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Die chinesische Teekultur - Teebrauchtum der nationalen Minderheiten

Teebrauchtum in Yunnan, Guizhou und Sichuan

In Yunnan, Guizhou und Sichuan im Südwesten Chinas leben viele nationale Minderheiten. Als Urheimat des Tees sind diese Gebiete reich an Schätzen der Teekultur. Wenig beeinflusst von fremden Kulturen, haben sich hier viele alte Teesitten erhalten.

Viele Unterlagen dokumentieren, dass die hier lebenden Nationalitäten auf eine längere Geschichte des Teeanbaus zurückblicken als die Han-Chinesen. Eine unter der Jinuo-Nationalität in Yunnan verbreitete Sage ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert: Yao Bai, die Schöpferin von Himmel und Erde, verteilte nach der Erschaffung der Menschen unter diesen den Boden. Die zurückgezogen lebenden Jinuo blieben der Versammlung zur Bodenverteilung jedoch fern. Yao Bai war ärgerlich, doch sie hatte auch Angst um die Jinuo. So streute sie von einem Berggipfel aus Teesamen auf das Bergdorf Longpai, wo die Jinuo wohnten. Nur wuchsen hier Teesträucher, und von da an bepflanzten die Jinuo ihre Heimat mit Tee. Die von ihnen bewohnte Gegend wurde eine der sechs wichtigen Tee-Regionen in Yunnan.

Tee wurde im Südwesten früher verwendet als in Zentralchina. Unter den Erforschern der Teegeschichte herrscht die Meinung vor, dass der Tee zunächst als Arzneimittel und Nahrungsmittel diente und dann erst als Getränk eingesetzt wurde. Bis heute benutzen die Jinuo den Tee als Speise. Besuche Sie ein Jinuo-Dorf, Sie werden bestimmt zu einem Tee-Salat eingeladen. Die frisch gepflückten Teeblätter werden weich gemacht und mit Zutaten wie Obstsaft, Sauerbambussprossen, Knoblauch, Gewürzpaprika und Salz gemischt.

Bei den nationalen Minderheiten Yi, Bai, Wa und Lahu trinkt man gern Rösttee. Die Teeblätter werden in einem Topf, auf einem Blech oder im Bambusrohr geröstet, bis sie gelbbraun sind. Dann übergießt man sie mit kochendem Wasser. Daraus wird ein duftender, starker Tee.

In einigen von nationalen Minderheiten bewohnten Gegenden in Yunnan ist der "Bambusrohr-Tee" verbreitet. Teeblätter werden in ein Bambusrohr gesteckt, das man dann über offenen Feuer erhitzt. Nach einigen Minuten stampft man mit einer Holzstange die Teeblätter fest und füllt neue Blätter nach. Dies wiederholt man mehrmals, bis das Bambusrohr ganz vollgestopft und der Tee festgepresst ist. Danach spaltet man das Bambusrohr, und schon kommt ein zylinderartiges Teestück zum Vorschein. Man nimmt davon etwas ab, übergießt mit kochendem Wasser und lässt den Tee einige Zeit ziehen. Das Aroma des Tees ist vermischt mit dem frischen Duft von Bambus. Man sieht hier noch die Urform des festgepressten Tees, der in der Tang-Dynastie seinen Ursprung fand. Im Einzugsgebiet des Yangtse wurden in der Tang-Zeit runde Teebriketts mit einem Loch in der Mitte hergestellt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man das den nationalen Minderheiten abgeguckt hatte. Statt wie in den Grenzgebieten Bambusrohre, benutzte man in Zentralchina dann Formen.

Aus diesen Beispielen der frühen Nutzung des Tees als Speise, als Rösttee und als gepressten Tee können wir feststellen, dass der Tee sich von seinem Ursprungsland - dem Hochplateau Yunnan und Guizhou - den Yangtse abwärts nach Sichuan verbreitet hatte und dann über die Drei Schluchten des Yangtse hinaus die Provinzen Hubei und Hunan erreichte. So lässt sich zwischen einer lang zurückliegenden Zeit und der Gegenwart eine Entwicklungslinie beobachten: vom Teesalat der Grenzbewohner zur Nutzung des Tees als Speise in Zentralchina, vom Teerösten zu den Kochmethoden von Lu Yu und zu der heutigen Trocknungsmethode, vom zylinderartigen Teestück zum Stangentee in der Tang-Zeit, den Teebriketts in der Song-Zeit und dem Ziegeltee und Tou-Tee von heute.

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