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Chinesische Kultur - Glückverheißende Dinge und Tiere

Wie andere Völker der Welt hat auch die chinesische Nation ein starkes Verlangen nach einem langen, glücklichen Leben. Daher gibt es in China viele glückverheißende Sprüche, Zahlen, Daten und Tiere.

Unter den glückbringenden Tieren ist der Drache das wichtigste. In Europa wird der Drache als eine Missgeburt mit mehreren Köpfen beschrieben, die das Böse vertritt. Doch in China wird der Drache als der älteste in der Heerschar der Geister betrachtet. Der Überlieferung nach hat sich der Drache aus einem Totem entwickelt. Er besitzt die Merkmale mehrerer Tiere - das Geweih vom Hirsch, den Kopf vom Pferd, die Augen vom Hasen, den Hals der Schlange, den Bauch einer Muschel, die Krallen vom Adler, die Fußsohlen vom Tiger, die Ohren von der Maus und Fischschuppen. Der Sage nach kann ein Drache tief in die Erde eindringen. Er kann sich auch in den Himmel emporschwingen, wo er die Wolken durchschüttelt und es regnen lässt. Es gab viele Drachentempel, wo der Drache verehrt wurde, dass er für günstiges Wetter für die Bauern und ein sorgenfreies Leben sorge. Von der Han-Dynastie an wurde der Drache zum Symbol der Person des Kaisers und seiner Macht. Die Kaiser verschiedener Dynastien waren überzeugt davon, ein Inkarnation des Drachen zu sein oder unter seinem Schutz stehen. Damit verschafften sie sich Autorität und legitimierten ihre Herrschaft. Alles, was auch im entferntesten mit dem Kaiser zu tun hatte, trug die Gestalt oder das Muster des Drachen. Niemand sonst durfte ein Drachengewand tragen und einen Drachenstuhl benutzen. Aber als glückverheißender Tier ist der Drache seit alters her in vielen Sagen tief im Volk verwurzelt. Infolgedessen finden sich Drachenmuster und -skulpturen als Schmuck in der Architektur, in vielen kunsthandwerklichen Produkten und in der Malerei. Das Motiv des Drachen ist in viele Märchen eingegangen, und Drachenlaternentanz und Drachenbootrennen war früher große Volksfeste. Heute hat der Drache seine mysteriöse Färbung und seine politische Bedeutung verloren. Aber er ist das Symbol der chinesischen Nation. Daher nennen sich die Chinesen "Kinder des Drachen".

Der Volkssage nach ist der Phönix der König der Vögel. Man kann den Phönix mit dem Drachen vergleichen. Auch er vereint die Merkmale mehrerer Vögel in sich. Er nistet nur auf der platanenblättrigen Sterkulie (Firmiana simplex), trinkt nur Quellwasser und frisst nur Blätter vom Bambus. In ihm verkörpert sich die Schönheit aller Vögel. Die Ankunft des Phönixes bedeutet den Beginn einer Friedenperiode unter dem Himmel. In alter Zeit waren Phönix und Drache ein Symbol für die Macht des Kaisers. Während der Ming- und der Qing-Dynastie übernahm der Phönix dann eine weibliche Rolle. So gab es eine Phönixkrone (Kaiserinnenkrone) und im Volk eine Phönixkappe, der Kopfputz einer Braut in Form eines Phönixes. Während der Ming-Dynastie hatten die Ehefrauen von Beamten der neunten Rangstufe und aufwärts die Phönixkrone zu tragen.

Vor alten Palästen, kaiserlichen Gärten und Mausoleen ist oft ein mythologisches Tier aus Bronze oder Stein zu sehen. Dieses Tier wird Qinlin genannt und verheißt ein gutes Omen. Es hat einen Hirschkörper, einen Drachenkopf, einen Ochsenschwanz, einen Hirschgeweih, die Hufe eines Ochsen und Schuppen. In den Legenden ist das Qilin ein gutherziges Tier. Es erschien nur, wenn unter dem Himmel Frieden herrschte, Regierungsverordnungen unbehindert durchgeführt wurden und das Volk ein ruhiges Leben führte. Dieses Tier gefiel Kaisern und Königen am besten. Man betete im Volk zu Qilin um Kindersegen. Deshalb sieht man auf Neujahrsbildern oft die Szene "Qilin begleitet Kinder". Außerdem ist es als Muster oder kleine Skulptur bei Hochzeits- und Geburtstagfeiern zu finden.

Glasierte Drachen aus Stein im kaiserlichen Garten der Qing-Dynastie

Die Schildkröte hat eine lange Lebenserwartung und verfügt deshalb, so glaubte man, über reiche Lebenserfahrungen. Der Sage nach kann sie sich an die Vergangenheit erinnern und das Zukunftsgeschehen voraussehen. Daher sagte man in alter Zeit mit Hilfe von Schildkrötenpanzern wahr. Das Goldsiegel der Han-Kaiser hat einen Schildkröten-Griff. Während der Tang-Dynastie mussten alle Beamten der Rangstufe fünf und aufwärts eine Schildkröten-Tasche tragen. Später erschien die Schildkröte innerhalb von Tempeln. Meistens trägt sie dort eine Gedenktafel, wie die Schildkröte im Pavillon gleich hinter dem Haupttor Dagongmen (Großes Palasttor) der 13 Ming-Gräber bei Beijing.

Vor den Eingängen der Paläste, Tempel und Klöster, Wohnhöfe der Beamten und Mausoleen standen oder stehen aus Bronze gegossene Löwen oder Löwen aus Marmor. Der Löwe ist ein Raubtier. Der Volkssage nach kann er Teufel vertreiben und Revolten niederschlagen. Vor Kaiserpalästen, kaiserlichen Residenzen und Residenzen hoher Beamten symbolisierte ein Löwenpaar auch Macht und Würde, welche auf keinen Fall beschädigt werden durften. Der Löwentanz, eine artistische Darbietung, sorgt für fröhliche Feststimmung.

In China gilt der Tiger, viel mehr als der Löwe, als der "König der Tiere". Er ist Symbol für Kraft und Gesundheit. Im Volk wird er als Glücksbringer angesehen. In alter Zeit zogen die Eltern ihren Kindern mit Tigermustern bestickte Mützen und Schuhe an. Das sollte ihnen Glück und Gesundheit bescheren. In Zentralchina gehörte zur Mitgift der Braut ein Paar aus Teig geformte Tiger, was bedeutete, dass sie nach der Heirat Kinder gebären würde, die so tapfer und kraftvoll wie Tiger sind.

Der Rotkronenkranich ist das Symbol für Langlebigkeit. In einigen Legenden wird geschildert, wie die Unsterblichen in Begleitung von Kranichen über den Wolken schweben und durch die Nebel fliegen. Die Volksmaler nahmen sich immer wieder des Motivs "Kiefer und Kranich" an, das für ein glückliches und langes Leben steht. In den Palästen und anderen kaiserlichen Anlagen sind häufig Kraniche, Schildkröten und Hirsche zu sehen. Sie alle symbolisieren ein gutes Omen. So steht auch rechts und links vom Thron in der Halle Taihedian (Halle der Höchsten Harmonie) des Kaiserpalastes in Beijing je ein Bronzekranich.

Vergoldeter Löwe im Kaiserpalast in Beijing

Die weibliche und die männliche Mandarinente schwimmen immer zusammen im Wasser und fliegen stets Seite an Seite. Beim Schlafen kreuzen sich ihre Hälse. Stirbt einer der Partner, sucht der Verbleibende sich keinen neuen. Deshalb ist ein Mandarinentenpärchen in China das Symbol ehelicher Treue. Als glückbringendes Muster erscheint die Mandarinente oft auf Bettdecken und Kopfkissen sowie an Möbeln und Schmucksachen von Neuvermählten.

Die Aussprache der beiden Wörter "Fisch" und "Überschuss" ist im Chinesischen gleich. Infolgedessen wurde der Fisch zum Symbol des Reichtums. Beim Silvesteressen fast jeder Familie gibt es daher ein Karpfengericht, auf dass das neue Jahr Überschuss bringe. Da ein weiblicher Fisch viele Eier enthält, wurde Neuvermählten nicht selten ein Paar Jadefische als Hochzeitsgeschenk gemacht. Damit wünschte man ihnen viele Kinder und Glück.

Die Volkssage "Die Karpfen springen durch das Drachentor" schildert folgende Geschichte: Im März jedes Jahres schwimmen alle Karpfen des Flusses Huanghe (Gelber Fluß) stromaufwärts. Am "Drachentor" ist der Flusslauf schmal und die Strömung reißend. Es gibt nur wenige Karpfen, die das Drachentor überspringen können. Die, denen es gelingt, werden zu Drachen. In der Zeit, in der das kaiserliche Prüfungssystem durchgeführt wurde, war diese Geschichte ein Symbol des Glanzes von Reichtum und Ruhm. In jenen Jahren konnten die Intellektuellen, insbesondere jene Intellektuelle aus armen Familien, in hohe Ämter aufsteigen und reich werden, vorausgesetzt sie bestanden die kaiserlichen Examen.

Positive menschliche Eigenschaften in China werden häufig mit bestimmten Blumen und Bäumen verglichen. So wird für den standhaften Charakter oft das Bilder der immergrünen Kiefer oder der Zypresse gewählt. Beide Bäume werden als die Senioren unter den Bäumen betrachtet. In alter Zeit wurden sie auf kaiserlichen Gräbern und Gräbern von hohen Beamten oder in kaiserlichen Gärten angepflanzt. Anständiges Benehmen, ein aufrechter Charakter und eine edle Gesinnung wird mit der Winterblume (Chimonaunthus praecox), der Orchidee, der Chrysantheme und dem Bambus, die als die "vier Edlen" gelten, verglichen. In alter Zeit wurden diese vier Pflanzen von Dichtern besungen und von den Malern immer wieder zu Papier gebracht. Die prächtige Päonie gilt in China als die "Königin der Blumen". Sie symbolisiert Reichtum und Ruhm.

Der Granatapfel hat viele Samen und wird deswegen als glückverheißende Frucht angesehen. Er fehlt deshalb bei keiner Hochzeitsfeier. Der Allheilpfirsichbaum, der in einem chinesischen Mythos vorkommt, blüht und trägt Früchte nur alle dreitausend Jahre. Man sagt, dass man, wenn es einem gelingt, einen Allheilpfirsich zu essen, niemals altert. Ein Allheilpfirsich aus Weizen- oder Reismehl darf deshalb bei keinem Geburtstagsglückwunsch fehlen. Es gibt Darstellungen und Skulpturen vom Gott des langen Lebens, der Fee oder dem Wunderkund, die einen Allheilpfirsich mit beiden Händen tragen.

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(Worte, die häufiger genannt wurden, werden größer geschrieben als jene, die seltener genannt wurden.)



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