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Anekdoten aus dem Kaiserpalast - Alte Zöpfe und neue Moden

Als die Soldaten der Qing die Große Mauer durchbrachen und nach Süden vorstießen, wurden in allen Gebieten, die sie besetzten, die Männer der Han-Nationalität gezwungen, sich Zöpfe wachsen zu lassen. Auf die Verletzung dieses Befehl stand die Todesstrafe durch Enthaupten. Nach rund zweihundert Jahren, gegen Ende der Qing-Dynastie, schnitten sich die Revolutionäre als erste die Zöpfe ab, um ihren Willen zum Sturz der Qing-Dynastie auch auf diese Weise zu demonstrieren. Chinas letzter Kaiser Puyi hörte auf seinen Lehrer, den Engländer Johnston, der die Ansicht vertrat, dass Männer mit Zöpfen nicht schön seien, und schnitt trotz heftiger Proteste mehrerer Minister bei Hofe seinen eigenen Zopf ab. Seinem Beispiel folgten dann zahlreiche Bewohner der Verbotenen Stadt. Innerhalb weniger Tage verschwanden dort mehrere tausend Zöpfe. Nur eine Handvoll von konservativen Ministern wollte ihre Zöpfe bis ins Grab tragen.

Puyi war als Kind sehr verspielt. Er wollte nicht lesen und lernen und ließ seinem Lehrer oft durch seine Eunuchen mitteilen, dass er sich frei genommen habe. Er konnte stundenlang einen Ameisen-Umzug beoachten, und dabei vergaß er oft das Essen. Der Lehrer resignierte und konnte nur dem Eunuchen-Vorsteher den Auftrag erteilen, jeden Morgen vor dem Schlafgemach Puyis laut den Text vorzulesen, den Puyi tags zuvor gelernt hatte. Später, als am Unterricht auch Puyis tags zuvor gelernt hatte. Später, als am Unterricht auch Puyis Bruder Pujie und noch ein anderer Junge teilnahmen, konnte der Lehrer wenigstens die Mitschüler zurechtweisen, auch wenn er eigentlich Puyi meinte.

Puyi war stets neugierig auf neue Dinge. Als er sich für Fahrräder interessierte, ließ er die Schwellen aller Tore absägen, damit er den Kaiserpalast ohne Hindernisse befahren konnte. Er ließ sich alle Markenfahrräder der Welt kaufen, und wenn ihm ein Fahrrad nicht mehr gefiel, schenkte er es jemanden und ließ ein neues besorgen. Bisweilen hatte er rund zwanzig Fahrräder. Später hatte er eine Vorliebe für Autos und ließ gleich drei Stück kaufen.

Puyi mochte Hunde und besaß mehr als hundert. Jeder Hund hatte einen Namen, eine Nummer und ein Schild. Für teures Geld ließ Puyi Hunde ausländischer Rassen einkaufen. Am meisten gefielen ihm deutsche Schäferhunde.

Puyi stand sehr unter dem Einfluß seines englischen Lehrers. Er kleidete sich in westliche Anzüge, verlangte nach europäischer Küche, spielte Tennis und sprach Pidgin-Englisch. Er plante sogar, in England zu studieren. Auch seine Frau, die Kaiserin Wanrong, hatte einen englischen Lehrer. Und sie hatte sich einen englischen Namen zugelegt: Elisabeth.

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