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Chinas Nationalitäten (Minderheiten) 中国的少数民族 - Schluss mit Fischen und Jagen

Am 23. Januar 1996 gab die Regierung des Autonomen Banners (Verwaltungseinheit auf Kreisebene) der Elunchun-Nationalität in der Inneren Mongolei bekannt, dass künftig Organisationen wie Einzelpersonen die Jagd sowie der An- bzw. Verkauf von Wild untersagt wird. Damit liquidierten die Elunchun, die seit Jahrtausenden von der Jagd gelebt hatten, einen ihrer Erwerbszweige und eine Tradition zugunsten des Naturschutzes.

Bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts lebten die Elunchun in den dichten Urwäldern im Großen und Kleinen Hinggan-Gebirge. Sie fanden ihren Lebensunterhalt durch die Jagd, Fischfang, das Sammeln von Pflanzen und Früchten. Sie hatten keine festen Wohnsitze, ernährten sich oft einseitig und litten unter den harten Lebensbedingungen. Ein ausländischer Ethnologe stellte nach Untersuchungen bei den Elunchun fest: "Diese fast nur von der Jagd lebende Nationalität des Großen Hinggan-Gebirges wird wohl bald aussterben."

1951 wurde das Elunchun-Banner geschaffen. Man zählte damals nur noch etwas mehr als 700 Elunchun. Gemäß der politischen Devise: "Große und kleine Nationalität sind gleichgestellt" wurde das Elunchun-Banner in ein autonomes Banner umgewandelt. Das war die erste Region Chinas mit nationaler Autonomie auf Kreisebene. Die Regierung teilte Jagdflinten neuen Typs und Munition an die Jäger aus und unterstützte sie bei der Überwindung primitiver Jagdmethoden sowie beim Aufbau fester Siedlungen. Junge Elunchun wurden zur Ausbildung in andere Regionen geschickt. Die Jäger erhielten kostenlose medizinische Betreuung. Jeder männliche Jäger wurde mit dem Schutz der Urwälder beauftragt und erhielt dafür regelmäßig Lohn.

Da die Elunchun seit Generationen an das Wanderleben gewöhnt waren, wollten sie nicht sesshaft werden.

In jahrelanger Aufklärung und durch sorgfältige Vorbereitungen gelang es der Regierung im Jahre 1958, die Elunchun zu bewegen, die dichten Urwälder zu verlassen und in die mit finanzieller Unterstützung des Staates erbauten Jägerdörfer umzuziehen. Nun wurden sie sesshaft. Hier wurden eine Sanitätsstelle und eine Schule gegründet.

Durch das Bevölkerungswachstum und die daraus resultierende übermäßige Nutzung der Waldressourcen verringert sich die Zahl der Wildtiere von Jahr zu Jahr. Unter diesen Umständen waren die Jäger außerstande, sich weiter ihren Lebensunterhalt durch Jagd zu verdienen. Viele Jäger wollten aber keinen anderen Beruf ergreifen. Sie lebten weiter vom erbeuteten Wild und den Zuschüssen der Regierung am Rande des Existenzminimums. Die Jäger aber, die sich relativ leicht umstimmen ließen, gingen von der Jagd zu anderem Nahrungserwerb über. Die meisten trieben nun Ackerbau und züchteten Haustiere, wodurch sich ihr Lebensstandard verbesserte. Diese Elunchun wurden Vorbild für die übrigen.

Natürlich konnten die ehemaligen Jäger nur mit Unterstützung der lokalen Regierung in neue Beschäftigungen wechseln. Mit finanziellen Zuwendungen der Regierung wurde eine Landstraße angelegt, so dass sich der Güteraustausch zwischen Stadt und Land verbesserte. Stromleitungen wurden bis in die Dörfer gelegt und ein Telefonnetz entstand. Das Fernsehen hielt in den Dörfern Einzug. Fachleute für Landwirtschaft kamen in die Dörfer und hielten Kurse ab, um die Agrartechnik zu propagieren. Das alles trug zur Wandlung der Elunchun-Jäger bei, die auf althergebrachte Lebensformen verzichten mussten.

1996 erließ dann die Regierung das Jagdverbot. Alle noch aktiven Jäger mussten nun ihren Beruf wechseln. Manchen fiel es sehr schwer, die Jagd aufzugeben. Durch unermüdliche Aufklärung kamen die Jäger schließlich zur Einsicht, dass sie eigentlich verpflichtet seien, die Urwälder, die Wildtiere und -pflanzen zu schützen und ein intaktes Ökosystem für die kommenden Generationen zu bewahren. Für den Jagdverzicht zahlte die Regierung den ehemaligen Jägern monatlich Unterhaltszuschüsse. Außerdem wurde Ackerland an sie verteilt, und sie durften beliebig viel Ödland für sich erschließen. Großzügig wurden Kredite und andere finanzielle Unterstützung gewährt.

Heute bewirtschaften die Elunchun einzeln oder im Kollektiv Farmen. Je nach örtlichen Bedingungen bauen sie Getreide, Industriekulturen und Heilpflanzen an. Sie stellen kunsthandwerkliche Gegenstände her oder sind bei Dienstleistungsunternehmen mit nationalem Kolorit beschäftigt.

Die Elunchun wohnen heute in Ziegelhäusern. In ihren fünf Dörfern gibt es Sanitätsstellen. Die medizinische Versorgung ist kostenlos. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 45 auf 60 Jahre gestiegen. Die Bevölkerung ist von 1300 auf 3800 Menschen angewachsen. Früher schlossen die Elunchun fast nur Ehen innerhalb ihrer Nationalität. Nachdem sie nun die Urwälder verlassen und sich in anderen Gegenden niedergelassen haben, gibt es heute durch Heirat mehr und mehr verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen Nationalitäten. 1951 gab es im neugegründeten Elunchun-Banner nur eine Grundschule; heute gibt es in jedem Dorf der Elunchun eine. Zum Teil sind sie mit Multimedia-Anlagen und Netzwerken für den Fernunterricht ausgestattet. Die Kosten für das Lehrmaterial und die Lebenshaltung der Mittelschüler werden von der Kreisregierung getragen. Schüler, die an einer Universität aufgenommen werden, erhalten dafür Auszeichnungen.

Wie die Elunchun haben auch die Angehörigen der Hezhe-Nationalität Fischfang und Jagd als Lebensgrundlage aufgegeben. Die Hezhe leben im Einzugsgebiet des Heilongjiang-, des Songhuajiang- und des Ussuri-Flusses. Die Hezhe sind eine kleine Nationalität mit etwas mehr als 4500 Menschen. Ihre drei Gemeinden liegen im Verwaltungsgebiet der Stadt Tongjiang und in den Kreisen Fuyuan und Raohe.

Die Hezhe lebten seit Generationen vom Fischen und Jagen. Früher war der Heilongjiang-Fluss reich an Fischen. Während der Fangsaison gab es im Fluss so viele Fische, dass eine Stange nicht kippte, wenn man sie zwischen die Fischen pflanzte. Manchmal gab es so viele davon, dass sie sogar von selbst in die Boote sprangen. Heute nehmen diese Fischvorräte immer mehr ab. Durch Regierungserlass musste zum Schutz der Fische allen dort wohnenden Nationalitäten, die Hezhe ausgenommen, der Fischfang verboten werden.

Trotzdem verringert sich auch bei den Hezhe die Zahl der Fischer. Seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wechseln immer mehr Hezhe von der Fischerei zum Ackerbau oder zur Aufforstung. Die Hezhe in der Gemeinde Jiejinkou der Stadt Tongjiang haben den Tourismus als Einnahmequelle erschlossen. Unterstützt und geleitet von der örtlichen Regierung wurde in Jiejinkou ein volkskundliches Kulturdorf mit Angelplätzen, einem Jagdrevier und einem Museum der Hezhe-Nationalität errichtet. Dazu wurde ein Ensemble gebildet, das die Landschaft, die Sitten und Gebräuche der Hezhe, ihre Küche und viele Vergnügungsstätten attraktiv für Touristen macht.

Früher ernährten sich die Hezhe hauptsächlich von Fisch und kleidete sich in Fischleder, weswegen man sie "Fischleder-Stamm" nannte. Heute ist das Fischleder längst durch Baumwollstoffe und andere Materialien ersetzt worden. Das Nähen eines Anzugs aus Fischleder verlangt besondere Handfertigkeiten und dauert zwei bis drei Monate. Heute tragen die Hezhe ihre nationale Tracht nur zu wichtigen Festen und während traditioneller Veranstaltungen ihrer Nationalität. Ihr traditionelles Kunsthandwerk wird nicht in Vergessenheit geraten, solange Touristen Kleider aus Fischleder als Souvenirs für einen guten Preis abnehmen.

Die Lebensbedingungen bei der Jing-Nationalität, der einzigen am Meer ansässigen Minderheit, waren weniger hart als bei den Hezhe.

Man zählt mehr als 22000 Jing, von denen fast die Hälfte auf drei Inseln vor der Stadt Dongxing in Guangxi lebt. Bis Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts war die Seefischerei die wichtigste Einnahmequelle der Jing. Weil ihre Inseln abseits der Märkte liegen, war es für sie immer schwierig, ihren Fang schnell und günstig zu verkaufen. Da diese Inseln weit von der Stadt entfernt liegen und schöne, saubere Strände zu bieten haben, wurden dort Urlaubszonen eingerichtet, die sich zunehmender Beliebtheit bei Touristen erfreuen. Während der Touristensaison herrscht hier geschäftiges Treiben. Man verleiht Tisch und Stühle und verkauft Delikatessen und Getränke mit hohem Gewinn.

Die meisten Jing-Familien erwerben heute ihren Unterhalt mit Fischfang, Grenzhandel und Tourismus. Viele bewirtschaften Hotels und Restaurants für Touristen und verarbeiten Meeresprodukte. Die Jing stammen aus Vietnam und Vietnamesisch ist ihre Muttersprache. Sie sind gut über die Marktlage in Vietnam informiert. Sie sind nicht nur direkt im Grenzhandel tätig, sondern arbeiten auch als Dolmetscher oder Vermittler.

Auf der von der Jing-Nationalität bewohnten Halbinsel gibt es eine moderne Infrastruktur inklusiv einer neuen Autobahn, Luxushotels, Restaurants, Geschäfte, Bankzweigstellen und Websites. Vor zehn Jahren noch lebten die Jing in ebenerdigen Ziegelhäusern und waren stolz auf den Besitz von Fahrrädern. Heute hat fast jede Familie ein zweistöckiges Haus, ein oder mehrere Motorräder und diverse elektrische Haushaltsgeräte. Manche fahren inzwischen auch eigene Autos.

Früher veranstalteten die Fischer der Jing vor dem Fischfang große Opferzeremonien, um für glückliche Fahrt und reichen Fang zu bitten. Auch heute gibt es noch dieses "Ha-Fest" (Ha: Gesang), allerdings wurde inzwischen daraus eine reine Vergnügungsveranstaltung. Die Traditionen der Jing drohen durch das Einwirken sogenannter moderner Kultur zu verschwinden. Zum Schutz ihrer kulturellen Traditionen haben die Jing Geld zum Bau von "Hatings" (Pavillons für Gesänge) gesammelt. Während des "Ha-Festes" werden in den "Hatings" Opferzeremonien abgehalten. Für gewöhnlich aber sind die "Hatings" Vergnügungsstätten, in den sich Menschen treffen, um zu singen oder sich miteinander zu unterhalten. Interessenten können hier lernen, die traditionellen Musikinstrumente der Jing-Nationalität zu spielen. In den Grund- und Mittelschulen werden die Schüler im traditionellen Sport der Jing-Nationalität unterrichtet.

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