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Die Geschichte Chinas - Die Qing-DynastieIn den 268 Jahren zwischen 1644 und 1911 herrschte die mandschurische Qing-Dynastie mit zehn Kaisern aus neun Generationen in China. Zwischen 1644 und 1661 setzte das Kaiserhaus der Ming-Dynastie die Südliche Ming in Nanjing und anderen Orten fort, als fortgesetzte Herausforderung der Qing-Dynastie, die zu diesem Zeitpunkt aber ganz Zentralchina bereits fest in der Hand hatte. Begründung der Qing-Dynastie und Wiedervereinigung Chinas durch die Qing-Regierung Im Jahr 1636 folgte Huangtaiji auf den Thron und änderte die Bezeichnung seines Regimes der Großen Jin in Große Qing mit der Hauptstadt in Shenyang. 1636 und 1638 schickte Huangtaiji Qing-Truppen zum Angriff gegen die Ming-Armee und trug einen Sieg davon. Im Jahr 1641 entsandte er wiederum starke Truppen gegen die Ming, und die Ming-Truppen wurden entscheidend geschlagen. 1642 überschritten die Qing-Truppen erneut die Große Mauer und eroberten viele Gegenden in Nordchina. Im Herbst 1643 starb Huangtaiji, sein dritter Sohn Fulin folgte auf den Thron als Kaiser Shunzhi (Reg. 1644 - 1661). Zu dieser Zeit, nur sechs Monate nach der Thronbesteigung von Kaiser Shunzhi, zog die Bauernarmee unter Li Zicheng in Beijing ein und stürzte die Ming-Dynastie. Der Qing-Armee, die außerhalb des Passes Shanhaiguan stationiert war, bot sich eine günstige Gelegenheit zur Offensive, weil die aufständische Bauernarmee es unterließ, die Überreste der Ming-Dynastie auszuschalten und Maßnahmen zur Verteidigung gegen eine mögliche Attacke der Qing-Truppen zu treffen. Der Ming-General Wu Sangui, der am Shanhaiguan-Pass stationiert war, ergab sich der Qing-Armee und ebnete ihr den Weg nach Beijing. Die Bauernarmee unter Li Zicheng, der inzwischen in Beijing das Regime der Großen Shun gegründet hatte, war gezwungen, sich aus Beijing zurückzuziehen, und kämpfte dann in Shanxi und Shaanxi weiter. Im Mai 1644 wurde die Stadt Beijing von den Qing-Truppen eingenommen, und im September verlegte der Qing-Kaiser Shunzhi die Hauptstadt von Shenyang nach Beijing. So wurde die Qing-Dynastie (1644 - 1911) ausgerufen. Sofort machte sich die Qing-Regierung daran, die Bauernarmee aufzureiben und ganz China zu einigen. Die Qing-Armee attackierte die Bauernarmee auf zwei Routen. Li Zicheng wurde von Grundherren-Truppen aus dem Hinterhalt überfallen und getötet, und Zhang Xianzhong und seine Truppen kämpften noch am Mittellauf des Changjiang weiter, bis die Qing-Armee in Sichuan einfiel und ihn erschlug. Doch die aufständischen Resttruppen setzten den Kampf gegen die Qing-Regierung noch für einige Zeit fort. Inzwischen führten Beamte, Grundherren und Teile des Adels der Ming-Dynastie einen Widerstandskampf gegen die mandschurische Qing-Dynastie. Sie unterstützten nacheinander das Regime des Fürsten Fu (1644 - 1645) in Nanjing, das Regime des Fürsten Lu (1645 - 1653) in Zhejiang, das Regime des Fürsten Tang (1645 - 1646) in Fujian und das Regime des Fürsten Gui (1646 - 1662) in Hunan, Hubei und Südwestchina. Da all diese Regime in Südchina herrschten, wurden sie in der chinesischen Geschichte zusammen als Regime der Südlichen Ming bezeichnet. Im Zuge der Vereinigung ganz Chinas wurden diese Regime nacheinander von der Qing-Armee vernichtet. Anfang 1662 wurde das letzte Reich der Südlichen Ming erobert. Im Jahr 1681 wurden Yunnan, Guizhou, Guangdong und Fujian unter die direkte Kontrolle der Qing-Dynastie gebracht. Zwei Jahre später, im Jahr 1683, wurde auch die Insel Taiwan, die im Jahr 1661 von den Truppen unter General Zheng Chenggong aus der Besatzung der holländischen Kolonialisten zurückerobert worden war, von den Qing-Truppen eingenommen und mit dem chinesischen Festland wiedervereinigt. So waren die Bemühungen der Qing-Regierung zur Vereinigung des Landes von Erfolg gekrönt. Stärkung der Herrschaft und Entwicklung der Wirtschaft in der Frühzeit der Qing-Dynastie Nach der Niederhaltung der gegen die Qing-Dynastie gerichteten Kräfte in Südchina ergriff die Qing-Regierung verschiedene Maßnahmen zur Stärkung ihrer Herrschaft und begann, die Truppen zur Niederwerfung der lokalen Regime der nationalen Minderheiten im Nordwesten einzusetzen, um ihr Territorium auszudehnen. Die Bemühungen der Qing-Regierung zur Vereinigung des Landes währten durch die drei Regierungszeiten Kangxi (1662 - 1722), Yongzheng (1722 - 1735) und Qianlong (1736 - 1795), bis ein beispiellos großes Reich entstand. Zur Stärkung ihrer Herrschaft wurden die Regierungsinstitutionen, die sich schon vor ihrer Verlegung nach Beijing recht gut herausgebildet hatten, reorganisiert, neu eingerichtet und vervollkommnet. Die Armee wurde verstärkt, sie umfasste nun hauptsächlich die Garnisonen der Acht Banner (mandschurische Truppen) und dann auch die Grünen Bataillone (Han-Chinesen). Die ersteren zählten 220000 Mann und waren in Beijing und Umgebung sowie an strategischen Punkten in ganz China stationiert. Die Grünen Bataillone, etwa eine Million Mann stark, wurden vom Generalgouverneur oder Gouverneur der jeweiligen Regionen kommandiert. Zu Beginn der Qing-Dynastie galten noch die Gesetze der Ming-Dynastie. Im Jahr 1646 wurde Das Gesetzbuch der Großen Qing fertiggestellt. Es wurde unter den Regierungen von Kangxi und Yongzheng mehrmals überarbeitet und im Jahr 1740 vervollständigt. Um ihre Herrschaft zu konsolidieren, traf die Qing-Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Entspannung der Widersprüche und zur Erholung und Entwicklung der Wirtschaft. Kaiser Kangxi (Reg. 1662 - 1722) befahl, mit der Vergrößerung des Bodenbesitzes aufzuhören, und proklamierte: "Die Kopfsteuer wird auch bei Vermehrung der Kopfzahl niemals gesteigert." Überdies wurden Kopfsteuer und Bodensteuer zusammengelegt, so dass nur Grundbesitzer noch Steuern zahlen mussten, also eine "Bemessung der Kopfsteuer je nach Grundbesitz". Dieses Steuersystem war in Wirklichkeit die Fortsetzung der "Einheitssteuer" der Ming-Dynastie, ein System, wonach die mannigfaltigen Steuern einschließlich eines Teils der Kopfsteuer und aller Fronarbeiten zu einer Steuer zusammengefasst wurden und in Silber entrichtet werden mussten. Während der Regierungszeit Yongzheng wurde das System der "Bemessung der Kopfsteuer je nach Grundbesitz" im ganzen Land eingeführt, was die Entwicklung der Wirtschaft enorm förderte. Ödland wurde kultiviert, und die landwirtschaftliche Produktion wurde allmählich wieder belebt. Statistiken der Qing-Regierung zufolge betrug das Ackerland im Jahr 1651 nicht mehr als 2,9 Millionen Qing (über 19 Millionen Hektar) und die Bevölkerungszahl nicht mehr als 10,6 Millionen, während im Jahr 1761 das Ackerland auf 7,4 Millionen Qing (fast 50 Millionen Hektar) und im Jahr 1764 die Bevölkerungszahl auf mehr als 200 Millionen angewachsen war. Mit dem Zuwachs der Bevölkerung und der landwirtschaftlichen Produktion gedieh auch die Warenwirtschaft. Größere Textilfabriken wurden in Nanjing, Suzhou, Hangzhou und anderen Städten errichtet. Während der Regierungszeit des Kaiser Qianlong (Reg. 1736 - 1795) gab es allein in der Stadt Jiangning, dem bekannten Seidenindustrie-Zentrum, über 30000 Webstühle, die beträchtlich verbessert worden waren. Die Technik der Eisen-Verhüttung machte neue Fortschritte, und manche Hochöfen konnten täglich 1500 bis 2000 Kilo Roheisen produzieren. Der Höchstausstoß war 3000 Kilo pro Tag. Der Kupfer-Bergbau in Yunnan entwickelte sich sehr rasch. Während der Regierungsperiode Qianlong gab es mehr als 300 Kupfer-Bergwerke in dieser Provinz. Was die Porzellanherstellung anbetraf, beschäftigte die bekannte Porzellanstadt Jingdezhen mehr als hunderttausend Arbeiter. Auch Schiffbau-, Zucker-, Papier-, Tabak- und Farbstoffindustrie machten gute Fortschritte. Während der Regierungszeit der Kaiser Kangxi, Yongzheng und Qianlong blühten viele Städte auf. Unter ihnen war Beijing bereits zum Handelszentrum des ganzen Landes geworden. Hädler aus verschiedenen Landesteilen organisierten ihre eigenen Gilden mit Büros in den großen Städten. Mit der Entwicklung der Warenwirtschaft entfaltete sich langsam auch der Kapitalismus. In der Handwerksindustrie wurde Kauf zwecks Wiederverkauf eine gängige Praxis, und infolgedessen nahm die Zahl der kapitalistisch organisierten Werkstätten zu. Auch Geldhäuser, die sich auf Wechsel, Einlagen und Gewährung von Krediten spezialisierten, entstanden in der frühen Qing-Dynastie. Jedoch war die Entwicklung des Kapitalismus durch das Feudalsystem noch behindert. Die Qing-Regierung beharrte auf der überlieferten antikommerziellen Politik und verbot wiederholt, dass Privatpersonen selbst Minen betrieben. Sie beschränkte Fabrikanten in der Zahl ihrer Webstühle. Ferner erhob die Regierung so maßlose Steuern und Abgaben, dass viele Industrielle und Kaufleute gezwungen waren, ihre Werkstätten und Geschäfte zu schließen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der Kapitalismus unter diesen Umständen nicht zügig entwickeln konnte. Im ganzen Land dominierte nach wie vor die Naturalwirtschaft mit Selbstversorgung. Während der Qing-Dynastie lebten in China bereits mehr als 50 Nationalitäten. Zur Regelung der Nationalitätenangelegenheiten richtete die Qing-Regierung das Amt für die Angelegenheiten der nationalen Minderheiten ein. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts schickte die Qing-Regierung dreimal Truppen gegen den mongolischen Stamm Jungar im Westen der Wüste in der Mongolischen Ebene, und es gelang ihr, diese Region zu befrieden. Während der Regierungszeit Qianlong schlug die Regierung Aufstände nieder, die von uigurischen Aristokraten angezettelt worden waren, und vereinigte dann die Region des heutigen Xinjiang. Das Amt des Ili-Generals wurde eingerichtet mit Jurisdiktion über alle Gebiete südlich und nördlich des Tianshan-Gebirges. Die Qing-Regierung stationierte auch Truppen in verschiedenen Gebieten von Xinjiang. Die Qing-Regierung erbte von der Ming-Dynastie die Oberhoheit über Tibet und erhielt kurz nach ihrer Gründung vom Dalai Lama und Banqen Lama, den obersten Herrschern von Tibet, das Gelöbnis der Lehnstreue. Später sandte die Qing-Regierung einen Minister als Regierungsvertreter nach Tibet, um dort zusammen mit dem Dalai Lama und dem Banqen Lama die Verwaltung zu leiten und Lokalbeamte einzusetzen. Außerdem wurden die Garnisonstruppen in Tibet verstärkt. In ihrer Politik gegenüber den nationalen Minderheiten in Südwestchina wie den Miao, Yao und Yi übernahm die Qing-Regierung das System der Ming-Dynastie, einheimische Fürsten durch entsandte Regierungsbeamte zu ersetzen. Dadurch wurde die Unabhängigkeit bzw. Halbunabhängigkeit dieser Fürsten im Grunde genommen beendet und die Verteidigung der südwestlichen Grenze verstärkt. Die über 200 Inseln, die verstreut im Südchinesischen Meer liegen und sich in die vier Inselgruppen Dongsha, Xisha, Zhongsha und Nansha gliedern lassen, unterhielten während der Qing-Dynastie enge Beziehungen mit dem chinesischen Festland. Sie wurden in vielen Texten erwähnt und in zahlreiche Landkarten Chinas eingezeichnet. Verfall der Qing-Dynastie Auch nach der Vereinigung ganz Chinas durch die Qing-Dynastie ging der Widerstand der Bevölkerung immer noch weiter. Die historisch bedeutsame Weiße Lotos-Gesellschaft, eine in der Song-Dynastie aufgekommene geheime religiöse Organisation, blieb weiterhin aktiv. So erhob beispielsweise im Jahr 1774 eine Sekte der Weißen Lotos-Gesellschaft das Banner der Revolte gegen die Qing in Shandong und eroberte mehrere Städte, und 1796 erhoben sich Mitglieder der Weißen Lotos-Gesellschaft sogar in mehreren Landesteilen. Zwar wurden die Aufstände im Jahr 1804 niedergeschlagen, doch zu ihrer Unterdrückung musste die Qing-Regierung mehr als 200000 Tael Silber an Militärausgaben aufwenden. Die Kämpfe dieser Gesellschaft wurden in den späteren Jahren weiter geführt. Gegen Ende der Regierungszeit Qianlong waren Korruption und Bestechung gang und gäbe, und das Einkommen des Staates ging infolge der Korruption der Beamten erheblich zurück. Dazu kamen noch die gewaltigen Ausgaben zur Unterdrückung der verschiedenen Aufstände. Die Regierung steckte in einer großen finanziellen Krise. So standen beispielsweise nach Zahlung der Beamtengehälter und Verwaltungsausgaben nur noch zwei Millionen Tael Silber jährlich zur Verfügung. Nur fünf Provinzen von den insgesamt 18 Provinzen konnten gegen Ende der Regierungszeit Jiaqing (1796 - 1820) ihre Steuerquote erfüllen und dem Schatzamt ihre Einnahmen übergeben. Das Ergebnis waren defizitäre Budgets. Zur Lösung des Finanzproblems führte die Qing-Regierung immer wieder verschiedene, die Bevölkerung belastende Steuern ein. Daneben wurde das sogenannte Tributsystem erweitert.
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