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Die chinesische Teekultur - Der luxuriöse Lebenstil und die Pflege einer schlichten Lebensführung mit Tee

In der Han-Zeit lebten die Herrscher, so jedenfalls ist es uns überliefert, schlicht und sparsam. Zu Beginn der Westlichen Han-Dynastie benutzte der Kaiser einen Ochsenwagen, Pferdekutschen wurden nur bei besonderen Anlässen gefahren. In der Östlichen Han-Dynastie (25 - 220) war der Staat bereits wohlhabend, trotzdem galt eine schlichte Lebensführung als Ausdruck wahrer Größe. Selbst hohe Beamte übten sich in Sparsamkeit.

Während der Westlichen und Östlichen Jin-Dynastien (265 - 420) und der Südlichen und Nördlichen Dynastien (420 - 589) vollzog sich allerdings ein Wandel. Die Adligen überboten sich an Reichtum und Luxus. Ein Beamter namens He Zeng stand, was den Luxus an Kleidung, Pferdekutschen und Speisen betraf, kaum hinter dem Kaiser. Ein anderer, Shi Chong mit Namen, wechselte nach jedem Toilettengang seine Kleidung. Der um sich greifende Prunk alarmierte vernünftige Beamte. Sie stellten die Losung "Pflege einer schlichten Lebensführung" auf. Dabei spielte auch der Tee eine Rolle.

Wird der Tee personifiziert, so ist er der integere Charakter schlechthin. Die Teesträucher wachsen auf armen Böden und schenken den Menschen Genuss und schöne Blüten. Teesträucher kann man, so meinte man zumindest in der alten Zeit, nicht versetzen, und so wurde dem Tee auch der Charakter der Standhaftigkeit zugeschrieben. Diese edelen Züge des Tees dürften eine Rolle gespielt haben, dass man den Tee den gesellschaftlichen Auswüchsen entgegensetzte.

In der Östlichen Jin-Dynastie lebte Lu Na, ein aufrechter Beamter. Als er Gouverneur wurde, verzichtete er auf sein Gehalt. Aus einer Zeit als Gouverneur in Wuxing erzählt man sich die folgende Begebenheit: Eines Tages meldete der hoch angesehene General Xie An seinen Besuch an. Wie gewöhnlich wollte Lu Na ihn mit Tee und Obst bewirten. Lu Nas Neffe jedoch meinte, einen so hohen Gast wie Xie An müsste man mit großem Aufwand empfangen. Ohne Zustimmung seines Onkels veranlasste er, ein großes Bankett vorzubereiten. Nach dem Verlassen des Gastes machte Lu Na seinem Neffen schwere Vorwürfe: "Du hast, statt mir zu mehr Glanz zu verhelfen, Schmutz auf mich geworfen." Der Neffe bekam eine Prügelstrafe. So etwas sprach sich schnell herum und machten Schule.

Die Sitte des Teetrinkens pflegten auch manche Kaiser der Südlichen und Nördlichen Dynastien. Kaiser Shizu der Südlichen Qi-Dynastie war ein aufgeklärter Monarch. Während der zehn Jahre seiner Herrschaft blieb das Land von Kriegen verschont, die Menschen konnten sich erholen. Aufwendige Reisen liebte der Kaiser nicht. Kurz vor seinem Tode legte er testamentarisch fest: keine prunkvollen Trauerfeierlichkeiten, keine unnötigen Behelligung seiner Untertanen, statt Opfertiere einige Schalen Reis und Obst und eine Tasse Tee. Diese Regelungen sollten auch für die Zukunft Gültigkeit haben. Wie lange dieses Dekret eingehalten wurde, ist nicht bekannt. Doch zumindest hat dieser Kaiser ein Zeichen für die Abkehr von der luxuriösen Lebensweise gesetzt. Die Verwendung von Tee als Opfergabe dürfte wohl in jener Zeit begonnen haben.

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