|
|
![]() |
|
Die Geschichte Chinas - Der Erste Revolutionäre BürgerkriegIn den Jahren 1924 bis 1927 wurde in China ein großer revolutionärer Kampf gegen den Feudalismus und Imperialismus unter Führung der Kommunistischen Partei Chinas geführt, der Erste Revolutionäre Bürgerkrieg, auch "Krieg zum Nordfeldzug" oder "Große Revolution" genannt. Die erste Zusammenarbeit zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei Nach der Niederlage der Revolution von 1911 setzten die vo Dr. Sun Yat-sen geführten revolutionären Kräfte ihren demokratisch-revolutionären Kampf fort, erlitten aber immer wieder Niederlagen. Die Kommunistische Partei Chinas unterstützte ihren revolutionären Geist und schickte Li Dazhao und Lin Boqu (1886 - 1960) zu ihrem Beistand. Gerade zu dieser Zeit schlug die Sowjetunion Dr. Sun Yat-sen vor, eine fähige Partei zu gründen, die sich mit den Arbeitern und Bauern verbinden sollte, eine Offiziersschule einzurichten und revolutionäre Streitkräfte aufzubauen. Dr. Sun begrüßte die Hilfe der Kommunisten und die Vorschläge der Sowjetunion und begann, die unter seiner Führung stehende Kuomintang zu reorganisieren. Im Juni 1923 hielt die Kommunistische Partei Chinas ihren III. Parteitag in Guangzou ab. Der Parteitag beschloss die Zusammenarbeit mit der Kuomintang. Kommunisten konnten als Einzelpersonen der Kuomintang beitreten, während die Kommunistische Partei selbst nach wie vor ihre politische, ideologische und organisatorische Unabhängigkeit beibehalten sollte. Im Januar 1924 fand unter Führung von Dr. Sun Yat-sen der I. Nationalkongress der Kuomintang in Guangzhou statt. Er nahm ein neues Parteiprogramm und ein neues Parteistatut an und billigte den Beitritt von Kommunisten. Kommunisten wie Li Dazhao, Mao Zedong, Lin Boqu und Qu Qiubai (1899 - 1935) beteiligten sich an der Führungsarbeit des Kongresses und wurden zu Mitgliedern oder Kandidaten des Zentralen Exekutivkomitees der Kuomintang gewählt. Auf dem Parteikongress wurden die Drei Großen Politischen Richtlinien festgelegt - "Bündnis mit Russland, Bündnis mit den Kommunisten, Unterstützung der Bauern und Arbeiter". Dr. Sun Yat-sen entwickelte aus seinen ursprünglichen Drei Volksprinzipien die Neuen Drei Volksprinzipien, denen die Drei Großen politischen Richtlinien zugrunde lagen. Dieser Parteikongress markiert die offizielle Bildung einer revolutionären Einheitsfront in China. Nach dem Parteikongress nahm die Kuomintang viele Arbeiter, Bauern und revolutionäre Intellektuelle als Mitglieder auf. So wurde die Partei zu einem revolutionären Bündnis von Arbeitern und Bauern sowie dem Kleinbürgertum und der nationalen Bourgeoisie. Im Mai 1924 gründete Dr. Sun Yat-sen mit Unterstützung der Kommunisten und der Sowjetunion in Guangzhou die Whampoa-Militärakademie. Die Kommunistische Partei entsandte Zhou Enlai als Leiter der politischen Abteilung sowie Ye Jianying (1897 - 1986) und Nie Rongzhen (1899 - 1992) als Instrukteure. Viele Mitglieder der Kommunistischen Partei und des Jugendverbandes wurden Kadetten der Militärakademie, ein Teil von ihnen wurde später zum Rückgrat der Revolution. Der Direktor der Akademie war Tschiang Kai-schek (1887 - 1975) und der ständige Repräsentant der Kuomintang Liao Zhongkai (1877 - 1925). Im November 1924 fuhr Dr. Sun Yat-sen ungeachtet seiner Krankheit von Guangzhou nach Beijing. Unterwegs erklärte er in Shanghai auf einer Pressekonferenz: "Ich werde zwei Aufgaben in Beijing haben: Die erste ist, eine Nationalversammlung einzuberufen, um gegen die Militärmachthaber zu kämpfen; die zweite ist, die ungleichen Verträge aufzuheben, um gegen den Imperialismus zu kämpfen." Am 12. März 1925 starb Dr. Sun Yat-sen in Beijing an einem Krebsleiden. Er wies in seinem Testament darauf hin, dass man, wenn man die Freiheit und Gleichheit in China erkämpfen wollte, die Volksmassen aufwecken und mit den verschiedenen Nationen der Welt, die die Chinesen als Gleichberechtigte behandeln, ein Bündnis zum gemeinsamen Kampf schließen müsse. Sein Ableben löste im ganzen Volk große Trauer aus. Das Massaker des 30. Mai, der Generalstreik von Guangzhou und Honghkong sowie die Entwicklung der Bauernbewegung Nach der Bildung der revolutionären Einheitsfront entwickelten sich die Arbeiter- und Bauernbewegung in China unter Führung der Kommunistischen Partei rasch. Zwischen Februar und April 1925 kam es in den von Japanern betriebenen Textilfabriken in Shanghai und Qingdao immer wieder zu Streiks. Am 15. Mai erschossen japanische Textilfabrikanten in Shanghai den Arbeiter Gu Zhenghong, einen Kommunisten, und verwundeten mehr als ein Dutzend anderer Arbeiter. Am 30. Mai begannen über 10000 Shanghaier Studenten und Arbeiter in den ausländischen Konzessionen mit einer Demonstration. Die britische Polizei eröffnete auf der Nanjing-Straße das Feuer, wobei 13 Demonstranten getötet und einige Dutzende verwundet wurden. Dieses Ereignis ging als das "Massaker des 30. Mai" in die Geschichte ein. Es hatte weitreichende Folgen. Am 1. Juni traten mehr als 200000 Shanghaier Arbeiter in den Streik, über 50000 Studenten verließen ihre Hörsäle, die meisten Kaufleute schlossen ihre Geschäfte. Der Kampf der Shanghaier Bevölkerung fand die Unterstützung von mehr als 30 Städten des ganzen Landes und entwickelte sich zu einer antiimperialistischen patriotischen Massenbewegung mit Generalstreiks in Guangzhou und Hongkong. Am 19. Juni 1925 traten mehr als 100000 Arbeiter in Hongkong in den Streik und zogen dann nach Guangzhou. Am 23. Juni veranstalteten sie zusammen mit den Guangzhouer Arbeitern, Bauern und Studenten sowie Kadetten der Whampoa-Militärakademie eine mächtige Demonstration. Die britischen Matrosen und Polizisten beschossen die Umzüge, töteten 52 Demonstranten und verletzten unzählige Menschen. Bis zum 29. Juni stieg die Zahl der Streikenden in Hongkong auf 250000, von denen sich 130000 nach Guangzhou für einen langwierigen Kampf zurückzogen. Die Hongkonger und Guangzhouer Arbeiter organisierten Streikkomitees, stellten bewaffnete Arbeiterwachen von über 2000 Mann auf, errichteten massive Barrikaden an den Ufern und schnitten so die Versorgung Hongkongs ab. Hongkong verwandelte sich dadurch über Nacht in einen "toten Hafen". Der Generalstreik von Guangzhou und Hongkong dauerte bis zum 10. Oktober des folgenden Jahres, also insgesamt sechzehn Monate. Er war einer der längsten Streiks der Welt. Während dieser Periode machte die Bauernbewegung ebenfalls rapide Fortschritte. Am schnellsten entwickelte sie sich unter Führung des Kommunisten Peng Pai (1896 - 1929) in Guangdong. Im Januar 1926 verfügte die Bauernbewegung in Guangdong über 620000 Mitglieder, und die Bäuerliche Selbstschutzabteilung über 30000. Im Februar 1925 kam Mao Zedong nach Shaoshan, seinem Geburtsort, in der Provinz Hunan zurück, wo er die Bauernbewegung führte und in über 20 Gemeinden Bauernvereinigungen gründete. Im Juni 1926 gab es in zwölf Provinzen Bauernvereinigungen, von den Gemeinden aufwärts waren es mehr als 5300. Die Gesamtzahl der Mitglieder machte etwa eine Million aus. Die Festigung der revolutionären Stützpunktgebiete in Guangdong Nach seiner Gründung schaltete das revolutionäre Regime in Guangdong bald alle Militärmachthaber und ihre Streitkräfte aus und vereinigte die ganze Provinz. Am 1. Juli 1925 konstituierte sich in Guangzhou die Nationalregierung. Am 26. August wurden sämtliche Militäreinheiten, die der Nationalregierung unterstanden, in Nationale Revolutionsarmee umbenannt. Die Offiziere und Soldaten der Whampoa-Militärakademie bildeten das Erste Korps der Nationalen Revolutionsarmee mit Zhou Enlai als Leiter der Politischen Abteilung. In jeder Armee-Einheit wurden eine Parteivertretung und eine politische Abteilung eingerichtet. Viele Kommunisten wurden zu Parteivertretern ernannt, die für die politische Arbeit der jeweiligen Einheiten verantwortlich waren. Nach dem Ableben von Dr. Sun Yat-sen wurde die Kuomintang immer mehr gespalten. Ein Teil der Kuomintang-Mitglieder hielt weiter an den Drei Großen Politischen Richtlinien. Dr. Sun Yat-sen fest, nämlich "Bündnis mit Russland, Bündnis mit den Kommunisten und Unterstützung der Bauern und Arbeiter", und wurde zum linken Flügel der Kuomintang. Ein anderer Teil wandte sich gegen diese politischen Richtlinien und wurde zum rechten Flügel der Kuomintang. Der Kampf zwischen dem linken und dem rechten Flügel war heftig. Ende des Jahres 1925 spaltete sich ein Teil des rechten Flügels offen von der Kuomintang ab und bildete eine konterrevolutionäre Fraktion - die "Gruppe der Konferenz in den Westbergen". Zu diesem Namen kam es, da ihre Mitglieder im November 1925 unmittelbar in der Aufbahrungshalle von Dr. Sun Yat-sen in den Westbergen Beijings eine Sitzung abhielten, wo sie offen gegen die Revolution auftraten. Mit Tschiang Kai-schek als Repräsentanten tarnten sich die Rechten der Kuomintang zwar als Revolutionäre, usurpierten aber mit Hilfe von Intrigen und Tricks allmählich die Macht der Partei und der Armee. Zu Anfang des Nordfeldzugs fungierte Tschiang Kai-schek als Präsident des Ständigen Ausschusses des Zentralen Exekutivkomitees und gleichzeitig als Leiter der Organisationsabteilung und der Militärabteilung der Kuomintang, als Vorsitzender der Militärkommission der Nationalregierung und Oberbefehlshaber der Nationalen Revolutionsarmee. Der siegreiche Nordfeldzug und der Aufschwung der Arbeiter- und Bauernbewegung Am 1. juli 1926 gab die Nationalregierung ein "Manifest zum Nordfeldzug" bekannt und begann mit dem Straffeldzug gegen die Nördlichen Militärmachthaber. Die Hauptzielscheiben des Nordfeldzugs waren Wu Peifu (1874 - 1939), der die Provinzen Hunan, Hubei und Henan besetzt hielt, Sun Chuanfang (1885 - 1935), der die Provinzen Jiangsu, Anhui, Zhejiang, Fujian und Jiangxi kontrollierte, und Zhang Zuolin (1875 - 1928), der die Nordostprovinzen und die Städte Beijing und Tianjin beherrschte. Im Mai 1926 marschierte das von Ye Ting (1896 - 1946) geführte Selbständige Regiment als Vorhut des Nordfeldzugs an die Front in Hunan. Am 9. Juli verließen acht Korps der Nationalen Revolutionsarmee mit etwa 100000 Mann Guangdong auf drei separaten Routen. Die Hauptschlachtfelder des Nordfeldzugs waren Hunan und Hubei. Die Nordfeldzugsarmee besetzte rasch die Städte Changsha und Yuezhou und liquidierte die Hauptstreitkräfte Wu Peifus an den strategisch wichtigen Punkten längst der Eisenbahnlinie Guangzhou-Hankou sowie Tingsiqiao und Heshengqiao. Im September und Oktober nahm sie die Dreierstadt Wuhan ein und errang entscheidende Siege an der Hunan- und der Hubei-Front. Zur gleichen Zeit eroberten die Truppen, die auf den anderen zwei Routen vorwärtsmarschierten, die Städte Nanchang, Jiujiang, Anqing und Nanjing. So bereitete die Nordfeldzugsarmee in weniger als sechs Monaten den zwei mächtigsten Militärmachthabern Wu Peifu und Sun Chuanfang eine vernichtende Niederlage, führte die Revolution von Guangdong bis zum Einzugsgebiet des Changjiang und besetzte halb China. Mitte Dezember 1926 verlegten die Nationalregierung und das Zentrale Exekutivkomitee der Kuomintang ihre Sitze von Guangzhou nach Wuhan. Die Siege des Nordfeldzugs führten zur raschen Entwicklung der Bauernbewegung. Die Provinz Hunan, wo Mao Zedong die Bauern zum Kampf organisierte und führte, wurde zum Zentrum der Bauernbewegung des ganzen Landes. Die Bauernbewegungen in Hubei, Jiangxi, Guangdong, Fujian, Zhejiang, Henan und anderen Provinzen kamen ebenfalls stürmisch voran. Bis zum März 1927 zählten die Bauernvereinigungen in ganz China über 10 Millionen Mitglieder. Auch der revolutionäre Kampf der Arbeiter nahm einen neuen Aufschwung. Im Januar 1927 nahmen die Arbeiter von Wuhan unter Führung von Liu Shaoqi (1898 - 1969) die britische Konzession zurück. Später taten die Arbeiter von Jiujiang dasselbe. Um sich mit dem siegreichen Marsch der Nordfeldzugsarmee zu koordinieren, unternahmen die Arbeiter in Shanghai am 21. März 1927, nach missglückten Versuchen im Oktober 1926 und im Februar 1927, unter Führung von Zhou Enlai ihren dritten bewaffneten Aufstand. Durch heftige Kämpfe, die über 30 Stunden tobten, gelang es ihnen, Shanghai endlich zu übernehmen. Der Putsch vom 12. April und die Niederlage der Großen Revolution Der siegreiche Vormarsch des Nordfeldzugs und die ungestüme Entwicklung der Bauern- und Arbeiterbewegung erschütterten die Herrschaft des Imperialismus in China. Am Abend des 24. März 1927 beschossen Kriegsschiffe Großbritanniens, der USA, Frankreichs, Japans und Italiens die von der Nordfeldzugsarmee befreite Stadt Nanjing. Dabei wurden über 2000 Menschen getötet bzw. verwundet. Dies war ein Zeichen dafür, dass die Imperialisten die chinesische Revolution mit Waffengewalt zu verhindern suchten. Sie wählten Tschiang Kai-schek als ihren neuen Agenten. Am 12. April 1927 inszenierte Tschiang Kaischek einen konterrevolutionären Putsch in Shanghai und richtete unter den Arbeitern und Kommunisten ein grausames Blutbad an. In Jiangsu, Zhejiang, Anhui, Fujian, Guangdong und anderen Provinzen geschah das Gleiche. Die Revolutionäre erlitten einen schweren Verlust, allein in Guangdong wurden mehr als 2000 Menschen verhaftet bzw. getötet. Am 18. April bildete Tschiang Kai-schek in Nanjing seine "Nationalregierung", die die Interessen der Großgrundherren und der Großbourgeoisie vertrat. Unter diesem sog. Weißen Terror wurde am 28. April Li Dazhao, einer der Mitbegründer der Kommunistischen Partei Chinas, in Beijing hingerichtet. Trotz des Verrats Tschiang Kai-scheks hatte die Nationalregierung in Wuhan immer noch genug Kraft, die drei Provinzen Hubei. Hunan und Jiangxi unter ihrer Kontrolle zu halten. Doch in diesem kritischen Augenblick verfolgte der Führer der Kommunistischen Partei Chinas, Chen Duxiu, eine rechtsopportunistische Linie. Innerhalb der Einheitsfront stellte er das Bündnis über alles und lehnte den Kampf ab. Chen Duxiu machte gegenüber der Wuhaner Kuomintang-Fraktion unter Wang Jingwei (1883 - 1944), die immer mehr zur Reaktion tendierte, eine Konzession nach der anderen, sah den reaktionären Kräften sogar ihren Kampf gegen die Arbeiter- und Bauernbewegung nach und befahl den Arbeiterkontrolltruppen und den Selbstschutzorganisationen der Bauern, ihre Waffen niederzulegen. Die falsche Linie Chen Duxius steigerte die Arroganz der Konterrevolutionäre. Am 15. juli hielt Wang Jingwei in Wuhan eine Konferenz ab, auf der er öffentlich seinen Bruch mit der Kommunistischen Partei erklärte. Er ging sogar so weit, die reaktionäre Losung aufzustellen: "Lieber tausend Menschen irrtümlich töten, als einen Kommunisten entkommen lassen." Dann ließ er zahlreiche Kommunisten und andere Revolutionäre ermorden. Danach machten Tschiang Kai-schek und Wang Jingwei gemeinsame Sache. So ging die erste Zusammenarbeit der Kuomintang und der Kommunistischen Partei zu Bruch, und die stürmische Große Revolution endete schließlich mit einer schweren Niederlage.
Lesezeichen, Weitersagen und Empfehlen
|
![]() |
|||||||||||||