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Anekdoten aus dem Kaiserpalast - Das versteckte KaiserkindAls Kaiser Xianzong noch ein Kind war, wurde er von einer Hofdame namens Wan betreut. Im ersten Jahr der Regierungsperiode Chenghua, also 1464, als Kaiser Xianzong mit 16 den Thron bestieg, war Wan bereist 35 Jahre alt, aber immer noch sehr attraktiv. Mit Geschick und Zärtlichkeit hatte sie den jungen Kaiser fest in der Hand. Tief in der Seele war Wan sehr grausam. Mit List und Tücke gelang es ihr, die
Absetzung der Kaiserin Wu zu veranlassen und selbst die kaiserliche Gunst
zu erwerben. Die anderen kaiserlichen Konkubinen bekamen den Kaiser nur
selten zu sehen. Bei jedem Ausflug mit dem Kaiser tritt Wan im Harnisch
bei der Vorhut, um ihre Macht zu demonstrieren. Im Januar 1465 gebar
sie dem Kaiser einen Sohn und wurde daraufhin zur Guifei, zur höchsten
kaiserlichen Nebenfrau, erhoben. Nach nicht einmal hundert Tagen starb
das Kind. Obwohl sie sich später noch mehr Mühe um die kaiserliche Gunst
gab, wurde ihre Hoffnung nochmals schwanger zu werden, nicht erfüllt. Es begab sich nun, dass bei einer Militäraktion in der Provinz Guangxi die Tochter eines Stammeshäuptlings gefangengenommen und zum Kaiserpalast gebracht wurde. Sie hieß Ji und war von außergewöhnlicher Schönheit. Und da sie auch sehr klug war, wurde sie beauftragt, die kaiserliche Bibliothek in Aufsicht zu nehmen. Eines Tages sah der Kaiser dieses Mädchen in der Bibliothek und war sofort völlig von ihr hingerissen. Er ging mit ihr ins Bett und sie wurde schwanger. Die Wan erfuhr davon und wollte wieder eine Abtreibung veranlassen. Die Hofdame jedoch, die Wan mit dieser Aufgabe betraut hatte, mochte Ji sehr, und statt sie zur Abtreibung zu drängen, belog sie Wan und erzählte ihr, alles sei zu ihrer Zufriedenheit verlaufen. Ji brachte nach Monaten in einem Versteck einen Sohn zur Welt, der später Kaisers Nachfolger Xiaozong wurde. Sechs Jahre wurde das Kind versteckt, bis der Kaiser eines
Tages seufzte, dass er nun schon ein hohes Alter erreicht, aber der Himmel
ihm nicht einen einzige Sohn beschert hätte. Darauf kniete der Eunuch
Zhang Min, der dem Kaiser die Haare kämmte, vor ihm nieder und berichtete: "Majestät, Ihr habt einen Sohn, er ist bereits sechs Jahre alt." Der Kaiser war ebenso überrascht wie erfreut und ließ das Kind bringen. Als Wan das alles erfuhr, knirschte sie mit den Zähnen: "Diese Schurken haben mich betrogen!" Es dauerte nicht lange, und im Kaiserhof ereigneten sich mysteriöse Vorfälle: Ji starb einen jähen Tod, und der Eunuch Zhang Min, der mit dem Prinzen schon lange Zeit vertraut war, verübte, als er vom Tod Jis erfuhr, aus Angst Selbstmord. Das Leben des Prinzen war zu diesem Zeitpunkt ernsthaft in Gefahr. Die Großmutter des Prinzen sprang ein und kümmerte sich persönlich um das Kind. Vor der Kaiserinmutter traute sich Wan nicht, nach Belieben zu handeln, gab jedoch die Absicht, den kleinen Prinzen aus dem Weg zu räumen, nicht auf. Einmal ließ sie den Prinzen zu sich kommen. Bevor das Kind losging, schärfte ihm die Großmutter ein, dort drüben ja nichts zu essen. Als Wan dem Prinzen ein Essen servieren ließ, behauptete er, bereits satt zu sein. Als sie ihm daraufhin nur eine Suppe bringen lassen wollte, sagte der Prinz ohne Umschweife: "Ich habe Angst vor Gift". Wan stampfte vor Zorn mit dem Fuß und schimpfte: "So ein kleines Kind sagt schon solche Dinge, eines Tages werde ich noch von ihm umgebracht." Wan ängstigte und sorgte sich daraufhin so stark, dass sie erkrankte und schließlich starb. Kurz darauf starb auch Kaiser Xianzong. Den Thron bestieg sein Sohn, der als Kaiser Xiaozong 18 Jahre lang regierte.
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