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Die Geschichte der chinesische Mauer - Besondere Sehenswürdigkeiten und historische Funde

Die große Mauer ist ein unvergleichliches Bauwerk. Wir bewundern an ihr vor allem die architektonische Leistung, doch gibt es auf und in der Nähe der Mauer noch viele besondere Sehenswürdigkeiten. Einige von ihnen sowie verschiedene Funde von geschichtlichem und kulturellem Wert werden in diesem Kapitel vorgestellt.

Im Jahr 1961 hat die chinesische Regierung die Festungen Shanhaiguan, Juyongguan und Jiayuguan sowie den Badaling-Abschnitt der Großen Mauer zu Schwerpunktobjekten des staatlichen Denkmalschutzes erklärt. Und im Jahr 1987 wurde die Große Mauer von der UNO in die Liste "Kulturelles Erbe der Menschheit" aufgenommen.

Die Tafel am Torturm von Shanhaiguan

Der Turm auf dem Osttor der Festung Shanhaiguan trägt eine große Tafel mit der Inschrift "Erster Paß unter dem Himmel". Kalligraphiert wurde diese Inschrift in der Regierungsperiode Chenghua des Kaisers Xianzong (1465-1487) der Ming-Dynastie von einem Gelehrten namens Xiao Xian. Die Schriftzeichen mit ihren zügig und kraftvoll ausgeführten Pinselstrichen sind 1,6 Meter hoch und gelten in ihrer Ausgewogenheit als Musterbeispiel einer vollendeten Kalligraphie. Über ihre Entstehung erzählte man sich folgende Geschichte:

Xiao Xian, dessen Familie in ärmlichen Verhältnissen lebte, wollte in die Hauptstadt reisen, um an der staatlichen Prüfung teilzunehmen, hatte aber kein Reisegeld. Da verkaufte eine gutherzige alte Frau ihren antiken Tuschestein und schenkte ihm zehn Tael Silber.

Xiao Xian überlegte, womit er der alten Frau seine Dankesschuld abstatten könne. Da erfuhr er, dass nach Fertigstellung des Festungstorturms dort eine Tafel mit der Inschrift "Erster Paß unter dem Himmel" angebracht werden sollte. Xiao Xians Schrift war sehr schön, und so beschloß er, die Inschrift zu kalligraphieren und der Frau zu schenken, damit sie später dafür eine Geldprämie bekommen könne.

Xiao Xian schrieb allerdings nicht die erforderlichen fünf, sondern nur vier Schriftzeichen: Tian Xia Di Guan (der Paß unter dem Himmel). Er schenkte sie der alten Frau und sagte ihr, dass eine solche Kalligraphie bald gebraucht werden könnte und sie sie dann anbieten sollte. Weshalb aber hatte Xiao Xian nur vier und nicht fünf Schriftzeichen kalligraphiert? Er fürchtete, dass korrupte Beamte die Frau um die Belohnung bringen und das Geld selbst einstreichen könnten.

Tatsächlich, nach der Vollendung des Festungstorturms gab der Kaiser bekannt, dass für eine Tafel am Turm eine schöne Kalligraphie benötigt wurde. Die Inschrift solle lauten: "Der erste Paß unter dem Himmel". Viele Gelehrte machten sich ans Werk, doch keine der Kalligraphien mochte dem Kaiser gefallen. Da trug die alte Frau die Kalligraphie von Xiao Xian zum Amtsvorsteher, der sie auch sofort dem Kaiser überbrachte. Der Kaiser war voller Bewunderung für die vorzügliche Schrift und fragte sich nur, warum das Schriftzeichen "-" (der erste) fehlte. Der Amtsvorsteher wusste darauf keine Antwort, und weil er die Geldprämie für sich allein haben wollte, hatte er auch nicht nach der Herkunft der alten Frau gefragt. Der Kaiser setzte nun eine Prämie von tausend Tael Silber und hundert Tael Gold für denjenigen aus, der das fehlende Schriftzeichen am schönsten schreibt. Wieder machten sich viele Gelehrte und Künstler ans Werk, doch keines der eingereichten Schriftzeichen passte zu den anderen vier. Entweder war der Strich zu dick oder zu dünn, entweder zu kurz oder zu lang.

Der Amtsvorsteher sah sich gezwungen, überall nach dem Verbleib der alten Frau zu forschen. Als man die Frau endlich gefunden hatte, beeilte sie sich, in die Hauptstadt zu fahren, um dort Xiao Xian aufzusuchen, der mittlerweile die Prüfung bestanden hatte und als hoher Beamter am Kaiserhof tätig war. Xiao Xian bewirtete seinen Gast aufs beste und schrieb das fehlende Schriftzeichen. Die alte Frau aber sollte die Kalligraphie nicht mitnehmen, denn sie vermutete richtig, dass der Amtsvorsteher ihr die Prämie nicht aushändigen würde. Als Xiao Xian die ganze Geschichte erfuhr, berichtete er davon dem Kaiser, der den Amtsvorsteher sofort entließ. Und die alte Frau bekam noch am selben Tag die ausgesetzte Belohnung.

Heute hängt die Tafel mit Xiao Xians Originalkalligraphie "Der erste Paß unter dem Himmel" im Erdgeschoß des östlichen Torturms von Shanhaiguan. Die Tafel, die draußen am Torturm hängt, ist eine Nachbildung vom Jahr 1929, und eine weitere Tafel im ersten Stock ist eine Kopie vom Jahr 1897.

Die Wolkenterrasse (Yuntai) mit eingravierten buddhistischen Lehrsätzen in sechs Sprachen

Die Wolkenterrasse befindet sich innerhalb des südlichen Festungstors von Juyongguan. Sie ist rechteckig und aus weißem Marmor. Früher trug sie drei Pagoden, die jedoch längst verfallen sind. Die erhaltene Terrasse stammt aus der Yuan-Dynastie.

Da die Festung Juyongguan genau auf dem Weg von der Hauptstadt dadu (heute Beijing) nach Shangdu im heutigen Autonomen Gebiet Innere Mongolei lag, wo die Kaiser der Yuan-Dynastie jährlich den Sommer verbrachten, wurden innerhalb der Festung prächtig ausgestattete Bauten errichtet, wo der Kaiser und sein Gefolge Quartier nehmen konnten. Die Terrasse mit den drei Pagoden wurde in den Jahren 1342-1345 erbaut. Später, nachdem die Pagoden verfallen waren, errichtete man in der Ming-Zeit auf der Terrasse eine Buddhahalle, die jedoch im Jahr 1702 niederbrannte.

Die Plattform der Wolkenterrasse mit einer Fläche von 25,81 x 12,9 Metern ist von einer Balustrade aus weißem Stein eingefasst und hat mit Drachenköpfen verzierte Abflussrohre. Das Tor in der Mitte mit seinem achteckigen Rahmen hat den typischen Baustil der Yuan- und der Song-Dynastie. Bauten dieser Art existieren nur noch sehr wenige.

Innerhalb des Torbogens befinden sich auf beiden Seiten eingemeißelte buddhistische Figuren wie die Vier Himmelshüter und andere Ornamente. Zwischen den Himmelshütern sieht man eingravierte buddhistische Lehrsätze in Sanskrit, Tibetisch, Mongolisch, Uigurisch, Xixia (Schrift des Staates Xia, der zur Zeit der Song-Dynastie existierte) und Chinesisch. Außerdem ist die Inschrift "Zaota Gongde Ji" eingemeißelt (zu Ehren des verdienstvollen Tempel-Erbauers), die über die Bauzeit, den Verlauf des Pagodenbaus und die Form der Pagoden informiert. Die verschiedenen Schriftarten der eingravierten Sutren beweisen, dass bereits zur Zeit der Yuan-Dynastie zwischen den einzelnen Nationalitäten auf dem Territorium des heutigen China ein kultureller Austausch stattgefunden hat.

Grenzstein und Gedenktafel

Gebaut, verteidigt und instandgehalten wurde die Große Mauer durch militärische Verwaltungsbezirke, Zhen genannt. Zur Ming-Zeit gab es anfangs neun und später elf solche Verwaltungsbezirke. Die Zhen waren aufgeteilt in mehrere Lu, die gewöhnlich von einem Festungskommandanten befehligt wurden. Und den Lu wiederum unterstanden Befestigungsanlagen wie Wei, Guan und Bao sowie Ditai (Kampftürme) und Yandun (Alarmfeueranlagen).

500 Meter außerhalb des westlichen Festungstors von Badaling steht eine 1,5 Meter hohe Steintafel, die einst als Grenzstein zwischen zwei Guan fungierte. Darauf ist vermerkt, das Tal Changyuhe die Grenze zwischen Badaling im Osten und Chadaocheng im Westen darstellt. Aus einer weiteren Inschrift geht hervor, dass der Stein im Jahr 1431 aufgestellt wurde.

Auf dem Berggipfel in der Nähe von Badaling, wo sich der Shifo (Steinbuddha)-Tempel befand, steht eine weitere Steintafel mit einer Inschrift über den Bau der Großen Mauer. Sie informiert darüber, welche Grenztruppen und andere Arbeitskräfte dort mitgearbeitet haben: "Im 10. Jahr der Regierungsperiode Wanli der Ming-Dynastie haben Tausende von Offizieren und Soldaten sowie Arbeiter unter Leitung von Lu Wenyuan, dem Kommandanten der Garnison von Shandong, Liu Youben und Zong Jiguang, den Kommandanten von Jinan-Wie, Liu Guangqian, dem Kommandanten von Qingzhou-Zuowei, und Zhang Tingyin, dem Kommandanten von Feicheng-Wie, eine 200 Meter lange Mauer und ein Bogentor aus Stein in der Nähe des Shifo-Tempels gebaut."

Wiewohl für den Bau und die Instandhaltung der Großen Mauer verschiedene Verwaltungsbezirke zuständig waren, setzte die Regierung für den Bau wichtiger Mauerabschnitte also auch Arbeitskräfte aus anderen Landesteilen ein - im Fall des Mauerabschnitts beim Shifo-Tempel Offiziere und Soldaten aus Shandong.

Auf der Gedenktafel beim Shifo-Tempel sind sogar die Namen der Steinmetze und Ziegelbrenner erwähnt: Zhao Chongshan, Liu Yanzhi, Song Dian, Bian Yingchun, Zhao Guanghuan usw.

Passagierscheine für die Große Mauer

Die Große Mauer wurde streng bewacht, und wenn man das Tor einer Festung passieren wollte, musste man einen Ausweis der Regierung haben. Solche Passagierscheine hießen in der Tang-Zeit Guosuo und in der Qing-Dynastie Guanzhao. Im Xinjiang-Museum in Ürümqi sind Passagierscheine aus der Tang-Dynastie zu sehen. Man fand sie in Grabanlagen aus der Tang-Zeit in Turpan.

Bei der Beantragung eines Guosuo musste man seine Stellung, das Reiseziel, die auf dem Weg zu passierenden Orte sowie die Zahl der mitgenommenen Sklaven und Tiere angeben. Das alles musste von der zuständigen Gemeinde überprüft und bestätigt und dann den übergeordneten Instanzen vorgelegt werden.

Einer der im Xinjiang-Museum ausgestellten Guosuo gehörte dem Händler Shi Randian aus Xizhou, dem heutigen Turpan. Er wollte nach Guazhou, heute Kreis Anxi in der Provinz Gansu. Guazhou war ein kontrolliertes Gebiet innerhalb der Großen Mauer. Auf dem Guosuo stehen Unterschriften und Vermerke von Beamten des Bezirks und Kreises. Vermerkt sind die militärischen Stützpunkte und Ortschaften, die Shi Randian auf seinem Weg passieren musste, sowie die jeweiligen Daten. Deutlich zu erkennen sind die Unterschrift und der Stempel von Zhang Bin, damals Bezirksgouverneur von Yizhou (heute Hami), sowie sein Vermerk "Einverstanden".

Im Jiuquan-Kulturhaus, Provinz Gansu, ist ein Guanzhao aus der Regierungsperiode des Kaisers Kangxi (1662-1722) der Qing-Dynastie ausgestellt. Dieser Ausweis aus Holz ist etwa 20 Zentimeter lang, 12 Zentimeter breit und zwei Zentimeter dick. Darauf steht:
Die Verwaltung von Jiayuguan bestätigt hiermit, dass der Kutscher... dienstlich einen Wagen mit Nahrungsmitteln von der Festung Jiayuguan nach Liugou befördert. Sollte dieser Ausweis von anderen Personen missbraucht oder zum Einschmuggeln von unberechtigten Mitfahrern, Flüchtlingen usw. benutzt werden, so wird dies streng bestraft.

Ausgestellt, am... Tag, im... Monat des 56. Regierungsjahres Kangxi. Das 56. Regierungsjahr Kangxi war das Jahr 1717. Liugou befindet sich gut 150 Kilometer westlich der Festung Jiayuguan auf dem Hauptverkehrsweg nach Qinghai und Tibet im Süden. Daraus ist zu ersehen, wie streng seinerzeit im Westen Chinas der Verkehr im Bereich der Großen Mauer kontrolliert wurde.

Schrifttäfelchen aus der Han-Dynastie

Im Jahr 1930 fand man im Bezirk Ejin im Autonomen Gebiet Innere Mongolei über 5000 hölzerne Schrifttäfelchen aus der Han-Dynastie. Freigelegt wurden im Jahr 1974 weitere 3434 Schrifttäfelchen, und später fand man bei der Ruine eines Alarmfeuerturms in Dunhuang, Provinz Gansu, ebenfalls viele solche Täfelchen aus der Han-Dynastie. Sie sind wertvolle Materialien für die Erforschung der Geschichte der Großen Mauer und der Struktur und Ausstattung der Alarmfeuertürme sowie des Lebens der Offiziere und Soldaten, die dort ihren Dienst verrichteten.

Das trockene Klima in jenen Gebieten hatte die Holztäfelchen auf beste bewahrt, so dass die Inschriften noch sehr deutlich zu lesen sind. Die Aufzeichnungen betreffen vielfältige Themen. Hier seien einige Inschriften erwähnt, die sich auf Alarmfeuertürme beziehen.

Auf einem der Täfelchen steht: "Der Alarmfeuerturm ist etwa 13 Meter hoch und über 5 Meter breit." Auf einem anderen ist zu lesen: ""Der Alarmfeuerturm ist knapp 5 Meter breit und etwa 16 Meter hoch." Wie ersehen daraus, dass die Alarmfeuertürme durchaus von unterschiedlicher Größe waren.

Auch über die Anzahl der Soldaten und die täglichen Aufgaben werden wir durch die Täfelchen informiert. Auf einem steht, dass ein bestimmter Alarmfeuerturm von vier Soldaten besetzt war. Jeweils einer hatte Wachdienst, einer hatte die Aufgabe, den Turm instand zu halten, die anderen zwei mussten Brennholz sammeln. Auf einem anderen Täfelchen liest man: "Dem Alarmfeuerturm sind 10 Mann zugeteilt, einer für den Wachdienst, einer als Koch und für die Rinder und Pferde, die anderen sind verantwortlich dafür, Holz und Gras zu sammeln und den Turm instand zu halten."

Über die Ausstattung der Alarmfeuertürme wissen wir dank der Schrifttäfelchen genau Bescheid. So lautet eine der Inschriften: "Der Feuerturm verfügt über zwei lange Stangen, drei Planen, 40 Lanzen, 3 große Reisighaufen und Steine." In einem anderen Alarmfeuerturm gab es "zwei Hunderäume, zwei lange Schlegel, Bogen, Armbrüste, Pfeile, Steine und Brennholz."

Bezüglich des Wachdienstes und der Alarmsignale gab es klare Anweisungen, gleichfalls schriftlich fixiert auf den Holztäfelchen. Sie entsprechen exakt den Aufzeichnungen in alten Dokumenten. Ferner geht aus den Texten auf den Täfelchen hervor, dass die Mannschaften auf den Alarmfeuertürmen zu strengster Disziplin angehalten waren. Jede Nachlässigkeit wurde bestraft.

Wandmalereien in einem Grab der Han-Dynastie

Im Jahr 1971 entdeckten Archäologen 40 kilometer südöstlich der Kreisstadt Horinger im Autonomen Gebiet Innere Mongolei ein Grab aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220). Die aus Ziegeln erbaute Grabkammer hat eine Länge von 19,85 Metern. Zur Grabanlage gehören ferner ein unterirdischer Gang sowie Räume vor, hinter und neben der eigentlichen Grabkammer. Ausgeschmückt ist das Grab mit über 50 farbigen Wandmalereien, die Stationen aus dem Leben des Verstorbenen schildern, aber auch das imposante Aussehen der Großen Mauer zur Zeit der Han-Dynastie zeigen und Szenen der friedlichen Gemeinschaft vieler Nationalitäten längs der Großen Mauer beinhalten.

Aus den Bildern zu schließen war der Verstorbene ein kaiserlicher Beamter, zuständig für die Angelegenheiten der nationalen Minderheiten Wuhuan und Xianbei, die längs der Großen Mauer lebten. Sein Amtssitz befand sich in Ningcheng, dem heutigen Kreis Wanquan in der Provinz Hebei. Auf dem Weg von der Hauptstadt zu seiner Wirkungsstätte unweit des heutigen Gebiets Innere Mongolei hatte er, wie eines der Bilder zeigt, auch der Festung Juyongguan einen Besuch abgestattet. Innerhalb und außerhalb der Festung herrschte ein lebhaftes Treiben. Fuhrwerke und Fußgänger sind abgebildet, und auf dem Bild sind die Schriftzeichen Juyongguan zu lesen. Die Darstellung einer Festung der Großen Mauer in einer Grabkammer ist höchst selten. Nach seiner Ankunft in Ningcheng lud der Beamte zu einem Bankett ein, auf dem mit verschiedenen Darbietungen für Kurzweil gesorgt wurde. Die Gäste waren Angehörige der Wuhuan, Xianbei und Xiongnu (Hunnen), wie die jeweils typische Kleidung dieser Nationalitäten zeigt. Sie schienen das Zusammensein mit dem Beamten aus der Hauptstadt zu genießen. Die Wandmalerei jedenfalls zeigt ein Bild der Freundschaft und Geschlossenheit der Vertreter der einzelnen Nationalitäten.

Mit einfachen und kräftigen Strichen hat der Maler auch in den anderen Bildern Szenen voller Leben dargestellt.

Ziegel mit Schriftzeichen

Der Abschnitt der Großen Mauer von Shanhaiguan bis zur Passfestung Juyongguan ist etwa 1000 Kilometer lang. Das Fundament besteht hier meist aus großen Steinquadern, die Wände wurden mit grauen Ziegeln ummauert.

Die für den Bau der Großen Mauer verwendeten Ziegel sind sehr unterschiedlich. Manche sind 60 Zentimeter lang, 24 Zentimeter breit und 12 Zentimeter dick und wiegen 25 Kilogramm, manche haben eine Länge von 44 Zentimetern, eine Breite von 21 Zentimetern, eine Dicke von 16 Zentimetern und ein Gewicht von 21 Kilogramm. Es gibt auch Ziegel mit einer Länge von 45 Zentimetern, einer Breite von 22 Zentimetern, einer Dicke von 10 Zentimetern und einem Gewicht von 15 Kilogramm, und wieder andere sind 37 Zentimeter lang, 18 Zentimeter breit und 10 Zentimeter dick und wiegen 10 Kilogramm.

Die Qualitätsanforderungen waren außerordentlich hoch, und so wurden in viele Ziegel beim Formen Schriftzeichen eingeprägt, die die Herstellungseinheit und das Herstellungsdatum zeigen, so dass man wusste, wer verantwortlich war, wenn die Qualität nicht der festgesetzten Norm entsprach. Mit Schriftzeichen versehene Ziegel kann man noch an zahlreichen Orten auf der Mauer finden.

Außerhalb des östlichen Tors der Passfestung Shanhaiguan befindet sich die sog. Östliche Vorstadt. Auf den großen grauen Ziegeln dieser Mauer stehen deutliche Schriftzeichen in Kanzleischrift bzw. Normalschrift: "Hergestellt von der Garnison Dezhou im 12. Regierungsjahr Wanli der Ming-Dynastie"; oder: "Hergestellt im 12. Regierungsjahr Wanli von der Kampfwagen-Garnison Jianchang". Andere Garnisonen, in denen Ziegel für die Große Mauer gebrannt wurden, hießen laut den Inschriften Zhending, Luanzhou, Lulong, Qian´an, Funing, Leting und Yanhe. Das 12. Regierungsjahr Wanli war das Jahr 1584, und die erwähnten Garnisonen befanden sich in Shandong und Hebei, wobei die meisten Herstellungsorte in der Nähe von Shanhaiguan lagen.

Im Simatai wurde ein 500 Meter langer Mauerabschnitt mit beschrifteten Ziegeln gebaut. Die Inschriften lauten z.B. "Hergestellt bei der Militäreinheit Gubeikou"; "Hergestellt von Militäreinheit Qiangzilu"; "Im 6. Regierungsjahr Wanli von der rechten Garnison Zhenwu hergestellt"; "Im 6. Regierungsjahr Wanli von der Garnison der Infanterietruppe zur Niederschlagung der Barbaren hergestellt"; "Im 4. Regierungsjahr Wanli von der Garnison der Kavallerietruppe zur Niederschlagung der Barbaren hergestellt" usw.

Die Kampfwagen-Garnison und die Infanterie-Garnison waren Truppeneinheiten, die von General QiJiguang in Jizhou gegründet wurden. Und Gubeikou und Qiangzilu waren wichtige Stellen der Großen Mauer nördlich von Beijing. Die Schriftzeichen auf den Ziegeln zeigen, dass während der Ming-Dynastie vor allem Streitkräfte für den Bau der Großen Mauer eingesetzt wurden.

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