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Die Verbotene Stadt (chin. 紫禁城) - weitere Details

Der Innere Goldwasser-Fluß

Hinter dem Mittagstor fließt vom Westen nach Osten der sogenannte Innere Goldwasser-Fluß, den fünf nebeneinander liegende Brücken mit verzierten Geländern aus weißem Marmor überspannen. Das Wasser des Goldwasser-Flusses zweigt vom Schutzgraben an der nordwestlichen Ecke der Verbotenen Stadt ab, verläuft an manchen Stellen unterirdisch und fließt an der südöstlichen Ecke der Verbotenen Stadt wieder in den Schutzgraben. Die Länge des Goldwasser-Flusses beträgt über 2000 Meter. Am breitesten ist er dort, wo ihn die Brücken überspannen.

Die mittlere der fünf Brücken wurde Kaiserweg-Brücke genannt, da nur der Kaiser sie betreten durfte. Die Balustraden aus weißem Marmor sind mit Drachen- und Wolkenmustern verziert. Links und rechts von dieser Brücke liegen die beiden sogenannten Prinzen-Brücken, und die Brücken ganz außen waren für Generäle und Beamte bestimmt. Die Balustraden dieser vier Brücken sind mit Lotosblumenmustern verziert.

Der Palast der Irdischen Ruhe

Der Palast der Irdischen Ruhe (Kunninggong) ist der letzte der drei Hinteren Paläste und diente in der Ming-Dynastie als Schlafstätte der Kaiserinnen. Während der Qing-Dynastie wurde er für diesen Zweck nur jeweils drei Tage nach einer Kaiserlichen Hochzeit in Anspruch genommen.

Wie die Halle der Himmlischen Reinheit, so verfügt auch der Palast der Irdischen Ruhe über ein doppelstufiges Walmdach mit einer Höhe von 22 m. Er ist insgesamt nur etwas kleiner als sie.

Die Kaiser und die Kaiserinnen der Qing-Dynastie waren sehr abergläubisch. Gemäß dem Brauch der Mandschuren wurden in vier westlichen Räumen des Palastes Altäre eingerichtet, an denen täglich morgens und abends verschiedenen Göttern Opfer gebracht wurden. An den Opferriten am Neujahrsfest und im Frühling und Herbst nahmen auch der Kaiser und die Kaiserin teil. Eigens für diesen Zweck wurden Herde angelegt und Kuchen und Fleisch als Opfergaben zubereitet. Nach der Zeremonie verspeisten der Kaiser und die Kaiserin zusammen mit Fürsten, Ministern und Beamten diese Gerichte. Für die Morgen- und Abendopfergaben mussten jeweils vier Schweine geschlachtet werden, für groß angelegte Frühlings- und Herbst-Opferriten sogar 39 Schweine. Wie überliefert ist, versuchten schon mal Eunuchen, von dem für Opferzeremonien vorgesehenen Fleisch etwas aus der Verbotenen Stadt zu schleusen und zu verkaufen.

Die zwei östlichen Kammern heißen "Ostkammern der Wärme" und dienten als kaiserliche Hochzeitsräume.

Die Baohedian (Halle zur Erhaltung der Harmonie)

Die Halle zur Erhaltung der Harmonie (Baohedian) ist 49,68 m breit und 24,97 m tief. Sie wird nur von wenigen Säulen getragen, weshalb sie ziemlich breit erscheint.

Auffällig ist ein riesiger Steinblock hinter der Halle, der 16,57 m lang, 3,07 m hoch und 1,7 m dick ist und ein Gewicht von rund 250 t hat. Neun schwungvolle Drachen zwischen Wolken sind darin eingehauen. Der Block stammt aus einem Steinbruch im Kreis Fangshan 50 km von der Stadt entfernt. Wie hatte man ihn vor 500 Jahren in den Kaiserpalast befördert? Die Methode, derer man sich bediente, war zwar sehr aufwendig, aber es war die einzige Möglichkeit, den Koloß zu transportieren: Man grub alle 500 Meter einen Brunnen und wartete auf den Winter. Nun wurde Wasser aus den Brunnen geschöpft und auf den Weg geschüttet, der sich bald in eine Eisbahn verwandelte. Darauf zog man den Steinblock, wobei ca. zwanzigtausend Fronarbeiter und über tausend Pferde eingesetzt waren. Für den Transport wurden 28 Tage benötigt.

Im 54. Jahr der Regierungsperiode Qianlong (1789) wurde die kaiserliche Prüfung von der Halle der Höchsten Harmonie in die Halle zur Erhaltung der Harmonie verlegt. Teilnehmen durften Kandidaten, die die jeweiligen Prüfungen des Kreises, der Präfektur und der Provinz bestanden hatten. Die Themen für die Prüfung mussten vom Kaiser persönlich überprüft und gebilligt werden, und die Prüfbogen wurden von Beamten durchgesehen. Die Prüfbogen der zehn Besten mussten schließlich vom Kaiser bestätigt werden. Den drei Prüflingen, die die ersten Plätze belegten, wurde vom Kaiser der Titel "Mitglied der Kaiserlichen Akademie" verliehen. Andere wurden weiteren Prüfungen unterzogen und bekamen je nach ihren Leistungen entsprechende Stellen.

Die Halle zur Erhaltung der Harmonie und die Räume an der östlichen und westlichen Seite sind heute als Museum für die Kunst des Altertums eingerichtet. Ausgestellt sind Porzellan- und Bronzewaren, Jadearbeiten, Kalligraphien und Malereien - insgesamt mehr als 1600 Exponate, die aus einem Zeitraum von über sechstausend Jahren von der Urgesellschaft bis zur Qing-Dynastie stammen.

Die Halle der Berührung von Himmel und Erde

Die Halle der Berührung von Himmel und Erde (Jiataidian) befindet sich zwischen der Halle der Himmlischen Reinheit und dem Palast der Irdischen Ruhe. Ihr Name galt als ein Symbol für die Harmonie zwischen dem Kaiser und der Kaiserin. Die Halle hat eine quadratische Form und ein einstufiges Zeltdach, das von einem vergoldeten Bronzeknauf gekrönt wird. In ihrer Anordnung und Konstruktion ähnelt die Halle der Berührung von Himmel und Erde der Halle zur Erhaltung der Harmonie, sie ist nur von kleinerem Umfang. Hier nahm die Kaiserin bei ihrem Geburtstag die Glückwünsche der kaiserlichen Konkubinen, Prinzessinnen und Ehefrauen der Fürsten entgegen. Auch am Tag der Wintersonnenwende und am Neujahrsfest gab die Kaiserin hier ein Fest.

Nach dem 11. Jahr der Regierungsperiode Qianlong (1746) diente die Halle der Berührung von Himmel und Erde einem neuen Zweck: 25 kaiserliche Stempel, die für politische, militärische, auswärtige und juristische Angelegenheiten sowie für Angelegenheiten der nationalen Minderheiten und des kaiserlichen Hauses bestimmt waren, wurden hier aufbewahrt. Diese Stempel wurden vom Kabinett verwaltet, durften aber nur mit Genehmigung des Kaisers eingesetzt werden.

In der Halle der Berührung von Himmel und Erde gibt es einen 5,8 m großen Wecker. Er wurde im Jahr 1798 angefertigt und funktioniert noch immer.

Die Zhonghedian (Halle der Vollkommenden Harmonie)

Die quadratisch angelegte Halle der Vollkommenden Harmonie sieht wie ein großer Pavillon aus. Ihre Seitenlänge misst 24,15 m.

Die Halle befindet sich zwischen der Halle der Höchsten Harmonie und der Halle zur Erhaltung der Harmonie. Diese drei Hallen bilden das Zentrum des Palastkomplexes.

Auf dem Dach der Zhonghedian glänzt eine goldene Kugel. Die Ausstattung in der Halle ist viel einfacher als die der Halle der Höchsten Harmonie. Außer einem Thron in der Mitte befindet sich darin nichts.

Die Halle der Vollkommenen Harmonie war der Ort, wo der Kaiser sich für die Zeremonien in der Halle der Höchsten Harmonie vorbereitete. Bei den großen Feiern am Neujahrstag, am Tag der Wintersonnenwende und an seinem Geburtstag rastete der Kaiser zuerst eine Weile in der Halle der Vollkommenen Harmonie. Er wartete, bis man mit allen Vorbereitungen fertig war, begab sich dann in die Taihedian und nahm dort die Gratulationen entgegen.

Wenn sich der Kaiser von den inneren Gemächern zu den drei vorderen Halle begab, ließ er sich in einer Sänfte tragen. Die zwei heute in der Halle der Vollkommenen Harmonie ausgestellten Sänften, beide verziert mit lackierten Drachen- und Wolkenmustern, wurden von acht Leuten getragen. Es gab jedoch noch größere Sänften, für die man 16 Träger benötigte.

In jedem Frühling ließ der Kaiser im Tempel des Ackergottes eine Opferzeremonie veranstalten, wobei er persönlich pflügte und feierlich dem ganzen Land den Beginn der Frühjahrsbestellung verkündete. Vor der Zeremonie überprüfte der Kaiser in der Halle der Vollkommenen Harmonie das vorgesehene Gebet sowie die Ackergeräte und das Saatgut.

In der Qing-Dynastie wurde alle zehn Jahre einmal das kaiserliche Familienbuch revidiert. Das überarbeitete Familienbuch wurde im Rahmen einer großen Zeremonie in der Halle der Vollkommenen Harmonie dem Kaiser zum Durchsehen vorgelegt.

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