelchina verlorengegangen war, wurde in der Provinz Yunnan wiederentdeckt. Fast alle Regionen Yunnans haben "Dongjing"-Orchester; in Kunming, Dali und Lijiang gibt es sogar mehrere. Im Autonomen Bezirk Dali der Bai-Nationalität existieren 340 "Dongjing"-Orchester, deren Mitglieder den Nationalitäten der Bai, Yi und Han angehören. Oft kommen mehr als 10000 Zuhörer zu Aufführungen der "Dongjing"-Musik. Manche Liebhaber der "Dongjing"-Musik spielen nicht öffentlich, sondern nur für sich selbst. Einige Orchester wurden bereits in andere Teile Chinas und sogar ins Ausland eingeladen.

Bei den nationalen Minderheiten kennt man viele Mythen, Legenden und Balladen. Seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts erforscht man die Geschichte, die Sprachen und Schriften der nationalen Minderheiten. Die verantwortlichen Einrichtungen haben Fachkräfte beauftragt, Werke der Volksliteratur und Volkskunst zu sammeln und damit vor dem Vergessen zu retten. Anfang der achtziger Jahre wurden zehn Bücher mit folgenden Titeln zusammengestellt: Sammlung von Volksliedern Chinas, Sammlung von Volkserzählungen Chinas, Sammlung von Sprichwörtern Chinas, Sammlung volkstümlicher Gedichte Chinas, Sammlung von Opern und Liedern Chinas, Sammlung von Balladen und Liedern Chinas, Sammlung von Volkstänzen Chinas, Sammlung von Werken der volkstümlichen Instrumentalmusik Chinas, Chinesische Opern und Volkstümliche Gesangs- und Vortragsformen Chinas. Etwa 50000 Fachleute und Kulturschaffende arbeiten seit 20 Jahren an der Zusammenstellung und Herausgabe der bisher 310 Bände von Dokumenten zur Volksliteratur und Volkskunst der 56 Nationalitäten Chinas.

Drei der nationalen Minderheiten haben große Epen geschaffen: die Tibeter des Epos Gesar, die Mongolen das Gyangger und die Kirgisen des Manas. Diese Epen wurden über Jahrhunderte mündlich weitergegeben und von Volkskünstlern in Balladenform vorgetragen.

Etwa hundert Volkskünstler können noch heute über 100 Varianten des längsten Heldenepos der Welt, des Gesar, vortragen.

Um diese Epen für die Nachwelt zu sichern, wurde eine spezielle Einrichtung gegründet, deren Mitarbeiter alle Textvarianten sammeln, erforschen, ordnen, übersetzen und herausgeben. Inzwischen wurden diese Epen in tibetischer, mongolischer, kirgischer, chinesischer Sprache und in mehreren Fremdsprachen ediert. Außerdem sind diverse Abhandlungen über diese Werke erschienen.

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