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Die chinesische Teekultur - Die Entwicklung der Teekultur in der Yuan-, der Ming- und der Qing-Dynastie

Die Vereinfachung der Teekultur in der Yuan-Dynastie

In der Song-Dynastie erfuhr die Teeverarbeitung eine neue Entwicklung. Die aufwendig hergestellten Teebriketts mit Drachen- und Phönixmotiven waren nicht nur für einfache Leute unerschwinglich, sie hatten auch mit dem natürlichen Charakter des Tees nicht mehr zu tun. Die Yuan-Dynastie (1279 - 1368), gegründet von den Mongolen, einem Nomadenvolk im Norden Chinas, fand an der übertrieben verfeinerten Kultur der Han-Chinesen keinen Gefallen. Allerdings war aufgrund der von ihnen bevorzugten Nahrung - vorwiegend Fleisch und Milchprodukte - das Teetrinken sehr gesund. Was die Teeverarbeitung und den Kult um das Teetrinken betraf, so fand nun also eine Vereinfachung statt. Die Produktion von Teebriketts wurde beträchtlich reduziert, dafür die Herstellung von Blättertee, Pulvertee und Mischtee erheblich gesteigert. Der Blättertee wurde fast wie heute frisch im Wasser gekocht, während der Pulvertee, nicht mehr zu Briketts verarbeitet, mit kochendem Wasser aufgegossen wurde, ähnlich wie heute bei der japanischen Teezeremonie. Mischtee war eine Mischung von Tee mit anderen Zutaten wie Walnüssen, Kiefernkernen, Seesamen, Aprikosen und Maronen. Dieser Tee erfreute sich großer Beliebtheit im Volk. In den Provinzen Hunan und Hubei ist diese Sitte bis heute erhalten.

In der Yuan-Dynastie wurde das Teetrinken in das Alltagsleben eingeführt. Ansatzweise war das schon in der Song-Dynastie der Fall gewesen, nur damals war dies auf die Oberschichten beschränkt. Es war in der Yuan-Dynastie üblich, dass eine frisch vermählte Frau ihren Schwiegereltern und Gästen als Ausdruck der Verehrung Tee überreichte. Bald war das Teetrinken überall gang und gäbe. Der Maler Zhao Mengfu hielt Szenen eines Teewettbewerbs im Bild fest, und ein unbekannter Künstler stellte essende und teetrinkende Kinder dar.

Die Gelehrten in der Yuan-Dynastie pflegten eine schlichte Teekultur. Sie versammelten sich gern in Bergen, an Flüssen, unter alten Bäumen oder in Strohhütten zum Teetrinken.

Die von einem Prinzen geschaffene Teezeremonie und Teebilder in der Ming-Dynastie

Während der Ming-Dynastie (1368 - 1644) befand sich das feudale Gesellschaftssystem in China bereits in einer Verfallphase. Von der Gründung an war die Dynastie mit Konflikten und Gegensätzen konfrontiert. Das Land war durch Kriege gegen Überreste des mongolischen Widerstandes und dann durch innere Machtkämpfe und Bauernaufstände erschüttert. Zur Behauptung der Herrschaft verfolgten die Herrscher eine Politik der Unterdrückung, die sich in erster Linie gegen die Intellektuellen richtete. Bei leisester Unmutsäußerung wurden sie als dynastiefeindlich abgestempelt. Viele suchten Trost und inneren Frieden beim Tee.,

Zhu Quan war der 17. Sohn Zhu Yuanzhangs, des Ming-Kaisers Taizu, der der Begründer der Ming-Dynastie war. Später usurpierte sein 4. Bruder Zhu Di den Thron. Obwohl Zhu Quan seinem Bruder zur Krone mitverholfen hatte, war Zhu Di gegen ihn argwöhnisch und verbannte ihn nach Süden. Wie andere hoch gebildete Männer wurde auch Zhu Quan trotz seiner Abstammung aus der Kaiserfamilie benachteiligt und fühlte sich anderen Literaten eng verbunden. Er interessierte sich für die buddhistische Lehre und suchte auch die Nähe der Taoisten. Nach seiner Verbannung wünschte er sich ein ungestörtes Leben als Einsiedler. Es kam nicht von ungefähr, dass er sich zur Teekultur hingezogen fühlte. Auch er schrieb ein Buch über die Vorzüge des Tees und reformierte schließlich die Teetrinksitten. Seine Bemühungen und die anderer Teekenner führten zur Herausbildung einer den Kulturkreisen der Ming-Dynastie eigenen Teezeremonie. Die Teezeremonie in der Ming-Zeit hatte die folgenden Abläufe: Zuerst wurden Weihrauchstäbchen zur Luftreinigung und zur Kontaktaufnahme zum Himmel angezündet. Sodann stellte man das Teeservice bereit, wobei Zhu Quan ein mit Rotang umwickeltes tiefbauchiges Gefäß, getragen von drei zylindrischen Beinen, ("Ding" genannt) als Teekessel benutzte. Später wurden solche Teekessel auch mit dünnen Bambusstreifen umwickelt. In China war und ist Bambus ein Symbol für Enthaltsamkeit und das Streben nach oben. Nun wurde kochendes Wasser in eine Schüssel mit Teepulver gegossen und mit einem Bambusstäbchen so lange gerührt, bis Tee und Wasser gut miteinander vermischt waren und Schaum bildeten.

Diese Zeit hat mehrere Werke über die Teekultur hervorgebracht. Außer Zhu Quan schrieben auch Gu Yuanqing und Xu Xianzhong Teebücher. Es waren alles Werke, die nach Lu Yus Buch über den Tee Bilanz über die Teekultur in den verschiedenen Dynastien zogen und neue Entwicklungen in der Frühzeit der Ming-Dynastie zusammenfassten.

Auch Maler und Kalligraphen trugen ihren Teil zur Entwicklung der Teekultur in der Ming-Dynastie bei. Bekannt sind die Bilder Teeparty auf dem Huishan-Berg, Lu Yu kocht Tee und Szene beim Teeprobieren von Wen Zhengming sowie Teekochszenen, Die Geigenspieler und Die Teezubereitung von Tang Yin. Diese Bilder zeigen an Quellen oder Flüssen oder in Teepavillons versammelte Freundeskreise. Sie trinken, sich unterhaltend und musikspielend, Tee. Die Botschaft dieser Bilder wurde verstanden: Man wollte trotz der widrigen Zeitläufe Integrität und Charakter bewahren.

In der Spätzeit der Ming-Dynastie hatte die Fortführung der Diskriminierungspolitik den Gelehrten gegenüber zur Folge, dass die Schauplätze der Teerunden von draußen in die Häuser verlagert werden mussten. Die künstlerische Gestaltung der Teezeremonien änderte sich dementsprechend hin zu klein und fein. Zum Beispiel beobachte man mit Hingabe die verschiedenen Muster, die sich bei der Kräuselung der Wasseroberfläche zeigten. "Cha Bai Xi" hieß diese Unterhaltung: "hundert Spielchen des Tees".

Die Teekultur in der Qing-Dynastie schlug Wurzeln im Volk

Das Hauptmerkmal der Teekultur in der Qing-Dynastie (1644 - 1911) war ihre noch engere Verbindung mit dem Alltagsleben der Bevölkerung. So hoch das Ansehen auch in der Geschichte der Teekultur gewesen war, in dem die feine Kunst der Teezeremonie stand, in dieser Form konnte sie kaum Wurzeln im Volk schlagen. Der Aufschwung und die Weiterentwicklung der Teekultur in der Qing-Zeit drückten sich vorwiegend in Eröffnung von Teehäusern in Stadt und Land aus. Die Teehäuser wurden Treffpunkte für Menschen aus allen Schichten. Auch in den Familien fand man Freude an Teetrinken. Teegeschirre reduzierten sich auf Kannen und Schalen. Um der integrierenden Wirkung des Tees Ausdruck zu verleihen, nannte man die Teekanne "Teemutter" und die Schalen "Teekinder", zusammen "Mutter-Kinder-Geschirr". Auch der Vorgang des Tee-Einschenkens wurde personifiziert, indem man den Tee in der Kanne mit der Muttermilch verglich, die das Kind (die Teeschale) ernährt.

Trotz aller Vereinfachung der Teegeschirre, man stellte dennoch hohe Ansprüche an die Qualität der Teekannen und -schalen. Vielerlei Formen und Materialien waren die Folge. Besonders beliebt waren damals Kannen aus purpurroter Boccaro-Keramik, zu denen sich Kannen aus Kupfer, Porzellan, Gold, Silber, Jade und Cloisonné gesellten. Im Zuge des massenhaften Tee-Exports wurden auch Teegeschirre ausgeführt. Und das Sammeln von Teegeschirren wurde zur Mode. Es wurde auch Brauch, dass die Behörden ausländische Gäste mit Tee empfingen. Die Sitte des Teetrinkens fand nicht zuletzt auf diese Weise über China hinaus Verbreitung.

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