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Anekdoten aus dem Kaiserpalast - Eine kaiserliche Hochzeit

Die Hochzeit eines Qing-Kaisers verlief nach folgendem Ritual:

Die Verlobungsgeschenke für die Familie der Braut

Sie künftige Kaiserin wurde von der Kaiserinmutter und hohen Beamten ausgewählt. Dann schickte die kaiserliche Familie Verlobungsgeschenke an die Familie der Braut. Es handelte sich dabei um Pferde und Stoffe aus Baumwolle und Seide. Die Verlobungsgeschenke des Qing-Kaisers Kangxi z.B. bestanden aus zehn Pferden, zehn Rüstungen und je hundert Ballen Baumwollstoff und Seidenstoff.

Am Morgen der Übergabe wurden die Geschenke in die Taihedian (Halle der Höchsten Harmonie) gebracht. Boten und Beamte, alle feierlich gekleidet, begaben sich dann mit den Geschenken zum Wohnsitz der künftigen Kaiserin.

Der Brautvater musste vor dem Tor kniend die Gesandten des Kaisers empfangen und die Verlobungsgeschenke entgegennehmen. Er und seine ganze Familie hatten dann in die Richtung des Kaiserpalastes Kotaus zu machen. Anschließend kehrten die Boten und Beamten zum Kaiserpalast zurück.

Als nächstes fand im Haus der Braut ein großes Bankett statt, zu dem Verwandte, Freunde und berühmte Persönlichkeiten eingeladen waren. In den inneren Gemächern des Kaiserpalasts veranstalteten die Prinzessinnen und Damen der hohen Beamten für die Mutter der Braut ebenfalls ein Bankett. Und im Außenhof gaben die Beamten höherer Ränge dem Brautvater ein Festessen.

Die Hochzeitsgeschenke

Zur eigentlichen Hochzeitsfeier bekam die Familie der Braut vom Kaiserhof weitere Geschenke, und zwar wesentlich mehr als zur Verlobung. Bei der Hochzeit von Kaiser Kangxi waren dies 20 Pferde, 200 Tael Gold, 10000 Tael Silber, 1000 Ballen Seidenstoff und diverse goldene und silberne Gegenstände. Auch die Brüder der Braut und ihre Diener und Zofen erhielten vom Kaiserhof etwas geschenkt. Alle mussten sich kniend für die Gnade des Kaisers bedanken.

Empfangszeremonie für die Braut

Diese Zeremonie war die feierlichste der ganzen Hochzeit. Im Kaiserpalast waren rote Teppiche ausgelegt, die Hallen waren mit roten Laternen und Seidengirlanden geschmückt und die Tore mit Bildern der Türgötter und Spruchrollen beklebt. Die Hofdamen und die für den Hochzeitsverlauf verantwortlichen Eunuchen trugen neue Kleidung.

Auch außerhalb der Verbotenen Stadt herrschte eine festliche Stimmung. Der Wohnsitz der künftigen Kaiserin war herausgeputzt, die Straßen in der Umgebung waren gesperrt und festlich geschmückt. Den Vorschriften der Qing-Dynastie entsprechend musste einen Tag vor dem Empfang der Braut noch eine Opferzeremonie im Himmels-, im Erd- und im Ahnentempel stattfinden. Vor der Hochzeit begrüßte der Kaiser zunächst im Cininggong (Palast der Barmherzigen Ruhe) seine Mutter, anschließend wurde unter Trommelschlägen und Musikklängen in der Halle der Höchsten Harmonie eine Feier abgehalten. Die Beamten, die für den Empfang der Braut verantwortlich waren, nahmen die Befehle des Kaisers entgegen und führten die Empfangsgruppe dann zum Wohnsitz der Familie der Familie der Braut.

Der Brautvater und alle Familienangehörigen begrüßten kniend vor dem Tor die Abgesandten des Kaisers. Die Braut, die bereits ein Kaiserliches Gewand und eine Krone trug, hörte kniend das die Hochzeit betreffende kaiserliche Edikt. Dann wurde sie, in einer Sänfte sitzend, zum Kaiserpalast geleitet. Nach den Vorschriften der Qing-Dynastie durfte das Daqingmen (Tor der Großen Reinheit) nur vom Kaiser und der Kaiserinmutter durchschritten werden. Die einzige Ausnahme: bei der Hochzeit durfte auch die neue Kaiserin durch dieses Tor gehen. Als die Hochzeitseskorte zur Goldenen Brücke kam, stiegen alle von den Pferden ab und führten sie weiter bis zum Mittagstor. Nun ertönten Trommelschläge und Glockenklänge. Die Kaiserin trat aus der Sänfte und ging auf dem roten Teppich bis zur Halle der Berührung von Himmel und Erde. Sodann stieg sie in eine mit Phönixen verzierte Sänfte, die von acht Leuten getragen wurde, und ließ sich in den Palast der Irdischen Ruhe tragen, wo sie auf den Beginn der eigentlichen Hochzeitszeremonie warten musste.

Zeremonie der Hochzeit

Die Hochzeit fand in der sogenannten Ostkammer der Wärme des Palasts der Irdischen Ruhe statt. Die Wände waren rot gestrichen, das Hochzeitsbett befand sich an der Nordseite, wo auch ein Thronsitz stand.

In dem Raum gab es noch eine rotlackierte Abschirmwand, worauf in einer goldenen Schrift das Wort "Doppelglück" stand. Vor dem Bett hing ein Vorhang aus roter Seide mit dem traditionellen Motiv "Hundert spielende Kinder", das den Wunsch nach reicher Nachkommenschaft zum Ausdruck brachte. Der Teppich war mit dem Schriftzeichen "Doppelglück" sowie Drachen und Phönixen bestickt.

Der letzte Kaiser Puyi beschrieb in seinen Memoiren seine Eindrücke vom Brautgemach wie folgt: "Wir betraten diese dunkle rote Kemenate, und mich befiel ein starkes Missvergnügen. Die Braut saß auf dem Kang, den Kopf gesenkt. Neben ihr sitzend schaute ich mich eine Weile um und sah nichts als Rot: ein roter Bettvorhang, rotes Bettzeug, eine rote Jacke, ein roter Rock, rote Blumen im Haar, ein rotes Gesicht... alles schien aus rotem Wachs zusammengeschmolzen zu sein.

Kaiser und Kaiserin nahmen also nebeneinander Platz, verbunden mit einem roten Seidengarn. Sie erhielten Becher mit Wein, die sie tauschten und leer tranken. Nun wurde das Hochzeitsessen für den Kaiser und die Kaiserin aufgetischt, und danach verließen alle Dienstleute die Brautkammer. Am Abend gab es traditionsgemäß noch ein Nudelgericht, Symbol für ein langes Leben.

Die Hochzeit eines Kaisers kostete sehr viel Geld. Noch erhaltenen Unterlagen ist zu entnehmen, dass für die Hochzeit des Qing-Kaisers Guangxu 5,5 Millionen Tael Silber ausgegeben wurden. Nach den damaligen Preisen konnte mit einer solchen Summe Getreide gekauft werden, das für 1,9 Millionen Menschen ein Jahr lang gereicht hätte.

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