Die chinesische Teekultur - Die Zubereitung des Tees und das richtige
Genießen
Während der ganzen Teegeschichte seit der Han-Zeit änderten sich immer
wieder die Teekochmethoden, die sich im Wesentlichen in die folgenden
fünf zusammenfassen lassen:
 1. Kochen
Teepulver wird im Kessel gekocht, eine Methode, die vor allem vor der
Tang-Dynastie praktiziert wurde. Lu Yu hat in seinem Buch über den
Tee ausführlich darüber berichtet. Konkret wurde so verfahren: Tee
wurde zu Pulver gemahlen und Wasser guter Qualität auf Holzkohlenfeuer
zum Kochen gebracht. Beim Siedepunkt kam das Teepulver hinein. Dann
wurde weiter gekocht, bis sich Schaum, "Bomo" genannt,
bildete. Man schöpfte den Schaum ab und gab ihn in ein Gefäß. Den Tee
brachte man erneut zum Sieden und im Moment des Siedens den Schaum
wieder hinzu. War alles gleichmäßig vermischt, war der Tee trinkfertig.
2. Aufbrühen
Bereits in der Tang-Zeit praktiziert, war diese Methode hauptsächlich
in der Song-Zeit verbreitet. Man kochte das Teepulver nicht mehr, sondern
goss kochendes Wasser darüber, wobei man ständig mit einem Stäbchen
umrührte. Die Menge und die Qualität des Schaums, der sich dabei bildete,
hingen von der Form des Stäbchens und der Rührweise ab. Bei sehr kräftigem
Rühren entstand ein schneeweißer Schaum. Es gab Wettbewerbe, bei welchen
derjenige, der den am längsten haltenden Schaum erzeugte, als Sieger
abschnitt. "Der
Schaum schwebt wie eine weiße Wolke über der Schale", so heißt es in einer Schilderung aus der Song-Dynastie. In den heutigen Teezeremonien
in Japan wird diese Methode des Aufbrühes und Rührens noch praktiziert,
allerdings bildet sich dabei kein Schaum, wahrscheinlich deshalb nicht,
weil das Teepulver nicht fein genug ist und nicht ausreichend kräftig
gerührt wird.
3. Aufbrühen von Tee mit Blütenknospen
Der Erfinder dieser Methode war Zhu Quan in der Ming-Dynastie. Man gab
Blütenknospen von Winterkirche, Osmanthus oder Jasmin zusammen mit
Teepulver in eine Schale und goss kochendes Wasser darüber. Unter der
Einwirkung des heißen Wassers öffneten sich die Knospen und verbreiteten
ihren Wohlgeruch. Man beobachtete den Vorgang des Öffnens der Knospen
und gab sich dabei der Vorfreude auf den Teegenuss hin.
4. Aufbrühen von Tee mit Trockenfrüchten und Nüssen
Hierbei gießt man heißes Wasser auf den mit Trockenfrüchten, Walnüssen,
Kürbiskernen, Kiefernkernen gemischten Tee.
5. Aufgießverfahren
Dies ist die übliche Methode, die von der Ming-Dynastie bis heute währt.
Je nach den regionalen Teesorten gibt es kleine Unterschiede, sowohl
die Wassertemperatur als auch die Dauer des Ziehens betreffend. Grüner
Tee wie z.B. der "Drachenbrunnentee" (Longjing)
ist sehr zart und liebt keine zu hohe Wassertemperatur. Nach dem zweiten
oder dritten Aufguss verliert der Drachenbrunnentee bereits seinen
Geschmack. Schwarzer Tee besteht aus härteren und dickeren Blättern,
dementsprechend muss man diesen Tee länger ziehen lassen. Wirkliche
Teekenner können aus der Form und dem Duft des Tees die Sorte und den
Herkunftsort feststellen. Der Drachenbrunnentee ist flach und länglich,
während der Baihao-Tee nadelförmig und der Perlentee rundlich aussieht.
Auch die Farbe des fertigen Getränks kariiert sehr stark. Manche Teeblätter
schwimmen im Wasser, während andere sich ganz absetzen. Bei manchen
Sorten wie beim Dahongpao-Tee sind die Teeblätter wie mit einem goldenen
Ring am Rand versehen.
Das Einschenken des Tees verlangt Fingerspitzengefühl. Sollen
mehrere Tassen gefüllt werden, so schenkt der Fachmann nicht eine nach
der anderen
voll, sondern macht einige Runden, damit das Teewasser aus unterschiedlichen
Schichten gleichmäßig auf die Tassen verteilt wird.
Die Kunst des Teetrinkens verlangt nach einem entsprechenden
Milieu. In der alten Zeit pflegte man große Tee-Empfänge zu veranstalten.
Die
Qing-Kaiser Kangxi und Qianlong luden oft mehrere tausend Gäste in
der Halle der Höchsten Harmonie im Kaiserpalast zu solchen Tee-Empfängen
ein. Im Allgemeinen zog man für eine Teestunde aber einen kleinen
Kreis von drei bis fünf Personen vor. Man suchte dafür einen ruhigen
Ort
aus:
an einem Bach oder im Bambushain, in einem alten Kloster, in einem
kleinen Pavillon, im Hausgarten. Man trank Tee, bewunderte die Blumenpracht,
beobachtete die Fische. Der Ming-Maler Tang Yin hat in seinem Gemälde
Szene beim Teetrinken die folgende Situation festgehalten: Die helle
Strohhütte befindet sich am Fuß eines hohen, mit alten Bäumen bewachsenen
Berges; um Bambuszäune herum wachsen üppig Pflanzen; in der Strohhütte
trinken Menschen genüsslich den Tee.
Die Teekenner in der Ming-Zeit bauten gern im eigenen Hof
einen Teepavillon. Vor dem Teekochen zündete man Weihrauchstäbchen an,
dann wurden alle
Teegeräte gewaschen. Der Tee wurde in der Regel mit Freunden gemeinsam
zubereitet. Dichtend und malend, trank man Tee. Man traf sich auch
gern an einem hellen Mondabend im Herbst zum Tee.
Li Qingzhao, eine Dichterin aus der Song-Zeit, war eine leidenschaftliche
Teetrinkerin. Von ihr kennt man heute fast nur noch ihre sentimentalen,
traurigen Gedichte. In Wirklichkeit hatte sie eine glückliche
Familie. Ihr Ehemann Zhao Mingcheng war Kunstkenner, und sie beide dichteten
gern beim Tee. Oft ging es dabei sehr heiter zu, so dass Li Qingzhao
mitunter
in Lachen ausbrach und Tee versprühte.
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