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Chinesische Kultur - Die GedichteDie Literatur und Kunst verkörpern den Geist einer Nation. Die chinesische Literatur und Kunst haben eine 3000-jährige Entwicklungsgeschichte. Ungeachtet der Dynastienwechsel entwickelten sie sich ständig weiter. Fast in jeder Dynastie gab es eine repräsentative Literatur- und Kunstform, wie z.B. die Gedichte der Tang-Dynastie, das Ci der Song-Dynastie (eine Dichtung nach vorgegebenen Melodien und mit ungleichmäßigen Verszeilen), das Qu der Yuan-Dynastie (eine Art von liedhaften Gedichten mit unregelmäßig gereimten Versen) sowie die Romane der Ming- und der Qing-Dynastie. Das Gedicht ist eine Literaturform, die in China am frühesten auftrat. Das Buch der Lieder war die erste Sammlung chinesischer Gedichte. Seine Gedichte stammen aus der Zeit vor und nach der Westlichen Zhou-Dynastie und der Frühlings- und Herbstperiode im 11. Jahrhundert bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. Das Buch der Lieder besteht aus drei Teilen. Der erste Teil, Lieder der Staaten, umfasst 160 Volkslieder der 15 Fürstentümer des Staates Zhou. Der zweite Teil besteht aus den Großen Liedern und Kleinen Liedern, insgesamt 105 Gedichte und Elogen sowie religiöse Loblieder. Der dritte Teil hat 40 Gedichte. Bald danach, um die Mitte der Zeit der Streitenden Reiche, kam im Staat Chu eine neue Gedichtform auf. Es erschienen die Lieder von Chu, eine Sammlung von Gedichten und Liedern im Dialekt dieses Staates mit starkem Regionalcharakter und in einem besonderen Stil. Qu Yuan (ca. 340 - 278 v. Chr.) war der berühmteste Vertreter dieser Literaturform. Er stammte aus dem Staat Chu zur Zeit der Streitenden Reiche und war der erste große Dichter der chinesischen Literaturgeschichte. Als Sohn einer aristokratischen Familie genoß er eine gute Ausbildung und entwickelte bald weitreichende politische Ambitionen. Schon als junger Mann wurde der Minister des Staates Chu. Er setzte sich für die Ernennung tugendhafter und fähiger Männer als Beamte und für die Ausarbeitung von Gesetzen zur Stärkung des Staates ein. In der Außenpolitik erschien ihm ein Militärbündnis mit dem Staat Qi gegen den Staat Qin wichtig zu sein. Der König jedoch misstraute ihm bald und verbannte ihn aus der Hauptstadt. Kurz darauf wurde der Staat Chu infolge von Korruption und Unfähigkeit sowie mehreren militärischen Niederlagen immer schwächer. Qu Yuan hoffte vergeblich, das Vertrauen des Königs und eine Position der Verantwortung wiederzugewinnen. Als er sein Leid und seinen Ärger in Gedichtform zu Papier brachte, entstand das hervorragende Werk Li Sao. Der Titel bedeutet soviel wie "Kummer und Leid". Li Sao und Lieder der Staaten sind glänzende Werke der realistischen und romantischen Literatur Chinas.
Illustration zum Theaterstück "Das Westzimmer". Dargestellt ist, wie die Hauptfigur Cui Yingying den Brief ihres Geliebten liest. Die Tang-Dynastie war eine Blütezeit in der Entwicklungsgeschichte der
Poesie Chinas. Damals wurden überall am Kaiserhof, in den Residenzen
hoher Beamten sowie in Teehäusern, Geschäften, Freudenhäusern und auf
den Märkten Gedichte rezitiert. "Dichter
treten in großer Zahl hervor, und die Gedichte sind so zahlreich wie
Bäume in den Wäldern", so beschrieb man das Aufblühen der Dichtkunst in dieser Dynastie. In den Kaiserlichen
Examen wurde ein Bewerber, selbst wenn er bei den klassischen Werken
keine gute Leistung erbrachte, aber bei der Abfassung von Gedichten
Talent bewies, gewöhnlich aufgenommen. Die Gesamte Sammlung von Tang-Gedichten
(Anthologie "Quan Tang Shi"), Anfang der Qing-Dynastie herausgegeben, umfasst rund 49000 Gedichte von mehr
als 2800 Dichtern, von denen Li Bai und Du Fu am bekanntesten sind.
Li Bai (701 - 762) gilt als ein Meister der Romantik, während Du Fu
(712 - 770) Maßstäbe als Dichter des Realismus setzte. Die Song-Ci-Verfasser können in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die Werke der einen zeichnen sich durch ihre Vitalität aus, die der anderen durch ihre Grazie. Die Hauptvertreter der ersten Gruppe waren Su Shi aus der Nördlichen Song- und Xin Qiji aus der Südlichen Song-Dynastie. Sie wurden als "Ci-Dichter der Unerschrockenheit und Ungezwungenheit" bezeichnet. Su Shi war außerordentlich belesen und beherrschte viele literarische Gattungen, doch sein Verdienst bei der Entwicklung des Ci war besonders groß. Er erweiterte den Themenkreis des Ci, indem er Landschaftsbeschreibungen und historische Stätten miteinbaute. Su Shis Ci geben die Facetten des gesellschaftlichen Lebens wider. Die berühmten Ci-Dichter der anderen Gruppe waren Li Qingzhao und Liu Yong. Ihre Werke beschreiben in der Hauptsache die Gefühle der Liebe und den Schmerz der Trennung. Ihre Stilform ist fein und anmutig. Das Song-Ci und die Tang-Gedichte waren zwei wichtige literarische Gattungen. Nicht wenige sind heute noch davon überzeugt, dass das Rezitieren und auswendige Vortragen solcher Gedichte den Geist schule. Die traditionelle chinesische Vorstellung war, dass nur Gedichte und die Prosa wahre Literatur seien, der Roman hingegen "Klatsch und Tratsch". Auch Opern seien für feine Gesellschaften nicht geeignet. So erschienen Romane und Opern in China erst relativ spät. Erst zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert erlebten sie einen großen Aufschwung. Als Meisterwerke gelten die vier klassischen Romane Geschichte der Drei Reiche (Luo Guanzhong, ca. 1330 - 1400), Die Räuber vom Liangshan-Moor (Shi Naian, Ende der Yuan- und Beginn der Ming-Dynastie), Die Pilgerfahrt nach dem Westen (Wu Cheng´en, ca. 1500 - 1582) und Der Traum der Roten Kammer (Cao Xueqin, ca. 1715 - 1764).
Das Bild "Daguan" ("Garten der Großen Aussicht"), in der Qing-Dynastie nach dem Roman "Der Traum der Roten Kammer" gemalt, illustriert den Lebensstil der in dem Roman geschilderten Familie Jia.
Chinesische Kultur - Die Entwicklung der chinesischen Zivilisation
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