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Die chinesische Teekultur - Die "Unsterblichen" und der Tee

Die älteste Philosophie Chinas ist der Taoismus. Die Taoisten betonen die Harmonie von Mensch, Universum und Natur und treten für das Einswerden von Natur und Mensch ein. Durch Meditieren und körperliches Training, so lehren sie, könne man übermenschliche Fähigkeiten und besondere Intelligenz erlangen. Die Chinesen früherer Zeiten nannten die Taoisten "Unsterbliche", die göttliche Weisheit besäßen und Wunder vollbringen könnten. Später wurde der Buddhismus aus Indien nach China gebracht. Anfangs kannte man die buddhistischen Lehren noch nicht genau. Rein äußerlich war die Verhaltensweise der Buddhisten jener der Taoisten ähnlich, und daher bezeichnete man auch die Buddhisten als "Unsterbliche". Während der Zeit der Südlichen und Nördlichen Dynastien gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Konfuzianern, Taoisten und Buddhisten. Wie unvereinbar die verschiedenen Schulen auch waren, hatten sie doch eins gemein, nämlich den Tee als ihr Lieblingsgetränk. So gibt es in den literarischen Werken aus den Südlichen und Nördlichen Dynastien viele Geschichten über "Unsterbliche" und den Tee.

Eine dieser Geschichten handelt von einer alten Frau, die jeden Tag auf den Markt geht, um Tee zu verkaufen. Von frühmorgens bis abends gießt die Frau Tee in Tassen, doch der Tee in der Kanne wird nicht weniger. Mit dem Verkaufserlös hilft die Frau armen Menschen. Die Behörden wittern Hexerei, und eines Tages wirft man die Frau ins Gefängnis. Doch noch am selben Tag fliegt die Frau dank einer übernatürlichen Kraft samt ihrem Teegeschirr fort aus dem Gefängnis. In der damaligen Vorstellung konnten Unsterbliche und Heilige fliegen, und diese Teefrau war natürlich eine Heilige, eine Unsterbliche.

Überliefert ist, dass der Mönch Fa Yao aus der Zeit der Südlichen Dynastien, der regelmäßig Tee trank, 99 Jahre alt wurde. Es war klar, dass er als Unsterblicher gehalten wurde, da seinerzeit aufgrund der schlechten Lebensbedingungen und der mangelnden medizinischen Versorgung die Lebenserwartung allgemein sehr gering war.

Wie soll man diese Verbindung zwischen Teetrinken und "Unsterblichwerden" erklären? Die traditionelle chinesische Medizin meint, der Mensch schöpfe seine Lebenskraft aus der stetigen Zirkulation der Lebensenergie Qi in den Meridianen (Lebensbahnen), und Tee könne die Meridiane stimulieren. Die Grundelemente der taoistischen und buddhistischen Übungen sind Meditationen, das Sich-Versenken, und die stimulierende Wirkung des Tees hält dabei wach. Daher ist der Tee für solche Praktiken unentbehrlich. So hängt die Wirkung des Tees eng mit den orientalischen philosophischen Anschauungen, den Methoden der Gesundheitspflege und der geistigen Betätigung der Menschen zusammen.

Aus den obigen Ausführungen können wir ersehen, dass der Tee von der Entdeckung und Nutzung als Arzneimittel bis zum Gebrauch als Getränk einen Prozess von 3000 Jahren durchgemacht hat.

Der Anbau der Teesträucher und die Nutzung des Tees als Getränk haben in der Han-Dynastie begonnen. Dank seines Aromas, seiner ruhestiftenden Wirkungen und seines Einflusses auf die geistige Betätigung der Menschen wurde Tee von Gelehrten, Politikern und Mönchen sehr geschätzt. Das Teetrinken hatte von daher immer etwas Kulturelles an sich.

Von einer richtigen Teekultur konnte damals aber noch nicht die Rede sein, weil weder die geistigen Wirkungen des Tees erforscht waren, noch waren die Trinkmethoden verfeinert. Die schriftlichen Überlieferungen über den Gebrauch des Tees in der Han-Zeit und das Teetrinken durch Philosophen und Mönche in den darauffolgenden Dynastien können nur als Keim der chinesischen Teekultur angesehen werden. Erst in der Tang-Dynastie bildete sich eine richtige Teekultur mit all ihren Merkmalen heraus.

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