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Die chinesische Teekultur - Der Geist der chinesischen TeezeremonieViele haben sich die japanische Teezeremonie angesehen und fragen sich: Warum nennt man sie Teezeremonie und redet in China nur von Teekunst? Gibt es in China keine Teezeremonie oder nur eine Kopie der japanischen Teezeremonie? Nein, damit wird die Tatsache auf den Kopf gestellt. Ein japanischer Kenner der Teekultur formulierte den Sachverhalt wie folgt: "China ist die Heimat der Teezeremonie, ein Kind von ihr ist nach Japan gewandert. Man kann sagen, dieses Kind wächst dort gesund."
Der Ursprung der Teezeremonie liegt in der Tat in China. Der Geist der chinesischen Teezeremonie umfasst ein großes System, das wesentliche Elemente des Konfuzianismus, des Taoismus und des Buddhismus in sich aufgenommen hat und die enge Verbindung zwischen Materie und Geist sowie deren Wechselwirkung verdeutlicht. Der Konfuzianismus und der Geist der chinesischen Teezeremonie Jede Nation hat ihre eigene Kulturidentität, und zwischen Ost und West bestehen diesbezüglich große Unterschiede. Dem westlichen Feuer- und Kraftkult stehen die chinesischen Friedensliebe, das Entgegenkommen und die Ausdauer gegenüber, was im konfuzianischen Geist der Goldenen Mitte und der Harmonie seinen konzentrierten Ausdruck findet. Die Milde und Stille des Tees deckt sich mit den Eigenschaften des Konfuzianismus. Auch wenn der Taoismus und der Buddhismus bei der Entwicklung der Teekultur ebenfalls wichtige Rollen gespielt haben, bildet der Konfuzianismus doch den Kern des Geistes der chinesischen Teezeremonie. Dies soll im Folgenden näher beleuchtet werden.
Die Harmonie und Stille der Teezeremonie verkörpert die konfuzianischen Ideen von der Goldenen Mitte Manche vergleichen die Wesensmerkmale der Menschen im Westen mit den Eigenschaften des Schnapses: offen und feurig, während sie den Charakter der Menschen im Osten mit jenen des Tees gleichsetzen: ruhig, vernünftig und mild. Betont man im Westen den Kampf des Individuums, so stellt der Osten die Eintracht und das Miteinander in den Vordergrund. In der chinesischen Teekultur sind diese Merkmale stark ausgeprägt: Harmonie zwischen Menschen, aber auch zwischen Mensch und Natur. Der Konfuzianismus führte diese Denkweise in die Teezeremonie ein: Durch das Teetrinken soll eine harmonische Atmosphäre geschaffen werden. Tee ist zwar nur ein übliches Getränk, dennoch soll der gemeinsame Teegenuss die Verständigung fördern. In diesem Sinne empfingen früher die Kaiser mit Tee ausländische Gesandte, und bis heute ist das Servieren von Tee ein Sinnbild für Freundschaft. Zum Jahresende veranstalten Behörden und Firmen Teeparties, auf denen sich Vorgesetzte und Mitarbeiter nach einem Jahr harter Arbeit bei einer Tasse Tee offen aussprechen, Dank und Anerkennung austauschen und Verständnis für die jeweiligen Probleme zeigen. Eine ruhige und behagliche Atmosphäre hilft oft, anscheinend unversöhnliche Widersprüche zu überbrücken. Der Konfuzianismus befürwortet die Goldene Mitte, die Vermeidung von Einseitigkeit und Extremismus. In der Teekultur kommt dies besonders zum Ausdruck. Eigentlich sind Wasser und Feuer Gegensätze, Lu Yu jedoch betonte ihre "Einheit". Wie kann man ohne Feuer Wasser kochen? Um die Dreieinigkeit von Wind, Feuer und Wasser zu versinnbildlichen, verzierte Lu Yu den von ihm entwickelten Teeofen mit einem Windtier, einem Feuervogel und einem Fisch. Er bezog sich dabei auf das Buch der Wandlung (I Ging), das die Beziehungen zwischen Wind, Feuer und Wasser behandelt. Durch Wind kann Feuer auflodern, dadurch können Speisen und Getränke gekocht werden. " Eine Welt der großen Harmonie" und "Eintracht der Länder" war und ist die ideale Welt der Chinesen. Nach der alten Naturanschauung der Chinesen bestand die Natur aus Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde, die "Fünf Elemente" genannt. Lu Yu befürwortete deshalb die Teekultur, weil er die Meinung vertrat: Durch menschliche Harmonie kann der Staat die Einheit erreichen, und durch die Harmonie der Fünf Elemente können Krankheiten beseitigt werden. Beflügelt durch solche Ideen, verkörpert die Teekunst in jedem Detail den Geist der Einheit und der Harmonie. Das Bild Bai Zi Tu (Hundert Kinder), gemalt von Su Hanchen in der Song-Dynastie, stellt hundert teetrinkende und spielende Kinder dar. Dieses Bild sollte ein Symbol für die große Völkerfamilie Chinas sein, die trotz der Vielzahl der Nationalitäten in Eintracht lebt. Andere versuchten, diese Idee der Harmonie durch das Überreichen von Tee zu veranschaulichen. Im Volk bezeichnete man die Teekanne als "Teemutter", die Tassen als "Teekinder". Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass das Mutterland für seine Kinder sorgt. Chen Mingyuan aus der Qing-Dynastie fertigte eine von drei Baumwurzeln umschlungene Teekanne an: drei Wurzeln bildeten einen Kannenkörper mit einem gemeinsamen Deckel, ein Symbol für die Stärke durch Einheit.
Die chinesische Teezeremonie ist eine lebensfreundliche Kultur Die japanische Teezeremonie betont die Bitterkeit und die Einsamkeit und bringt damit ursprünglich buddhistische Ideen in der chinesischen Teekultur zum Ausdruck. Die chinesische Teekultur hingegen sorgt für eine fröhliche Stimmung. Das hängt eng zusammen mit der offenherzigen Lebenseinstellung des Konfuzianismus. Auch Chinesen glauben an Göttliches, sind aber eher Pantheisten. Alle, die zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaft beigetragen haben, sind für sie nach ihrem Tode göttlich verklärt. Gottheiten sind in China also erhöhte Menschen, und so glauben die Chinesen mehr an die eigene Kraft der Menschheit als an das Wirken einer außerirdischen Kraft. Sie sind im Grunde immer optimistisch, was die Zukunft betrifft. Die chinesische Teezeremonie war zunächst eine Sache der gebildeten Leute. Sie fanden sich zum Teetrinken zusammen, um zugleich Musik zu spielen, zu malen, zu dichten und die Natur zu bewundern. Auch Mönche zelebrierten ihre Teestunden. Der Mönch Jiao Ran zum Beispiel, der ein guter Freund von Lu Yu und ein Mitbegründer der chinesischen Teekultur war, hielt wenig von Askese, sondern pflegte das Teetrinken bei Blumenduft, Musik und am liebsten im Mondschein. Er war ein gefühlsbetonter Dichter, für den das Teetrinken und das Dichten zusammen gehörten. Tee für die Pflege einer schlichten Lebensführung, guter Manieren und gesellschaftlichen Engagements Böse Zungen behaupteten, das Teetrinken diene nur den Müßiggängern und Eremiten dazu, ihre Zeit totzuschlagen. Nun gab es in der Ming- und der Qing-Zeit in der Tat Teetrinker, die zurückgezogen lebten, und in den letzten Jahren der Qing-Dynastie fanden sich unter den Mandschuren nicht wenige Leute, die sich mit dem Teetrinken ihre Zeit vertrieben. Doch die Geschichte der Teekultur zeigt, dass das vom Konfuzianismus beeinflusste gesellschaftliche Engagement die Haupttendenz der chinesischen Teekultur bildete. Seit jeher bewiesen chinesische Intellektuelle ein hohes Verantwortungs- und Berufungsbewusstsein. "Sich für den Staat verpflichten" und "Die Fürsorge für die einfachen Leute sich zur Lebensaufgabe machen" waren stets ihre Devisen. Die chinesische Teekultur hat sich diese hervorragenden Traditionen zu eigen gemacht. Schon während der Westlichen und der Östlichen Jin-Dynastie und der Südlichen und Nördlichen Dynastien machten sich Politiker wie Lu Na und Huan Wen dafür stark, durch Einführung der Teetrinksitte eine schlichte Lebensführung zu pflegen und beim Tee über Staatsangelegenheiten zu diskutieren. Das war der Auftakt der Teekultur. In der Tang-Dynastie verfeinerte Lu Yu das System der chinesischen Teekultur, deren Hauptrichtung das konfuzianische gesellschaftliche Engagement war, in der aber auch taoistische und buddhistische Gedanken absorbiert wurden. Als er 755 in seinem Fluchtort Huzhou Teeöfen entwickelte, erreichte ihn die Nachricht, dass ein von An Lushan angezettelter Putsch niedergeschlagen worden war. Voller Freude gravierte er in seine Öfen die Inschrift: "Hergestellt im Jahr der Niederwerfung der Tataren durch die Große Tang". Yab Zhenqing, ein Gesinnungsgenosse von Lu Yu, war nicht nur ein berühmter Kalligraph, sondern auch en großer Politiker. Als An Lushan mit seinen Rebellentruppen von Norden südwärts marschierte, fielen ihm viele Präfekturen in der Provinz Hebei in die Hände, nur in der von Yan Zhenqing bewachten Präfektur Pingyuan flatterten die Kampffahnen der Tang-Dynastie hoch. Später wurde er zum Justizminister befördert, dann aber wegen kritischer Bemerkungen nach Huzhou verbannt, und dort lernte er Lu Yu kennen. Die Begründer der chinesischen Teekultur waren also Menschen, die sich stark für den Staat und die Bevölkerung einsetzten. Bei Entwicklung von Teekesseln versuchte Lu Yu, durch eine symbolische Gestaltung der unterschiedlichen Kesselbestandteile die konfuzianischen Regierungsprinzipien zum Ausdruck zu bringen. So sollte der quadratische Griff den aufrechten Charakter der Teetrinker, der breite Kesselrand ihren weiten Blick und der längliche Bauchteil ihr Mittelmaß andeuten. Diese Traditionen wurden von der Nachwelt übernommen. In den letzten Jahren der Ming-Dynastie waren die meisten Kaiser schwache Charaktere und regierungsunfähig, die Korruption griff um sich. Die Teeleute distanzierten sich davon und bezeichneten die mit Bambusstreifen umwickelten Teeöfen als "Ku Jie Jun" (enthaltsamer Mann). Bambus galt nämlich als Sinnbild für lauteren Charakter. Das Gewicht einer alten Teewaage wurde als "Zhi Quan" (Machtübung) bezeichnet und dahingehend gedeutet, dass es Recht und Unrecht wiegen könne. Die Konfuzianer meinten, dass man mit Kleinigkeiten anfangen müsse, um schließlich Großes zu leisten. Das heißt mit anderen Worten, strenge Anforderungen an sich selbst stellen und sparsam wirtschaften, erst dann kann man das Land regieren und den Frieden bewahren.
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