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Chinas Nationalitäten (Minderheiten) 中国的少数民族 - Vom Nomadenleben zur Sesshaftigkeit

In der Inneren mongolei, in Tibet, Xinjiang, Gansu und Qinghai gibt es weite Grassteppen. Seit jeher führen Mongolen, Tibeter, Kasachen, Kirgisen, Uiguren und Tadschiken ein Nomadenleben.

Je nach der Jahreszeit ziehen die Hirten auf der Suche nach Wasser und Gras von Ort zu Ort. Doch die extensive Viehwirtschaft fördert nicht die Fruchtbarkeit und Widerstandsfähigkeit des Viehs. Die Muttertiere werfen nur wenige Jungtiere, die Viehzuchtproduktion ist demzufolge ziemlich instabil. 1977 wurde der Bund Xilin Gol des Autonomen Gebiets Innere Mongolei von sehr starken Schneefällen heimgesucht, mit der Folge, dass 99 % des Viehbestandes dieser Region verloren gingen. Die Hirten ohne feste Wohnsitze lebten unter harten Bedingungen. Manche Weiden sind mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt, weswegen Umzüge immer strapaziös sind.


Weideland am Tianshan-Gebirge in Xinjiang

Die Jurten sind nur karg eingerichtet. Die Hirten schliefen oft auf dem Erdboden, was zu häufigen Erkrankungen führte. Im Weidegebiet selbst gab es nur wenige Krankenhäuser und Sanitätsstellen. Man musste meist lange Wege zurücklegen, um Patienten ins Krankenhaus zu bringen. Auch Schulen sind unter solchen Bedingungen schwer zu betreiben.

Seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts propagiert die Regierung unter den Hirten den Übergang vom Nomadenleben zur Sesshaftigkeit. Den Hirten wird als Alternative die Kombination von Ackerbau und Viehzucht empfohlen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, in eigenen Betrieben ihre agrarischen und tierischen Erzeugnisse zu verarbeiten. Seit den achtziger Jahren werden die Weiden vertraglich bewirtschaftet. Die Verträge sind mehrere Jahre gültig. Die Hirten verpflichten sich auch in den Verträgen, die Weiden zu schützen. Inzwischen sind die meisten ganz oder teilweise sesshaft geworden, und in den Weidegebieten sind neue Dörfer und Städte entstanden. Neben der Viehzucht betreibt man häufig den Anbau von Industriepflanzen.

Die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts führten zu großen Veränderungen in der Produktions- und Lebensweise der Hirten. Weil die Viehbestände beträchtlich vergrößert wurden, droht eine Überweidung. Hinzu kommt zunehmender Wassermangel in den Weidegebieten, was zur allmählichen Umwandlung der natürlichen Weiden in Sandwüsten führt. Die Regierung ergreift Maßnahmen zum Schutz des Ökosystems. Statt extensiver Weidewirtschaft propagiert man Rinder- und Schafhaltung ganz oder teilweise in Hürden, um zu einer umweltfreundlichen und ertragreicheren Viehzucht zu gelangen.

Gemäß einer Regierungsanordnung ist in einigen Gebieten zeitweise das Weiden untersagt. Die davon betroffenen Hirten erhalten staatliche Zuschüsse in Form von Getreide und Geld. Zugleich werden die Hirten angeregt, den Aufbau von Weideplätzen zu intensivieren, Futtergräser anzupflanzen und bessere Rassen zu züchten. Hirten, die in Gebieten mit gefährdetem Ökosystem leben, müssen in Gebiete mit stabilem Ökosystem umziehen, wo es genügend Wasser und guten Boden gibt. Man schafft Anreize, um die althergebrachte Produktionsweise zu ändern. Neue Siedlungen mit erschlossener Infrastruktur sind entstanden. Sie haben Anlagen für die Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Telefonverbindungen, Fernseh-Stationen und Postämter. Die Regierung trägt alle Baukosten. Wer zum Schutz des Ökosystems auf Viehzucht und Ackerbau verzichtet und in ein anderes Gewerbe wechselt, wird steuerlich bevorzugt.

Heute werden Rinder- und Schafherden ganz oder teilweise in Hürden gehalten, was sich günstig auf die Stabilität des gesamten Ökosystems auswirkt. Die Grassteppe mit ihrem satten Grün bietet wieder einen herrlichen Anblick.

Früher lebten die meisten Mongolen und Kasachen nomadisch. Das hat sich entscheidend geändert. Die Kasachen, die bis zu den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts hauptsächlich Vieh züchteten, lebten in den achtziger Jahren bereits zu etwa zwei Dritteln vom Ackerbau. Auch im Denken der Kasachen gab es Veränderungen. Früher kannten die Kasachen keine Warenwirtschaft. Sie lehnten den Handel ab; manche sahen im Handel etwas Unmoralisches und Verachtenswertes. Bis zu den fünfziger Jahren gab es kaum kasachische Händler. Doch seit den neunziger Jahren entwickelt sich auch hier die Marktwirtschaft. Zahlreiche Kaufleute und Händler kommen nach Xinjiang, um die Produkte der Viehzucht aufzukaufen. Auch Kasachen beteiligen sich nun an den Geschäften. Manche verkaufen nebenbei auch Stickereien; andere bewirtschaften Restaurants oder arbeiten in Dienstleistungsbetrieben.

Die verbliebenen Hirten ziehen nun nicht mehr wie ihre Vorfahren auf der Suche nach Wasser und Gras umher. Ihre Jurten wurden durch warme Häuser ersetzt.


Alter Mann in Xinjiang


Grasland und Folklore sind die wichtigsten Tourismusressourcen der Inneren Mongolei

Man kocht und heizt inzwischen mit Kohle oder Gas; elektrische Haushaltsgeräte sind selbstverständlich geworden. Ebenso selbstverständlich ist die moderne Schulbildung sowie eine umfassende medizinische Betreuung und Gesundheitsfürsorge.

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