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Die Verbotene Stadt (chin. 紫禁城) - Die Taihedian (Halle der Höchsten Harmonie)

Die Taihedian, auch Jinluandian (Thronsaal) genannt, ist die größte und majestätischste Halle im Kaiserpalast: 26,92 m hoch, und wenn die Terrasse mitgerechnet wird, 35,05 m. Sie nimmt eine Fläche von 2377 qm ein. Ausmaß, Form, Dekor und Ausstattung der Halle sind höchster Standard. Die Dachvorsprünge sind nicht, wie sonst üblich, mit einer ungeraden Zahl von Fabeltieren versehen, sondern mit 10 dieser Figuren (Bild 1), was unter allen antiken Bauten Chinas eine Ausnahme darstellt. An beiden Enden des Hauptdachfirstes steht je eine 3,4 m hohe und 4,3 t schwere Drachenfigur, die größte Dachverzierung dieser Art. Unterhalb der Balustersäulen befinden sich 1142 Drachenköpfe aus weißem Marmor, die zur Entwässerung dienten. Bei Regen speien diese Drachenköpfe Wasser. An der südöstlichen Ecke der Terrasse sieht man eine Sonnenuhr, und an der südwestlichen Ecke steht ein antikes Hohlmaß. Auf der Terrasse befinden sich außerdem bronzene Schildkröten und Kraniche, Symbole für Glück und ewigwährende Herrschaft.

Betritt man die Halle der Höchsten Harmonie, sieht man direkt einen mit geschnitzten Drachen verzierten auf einer Plattform stehenden Thron gegenüber. Zu beiden Seiten des Throns stehen auf Podesten Elefantenfiguren. Innerhalb und außerhalb der Halle gibt es 72 große Säulen, die meisten zinnoberrot bemalt. Nur die sechs Säulen beiderseits des Throns sind mit Goldfolien überzogen. Sie sind 10 m hoch und so dick, dass zwei Leute sie gerade umfassen können.

Die sich um die Säulen windenden Relief-Drachen an den drei östlichen Säulen haben die Köpfe nach Westen gerichtet, während die Drachen an den gegenüberstehenden Säulen ihre Köpfe gen Osten wenden. Sie schützen gemeinsam den Thron.

Die Halle der Höchsten Harmonie ist eine Welt der Drachen. Der Paravent hinter dem Thron ist mit mehreren fliegenden Drachen verziert, und die Kassettendecke über dem Thron ist mit einem goldlackierten Drachen versehen, der eine große Perle im Maul hat, nach unten schaut und furchterregend wirkt. Insgesamt ist die Halle der Höchsten Zeremonie mit nicht weniger als 13844 Drachen ausgestattet.

Die Halle der Höchsten Harmonie war in der Ming- und der Qing-Zeit Schauplatz großer Zeremonien: Thronbesteigungen, Hochzeiten und Titelverleihungen sowie Feiern am ersten Tag des neuen Jahrs, am Tag der Wintersonnenwende und am Geburtstag des Kaisers. In der Qing-Dynastie fanden hier auch Zeremonien zum Beginn von Feldzügen statt, wobei der Kaiser und die Generäle der Fahne huldigten. Bei der Heimkehr von einem siegreichen Feldzug gab der Kaiser Bankette für die Generäle und nahm das Siegel des Oberbefehlshabers zurück. Bei einer großen Zeremonie wurden Flaggen und Waffen entlang des Weges, der vom Tor der Halle der Höchsten Harmonie zum Tor des Himmlischen Friedens führt, aufgereiht. Unter dem Korridor der Halle nahmen Musiker Aufstellung. Wenn der Kaiser auf den Thron stieg, ertönten Glocken und Schlaginstrumente und wurde Weihrauch abgebrannt. Die in Rauch gehüllte Terrasse war von oben bis unten voller kniender Offiziere und Beamter. Es herrschte eine mystische und ehrfurchtsvolle Atmosphäre.

Nach der Zeremonie ließ der Kaiser Wein ausschenken. Bei den Banketten saßen die Fürsten und hochrangigen Militär- und Zivilbeamten in der Halle der Höchsten Harmonie, während die Adligen vom zweiten Rang aufwärts draußen auf der Terrasse Platz nahmen. Die Beamten unter dem dritten Rang und die ausländischen Gesandten saßen im östlichen und westlichen Teil des Hofs unter blauen Sonnenschirmen. Jeder hohe Beamte hatte einen eigenen Tisch, während die niedrigeren Ränge sich zu zweit oder zu dritt einen Tisch teilen mussten. Für ein kaiserliches Bankett in der Qing-Zeit wurden zirka hundert Schafe geschlachtet. Für die Teilnehmer, die umständlichen Vorschriften folgen und abwechselnd stehen, knien und Kotao machen mussten, war ein solches Bankett jedoch kein besonderer Genuß.

Die Thronbesteigung der Kaiser war die feierlichste der Zeremonien. In der Ming- und der Qing-Dynastie fanden hier 24 Thronbesteigungszeremonien statt. Als im Jahre 1909 der letzte Kaiser Pu Yi den Thron bestieg, war er erst drei Jahre alt und musste von seinem Vater, dem Prinzregenten Zaifeng, auf den Thron getragen werden. Während der endlos langen Zeremonie brach der kleine Kaiser schließlich in lautes Weinen aus und wurde von seinem Vater mit den Worten getröstet: "Weine nicht, es ist bald zu Ende." Pu Yi war nur drei Jahre lang Kaiser, dann war die Herrschaft der Qing-Dynastie zu Ende. Die Worte des Prinzregenten wurden deshalb im Nachhinein als nicht glückverheißend interpretiert.

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