Die chinesische Teekultur - Der "Teeheilige" Lu Yu
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Die chinesische Teekultur - Der "Teeheilige" Lu Yu

Tee mit seinen speziellen Wirkungen verkörpert die Einheit von Materie und Geist. Das Teekochen und -trinken wurden in der Tang-Zeit zu einem künstlerischen Prozess erhoben, so dass Teetrinken einen poetischen Charakter annahm. Man sprach vom "Chadao" (Teezeremonie). Der Mann, der den Werdegang der Teekunst und der Teezeremonie als erster beschrieben hat, war Lu Yu. Als "Teeheiliger" hat er ein neues Kapitel der chinesischen Teekultur aufgeschlagen.

Lu Yu wirkte in der Hochblüte der Tang-Zeit - den Regierungsperioden Kaiyuan und Tianbao (713 - 756). In Jingling, Fuzhou (heute der Kreis Tianmen, Provinz Hubei), geboren, wurde er von seinen Eltern ausgesetzt. Der alte Mönch Ji Gong nahm sich seiner an, und so wuchs er im Kloster Longgai auf. Der Mönch liebte das Teetrinken, und in der Umgebung des Klosters wurde viel Tee angebaut. Schon in seiner Kindheit machte sich deshalb Lu Yu mit dem Teeanbau und der Zubereitung von Tee vertraut. Als der Mönch am Kaiserhof Vorträge über den Buddhismus hielt, litt er sehr darunter, dass er dort keinen guten Tee bekam. So holte man Lu Yu, um eigens für ihn Tee zu kochen. Bereits nach einigen Schluck Tee stellte Ji Gong, ohne Lu Yu gesehen zu haben, fest: "Mein Jünger Lu Yu ist gekommen, das ist sein Tee."

Für einen jungen Mann war das Leben im Kloster hart. Außerdem hatte Lu Yu auch nichts mit dem Buddhismus im Sinn, er wollte lieber die konfuzianischen Lehren studieren. Er brach aus dem Kloster aus und wurde von einer Theatergruppe aufgenommen. Dort lernte er das Theaterspielen und schrieb satirische Stücke. Das Schicksal wollte es, dass Lu Yu eines Tages den Gouverneur von Jingling, Li Qiwu, kennen lernte. Der Gouverneur schätzte Lu Yus Talent sehr und ermöglichte es ihm, bei einem alten Konfuzianer auf dem Berg Tianmen außerhalb der Stadt Jingling in die Lehre zu gehen. Leider währte das nicht lange. In Nordchina rebellierte An Lushan gegen den Kaiser, und Kaiser Xuanzong flüchtete von der Hauptstadt Chang´an nach Sichuan. Mit anderen Flüchtlingen gelangte Lu Yu nach Huzhou südlich des Yangtse. Huzhou war damals einer der bekanntesten Teeproduktionsorte. Hier lernte Lu Yu viel über den Teeanbau, das Teepflücken und die Teebearbeitung, und hier lernte er auch bekannte Dichter, Mönche, Kalligraphen und Politiker kennen. Lu Yu diskutierte mit ihnen über die Teetrink- und -kochkunst und über die Teekultur. Schließlich schrieb er sein Cha Jing (Buch über den Tee), das erste Teebuch in China und in der Welt überhaupt.

Lu Yus Buch über den Tee und die Teekultur in der Tang-Dynastie

Das Buch über den Tee ist in zehn Kapitel gegliedert:

Kapitel 1: Bodenbeschaffenheit und Klima für den Teeanbau sowie die Eigenschaften und Wirkungen des Tees;
Kapitel 2: Geräte für die Teebearbeitung
Kapitel 3: Arbeitsgänge der Teebearbeitung;
Kapitel 4: Geräte für das Teekochen und Teegeschirre;
Kapitel 5: Prozess und Technik des Teekochens;
Kapitel 6: Trinkmethoden und deren Bewertungskriterien;
Kapitel 7: Historische Aufzeichnungen über Tee in China
Kapitel 8: Produktionsorte und Tee-Qualitäten
Kapitel 9: Die Teegeschirre bei unterschiedlichen Anlässen;
Kapitel 10: Teebilder, die Kenntnisse über den Tee vermitteln

Das Buch über den Tee ist keine gewöhnliche "Teekunde". Es ist eine gelungene Verbindung von Naturwissenschaft und Sozialkunde. Es betrachtet die Teezubereitung und das Teetrinken als einen künstlerischen Prozess und beschreibt sie von der Trocknung der Blätter und der Wasser- und Geschirrwahl bis zur Kostprobe. Unter "Teekunst" verstehen wir nicht die Technik schlechthin, sondern die ganze Ästhetik und Atmosphäre der mit dem Teetrinken zusammenhängenden Vorgänge. Zum ersten Mal bezog Lu Yu das Denken und den Geist in die Abläufe des Teekochens und -trinkens ein. Nach Lu Yu sollte ein Teeliebhaber gute Tugenden und einen edlen Geist wie der Tee haben. Lu Yu wollte die konfuzianischen Ideen über die "Goldene Mitte" und die Harmonie, das buddhistische Streben nach Wahrheit und die taoistische Philosophie über das Einswerden von Natur und Mensch auf das Teetrinken vereinigt sehen, damit der Mensch durch das Teetrinken eine geistige Bereicherung erlangt.

Lu Yus Ansichten wurden später in der Tang-Zeit weiterentwickelt, als viele Werke über die Teekultur geschrieben wurden. Su Yis Werk Shi Liu Tang Pin (Sechzehn Säfte) bereichert die von Lu Yu geschilderte "Teekunst". Zhang Youxins Werk Jian Cha Shui Ji (Wasser für das Teekochen) gibt eine umfassende Bewertung von Flusswasser, Quellwasser, Teichwasser und Seewasser in ganz China. Liu Zhenliang war ein Eunuch am Tang-Kaiserhof. Auf dem Gebiet der Teekultur besaß er umfangreiche Kenntnisse. Er hat den "Geist des Tees" zusammengefasst und ihm zehn Tugenden zugeschrieben. Allerdings waren alle diese Werke nichts als Ergänzungen zu den Ausführungen von Lu Yu. Es war Lu Yu, der den Grundstein zur chinesischen Teekultur legte. Schon kurz nach seinem Tod wurde er als "Teegott" verehrt.

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