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Chinesische Kultur - Die führende Rolle des Konfuzianismus

Mehr als 2000 Jahren nahm die konfuzianische Philosophie mit ihren Moralbegriffen in den Köpfen der Chinesen eine dominierende Stellung ein. Sie hat über lange Zeit ihr Leben und Denken bestimmt. Es gibt keine politische Lehre und keine Religion, die die konfuzianische Lehre hätte besiegen können. Seit alters her spielen Religionen im Denken der Chinesen keine alles dominierende Rolle. Daher ist es in China unmöglich, durch eine Religion die Gedanken der Menschen ganz und gar zu kontrollieren.

Bemalte Statuen von Schakjamuni und zwei seiner Schüler aus der Zeit der Fünf Dynastien im Zhengguo-Tempel im Kreis Pingyao, Shanxi

Die konfuzianische Lebensanschauung steht der Gesellschaft und ihren Problemen mit einer rationalen Einstellung gegenüber. Es ist ein Charakteristikum der chinesischen Kultur, auf Religionen eher gleichmütig zu reagieren. In Europa hatte der Katholizismus in der Zeit vom 4. bis zum 14. Jahrhundert eine dominante Position. Zwischen den Vertretern der weltichen und der geistlichen Macht kam es häufig zu prinzipiellen Differenzen. Die Religion bestimmte das Gesetz, die Politik, Philosophie und Ethik. Später kam es sogar zu Religionskriegen. In China gab und gibt es keine Religion, die sich über die Macht des Kaiserhofs und die Staatsmacht stellte bzw. stellt. Es gibt keinen Papst und kein System, die Staatspolitik gemäß göttlichen Gesetzen festzulegen. Ab den Südlichen und Nördlichen Dynastien gab es eine zentrale Sonderorganisation, die für religiöse Angelegenheiten zuständig war. Die Herrscher förderten zwar mal die eine oder die andere Religion, blieben aber unparteiisch, wenn es um Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Glaubensvorstellungen ging, und spielten manchmal sogar die Rolle des Vermittlers.

Die Förderung des Buddhismus brachte den Klöstern großen Reichtum und sehr viel Grund und Boden. Viele Mönche und Nonnen gingen daher keiner Arbeit nach, was den Herrschern missfiel. Während der Tang-Dynastie und den Dynastien vor ihr wurde das Eigentum der Klöster dreimal konfisziert, und die Mönche und Nonnen wurden ins weltliche Leben zurückgeschickt. Doch dies dauerte nie lange. In der chinesischen Geschichte gab es keine länger währenden religiösen Auseinandersetzungen.
Der Konfuzianismus richtete sein Augenmerk auf die aktuelle Politik und ein moralisches Leben im Diesseits. Er strebte nicht nach dem Glück im Jenseits, weshalb man sagt, dass es ihm an einer religiösen Vision mangele. Während der Sui- und der Tang-Dynastie erlebten der Buddhismus und der Taoismus ihre Blütezeit. In beiden Religionen geht es um die Loslösung von irdischen Bindungen, so dass der Konfuzianismus in Bezug auf die gesellschaftlichen Aspekte des Lebens nach wie vor eine dominierende Stellung einnahm. Daran änderte auch die Tatsache, dass der Neo-Konfuzianismus während der Song- und der Ming-Dynastie einige Ideen des Buddhismus und Taoismus in sich aufnahm, nichts.

Im Mittelpunkt der buddhistischen Lehre steht die Rettung der Seele des einzelnen Menschen. Den familiären Grundpflichten trug er keinerlei Rechnung, was ihn in Widerspruch zu den traditionellen Vorstellungen der Chinesen setzte. In einem China, in dem die Herrschaft des patriarchalischen Sippensystems und eine feudale Monarchie die Grundfesten der Gesellschaft waren, konnte eine Einstellung, wonach dem Herrscher keine Verehrung gebühre und man sich den Älteren gegenüber nicht pietätvoll zu verhalten brauche, nicht recht Fuß fassen. Infolgedessen änderte auch der Buddhismus seine Ansicht und näherte sich der konfuzianischen Lehre an, indem er offen erklärte, dass man dem Herrscher treu zu sein habe und die Macht des Kaiserhofs verteidigen müsse. Darüber hinaus wies der Buddhismus seine Anhänger an, Eltern und Ahnen zu verehren.

In der chinesischen Geschichte gab es Debatten zwischen der konfuzianischen Lehre und dem Buddhismus und zwischen Buddhismus und Taoismus. Im Brennpunkt der Debatte zwischen Buddhismus und Taoismus. Im Brennpunkt der Debatte zwischen der konfuzianischen Lehre und dem Buddhismus stand der legitime Status des letzteren. Streitpunkt zwischen Buddhismus und Taoismus war hingegen, wessen Doktrinen die richtigen und die falschen seien, wobei es selbstverständlich darum ging, mehr Anhänger für den einen oder anderen zu gewinnen.

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