Chinas Nationalitäten (Minderheiten) 中国的少数民族 - Wirtschaft und Gesellschaft
Bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts überwog bei
den nationalen Minderheiten Chinas die Landwirtschaft. Allerdings war
ihr Produktionsniveau sehr unterschiedlich. Manche Minderheiten lebten
noch in der Periode primitiver und extensiver Brandwirtschaft. Meist
kam das Produktionsniveau der Minoritäten, die zusammen mit Angehörigen
der Han-Nationalität oder in ihrer Nähe siedelten, dem Niveau
der Han-Chinesen sehr nahe. Das gilt vor allem für die Hui, Zhuang,
Mandschuren und Koreaner. Andere Minoritäten, wie beispielsweise
die Hezhe, die Elunchun, die Ewenke und die Jing, lebten in dieser Zeit
noch immer von Fischen und Jagen. Daneben betrieben sie extensiven Ackerbau
und Viehzucht. Wieder andere Minoritäten - Kasachen, Kirgisen, Tadschiken,
Uiguren sowie viele Mongolen und Tibeter - leben bis heute nomadisch.
Die Hui hingegen treiben seit jeher Handel oder Unternehmen, zum Beispiel
hatten einige, die in mittleren und großen Städten lebten,
früher oft Textil- oder Lederfabriken. Doch allgemein gab es unter
den Minoritäten nur sehr wenige Unternehmer und Kaufleute. Bis zur
Gründung der Volksrepublik China gab es in den meisten überwiegend
von den nationalen Minderheiten bewohnten Gebieten so gut wie keine moderne
Industrie. In manchen Gebieten waren Viehzucht, Ackerbau und Handwerk
historisch noch nicht voneinander getrennt.
Im inzwischen vergangenen halben Jahrhundert hat sich die Produktionsweise,
nach der die Minoritäten jahrtausendelang arbeiteten, grundlegend
verändert. Sie betreiben zwar noch wie vor hauptsächlich Ackerbau
und Viehzucht, aber sie leben nicht mehr in einer autarken Naturalwirtschaft.

Bauern in Tibet bei der Weizenernte
Wo einst Felder und Weiden lagen, entstanden Siedlungen, Marktflecken
und Städte. Angehörige von Minoritäten gründeten
Fabriken, trieben Handel und bewirtschafteten Dienstleistungsbetriebe.
Immer mehr Menschen üben Berufe aus, die ihren Vorfahren unbekannt
waren. Solche Veränderungen innerhalb einer Nationalität
oder eines Nationalitätengebietes zu erforschen, ist eine wichtige
Aufgabe. Diese Broschüre kann wegen ihres geringen Umfanges aber
die Leser nur unvollständig über die Vielzahl der Veränderungen
informieren.
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