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Anekdoten aus dem Kaiserpalast - Ein Attentat auf den Kronprinzen

Im 43. Jahr der Regierungsperiode Wanli (1615) am 4. Mai nach dem Mondkalender studierte der Kronprinz Zhu Changluo gerade im Palast der Bermherzigen Feierlichkeit, da hörte man plötzlich Hilferufe: Ein stämmiger Bursche stürzte auf den Palast zu, verwundete einen davor postierten Wächter und konnte erst unter dem Dachvorsprung festgenommen werden. Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Hauptstadt und im ganzen Land. Man fragte sich, wer ist der Bursche? Und warum riskierte er für das Attentat sein Leben?

Die Wahrheit kam schnell an den Tag: Das Attentat war im Kaiserpalast ausgeheckt worden, um Platz für einen anderen Kronprinzen zu machen.
Die Kaiserin hatte Kaiser Wanli keinen Sohn geschenkt.

Die leibliche Mutter des Kronprinzen Zhu Changluo war nur eine Hofdame namens Wang, die bei der Kaiserinmutter Dienst hatte. Da der Kaiser oft bei seiner Mutter ein- und ausging, fiel sie ihm eines Tages auf. Sie hatte eine üppige Figur, was der Kaiser liebte, und schöne Gesichtszüge. Schon das erste intime Beisammensein des Kaisers mit der Dame Wang hatte Folgen: Wang war schwanger und brachte schließlich einen Sohn zur Welt. Anfangs wollte der Kaiser den Knaben nicht als seinen Sohn akzeptieren, aber das offizielle Protokoll über den jeweiligen Aufenthalt des Kaisers bestätigte die Behauptung von Wang. Weil der Kaiser keinen Sohn hatte, arrangierte die Kaiserinmutter, dass Wang zur Gongfei erhoben wurde. Doch Wang konnte sich später nie mehr der Gunst des Kaisers erfreuen. Nachdem die Guifei Zheng, vom Kaiser heiß geliebt, ihm einen Sohn geboren hatte, wollte der Kaiser unbedingt den jüngeren statt den älteren Sohn zum Kronprinzen machen. Nur massive Einwände seiner Minister hinderten ihn daran.

Die Partei der Guifei Zheng wollte sich jedoch nicht damit abfinden und trachtete schließlich danach, den Kronprinzen zu töten.

Die Vernehmungen des Attentäters ergaben, dass der Mann Zhang Chai hieß und von den Eunuchen Pang Bao und Liu Cheng, beides Vertraute der Guifei Zheng, zu der Tat angestiftet worden war. Auch die Tatwaffe hatten die beiden Eunuchen zur Verfügung gestellt. Gelockt hatten sie den Attentäter mit einer reichen Belohnung. So kam zwar die Wahrheit an den Tag, doch niemand getraute sich, die Guifei Zheng als Hauptschuldige zu verfolgen. Schließlich wurde Zhang Chai aller Irrer hingerichtet. Auch die beiden Eunuchen hatten mit dem missglückten Attentat ihr Leben verwirkt.

Ein von Hofdamen verübtes Attentat auf den Kaiser

Der Ming-Kaiser Jiajing hatte einen überfüllten Harem. Allein bei einer Konkubinenwahl im Jahr 1529 kamen 1258 Jungfern in den Kaiserpalast. Gegenüber seinen Konkubinen war er tyrannisch und rücksichtslos. Wegen geringster Vergehen drohte den Damen die Peitsche. Mehr als 200 Hofdamen starben unter Folgerungen. Einige Hofdamen, die unregelmäßig behandelt wurden, sprachen sich ab, Rache zu nehmen. Am 21. Oktober des 21. Jahres der Regierungsperiode Jiajing (1542) schlichen sich 16 Hofdamen mit Yang Jinying ad der Spitze nachts ins Schlafgemach des Kaisers. Sie legten dem schlafenden Kaiser eine Schlinge um den Hals und steckten ihm einen Lappen in den Mund. Da der Knoten der Schlinge jedoch zu fest geknüpft war, zog sich die Schlinge nicht zu. Als der Kaiser Widerstand leistete, nahm Yang Jinying ihre silberne Haarnadel vom Kopf und stach sie mit aller Kraft dem Kaiser ins Gesicht. In diesem Moment kam die Kaiserin, die ihrem Gemahl im letzten Augenblick das Leben rettete. Der Kaiser war bereits ohnmächtig.

16 Hofdamen wurden verhaftet und durch Zerstückeln hingerichtet. Ihre Köpfe wurden zur Abschreckung ausgestellt. Auch Familienangehörige der Hofdamen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zehn davon wurden hingerichtet und zwanzig als Sklaven denjenigen zugeteilt, die sich bei der Rettung des Kaisers und der Aufklärung des Attentats Verdienste erworben hatten. Auch die Konkubine Duanfei, die in der Nacht des Attentats mit dem Kaiser geschlafen hatte, wurde hingerichtet. Überlieferungen zufolge war der Tag der Massenhinrichtung stark dunstig. Die Stadt war dann vier Tage lang völlig vom Nebel umhüllt. Die Bevölkerung begann, an der Rechtmäßigkeit der Todesstrafen zu zweifeln.

Der Kaiser hatte fortan aufgrund des Stichs mit der Haarnadel ein hervorquellendes Auge und sah grauenhaft aus. Er blieb im Hinterhof der Verbotenen Stadt und hielt keine Audienz mehr ab. Nur der Kanzler Yan Song wurde regelmäßig von ihm empfangen. Yan galt als einer der verrufensten Beamten der Ming-Zeit.

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