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Die Geschichte Chinas - Kultur während der Ming- und der Qing-DynastieDie Ming- und die Qing-Dynastie standen im Zeichen des Niedergangs des Feudalismus und des Aufkommens des Kapitalismus in China. In dieser Zeit erfuhr die gesellschaftliche Wirtschaft eine weitere Entwicklung, das Wesen der Arbeitskräfte machte beträchtliche Veränderungen durch, doch die feudalen Produktionsverhältnisse legten der Entwicklung der Produktion weiterhin Fesseln an. In gewissen Gebieten und bestimmten Wirtschaftszweigen tauchten die ersten Ansätze des Kapitalismus auf. Angesichts dieser gesellschaftlichen Entwicklung wurden während der Ming- und der Qing-Dynastie große Erfolge in Wissenschaft und Kultur erzielt. Der große Mediziner Li Shizhen und wissenschaftliche Erfolge Im Jahr 1578 stellte Li Shizhen (1518 - 1593), der hervorragende Mediziner der Ming-Dynastie, sein Werk Ben Cao Gang Mu (Abriss der Kräutermedizin) fertig, in dem 1892 Kräuter und mehr als 11000 Rezepte aufgezeichnet sind. Dieses Werk gilt als die Zusammenfassung der chinesischen Medizin und Pharmakologie seit dem 16. Jahrhundert und ist zugleich ein wichtiges botanisches Werk, denn es enthält auch viele Anweisungen über die Zucht verschiedener Pflanzen. Der Einfluss dieses Werkes, das später ins Englische, Französische, Deutsche, Japanische, Lateinische, Koreanische und andere Sprachen übersetzt worden ist, reichte über vier Jahrhunderte. Ebenfalls in der Ming-Dynastie verfasste Chen Shigong (1555 - 1636) die Waike Zhengzong (Grundsätze der Chirurgie), eine Zusammenfassung aller damaligen Erkenntnisse zu diesem Thema. Etwa 50 Jahre nach dem Erscheinen von Abriss der Kräutermedizin verfasste Xu Guangqi (1562 - 1633) das Nong Zheng Quanshu (Ein vollständiges Handbuch der Landwirtschaft), in dem der Verfasser alle Aspekte der Landwirtschaft, vom Getreideanbau über den Anbau von Baumwolle, Gemüse, Obst, Bambus, Maulbeerbäumen und Heilkräutern bis zur Herstellung und Instandhaltung von landwirtschaftlichen Geräten behandelt, ferner die Viehzucht sowie den Wasserbau und die Bekämpfung der Dürre. Fast zur gleichen Zeit bereiste der Geograph Xu Hongzu (1586 - 1641), der auch unter dem Namen Xu Xiake bekannt ist, das ganze Land und machte in den mehr als 30 Jahren seines Lebens Aufzeichnungen von jedem besuchten Ort. So entstand das Buch Xu Xiake Youji (Reiseberichte des Xu Xiake). Song Yingxing (1587 - ca. 1660) aus der späten ming-Dynastie verfasste sein 18 Abhandlungen umfassendes Werk Tian Gong Kai Wu (Erläuterungen von feinen Arbeiten), das im Jahr 1637 fertiggestellt wurde. Es handelt sich um ein Standardwerk über die Erfahrungen Chinas bezüglich Landwirtschaft und Handwerk bis zum 16. Jahrhundert mit zu jener Zeit modernsten Methoden. Kurz nach dem Erscheinen in China wurde es auch in Japan herausgegeben und später in mehrere Sprachen übersetzt. Große Denker zur Zeit der Ming und der Qing Als die Korruption des Feudalsystems und der Feudalherrscher immer deutlicher wurde, traten große Denker hervor, die das soziale Übel bloßstellten und kritisierten. Zu ihnen gehörten u. a. Li Zhi (1527 - 1602), Wang Fuzhi (1619 - 1692) und Huang Zongxi (1610 - 1695). Li Zhi attackierte die Jahrhunderte alte feudale Ethik und wandte sich gegen die Diskriminierung der Frauen. Wang Fuzhi wies beharrlich darauf hin, dass das Universum Materie sei und nicht auf die Schöpfung eines Gottes zurückgehe. Huang Zongxi entlarvte und kritisierte das korrupte System der feudalen Autokratie und meinte, dass die Herrschaft der feudalen Autokratie die Wurzel des Chaos in der Welt sei. Alle diese Denker beeinflussten die spätere bürgerliche demokratische Revolution. Die Literatur Während der Ming- und der Qing-Dynastie entstanden hervorragende Romane. Zu den bekanntesten zählen Die Drei Reiche, Die Räuber vom Liangshan-Moor, die Pilgerfahrt nach Westen und Der Traum der Roten Kammer. Der auf der Geschichte der Drei Königreiche beruhende Roman Die Drei Reiche von Luo Guanzhong (ca. 1330 - 1400) ist Chinas erster historischer Roman und einer der umfangreichsten in der Geschichte der chinesischen Literatur. Durch scharf umrissene Porträts der verschiedenen Persönlichkeiten werden die komplizierten politischen und militärischen Kämpfe beschrieben. Der Roman Die Räuber vom Liangshan-Moor erschien etwa zur selben Zeit wie Die Drei Reiche und gilt als meisterhafte Beschreibung von Bauernaufständen. Auf der Grundlage wahren Geschehens, das sich während der Nördlichen Song-Dynastie im Liangshan-Moor im heutigen Shandong ereignete, wird der gesamte Ablauf von Bauernaufständen in China aufgezeigt. Das Thema kreist um die Aussage, dass "die Regierung das Volk nötigte, sich zum Aufstand zu erheben". Hinsichtlich der Charakterisierung und Entwicklung der Persönlichkeiten sind Die Räuber vom Liangshan-Moor von höherem künstlerischem Niveau als Die Drei Reiche. Für die Autorenschaft dieses bedeutenden Romans kommen Shi Nai´an und Luo Guanzhong in Frage. Man sagt, dass der erstere das Buch begann und der letztere es fertig stellte. Der 100 Kapitel umfassende Roman Die Pilgerfahrt nach Westen von Wu Cheng´en (ca. 1500 - 1582) beruht auf beliebten traditionellen Geschichten über einen Tang-Mönch namens Xuan Zang, der in Begleitung dreier Schüler nach Indien reiste, um von dort buddhistische Schriften zu holen. Im romantischen phantasievollen Stil schuf der Autor die Gestalt des Affenkönigs Sun Wukong, die den Wunsch der Bevölkerung nach Freiheit verkörpert. Natürlichkeit und Harmonie, Wunder und viel Spaß beherrschen das Buch. Der Traum der Roten Kammer von Cao Xueqin (ca. 1715 - 1764) ist ein Meisterwerk von höchster Vollkommenheit. Der Roman beschreibt die Liebe, Ehe und Tragödie, in die drei Personen verwickelt sind: Jia Baoyu, Lin Daiyu und Xue Baochai. Durch seine Schilderung von Aufstieg und Verfall einer aristokratischen Beamtenfamilie enthüllt der Verfasser zugleich die Korruption und Dunkelheit der Feudalgesellschaft. Der Roman stellt den Höhepunkt der chinesischen Romankunst dar und wurde schon vor der Fertigstellung mit handgeschriebenen Kopien in Umlauf gebracht. Sein Einfluss auf die chinesische Literatur ist enorm. Auch die Seltsamen Geschichten von Liaozhai, eine Sammlung von Kurzgeschichten von Pu Songling (1640 - 1715), und der satirische Roman Geschichten aus dem Gelehrtenwald von Wu Jingzi (1701 - 1754) sind literarische Meisterwerke. Zu den bedeutenden Dramen gehören u. a. Der Päonienpavillon von Tang Xianzu (1550 - 1616), Der Palast der Ewigen Jugend von Hong Sheng (1645 - 1704) und Der Pfirsichblüten-Fächer von Kong Shangren (1648 - 1718). Cao Xueqin und sein Traum der Roten Kammer Cao Xueqin (1715 - 1764) stammte aus einer Bürokraten-Grundherrenfamilie. Wegen der Verwicklung in ein kriminelles Vergehen wurde sein Vater degradiert und dessen Eigentum beschlagnahmt. Von nun an ging es mit der Familie bergab. In mittleren Jahren zog Cao Xueqin von Nanjing nach Beijing, wo er ein Leben in Elend führen musste, trotz seiner schriftstellerischen Begabung und seiner Malkunst. In den letzten Jahren seines Lebens schrieb er den Traum der Roten Kammer, der ursprünglich mit Die Geschichte vom Stein betitelt worden war. Er starb, ohne den Roman vollendet zu haben. Von 120 Kapiteln verfasste er 80, die restlichen Kapitel stammten von seinem Zeitgenossen Gao E. Der Roman handelt von der Liebe zwischen Jia Baoyu und seinen zwei Kusinen Lin Daiyu und Xue Baochai. In der Beschreibung ihrer Liebestragödie sowie des Aufstiegs und Niedergangs der aristokratischen Familie Jia schildert der Roman die korrupte Feudalordnung und zeigt deren unvermeidlichen Untergang auf. Der Autor porträtiert kunstvoll die Hauptpersonen des Romans Jia Baoyu und Lin Daiyu sowie Xue Baochai und zahlreiche andere junge Mädchen, und zugleich porträtiert er eine breite Skala männlicher und weiblicher Charaktere aus allen gesellschaftlichen Kreisen. Der Roman gilt als Musterbeispiel des klassischen chinesischen Romans. Sein Erscheinen erregte schon zu jener Zeit große Aufregung. Handgeschriebene Exemplare kursierten über 30 Jahre lang. Obwohl der Roman später wiederholt verboten wurde, konnte seine Verbreitung nicht unterbunden werden.
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