 |
|
Anekdoten aus dem Kaiserpalast - Die Kaiserinmutter heiratet ihren Schwager
Xiaozhuang, die Frau des Mandschuren-Führers Huangtaiji, war eine bekannte Politikerin
zu Beginn der Qing-Zeit. Ihr Sohn, der Kaiser Shunzhi, und ihr Enkel,
der Kaiser Kangxi, bestiegen den Thron schon in der Hindheit, und so
spielte die Meinung Xiaozhuangs bei den staatlichen Entscheidungen stets
eine wichtige Rolle.
Xiaozhuang war sowohl hübsch und klug als auch mit einer außergewöhnlichen
musischen Begabung gesegnet. Noch bevor sie Kaiserinmutter wurde, ereignete
es sich, dass ein hoher Kommandeur der Ming-Dynastie namens Hong von
den mandschurischen Qing-Truppen, die vom Nordosten Chinas aus ins Land
vordrangen, gefangengenommen wurde und sich daraufhin zu Tode hungern
wollte. Um ihn von diesem Vorhaben abzubringen und ihn auf die Seite
der Qing-Regierung zu bringen, schickte Huangtaiji einige Hofdamen zu
ihm, die Hong mit ihrer Schönheit und ihrem Charme betören sollten, aber
ergebnislos. Schließlich entschied sich Huangtaiji, die geliebteste seiner
Nebenfrauen, Xiaozhuang selbst, in Aktion treten zu lassen. Ihre bewegende
Schönheit und ihr sanftes und liebevolles Wesen verwandelte die Loyalität
von Hong gegenüber der Ming-Dynastie in Loyalität gegenüber der Qing-Regierung.
Er beendete seinen Hungerstreik und trank eine Ginseng-Suppe, die Xiaozhuang
ihm an die Lippen hielt.
Als Xiaozhuang 30 war, starb Huangtaiji, und Duoergun, der jüngere Bruder von
Huangtaiji, der Beijing von den Ming-Truppen erobert hatte, ließ Xiaozhuang
und den Prinzen Shunzhi von Shenyang nach Beijing bringen. Damals war
Shunzhi noch ein kleines Kind von sechs oder sieben Jahren, und in dieser
Zeit wurden die Angelegenheiten des Kaiserhofes von Xiaozhuang und die
Angelegenheiten des Staates von Duoergun geregelt. Für die Beziehungen
zwischen Schwagern und Schwägerinnen gab es damals unter Mandschuren
keine strengen Vorschriften, und es kam oft vor, dass jemand die Frau
des toten Bruders heiratete. Genau das gleiche passierte auch mit Xiaozhuang
und Duoergun. Da Duoergun beim Kaiserhof oft ein- und ausging, ergab
es sich, dass Xiaozhuang ihre Liebe zum verstorbenen Mann allmählich
auf Duoergun verlegte. Umgekehrt war Duoergun ein Schürzenjäger, der
zuvor schon einmal ein Verhältnis mit der Frau seines Neffen gehabt hatte.
Er wollte natürlich die Gelegenheit nicht verstreichen lassen und begann
ein Verhältnis mit Xiaozhuang. Gerade zu dieser Zeit starb die Frau Duoerguns, und die beiden
konnten ihre Liebe offenbaren und heiraten. Duoergun berief einen vertrauten
Beamten zu sich, der nach seiner Anweisung den Vorschlag unterbreiten
sollte: "Die Frau des Prinzregenten ist verstorben, und die Kaiserinmutter ist verwitwet.
Weil der Kaiser den Prinzregenten als Vater betrachtet, sollte der Vater
und die Mutter unter einem Dach leben." Alle Beamten stimmten zu, so dass die Beziehung von Schwager und Schwägerin
nun auf Mann und Frau umgeschrieben werden konnte. Im Namen des Kaisers
ließ Duoergun darüber hinaus einen kaiserlichen Erlaß veröffentlichen,
in dem man heute noch lesen kann. "Die Kaiserin lebt im blühenden Alter verwitwet, wie eine Frühlingsblüte oder
der Herbstmond, die allein und einsam das Dasein fristen. Ich bin der
Himmelssohn und kann zwar alles meiner Mutter zur Verfügung stellen,
doch kann sie damit nur materiell befriedigt werden, jedoch nicht wirklich
glücklich werden. Meine Mutter fühlt sich bedrückt und bekümmert, weil
mein Vater gestorben ist. Wie kann ich in diesem Fall Abhilfe leisten
und die Pietät gegenüber meiner Mutter verwirklichen? Mein Onkel, der
Regent, ist ebenso verwitwet, mit seinem Status und seiner Würde vermag
er die Führung des Landes zu übernehmen, und meine Mutter ist gewillt,
sich mit ihm zu vermählen. Ich will gern ihrem Willen entsprechen. Die
zuständigen Behörden sollen die Vorbereitungen für die Hochzeit treffen."
Es gibt aber auch die Vermutung, dass Xiaozhuang ihren Schwager
aus Vernunft geheiratet hatte, um das Leben und die Macht ihres Sohnes
zu sichern. Über ihre wirklichen Beweggründe kann weiter gerätselt werden.
Lesezeichen, Weitersagen und Empfehlen
(Worte, die häufiger genannt wurden, werden größer geschrieben als jene, die seltener genannt wurden.)
|

|