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Die chinesische Teekultur - Der Platz des Buddhismus in der Teekultur

Bei der Erwähnung der chinesischen Teekultur kann man nicht am Buddhismus vorbeikommen. In China und in Japan spricht man von der "Einheit zwischen Tee und Chan bzw. Zen". Chan bzw. Zen ist eine Sekte des Buddhismus. Der Chan-Buddhismus hat maßgeblich zur Herausbildung des Geistes der Teekultur und zu ihrer Verbreitung beigetragen. Die ersten buddhistischen Mönche in Japan waren die ersten Teegelehrten und die Begründer der japanischen Teezeremonie.

Die Teekultur war mit dem westlichen Leben eng verbunden, der Buddhismus hingegen betonte das Jenseits. Die Teekultur war eine lebensfreudige Kultur, während der Buddhismus Askese predigte. Wie konnten diese Widersprüche zwischen der buddhistischen Kultur und der Teekultur überbrückt werden? Das ermöglicht zu haben war eine der großen Leistungen des Chan-Buddhismus.

China war stets ein Schmelztiegel vieler Nationalitäten. Fremde Gedankenströmungen konnten in China keinen Fuß fassen, ohne das sie in diesem Schmelztiegel erhärtet wurden. Das heißt nicht, dass die chinesische Kultur konservativ oder "fremdenfeindlich" gewesen wäre. Im Gegenteil, in der frühen und mittleren Periode des chinesischen Feudalismus war China nach außen recht offen. Insbesondere die Tang-Dynastie, in der die chinesische Teekultur aufkeimte, zeigte große Toleranz gegenüber allen fremden Kulturen. Der Buddhismus kam aus Indien nach China und vermengte sich anfangs mit der Huangdi-Laotse-Schule (eine taoistische Schule, entstanden in der Übergangszeit von der Periode der Streitenden Reiche zur Han-Dynastie). Die damaligen "Unsterblichen" setzten sich für die Verbreitung des Tees als Getränk ein. Die theoretisch begründete Verbindung zwischen buddhistischen Lehren und den Teelehren erfolgte erst in der Tang-Dynastie.

Die aus Indien nach China vorgedrungene Lehre heißt Mahajana - "Großes Fahrzeug". Sie betont: Alle Menschen können heilig werden, alle Meditationen sollen dem eigenen Nutzen, aber auch dem Nutzen anderer dienen. Das ist der "Bodhisattwa-Weg". Diese Sekte versteht sich als die überlegenere Sekte, daher der Name "Großes Fahrzeug". Die Sekten, die die Selbsterlösung predigen, nennen sich Hinajana, "Kleines Fahrzeug". Innerhalb der Sekte "Großes Fahrzeug" gab es viele Zweige wie die Sekte des Reinen Landes und die Faxiang-Sekte. Die Lehrmeinungen dieser Sekten sprachen die Chinesen jedoch nicht an. Die Sanlun-Sekte predigte zum Beispiel, satt Angst vor dem Tod zu haben solle man das Leben beweinen. Die Chinesen aber liebten schon immer das Leben, wie also sollten sie akzeptieren, dass der Tod eine freudige Angelegenheit sei? Die Sekte des Reinen Landes hielt die irdische Welt für einen schmutzigen Platz. Die Chinesen aber sahen in der Erde die Mutter allen Lebens, und in ihren Augen war alles, das Gras, die Bäume, das Meer, faszinierend schön. Wie konnten sie die Ansicht akzeptieren, alles sei nichts als Schmutz?

In der Tang-Zeit stand der Buddhismus vor der Frage der Verschmelzung mit der chinesischen Kultur, doch hierfür ging kein Weg an einer Reform der Lehre vorbei. So entstanden Sekten wie Tiantai und Yanhuan, die der chinesischen Kultur nahestanden. Die wirklich chinesisierte Sekte war jedoch der Chan-Buddhismus, der verkündete, der innere Seelenfireden, nicht gestört durch weltlichen Kummer, sei der wahre Weg zur Erleuchtung. Diese Lehrmeinung, die dem Taoismus nahestand, war auch konform mit der konfuzianisch geprägten inneren Vervollkommnung. Einer der Begründer des Chan-Buddhismus, Hui Neng (638 - 713), sprach von der "plötzlichen Erleuchtung". Er setzte sich für das Laienmeditieren ein, was manchen Klosterbau ersparte und der Bevölkerung die religiösen Übungen erleichterte.

Der Chan-Buddhismus ermöglichte die Verschmelzung des Buddhismus mit der chinesischen Kultur und trug in den folgenden drei Punkten zur Entwicklung der Teekultur bei.

1. Der Chan-Buddhismus gab Auftrieb für die Verbreitung des Teetrinkens im ganzen Land.

In dem Buch Augenzeugenberichte von Feng (der Verfasser hieß Feng Yan und lebte in der Tang-Dynastie) liest man: "Die Menschen im Süden lieben schon lange das Teetrinken, die im Norden kamen erst spät auf den Geschmack. Mitte der Regierungszeit Kaiyuan predigte ein Dämonenbezwinger im Lingyan-Kloster auf dem Taishan-Berg den Chan-Buddhismus. Die Chan-Übung verbietet Schlafen und Abendessen, erlaubt aber Teetrinken. Die Mönche kochen überall Tee. Man ahmt den Süden nach, die Sitte des Teetrinkens bürgert sich ein. Städte eröffnen Teegeschäfte und Verkaufsstände für Tee. Ohne nach dem Glauben zu fragen, wird Tee serviert. Tee wird auf dem Land- und Wasserweg aus dem Süden hertransportiert. Es gibt viele Teesorten." Diese Aufzeichnung zeigt, dass Tee zunächst zur Erfrischung der Mönche bei ihren religiösen Übungen diente und dann auch im Volk immer mehr Liebhaber fand.

2. Der Chan-Buddhismus trug zur Erhöhung der Teeproduktion durch die Anlage von Teeplantagen bei.

Der Bedarf an Tee stieg enorm an, und die Klöster konnten es sich bald nicht mehr leisten, den Bedarf durch Kauf zu decken. Wo es möglich war, begannen die Mönche deshalb mit der Anlage eigener Teeplantagen. Im Allgemeinen waren die Klöster tief in den Gebirgen angesiedelt, wo es gute Voraussetzungen für den Teeanbau gab. Ji Gong, der Lehrmeister von Lu Yu, beschäftigte sich persönlich mit dem Teeanbau. Viele Teemarken in der Tang-Dynastie stammten aus Klöstern, so auch der berühmte Putuo-Tee vom Berg Putuo. Der dortige Teeanbau dauerte bis zur Ming-Zeit an. Die bekannte Teeanbaugegend Jianan war schon in der Tang-Dynastie von Klöstern durchzogen. Die Tang-Dynastie erlebte eine hoch entwickelte Klosterwirtschaft. Die größeren Klöster hatten meistens einen stattlichen Grundbesitz, und alle produzierten Tee. Der gestiegene Teebedarf nicht nur der Mönche selbst, sondern auch für die Pilger, führte dazu, dass sich die Mönche intensiv mit dem Teeanbau und der Aufbereitung des Tees beschäftigten, wodurch die Teekultur weiter vorangetrieben wurde.

3. Indem die Teekunst mit chan-buddhistischen Meditationen behandelt wurde, bereicherte der Buddhismus den Geist der Teekultur.

Philosophisch gesehen betont der Chan-Buddhismus die Selbstzucht und -beherrschung, "Erleuchtung durch ein reines Herz". Anders ausgedrückt, sobald die Seelen den reinsten Zustand erreicht, begegnet der Mensch der buddhistischen Wahrheit. Die Meditation verlangt von den Mönchen die größte seelische Ruhe, und Tee wirkt erfrischend und beruhigend. So gesehen steht der Tee dem Buddhismus sehr nahe. Den Chan-Buddhisten ging es nicht nur darum, den Schlaf durch das Teetrinken zu vertreiben, sondern auch darum, die Chan-Welt und die Teewelt zu kanalisieren", kosmische Wahrheit zu erspüren und innere Reinheit zu erreichen. Jiao Ran, ein berühmter Mönch aus der Tang-Zeit, war Dichter und Teegelehrter zugleich. Gut befreundet mit Lu Yu, studierte Jiao Ran oft gemeinsam mit ihm die Teekultur und die buddhistischen Lehren. In seinen Mußestunden schrieb er Gedichte. Von der hohen Warte des durch Tee ausgelösten Wohlbehagens, der Faszination der Gedichte und der Tiefe der buddhistischen Lehrsätze aus interpretierte er die Momente des Teetrinkens. Er schrieb, die erste Tasse Tee könne die Benommenheit im Kopf entfernen, wodurch man ein wohliges Gefühl wie der heitere Himmel gewinne. Die zweite Tasse bewirkte ein Reinwaschen der Seele, als ob ein Regen allen Schmutz und Staub wegspüle. Der Chan-Buddhismus meinte, "Verwirrung" sei das größte Hindernis, die Erleuchtung könne man nur durch Beseitigung der Verwirrung erreichen, und der Tee könne dies bewirken. Trinke man die dritte Tasse Tee, könne man das Wesen der Dinge erkennen, schrieb Jiao Ran. Es habe keinen Sinn, Ärger zu bekämpfen, denn nach den Lehren des Chan-Buddhismus sei es nicht möglich, bewusst Ärger zu beseitigen. Vielmehr müsse man sich seiner selbst bewusst werden, und während des Teetrinkens könne man am besten die Beziehungen zwischen Mensch und Materie, zwischen Körper und Seele verstehen. Das genau sei der Geist der Teekultur.

Auch andere Sekten hatten den Geist der Teekultur interpretiert.

In Tibet war zum Beispiel die Klosterkultur sehr entwickelt. Dort brachte man Tee in Beziehung mit der Gottheit, das heißt Tee wurde als ein "Göttliches Ding" betrachtet. Gab das Kloster den Laien Tee, wurde dies als eine Gottessegnung angesehen. Im Jokhang-Kloster sind bis heute Teeziegel von vor hundert Jahren aufbewahrt. Die Mönche halten sie für Kleinodien zum Schutz des Klosters.

Ein Missionar besuchte einmal in der Qing-Zeit Tibet. In seinem Reisebericht schilderte er Details eines Tee-Empfangs im Lama-Kloster Karwenpalmo: "4000 Lamas sind zugegen, Laienbrüder beten auf dem Boden liegend. Junge Lamas servieren dampfenden Tee, verteilen ihn an Anwesende, die Loblieder singen." In einer solchen Situation stellte das Teetrinkern ein buddhistisches Ritual dar. Da Buddha alle Menschen von Leiden erlösen will, war der Teekessel entsprechend groß.

Die Tee-Empfänge des Chan-Buddhismus in Zentralchina unterstrichen die Wirkung des Tees für die Beruhigung der Seele, wodurch der Mensch sich auf die eigene Kraft besinnen konnte, während die Tee-Empfänge in einem Lama-Kloster als eine Segnung des Himmels angesehen wurde.

Wir haben versucht, den Geist der Teekultur aus der Sicht des Konfuzianismus, des Taoismus und des Buddhismus zu beleuchten. In Wirklichkeit haben sich die verschiedenen Strömungen in Bezug auf die Teekultur gegenseitig befruchtet. Im Alltagsleben hat der Geist der Teekultur die Herzen der Menschen erreicht, denn auch ohne komplizierte Verfahren kann man den tiefen Sinn des Teetrinkens empfingen.

In der Übergangszeit von der Qing-Dynastie zur Republik China (1912 - 1949) geriet die chinesische Gesellschaft in große Unruhen, die Menschen fristeten ein kümmerliches Dasein. Ein paar Pinsel, ein paar Bücher und ein einfaches Teeservice waren das, womit die Gebildeten ihre Distanz zu den gesellschaftlichen Strömungen zeigten. Aber auch die einfache Bevölkerung fand Trost beim abendlichen Teetrinken, wenn die ganze Familie sich versammelte. Der Geist der Teekultur, gepflegt in langer Zeit, ist der chinesischen Nation in Blut und Fleisch übergegangen.

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